Die Arbeit untersucht die Erzählstruktur im Film "Cloud Atlas". "Cloud Atlas" ist ein Puzzle-Plot Film und Mind-Game Film, der das fragmentarische Erzählen für seine Thematik, das Verbunden-Sein über die Zeit hinweg, nutzt. Bruchstellen, die dabei entstehen, verwendet "Cloud Atlas", um den Rezipienten anzuregen, eine gemeinsame Geschichte aus den verschiedenen Handlungssträngen zu synthetisieren.
Obwohl verschiedene Orientierungshilfen wie beispielsweise Wechsel-Bilder den Erzählfluss zugunsten des Verständnisses unterbrechen, gibt es eine Vielzahl von Verbindungsstrukturen, die den Zuschauer durch den Film leiten und diese Brüche kompensieren. Dazu gehören verschiedenen Konstruktionen, die unter anderem mithilfe der lyrischen Begriffe Symbol, Anadiplose, Analogie und Anapher beschreibbar gemacht werden können. Der Einsatz der parallelen Montage stellt ebenfalls den Zusammenhalt zwischen den Handlungssträngen her.
Dass die Handlungsstränge nicht einzeln, sondern gemeinsam als Geschichte betrachtet werden sollen, ergibt sich aus drei Kompositionen im Film, in denen eine Erzählstimme mehrere Fragmente verbindet und ihnen dabei zugleich eine sekundäre Semiotisierung auferlegt. Ausgewählte Übergänge der Sequenzen und Kristallbilder thematisieren die Unzertrennlichkeit von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. So wird der Gedanke der zeitlichen Verbundenheit filmästhetisch umgesetzt. Verbindungsmechanismen trennen und verknüpfen die Handlungsstränge zugleich, ähnlich wie die Bruchlinien eines Mosaiks.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Beschreibung des narrativen Experiments
2.1. Die Story
2.2. Plot und Stil
2.2.1. Zeitstruktur und Chronologie
2.2.2. Schauspielereinsatz
2.2.3. Episoden- und Mind-Game Film
3. Das Filmische Mosaik
3.1. Verbindungsmethoden der Fragmente
3.2. Das Zusammenwirken von Narrativ und Narration
4. Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das narrative Experiment des Films "Cloud Atlas" hinsichtlich seiner fragmentarischen Erzählstruktur. Das primäre Ziel ist es, die Methodik des episodischen Erzählens zu entschlüsseln, um das Zusammenspiel von Narrativ und Narration sowie deren Wirkung auf den Zuschauer zu analysieren und zu zeigen, dass die Anordnung der Fragmente den Zuschauer dazu anreizt, eine übergeordnete Geschichte zu bilden.
- Analyse der fragmentarischen Erzählstruktur und ihrer erzähltheoretischen Eigenschaften.
- Untersuchung von Kontinuitätsmitteln innerhalb eines nicht-linearen, episodischen Aufbaus.
- Einsatz der Mosaik-Metapher zur Beschreibung der komplexen Erzählkonstruktion.
- Untersuchung der Rolle von Schauspielern und Musik als verbindende Elemente zwischen den Zeitebenen.
- Einordnung des Films in die Kategorien "Puzzle-Plot" und "Mind-Game Film".
Auszug aus dem Buch
3.1. Verbindungsmethoden der Fragmente
Dem episodischen Erzählen eigen ist eine häufige Blickverlagerung auf verschiedene Ereignisse und Hauptfiguren, was in CLOUD ATLAS mit der Verwendung verschiedener Erzählinstanzen und Fokalisierungen einhergeht. Dadurch »entstehen unzählige narrative ›Bruchstellen‹, die das Nachvollziehen einer kontinuierlichen Handlungsentwicklung für den Zuschauer in der Regel erschweren oder bewusst unmöglich machen.«33 Gerade diese Bruchstellen nutzt CLOUD ATLAS aber, um die Wahrnehmung des Zuschauers zu lenken und das Synthetisieren der Handlungsstränge zu einer übergeordneten Geschichte zu forcieren.
Das Nachvollziehen der Handlung wird durch die elliptische Erzählweise erschwert, da die erzählten Zeiten der verschiedenen Handlungsstränge unterschiedlich lang sind. Während Luisas Kriminalfall auf wenige Tage beschränkt ist, handelt es sich beispielsweise bei Adam um eine Reise von mehreren Wochen. Die fortschreitende Zeit lässt sich im Verlauf von Adams Krankheit erkennen, wenngleich der Film nicht jeden seiner Reisetage zeigt. Dahingegen ist Luisas Geschichte mit nur wenigen Ellipsen beinahe lückenlos dargestellt. Um ihrem Kriminalfall folgen zu können, muss der Zuschauer trotzdem eine starke Gedächtnisleistung aufbringen, da das fragmentarische Erzählen kurzzeitig die Kette von Ursache und Wirkung kappt, der Handlungsverlauf damit verzögert und der Zuschauer zum Warten und Erinnern verurteilt wird.34 Dem Gedächtnis des Zuschauers wird aber immer wieder auf die Sprünge geholfen, indem beispielsweise ein Fragment eines Handlungsstrangs so anfängt, wie das zu ihm gehörige, vorhergehende Fragment aufgehört hat: Als Zachry gegen Meronym sein Messer zieht, ist dieses im nachfolgenden Fragment von Zachrys Erzählung das erste Objekt, das der Zuschauer erkennt.35
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die fragmentarische Struktur von "Cloud Atlas" ein und stellt die Forschungsfrage, wie der Film trotz dieser Episodenhaftigkeit Kontinuität erzeugt.
2. Beschreibung des narrativen Experiments: Dieses Kapitel definiert die grundlegende Handlung des Films und analysiert die zeitlichen Strukturen, den Einsatz der Schauspieler sowie die Einordnung des Films als Episoden- und Mind-Game-Werk.
3. Das Filmische Mosaik: Hier werden die spezifischen Techniken untersucht, mit denen die Fragmente verknüpft werden, sowie das Zusammenspiel zwischen dem Narrativ (Story) und der Narration (Plot/Stil).
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass die Mosaik-Metapher die Erzählkonstruktion passend beschreibt, wobei die Verbindungsstrukturen den Zuschauer leiten und synthetisierend wirken.
Schlüsselwörter
Cloud Atlas, Erzählstruktur, fragmentarisches Erzählen, Puzzle-Plot, Mind-Game Film, Narration, Narrativ, Reinkarnation, Montage, Montage-Technik, Sound Bridges, Zeitstruktur, filmästhetische Analyse, Zuschauerführung, Mosaik-Metapher.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die spezifische Erzählstruktur des Films "Cloud Atlas", der durch ein fragmentarisches, episodisches Konzept besticht.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die filmischen Mittel zur Überbrückung der fragmentarischen Handlung, die Analyse von Zeitstrukturen und das Zusammenspiel von Narrativ und Narration.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit fragt, wie der Film trotz fragmentarischer Erzählweise beim Zuschauer ein Gefühl von Kontinuität erzeugt und welche narrativen Techniken dies ermöglichen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewendet?
Es wird eine filmwissenschaftliche Analyse durchgeführt, wobei insbesondere Bordwells Unterscheidung von Story, Plot und Stil sowie Begriffe der Erzähltheorie (z. B. Montage, Prolepse) genutzt werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Beschreibung der narrativen Anlage sowie die detaillierte Analyse der Verbindungsmethoden (visuell und akustisch) zwischen den verschiedenen Zeitebenen und Handlungssträngen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind unter anderem Puzzle-Plot, Mind-Game Film, fragmentarisches Erzählen und die Mosaik-Metapher.
Inwiefern spielt der Schauspielereinsatz eine Rolle für die Narration?
Die Besetzung derselben Schauspieler für unterschiedliche Rollen über verschiedene Epochen hinweg dient als visuelles Bindeglied, das den Reinkarnationsgedanken des Films unterstreicht.
Was besagt die Mosaik-Metapher in diesem Kontext?
Das Mosaik dient als Metapher dafür, dass der Film aus vielen Bruchstücken besteht, die der Zuschauer mental zu einer übergeordneten, zusammenhängenden Geschichte synthetisieren muss.
- Arbeit zitieren
- Jennifer Münster (Autor:in), 2017, Das Mosaik als Erzählstruktur im Film "Cloud Atlas". Plot, Stil sowie Verbindungsmethoden der Fragmente, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/704089