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Zum Problem der Interpretierbarkeit von Filmen

Dargestellt an ausgewählten Filmen von David Lynch

Title: Zum Problem der Interpretierbarkeit von Filmen

Examination Thesis , 2005 , 133 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Marcel Riedel (Author)

Speech Science / Linguistics
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Die Filme von David Lynch lassen sich als eine „Erzeugung seltsamer Welten, verstörender Stimmungen und bizarrer Bilder“ beschreiben, die wenig mit linearen und leicht verständlichen Erzählungen gemein haben. Sie scheinen sich in ihrer assoziativen und „unlogischen“ Erzählweise eher an der Wirkungsweise von Träumen und als an klassischen Filmerzählungen des kommerziellen Mainstreams zu orientieren und sind doch Hollywoodproduktionen, die sich einer breiten Fan-Gemeinde erfreuen.
Besonders auffällig sind die polarisierten Reaktionen seitens der Kritiker, die nicht selten unsachlich und emotional ausfallen: Ortwin Thal beispielsweise bewertet den Film Blue Velvet als „Kunstgewerbe“, dessen Ende „einem Tollhaus“ gleiche. Alles gerate zu „einem Spiel mit ästhetischer Raffinesse und durch diese verspielte Unverbindlichkeit“ werde Lynchs Werk „vollends unerträglich“. Der Rezensent Hans Günther Pflaum bewertet Lynch gar als „Effekthascher“, der nichts anderes zeige als „sexuelle Abartigkeiten, zudem Drogen, Gewalt und Psychopathen“ und „wohl kaum über Banalitäten hinaus“ gelange. Vor allem die schonungslose und explizite Darstellung von Sex und Gewalt scheint ein mögliches Hindernis darzustellen, sich auf die Geschichten David Lynchs überhaupt einzulassen. Andere enthusiastische Stimmen stehen diesen Kritiken diametral entgegen, loben Lynch als aufregendsten und innovativsten Regisseur seiner Zeit und seine Werke als atemberaubende Meilensteine der amerikanischen Filmgeschichte.
Die Beurteilungen der Filme stehen einander folglich polar gegenüber, und es liegen unzählige Interpretationsansätze vor – wodurch die Forschung zu Lynchs Filmen der zu Kafkas Romanen und Erzählungen ähnelt -, wobei zu gelten scheint: Jeder scheint möglich, keiner der „richtige“ zu sein. Bereits Blue Velvet wird von dem Filmkritiker Corrigan als ein typischer Vertreter „unlesbarer Filme“ klassifiziert. Einige Kritiker gehen in ihrer Rezension von Mulholland Drive so weit, dass sie dem Zuschauer resignierend empfehlen, „ihn sich am besten als bloßen Traum“ zu erklären, um zu einer „schlüssig ‚vernünftigen‛ Interpretation“9 zu gelangen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Mulholland Drive

2.1 David Lynch: Von der Malerei zum Film

2.2 Hintergrundinformationen zu Mulholland Drive

2.3 Zum Inhalt

2.4 Die Dramaturgie

2.5 Von der Erzählweise zur Form

2.5.1 Part A

2.5.2 Part B

2.6 Versuch einer Genrezuweisung: Von der Erzählstruktur zum Erzählmuster

2.6.1 Eine Detektivgeschichte

2.6.2 Eine tragische Liebesgeschichte

2.6.3 Der Horrorfilm

2.6.4 Eine Hollywoodsatire

2.6.5 Die Gangstersatire

2.7 Vom Genre zu den Filmzitaten

2.8 Die Unbestimmtheit der Figuren

2.8.1. Frauenfiguren

2.8.2 Adam Kesher

2.9 Das Spiel mit der Wahrnehmung

2.9.1 Doppelungen und Spiegelungen

2.9.2 Das Motiv des Playbacks

2.9.3 Elemente des Phantastischen und komisch-böse Figuren

2.10 Die Vermengung von Sex und Gewalt

2.11 Die Symbole

2.12 Das Unheimliche

2.13 Franz Kafka und David Lynch

3. Traumhaftes Erzählen

3.1 „Traumhaftes Erzählen“ in Blue Velvet

3.1.1 Wie wird erzählt

3.1.2 Was wird erzählt

3.1.3 Traumelemente und das Verschwimmen der Erzählebenen

3.1.4 Auflösung der Raum-Zeit-Struktur

3.1.5 Die Unbestimmtheit der Figuren

3.2 „Traumhaftes Erzählen” in Twin Peaks: Fire Walk with Me

3.2.1 Wie wird erzählt

3.2.2 Was wird erzählt

3.2.3 Die Auflösung von Raum und Zeit

3.2.4 Die Symbole

3.2.5 Die Unbestimmtheit der Figuren

3.2.6 Vermengung von Humor und Horror

3.3 „Traumhaftes Erzählen“ in Lost Highway

3.3.1 Wie wird erzählt

3.3.2 Was wird erzählt

3.3.3 Die Auflösung von Raum und Zeit

3.3.4 Die Unbestimmtheit der Figuren und die Frage des Genres

3.3.5 Sexualität, Misstrauen und Verbrechen

4. Schlusswort

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das „Problem der Interpretierbarkeit“ anhand ausgewählter Filme von David Lynch. Ziel ist es, die spezifische Form des Lynch'schen Films durch eine detaillierte Analyse von Mulholland Drive zu strukturieren, ein Kategoriensystem zu entwickeln und dieses anschließend auf weitere Werke wie Blue Velvet, Twin Peaks: Fire Walk with Me und Lost Highway anzuwenden, um die Herausforderungen bei der Deutung dieser komplexen Filme phänomenologisch zu durchdringen.

  • Phänomenologische Interpretation von Lynch-Filmen
  • Erarbeitung eines Kategoriensystems zur Filmanalyse
  • Untersuchung von Erzählstruktur und Erzählmuster
  • Phänomen der Unbestimmtheit und subjektiven Wahrnehmung
  • Vergleichende Analyse filmischer Gattungen und Stilmittel

Auszug aus dem Buch

2.4 Die Dramaturgie

Die Struktur des Films ist schwer beschreibbar, da es sich hier um eine Art hybride und paradoxe Form handelt: Der Rezipient macht zunächst mehrere Erzählstränge aus, die teilweise linear, zum Teil nichtlinear und aus verschiedenen Erzählperspektiven mittels unterschiedlicher Montagetechniken erzählt werden. Die Erkenntnisse über Figuren und Geschehen werden allerdings im Verlauf der Handlung in Frage gestellt und bisweilen geradezu in ihr Gegenteil verkehrt. Es gibt jedoch ein Indiz, anhand dessen sich das komplexe Geflecht in fünf Abschnitte unterteilen lässt; dabei handelt es sich um den Identitätswechsel der beiden Protagonistinnen, den man vordergründig als Wendepunkt der Geschichte bezeichnen kann.

Aufgrund des Wechsels kann man - der Inhaltsangabe als „Roten Faden“ folgend - eine Dramaturgie der Filmhandlung analog zur „Franz´sche(n) Pyramide“ konstruieren, was anhand des folgenden Schemas verdeutlicht werden soll:

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die polarisierten Reaktionen auf David Lynchs Filme und setzt sich mit seinem eigenen Verständnis von Filmemachen als irrationale Methode auseinander, um das „Problem der Interpretierbarkeit“ als Untersuchungsgegenstand zu definieren.

2. Mulholland Drive: Dieses Kapitel liefert eine detaillierte Analyse des Kinofilms, indem es Dramaturgie, Erzählweise, Genrezuweisungen, die Unbestimmtheit der Figuren und visuelle Symbole untersucht, um ein Kategoriensystem für Lynchs Filmschaffen abzuleiten.

3. Traumhaftes Erzählen: Der Vergleich der Merkmale des „traumhaften Erzählens“ wird auf die Filme Blue Velvet, Twin Peaks: Fire Walk with Me und Lost Highway übertragen, um zu prüfen, ob die Schwierigkeiten bei der Interpretation auf dieses Erzählprinzip zurückzuführen sind.

4. Schlusswort: Das Schlusswort resümiert, dass Lynchs Filme durch eine Fülle von Leerstellen und irreführende „falsche Fährten“ jede objektive Interpretation verweigern, wodurch der Zuschauer selbst als Mitproduzent von Sinn gefordert ist.

Schlüsselwörter

David Lynch, Mulholland Drive, Filmtheorie, Interpretierbarkeit, Traumhaftes Erzählen, Erzählstruktur, Phänomenologie, Unbestimmtheit, Doppelung, Spiegelung, Genrezuweisung, Film Noir, McGuffin, Unheimliche, Filmanalyse

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht das „Problem der Interpretierbarkeit“ bei Filmen von David Lynch, indem sie versucht, die komplexen, nichtlinearen Erzählstrukturen des Regisseurs methodisch zu erfassen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Im Zentrum stehen die Struktur des „traumhaften Erzählens“, die Vermischung von Genres, das Spiel mit der Wahrnehmung des Zuschauers sowie die Rolle von Symbolen und die Unbestimmtheit der Figuren.

Was ist die primäre Forschungsfrage?

Die Arbeit geht der Frage nach, wie sich das „Problem der Interpretierbarkeit“ in Lynchs Filmen darstellt und ob dieses Problem durch das Modell des „traumhaften Erzählens“ als strukturelles Merkmal erklärt werden kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird ein phänomenologischer Ansatz gewählt, der durch die Anwendung narratologischer Modelle und genretheoretischer Begriffe eine detaillierte Analyse von Lynchs Werken ermöglicht.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine intensive Filmanalyse von Mulholland Drive sowie einen vergleichenden Teil, der diese Erkenntnisse auf Blue Velvet, Twin Peaks: Fire Walk with Me und Lost Highway überträgt.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?

Wesentliche Begriffe sind unter anderem „traumhaftes Erzählen“, „Vieldeutigkeit“, „Unbestimmtheit“, „McGuffin“ und „Film Noir“, die zusammen das filmische Universum Lynchs beschreiben.

Welche Rolle spielt das Motiv der „Möbius-Schleife“ in der Analyse?

Das Modell der Möbius-Schleife dient als zentrales Hilfsmittel, um die komplexe, ineinander verwobene und zirkuläre Erzählstruktur in Lynchs Filmen zu veranschaulichen, bei der Anfang und Ende miteinander verschmelzen.

Wie bewertet der Autor Lynchs eigene Aussagen zu seinen Filmen?

Der Autor versteht Lynchs Aussagen nicht als „objektives“ Maß für die Deutung, sondern erkennt den Regisseur als einen – wenn auch maßgeblichen – Interpreten seines eigenen, vieldeutigen Werks an.

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Details

Title
Zum Problem der Interpretierbarkeit von Filmen
Subtitle
Dargestellt an ausgewählten Filmen von David Lynch
College
University of Wuppertal
Grade
1,0
Author
Marcel Riedel (Author)
Publication Year
2005
Pages
133
Catalog Number
V70353
ISBN (eBook)
9783638615679
ISBN (Book)
9783638680745
Language
German
Tags
Problem Interpretierbarkeit Filmen David Lynch
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Marcel Riedel (Author), 2005, Zum Problem der Interpretierbarkeit von Filmen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/70353
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