Zivilgesellschaften und Sozialkapital in europäischen Ländern


Seminararbeit, 2003
19 Seiten, Note: 2,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Fragestellung und Abgrenzung

3. Großbritannien
3.1. Geschichtliche Entwicklung
3.2 Aktuelle Situation

4. Frankreich
4.1. Geschichtliche Entwicklung
4.2. Aktuelle Situation

5. Deutschland
5.1. Geschichtliche Entwicklung
5.1.1. Situation vor
5.1.2. Situation nach
5.2. Aktuelle Situation

6. Schweden
6.1. Geschichtliche Entwicklung
6.2. Aktuelle Situation

7. Italien
7.1. Geschichtliche Entwicklung
7.2. Aktuelle Situation

8. Spanien
8.1. Geschichtliche Entwicklung
8.2. Aktuelle Situation

9. Europäischer Vergleich

10. Fazit und Ausblick

11. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das Zusammenwachsen Europas schreitet immer weiter voran und in diesem Rahmen kommen immer wieder Fragen nach den Gemeinsamkeiten und Unterschieden der einzelnen europäischen Staaten auf. Ebenso in der Frage des Sozialkapitals. Nach der Neo-Tocqueville’schen Auffassung ist bürgerschaftliches Engagement und Teilhabe an der Öffentlichkeit die Grundlage eines funktionierenden demokratischen Gemeinwesens.[1] Somit ist es auch ein wichtiger Faktor im Rahmen der immer enger werdenden Verbindung zwischen den europäischen Demokratien. Wie haben sich in den einzelnen Ländern Europas die Zivilgesellschaften entwickelt? Sind die Länder in Europa alle auf dem gleichen Niveau des Sozialkapitals? Welche Unterschiede gibt es in den Vereinslandschaften der einzelnen Länder? Und welches sind die Ursachen für die Unterschiede?

Diesen Fragestellungen soll in der folgenden Arbeit nachgegangen werden. Die Länder Deutschland, Frankreich, Italien, Großbritannien, Spanien und Schweden stehen hierbei im Mittelpunkt.

Nach einer Abgrenzung der Begriffe Zivilgesellschaft und Sozialkapital wird die Entwicklung der Zivilgesellschaften in jedem Land und die aktuelle Situation beschrieben. Es wird hierbei vor allem untersucht werden, wie stark das Engagement der Bürger in Vereinigungen war und ist, welche Arten von Vereinigungen im Mittelpunkt des Interesses standen und welche politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen eventuell eine Rolle spielten. Hier sollen die wichtigsten Charakteristika ausgearbeitet werden, welche zur jetzigen Situation geführt haben.

Anschließend wird das aktuelle Niveau des Sozialkapitals in den einzelnen Ländern anhand der Charakteristika verglichen und Gründe für die Unterschiede festgestellt.

Den Abschluss bildet ein Ausblick auf die Entwicklung eines gesamt-europäischen Sozialkapitals.

2. Fragestellung und Abgrenzung

Zivilgesellschaften und Sozialkapital. Wie hängen diese zwei Begriffe zusammen?

Unter Zivilgesellschaften versteht man alle Arten von bürgerlichen Vereinigungen. Zivile Gesellschaften, also bürgerliche Vereinigungen, sind sowohl reine Freizeit- und Sportvereine, als auch Gewerkschaften, soziale Vereinigungen oder politische Parteien. Kennzeichnend für Zivilgesellschaften ist die ehrenamtliche Tätigkeit, das bürgerliche Engagement. Nur durch das Ehrenamt von den Bürgern können die Vereinigungen ihren eigentlichen Zweck erfüllen. Ziel ist die Versammlung von Bürgern und die Verfolgung gemeinsamer Interessen in der Gruppe.

Sozialkapital besteht nun zu einem Teil aus dem zivilgesellschaftlichen Engagement. Zivilgesellschaften stellen aber nur einen Faktor des Sozialkapitals dar. Neben der Gruppenaktivität und dem Engagement in zivilgesellschaftlichen Vereinigungen wirken auch das Vertrauen zu Mitbürgern und Staat und informelle Netzwerke wie Familien und Freundeskreise verstärkend auf das Sozialkapital. Es umfasst damit den Bestand an sämtlichen sozialen Beziehungen und Faktoren in einem Land. Somit kann ein Staat trotz geringer Vereinsaktivität einen hohen Stand an Sozialkapital erreichen.

Ausgehend von der Diskussion über das Social Capital in den USA wandten sich viele Autoren schließlich auch den Demokratien in Europa zu und untersuchten das Sozialkapital in den unterschiedlichen Ländern. Nach eingehendem Studium der Literatur lassen sich folgende Hypothesen aufstellen:

- Die Ausbildung von Zivilgesellschaften hängt mit dem Alter der Demokratie zusammen. Da sich die Demokratien in Europa sehr unterschiedlich entwickelt haben, in den nordeuropäischen Staaten als erstes und in den südeuropäischen Staaten als letztes, kann man auch in der Vereinslandschaft ein Nord-Süd-Gefälle erwarten.
- In der Betrachtung des Sozialkapitals werden allerdings noch andere Faktoren betrachtet, die das Gefälle wiederum ausgleichen können, da Südeuropäer allgemein als stärker familiengebunden gelten.
- Schon in den USA wurde eine negative Entwicklung der Zivilgesellschaften festgestellt. Aufgrund der ähnlichen gesellschaftlichen Entwicklung in den USA und in Europa, kann man auch für alle europäischen Länder einen Rückgang Vereinslandschaft annehmen.
- Mit dem Rückgang der Bedeutung von Zivilgesellschaften muss aber nicht automatisch ein Rückgang des Sozialkapitals einhergehen. Eher kann man durch die individualistische Entwicklung der Gesellschaft erwarten, dass anderen Faktoren wie informellen Netzwerke eine immer größer werdende Bedeutung innerhalb des Sozialkapitals zukommt, während die Vereinigungen immer mehr an Bedeutung verlieren.

Diese Thesen sollen nun anhand des Vergleichs der sechs europäischen Staaten belegt werden.

3. Großbritannien

Großbritannien ist im europäischen Vergleich eine der ältesten Demokratien und ging auch im Vereinswesen seinen europäischen Kollegen lange Zeit mit gutem Beispiel voran. Es galt lange Zeit als das Land in Europa mit einem der dichtesten Netzwerke bürgergesellschaftlicher Vereinigungen. Doch in den letzten Jahrzehnten stellten sich einige Veränderungen ein.

3.1. Geschichtliche Entwicklung

Schon im 19. Jahrhundert blühten in Großbritannien die bürgergesellschaftlichen Vereinigungen, während andere Länder noch im vollen Kampf mit Revolution und neuen Regierungsformen waren. Durch die dauerhaft recht stabile interne politische Situation konnte sich in Großbritannien dagegen schon früh ein guter Bestand an Sozialkapital entwickeln. Auch in die Nachkriegszeit startete der Inselstaat mit einem hohen Sozialkapitalniveau und bei einem Vergleich von Staaten mit gut entwickeltem sozialen Vertrauen, vielen zivilen Organisationen und einem hohen politischen Engagement in den 1960ern konnte Großbritannien die „beste bürgergesellschaftliche Kultur“ neben den USA nachgewiesen werden[2].

Die Vereinslandschaft in Großbritannien entwickelte sich nicht nur sehr früh, sondern war auch schon von Anfang an sehr vielfältig. Gewerkschaften, wohltätige Gesellschaften und Komitees für sämtliche Zwecke waren vorhanden.

Somit waren die Briten schon früh in ein vielfältiges Vereinsleben eingebunden. Auch das ehrenamtliche Engagement in den Vereinigungen war bei den Briten sehr verbreitet. Gründe für das stetige Niveau an Sozialkapital und Engagement sind sicher die Bemühungen der Regierung, einem Verlust von Sozialkapital vorzubeugen. Zum einen wurde zwischen 1950 und 1990 das Bildungssystem radikal transformiert und somit das Bildungsniveau in Großbritannien dauerhaft erhöht. Da höhere Bildung zu einem größeren Engagement in Vereinigungen führt, lässt sich hier eine enge Verbindung zum Sozialkapital herstellen. Die britische Regierung stützt sich außerdem bis heute bei der Umsetzung ihrer Sozialprogramme in außerordentlich starkem Maß auf die Mitarbeit von lokalen Ehrenamtlichen, was das bürgerliche Engagement stark fördert, da man als Ehrenamtlicher Einfluss auf die Sozialpolitik ausüben kann. Dank dieser Förderung seitens der Regierung ist das bürgerliche Engagement konstant hoch geblieben.

3.2 Aktuelle Situation

Trotz der schon frühen Ausbildung von bürgergesellschaftlichen Vereinigungen hat Großbritannien seine Vorreiterposition in Europa nicht halten können. Im europäischen Vergleich der Mitgliederzahlen finden sich die Briten heute eher auf den unteren Rängen ein. In der Untersuchung von 1999/2000 geben nur 33,6% der Briten an, Mitglied in mindestens einem Verein zu sein, während das europäische Mittel bei 50,6% liegt. Auf der anderen Seite sind 42,3% der Briten ehrenamtlich tätig, was unter den europäischen Staaten ein sehr hohes Engagement darstellt[3]. Man muss hier allerdings die zwei Werte der Mitgliedschaft und der Ehrenamtlichkeit in Frage stellen, da alle ehrenamtlich Tätigen ja mindestens in dem Verein Mitglied sind, in dem sie das Ehrenamt tragen und somit die Zahl der Mitgliedschaften nach oben oder die Zahl der ehrenamtlich Tätigen nach unten korrigiert werden müsste. Dennoch wäre die Zahl der Ehrenamtlichen im Verhältnis zur Mitgliedschaft sehr hoch. Und hier kann zum Vergleich noch eine weitere Zahl benannt werden: 1991 waren 50% der Briten Mitglied in mindestens einem Verein und auch die soziokulturelle Beteiligung in Großbritannien wird als sehr hoch eingeschätzt[4].

[...]


[1] Vgl. Anheier/Töpler (2002) S. 31

[2] vgl. Hall (2001), S.46

[3] vgl. Anheier/Toepler, S.33

[4] vgl. Gabriel/Kunz/Roßteutscher/van Deth (2002), S.47ff

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Zivilgesellschaften und Sozialkapital in europäischen Ländern
Hochschule
Universität Hohenheim  (Institut für Sozialwissenschaften, Fachgebiet Kommunikationswissenschaften)
Veranstaltung
Seminar Demokratie und Kommunikation in der Zivilgesellschaft
Note
2,7
Autor
Jahr
2003
Seiten
19
Katalognummer
V70337
ISBN (eBook)
9783638627788
Dateigröße
447 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Zivilgesellschaften, Sozialkapital, Ländern, Seminar, Demokratie, Kommunikation, Zivilgesellschaft
Arbeit zitieren
Julia Völker (Autor), 2003, Zivilgesellschaften und Sozialkapital in europäischen Ländern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/70337

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