Diese Arbeit behandelt den Zusammenhang zwischen der Metaethik Humes und seiner politischen Philosophie. Die Metaethik Humes stellt die Voraussetzung für seine politische Philosophie dar, insofern diese bestimmte Lösungen für Probleme der politischen Philosophie nahelegt.
Der Mensch ist nach Hume in moralischer Hinsicht ein nicht zuletzt von Affekten sowie Gefühlen bestimmtes Wesen. Seine natürliche Moralität führt ihn dazu, Freunde vor Fremden zu bevorzugen und insgesamt in seinem Handeln parteiisch, also ungerecht zu verfahren. Diese natürliche Moralität steht in einem Spannungsverhältnis zu jener Moralität, die für die Wertschätzung und Ausübung der künstlichen Tugenden wie der des Rechtssinns und der Untertanen- und Vertragstreue unabdingbar ist, welche das Herzstück der politischen Philosophie Humes darstellen. Aber trotz des Spannungsverhältnisses der künstlichen Tugenden zur natürlichen Moralität der Menschen sind sie doch auf diese angewiesen. Die künstlichen Tugenden haben ihr Fundament im natürlichen Vermögen der Menschen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die metaethischen Thesen Humes
2.1 Moralische Unterscheidungen entstammen nicht der Vernunft
2.2 Moralische Unterscheidungen entspringen einem moralischen Sinn
3. Der Zusammenhang zwischen der Humeschen Metaethik und der politischen Philosophie Humes
3.1 Humes Metaethik als Voraussetzung für die künstliche Tugend des Rechtssinns
3.1.1 Der Standpunkt des unbeteiligten Betrachters als Voraussetzung für die Entstehung und Existenz der künstlichen Tugend des Rechtssinns
3.1.2 Der moralische Sinn als Fundament der künstlichen Tugend des Rechtssinns
4. Die künstlichen Tugenden und die Verbindung zur Humeschen Metaethik
4.1 Der Rechtssinn
4.1.1 Der Rechtssinn und das Trittbrettfahrerproblem („free-rider-problem“)
4.1.2 Der Rechtssinn und dessen Verbindung zum moralischen Sinn
4.1.3 Die Regeln der Rechtsordnung und der moralische Sinn
4.2 Die Tugend der Vertragstreue („fidelity“)
4.3 Die Untertanentreue („allegiance“)
4.4 Der Zusammenhang zwischen der Humeschen Metaethik und der Ablehnung der Vertragstheorie durch Hume
5. Zusammenfassung
Zielsetzung & Forschungsthemen
Diese wissenschaftliche Hausarbeit untersucht den engen Zusammenhang zwischen der Metaethik David Humes und seiner politischen Philosophie. Das zentrale Ziel ist es aufzuzeigen, wie Humes metaethische Bestimmungen – insbesondere die Konzeption des unbeteiligten Betrachters und des moralischen Sinns – als notwendiges Fundament für seine politische Theorie dienen, insbesondere in Bezug auf die Entstehung und Rechtfertigung der künstlichen Tugenden.
- Analyse der metaethischen Grundthesen Humes zur Vernunft und zum moralischen Sinn.
- Untersuchung des Zusammenhangs zwischen metaethischen Prinzipien und politischer Philosophie.
- Erörterung der künstlichen Tugenden (Rechtssinn, Vertragstreue, Untertanentreue) als Kernstücke der Humeschen Politik.
- Kritische Auseinandersetzung mit der Ablehnung der Vertragstheorie durch Hume.
- Bedeutung des unbeteiligten Betrachters für die Konstitution moralischer Urteile in der Gesellschaft.
Auszug aus dem Buch
Die metaethischen Thesen Humes
Im ersten Teil seiner metaethischen Abhandlung vertritt Hume die negative These, die moralischen Unterscheidungen entstammten nicht der Vernunft. Um diese zu stützen, bezieht er sich auf das Arbeitsgebiet der Vernunft, das sich ihm zufolge auf das Vergleichen von Vorstellungen und das Schließen aus Tatsachen erstreckt.
Die etischen Rationalisten, gegen die Hume sich hier wendet, behaupten nämlich, dass das Wesen der Moralität in der Übereinstimmung bzw. Nichtübereinstimmung mit der Vernunft liegt. Daraus folgern sie, das Wesen der Moralität bestünde in den vier philosophischen Beziehungen, die der Demonstration fähig sind. Das Wesen der Moralität bestünde allein in Tatsachen, die ausschließlich durch die Tätigkeit der Vernunft erkannt werden könnten.
Humes Hauptargument gegen die These, das Wesen der Moralität liege in diesen Beziehungen, lautet, diese Beziehungen gehörten genauso zur Materie wie zu den menschlichen Handlungen, Affekten und Wollungen. Bestünde das Wesen der Moralität aber tatsächlich in diesen Beziehungen, dann dürften diese nur zu den menschlichen Handlungen, Affekten und Wollungen gehören, da ja ausschließlich diese einer moralischen Bewertung unterzogen werden. Das Wesen der Moralität besteht nach Hume also in keiner der besagten Beziehungen und der Sinn der Moralität somit auch nicht in deren Entdeckung.
Dass das Wesen der Moralität aber auch nicht in Tatsachen besteht, die durch Vernunft allein entdeckt werden können, ist nach Hume dadurch zu begründen, dass man im Fall einer lasterhaften Handlung wie z. B. dem absichtlichen Mord keinen Bestandteil desselben findet (also keine Tatsache), der für sich betrachtet schon lasterhaft wäre. Daraus zieht Hume die Schlussfolgerung, dass das Wesen der Moralität auch nicht in Tatsachen besteht und somit die Unterscheidung zwischen der Tugend und dem Laster niemals Gegenstand der Vernunft allein sein kann.
Der zweite Teil der metaethischen Abhandlung Humes wird mit der These eingeleitet, die moralischen Unterscheidungen entstammten einem moralischen Sinn („moral sense“). Die moralischen Unterscheidungen sind damit Gegenstand des Gefühls und entstammten den Eindrücken („impressions“) und nicht den Vorstellungen („ideas“).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema ein, indem sie das Ziel der Arbeit beschreibt, den Zusammenhang zwischen Humes Metaethik und seiner politischen Philosophie zu untersuchen.
2. Die metaethischen Thesen Humes: Dieses Kapitel analysiert Humes negative These, dass moralische Unterscheidungen nicht der Vernunft entstammen, und begründet stattdessen die Rolle des moralischen Sinns.
3. Der Zusammenhang zwischen der Humeschen Metaethik und der politischen Philosophie Humes: Hier wird dargelegt, wie die Metaethik als theoretische Basis für die politische Philosophie dient, insbesondere durch das Konzept des unbeteiligten Betrachters.
4. Die künstlichen Tugenden und die Verbindung zur Humeschen Metaethik: Dieses Hauptkapitel verbindet die künstlichen Tugenden wie Rechtssinn, Vertragstreue und Untertanentreue mit den metaethischen Annahmen Humes und erörtert seine Ablehnung der Vertragstheorie.
5. Zusammenfassung: Das abschließende Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und hebt die Bedeutung des unbeteiligten Betrachters sowie des moralischen Sinns für die Konzeption einer öffentlichen Moral hervor.
Schlüsselwörter
David Hume, Metaethik, politische Philosophie, moralischer Sinn, unbeteiligter Betrachter, künstliche Tugenden, Rechtssinn, Vertragstreue, Untertanentreue, Sympathie, Vernunft, Moralität, Vertragstheorie, Moralische Urteile, Affekte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt den systematischen Zusammenhang zwischen der Metaethik des Philosophen David Hume und seiner politischen Philosophie.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen sind die Rolle der Vernunft versus das Gefühl bei moralischen Entscheidungen, die Definition der künstlichen Tugenden und deren Notwendigkeit für das gesellschaftliche Zusammenleben.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel besteht darin aufzuzeigen, dass Humes politische Philosophie, insbesondere seine Lehre von den künstlichen Tugenden, auf einer bestimmten metaethischen Grundlage beruht, ohne die sie nicht verständlich wäre.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer textanalytischen Untersuchung der metaethischen Abhandlungen Humes, insbesondere des "Treatise of Human Nature", sowie einer kritischen Auseinandersetzung mit Sekundärliteratur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Analyse der künstlichen Tugenden wie Rechtssinn und Vertragstreue und erklärt, warum diese für das Allgemeinwohl notwendig sind.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie moralischer Sinn, künstliche Tugenden, unbeteiligter Betrachter, Sympathie und die Ablehnung der Vertragstheorie durch Hume charakterisiert.
Warum hält Hume den Rechtssinn für eine künstliche Tugend?
Hume bezeichnet den Rechtssinn als künstlich, da es kein natürliches Motiv (wie einen angeborenen Instinkt) gibt, das den Menschen zur Einhaltung dieser Regeln bewegt; stattdessen beruht sie auf menschlichen Konventionen.
Wie lässt sich Humes Ablehnung der klassischen Vertragstheorie zusammenfassen?
Hume lehnt die Vertragstheorie ab, da er der Ansicht ist, dass die moralische Verpflichtung zur Unterwerfung unter eine Regierung nicht auf einem Versprechen oder Vertrag gründet, sondern in der allgemeinen Meinung der Menschen und deren moralischen Gefühlen wurzelt.
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- Caroline Boller (Autor:in), 2010, Zusammenhang zwischen der Metaethik David Humes und seiner politischen Philosophie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/703331