In unserer Gesellschaft spielt die Zugehörigkeit zu einem Geschlecht eine große Rolle. Kinder werden in ein kulturelles System der Zweigeschlechtlichkeit hineingeboren und müssen sich einem Geschlecht zuordnen. Das System der Zweigeschlechtlichkeit wird aber den Kindern und Jugendlichen nicht nur von außen aufgezwungen, es wird von ihnen selbst auch im Verlauf der Entwicklung übernommen und in sozialen Interaktionen aktiv reproduziert. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit solchen Fragen wie: Worin unterscheiden sich Frauen und Männer wirklich? Wie entstehen die Geschlechtsunterschiede? Welche Rolle spielen dabei die Erziehung und soziales Umfeld? Die Antworten auf diese Fragen sind primär in der geschlechtsspezifischen Sozialisationsforschung zu suchen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Begriffserklärung: Sozialisation
2. Das kulturelle System der Zweigeschlechtlichkeit
3. Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Geschlechter
3.1 Sozialverhalten
3.2 Kognitive Fähigkeiten
4. Einfluss und Auswirkungen von Sozialisationsinstanzen
4.1 Familie
4.2 Öffentliche Einrichtungen
4.3 Peers
4.4 Medien
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die geschlechtsspezifische Sozialisationsforschung, um zu klären, wie Geschlechtsunterschiede entstehen und welche Rolle dabei gesellschaftliche Erwartungen, Erziehung und das soziale Umfeld spielen. Im Fokus steht die Frage, inwieweit vermeintlich natürliche Geschlechtsunterschiede tatsächlich auf Sozialisationsprozesse in verschiedenen Lebensbereichen zurückzuführen sind.
- Grundlagen der Sozialisationsforschung in der Frauenforschung
- Das kulturelle System der Zweigeschlechtlichkeit
- Geschlechtsspezifische Unterschiede im Sozialverhalten und kognitiven Leistungen
- Die prägende Wirkung von Familie, Schule, Peers und Medien
- Reproduktion von Geschlechterstereotypen durch gesellschaftliche Normen
Auszug aus dem Buch
3.1 Sozialverhalten
Das Hauptinteresse der Erforschung von Geschlechtsunterschieden stellt das Sozialverhalten dar. Das Sozialverhalten wird im Folgenden an den Punkten Motorik und Aktivitätsniveau, Gehorsam, Furcht und Angst, Dominanz sowie Aggressivität festgemacht.
„Hinsichtlich der Motorik und des Aktivitätsniveaus ist die Meinung verbreitet, dass männliche Kinder aktiver sind: eher die Grobmotorik in Bewegung setzen, sich mit mehr Energie und weiter ausgreifend bewegen.“ Doch die meisten Untersuchungen stellen bis zum Alter von sechs Jahren keine Unterschiede fest. Erst bei Kindern im Schulalter lassen sich die Geschlechtsunterschiede nachweisen. Wobei die Daten dieser Studien auf Einschätzungen von Lehrer/innen beruhen, und eine Wahrnehmungsverzerrung nicht auszuschließen ist.
Es wird beobachtet, dass im Schulalter Jungen eher von der Grobmotorik Gebrauch machen, und Mädchen eher und geschickter von der Feinmotorik. Diese Beobachtungen stellen aber keinen Beweis für unterschiedliche Fähigkeiten dar, sondern sind Ergebnisse von Übungen verschiedener Aktivitäten, die je nach Geschlecht unterschiedlich angeboten werden.
Der Gehorsam gegenüber Erwachsenen ist neben dem Geschlecht vor allem vom Alter abhängig. So zeigen Kinder unter zwei Jahren und ältere Kinder keine Unterschiede. Nur bei Mädchen im Alter von zwei bis fünf Jahren wird eine größere Bereitschaft beobachtet, Anweisungen von Erwachsenen zu befolgen.
Furcht und Angst sind bei Mädchen erst ab dem achten Lebensjahr stärker anzutreffen als bei gleichaltrigen Jungen. Dies wird allerdings darauf zurückgeführt, dass Mädchen eher als Jungen bereit sind, Ängste einzugestehen.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der Geschlechtsstereotype ein und stellt den theoretischen Rahmen der geschlechtsspezifischen Sozialisationsforschung sowie die Zielsetzung der Arbeit dar.
1. Begriffserklärung: Sozialisation: Dieses Kapitel erläutert die Bedeutungserweiterung des Sozialisationsbegriffs von einem passiven Geformtwerden zu einem aktiven, lebenslangen Prozess der Selbstformung im gesellschaftlichen Kontext.
2. Das kulturelle System der Zweigeschlechtlichkeit: Hier wird analysiert, wie das binäre Geschlechtssystem als soziale Strukturkategorie die Wirklichkeit organisiert und von Kindern aktiv angeeignet werden muss.
3. Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Geschlechter: Das Kapitel betrachtet kritisch den Forschungsstand zu geschlechtstypischen Differenzen, wobei die Bandbreite der Variationen innerhalb eines Geschlechts oft größer als zwischen den Geschlechtern ist.
3.1 Sozialverhalten: Dieser Abschnitt analysiert Unterschiede und Gemeinsamkeiten in Bereichen wie Motorik, Gehorsam, Ängsten, Dominanz und Aggression.
3.2 Kognitive Fähigkeiten: Hier wird untersucht, ob sich Geschlechtsunterschiede in sprachlichen, mathematischen und visuell-räumlichen Leistungen nachweisen lassen.
4. Einfluss und Auswirkungen von Sozialisationsinstanzen: Dieses Kapitel erörtert, wie verschiedene soziale Instanzen zur Entwicklung von Sozialcharakteren beitragen.
4.1 Familie: Es wird die Rolle der Eltern beleuchtet, wobei Mütter als Hauptträger der primären Sozialisation und Väter als Verstärker geschlechtsspezifischer Erwartungen identifiziert werden.
4.2 Öffentliche Einrichtungen: Hier wird der Einfluss von Kindergarten und Schule auf die Verstärkung von Geschlechterklischees durch Lehrpersonen und Unterrichtsmaterialien untersucht.
4.3 Peers: Dieser Abschnitt beschreibt, wie Kinder durch Gleichaltrige in ihrer Geschlechtsidentität bestärkt werden und welche Interaktionsstile sich in Mädchen- bzw. Jungengruppen bilden.
4.4 Medien: Es wird analysiert, wie Medien und Schulbücher durch die Darstellung von Frauen und Männern aktiv zur Reproduktion traditioneller Geschlechterrollen beitragen.
Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass geschlechtstypisches Verhalten kein natürliches Phänomen ist, sondern in primären und sekundären Sozialisationsinstanzen vermittelt und durch gesellschaftlichen Anpassungsdruck gefestigt wird.
Schlüsselwörter
Sozialisation, geschlechtsspezifische Sozialisation, Zweigeschlechtlichkeit, Geschlechtsidentität, Sozialcharakter, Geschlechtsstereotype, Familie, Sozialisationsinstanzen, kognitive Fähigkeiten, Sozialverhalten, Frauenforschung, Geschlechterrollen, Erziehung, Arbeitsteilung, Gesellschaftsnormen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie und warum Kinder im Prozess ihrer Sozialisation geschlechtstypische Verhaltensweisen erlernen und welche Rolle die Gesellschaft dabei spielt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das kulturelle System der Zweigeschlechtlichkeit, die Rolle der Familie, Schule, Peers und Medien sowie die empirische Untersuchung von Geschlechtsunterschieden im Verhalten und in kognitiven Fähigkeiten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Ursprung von Geschlechtsunterschieden zu analysieren und kritisch zu hinterfragen, ob diese tatsächlich natürlich bedingt sind oder als Resultat gesellschaftlicher Sozialisationsprozesse verstanden werden müssen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse des Forschungsstandes zur geschlechtsspezifischen Sozialisation, wobei insbesondere der Ansatz von Carol Hagemann-White systematisch angewendet wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden der Begriff der Sozialisation, die Bedeutung der Zweigeschlechtlichkeit, empirische Befunde zu Geschlechtsunterschieden sowie die Auswirkungen der Sozialisationsinstanzen Familie, öffentliche Einrichtungen, Peers und Medien detailliert erörtert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Sozialisation, Zweigeschlechtlichkeit, Geschlechtsidentität, Sozialisationsinstanzen, Geschlechtsstereotype und die kritische Auseinandersetzung mit der Frauenforschung.
Wie unterscheidet sich die Rolle von Müttern und Vätern in der Sozialisation?
Untersuchungen legen nahe, dass Mütter eher eine gleichmäßige Zuwendung zeigen, während Väter absichtsvoller auf geschlechtstypisches Verhalten drängen und dadurch für das Kind eine besondere emotionale Bedeutung hinsichtlich der Rollenfindung haben können.
Welche Auswirkungen hat die Schule auf die Geschlechterrollen?
Die Schule verstärkt traditionelle Klischees durch die Aufmerksamkeit der Lehrpersonen, die häufiger Jungen fördern, sowie durch Inhalte in Schulbüchern, die Frauen oft in dienenden und Männer in aktiven, politischen Rollen darstellen.
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- Natalie Schlee (Author), 2006, Geschlechtsspezifische Sozialisation, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/70434