Gender und Medienerziehung. Welche Geschlechteridentitäten von Mädchen und Jungen werden durch die Medien transportiert?


Hausarbeit, 2018

17 Seiten, Note: 2,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsbestimmungen
2.1 „Sex“
2.2 „Gender“
2.3 Medien
2.4 Helden

3.Theorie von Judith Butler

4. Gender in den Medien
4.1 Die Bedeutung von Prinzessinnen und weiblichen Heldenfiguren
4.2 Die Bedeutung männlicher Heldenfiguren

5. Anforderungen an gendergerechte Medien

6. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Heutzutage ist das Medienangebot für Kinder und Jugendliche größer als bei keiner anderen Generation. Wir leben in einer Konsum- und Mediengesellschaft. Infolgedessen nehmen Medien einen unumstrittenen Einfluss auf die Gesellschaft, vor allem auf die jüngeren Generationen. Medien dienen nicht nur zu Unterhaltungszwecken, sondern haben auch einen Bildungsauftrag (vgl. §11(2) Staatsvertrag für Rundfunk und Telemedien, S. 22). Das bedeutet, dass die Produzenten bewusst und achtsam ihr Programm gestalten sollten.

Als Forschungsfrage gilt es im Verlauf dieser Arbeit zu klären, inwieweit öffentliche Medien die Geschlechterrollen konstruieren und somit die Genderidentitäten von Mädchen und Jungen beeinflussen.

Zu Beginn der Arbeit werden die wichtigsten Begriffe definiert, um eine einheitliche Grundlage zu schaffen. Die aufgegriffenen Begriffsbestimmungen werden in einer kurzen und komplexen Form definiert. In den weiterführenden Abschnitten werden diese Begriffe aufgeführt und tiefergehend ausgeführt.

Nach der Einleitung wird auf die Autorin Judith Butler eingegangen, die eine Vertreterin des Feminismus ist und sich für eine Emanzipation der Geschlechteridentitäten ausspricht. Ihre Theorie wird erläutert und erklärt, damit sie später zur kritischen Würdigung herangezogen wird. Bei Butler spielen die Begriffe „Sex“ und „Gender“ eine wichtige Rolle.

Im Anschluss beginnt der Hauptteil der Arbeit mit Gender in Medien, hier wird ein Überblick über genaue Thematik beschrieben. Danach wird ein Vergleich zwischen der Bedeutung weiblicher und männlichen Heldfiguren zur Vertiefung und Konkretisierung dargestellt. Darauf aufbauend werden Anforderungen an gendergerechte Medien aufgestellt und mit der Theorie von Judith Butler kritisch gewürdigt. Den Abschluss der Arbeit bildet das Fazit.

2. Begriffsbestimmungen

Der folgende Abschnitt der Arbeit gilt als theoretische Begriffsgrundlage zur weiteren Aufarbeitung der Thematik. „Gender“ und „Sex“ sind die zwei ausschlaggebenden Geschlechterdefinitionen, die zu unterscheiden sind. Die Begriffe „Medien“ und „Helden“ spielen in der Betrachtung der Thematik eine wichtige Rolle.

2.1 „Sex“

Biologisch und physiologisch betrachtet existieren in der modernen westlichen Kultur normalerweise zwei unterschiedliche Geschlechter. Es wird zwischen dem weiblichen und dem männlichen Geschlecht unterschieden. Mädchen und Jungen haben seit der Geburt einen festgesetzten und unveränderbaren Chromosomensatz. Daraus resultieren Unterschiede im Hormonsystem, in ihren äußeren und inneren Geschlechtsmerkmalen, sowie in ihren Geschlechtsorganen. Das Wort „Sex“ ist somit ein Synonym für das biologische Geschlecht (vgl. Lemish 2006, S.10).

2.2 „Gender“

Der Begriff „Gender“ ist Vergleich zum Begriff „Sex“ nicht biologisch oder physiologisch verankert, sondern bezeichnet das soziokulturelle Geschlecht. Das soziokulturelle Geschlecht ist selbst konstruiert, angeeignet und kann verändert werden. Dazu zählen Verhaltensweisen, Gestik, Mimik, Frisur, Kleidungsstil, Vorlieben und Abneigungen, die entweder als typisch oder untypisch für das biologische Geschlecht angesehen werden. Während des Sozialisationsprozesses werden diese Geschlechtsmerkmale ausgebildet, erlernt und internalisiert. Die Gründe für diese Entwicklung sind unterschiedlich. Sie entstehen durch Sanktionen, Abneigung und Trotz des nicht akzeptierten Verhaltens. Bezugspersonen können den Sozialisationsprozess ebenfalls beeinflussen, indem die Jugendlichen das Verhalten von Peer-Groups oder Vorbildern aus Gesellschaft und Medien imitieren.

2.3 Medien

Medien sind Kommunikationsmittel und Übermittler von Werten und Normen. Medien lassen sich untergliedern in Massenmedien und digitale Medien. Zu den Massenmedien zählen Fernsehen, Printmedien und Hörfunk / Radio. Im Gegensatz dazu zählen zu den digitalen Medien das Internet, das Laptop aber auch das Smartphone. Medien gelten somit in der Gesellschaft als Massenkommunikationsmittel. Die Menschen müssen die Medien nutzen, um aktiv an der Gesellschaft teilzunehmen. Die Medien gelten heutzutage als ein wichtiger Faktor zur Identitätsbildung. Das Smartphone ist aufgrund des technologischen Fortschrittes alle Medien. Das Smartphone ist bei den heranwachsenden Jugendlichen das wichtigste und bedeutsamste Medium (vgl. Heike vom Orde et. al., 2018, S. 5). Laut der Studie von Heike vom Orde und Dr. Alexandra Durner besitzen 97% der Jugendlichen, unabhängig von Geschlecht, ein eigenes Smartphone.

2.4 Helden

Die klassische Form des Helden charakterisiert eine Figur mit oft überragenden Fähigkeiten und Potenzialen (vgl. Winter et. al., 2007, S. 4f.). Bei diesen Fähigkeiten und Potenzialen kann es sich um Inselbegabungen, die nur in bestimmten Bereichen zum Einsatz kommen, oder gottesähnlichen Fähigkeiten handeln (ebd.). In der Regel erlaubt es den Helden, Probleme zu lösen, Gefahren zu beseitigen und Hindernisse angehen zu können, um die „normalen“ Menschen zu beschützen. Der Held erhält jedoch nur die Anerkennung, wenn er seine Grenzen überschreitet (ebd.). Dies zeigt sich im erfolgreichen Kampf gegen bestimmte Widerstände in der Öffentlichkeit (ebd.). Der Begriff ist für den Kontext wichtig, da die Helden im medialen Raum als Vorbilder fungieren. Im weiteren Verlauf der Arbeit wird auf verschiedene Heldenformen eingegangen. Es findet ein Vergleich zwischen weiblichen und männlichen Heldenfiguren statt.

Zusammenfassend sind die aufgeführten und ausgeführten Begriffsbestimmungen wichtig für die vorliegende Arbeit, da die bearbeitete Thematik zum einen im medialen Raum und zum anderen an der Formung bzw. Bildung von der Geschlechteridentität anhand weiblicher und männlicher Heldenfiguren verortet ist.

3.Theorie von Judith Butler

Im Fokus des dritten Abschnittes der vorliegenden Arbeit geht es um die Theorie von Judith Butler.

Als literarische Grundlage wird das Werk „Das Unbehagen der Geschlechter“, 1991, von Judith Butler verwendet, in dem sich die Autorin mit der Queer-Theorie, die Anfang der 1990er in den USA entwickelt wurde, auseinandersetzt. In dieser Theorie, auch bekannt als „Feministische Theorie“, setzt sich Butler intensiv mit dem biologischen Geschlecht „Sex“ und der Geschlechteridentität „Gender“ auseinander (vgl. Butler, 1991, S.22). Die Autorin führt aus, dass die heutige und moderne Geschlechterordnung erst durch die verständliche und unverständliche Zuordnung von sozialen Geschlechteridentitäten reduziert wird (ebd.). Das biologische Geschlecht wäre weder eine vordiskursive noch natürliche Kategorie und verlöre damit auch seine ordnende Funktion als Bezugsgröße menschlicher Identität (ebd. S.159 ff.). Das bedeutet, dass sich beispielsweise Frauen, trotz der weiblichen Geschlechtsorgane, wie Männer fühlen können, da alle anderen Geschlechtsmerkmale die eines Mannes entsprechen. Der Prozess ist auch andersherum möglich. Weitergehend bedeutet es, dass sich eine Frau, die ihre Geschlechteridentität als Mann versteht, nicht zwangsweise medizinischer Eingriffe unterziehen muss, um sich tatsächlich als Mann zu fühlen.

4. Gender in den Medien

Der heutige Medienkonsum von Jungen und Mädchen trägt einen sehr entscheiden Teil zu einem gendergerechten Rollenverhalten bei. In den verschiedenen Medien, sei es Fernsehen, Netflix oder andere Streaming-Anbieter, ist auffällig, dass geschlechtertypischen Stereotypen verwendet werden. Die Rolle des Mannes wird als aktives, präsentes und selbstbewusstes Wesen in der Öffentlichkeit inszeniert. Den Männern werden Attribute wie Rationalität, Energie, Ehrgeiz, Unabhängigkeit, Erfolg, Leistungsorientierung und einem hohen sozialen Status zugeordnet ist (vgl. Lemish, 2006, S.10). Im Vergleich dazu werden Frauen als passive, emotionale, naive, instabile, zu beschützende und umsorgende Wesen, die dem Mann untergestellt sind, beschrieben (ebd.). Das äußere Erscheinungsbild ist ebenfalls eine wichtige Position, die zu erwähnen ist. Während der Mann im Schwerpunkt durch seine positiv attraktiven Eigenschaften in Erscheinung tritt und überzeugt, wird die Frau lediglich durch ihr attraktives, hübsches, optisches Erscheinungsbild aufgewertet. Ihre Charaktereigenschaften fallen somit einer deutlich geringeren Aufgabe zu. In den Medien wird die Frau auf das aktuelle optische Ideal reduziert, was in der Praxis nicht erreichbar ist (ebd.).

„Diese Fixierung auf die äußere Erscheinung steht in direktem Zusammenhang mit der überbetonten Fernsehdarstellung von Frauen als sexuelle Wesen, deren zentrale Funktion sich darauf beschränkt, Objekt männlicher Begierde und männlichen Strebens zu sein. Die vorherrschenden Medienbotschaften verbreiten also weiterhin restriktive Ideologien der Weiblichkeit, erheben heterosexuelle romantische Liebe zum großen Ziel für Mädchen, unterstützen männliche Dominanz in Beziehungen und unterstreichen die Wichtigkeit der Selbstverschönerung durch Konsum“ (Lemish, 2006, S.10).

Das Arbeiten mit diesen Klischees findet schon bei Kinderserien statt und wird in den Filmen und Serien für Jugendliche und Erwachsene nur noch intensiver propagiert. Die meisten zentralen Heldenfiguren in Serien und Filmen werden primär von Männern gespielt. Die männlichen Helden werden als mutige, starke und charismatische Charaktere dargestellt, die sich allen Gefahren und Problemen stellen und sie letztendlich immer meistern. Selbst bei Zeichentrickserien für Kinder werden die Helden von männlichen Personen oder Tieren verkörpert. Kinder werden von klein an mit dieser Darstellung konfrontiert und das führt zu einer richtungsgelenkten Prägung hinsichtlich der Geschlechtereinteilung in der Gesellschaft und in den Medien. Dem weiblichen Geschlecht wird somit eine untergeordnete und weniger bedeutsame Rolle in Serien und Filmen zugemessen als Männern (ebd.). Des Weiteren wird den Frauen suggeriert, dass sie sich nicht gegen die männliche Dominanz durchsetzen bzw. behaupten können (ebd.). Daraus ist zu schließen, dass das weibliche Geschlecht, das Geschlecht der zweiten Klasse ist und dem männlichen Geschlecht untergeordnet ist.

Medien übermitteln in diesem Fall ebenfalls die normalen und anormalen gesellschaftlich tolerierten und angesehenen Werte und Normen. Die anerkannten Verhaltensweisen werden durch die Medien verstärkt, im Gegensatz zu den inakzeptablen Verhaltensweisen, die bestraft werden. Dieser Umgang sorgt für eine prägende Einflussnahme auf die jungen Zuschauer und auf deren Verständnis von vermeintlicher Geschlechtertypologien (vgl. Lemish, 2006, S. 11).

4.1 Die Bedeutung von Prinzessinnen und weiblichen Heldenfiguren

Im folgenden Abschnitt der Arbeit wird die Bedeutung der Darstellungen von Prinzessinnen und weiblichen Heldenfiguren verdeutlicht. Zunächst wird das Phänomen der Prinzessinnen im medialen Raum untersucht und anschließend die Darstellung von weiblichen Heldenfiguren am Beispiel der DC-Comic-Heldin Wonder Woman.

Grundsätzlich ist zu sagen, dass Jungen und Mädchen vielen Einflüssen durch Serien, Filmen und Werbungen ausgesetzt sind und das weitreichende Folgen bzw. Dimensionen hat. In den letzten Jahren zeigte sich, dass das traditionelle Rollenbild der Frau als Hausfrau bzw. Mutter und das Rollenbild des Mannes als Brötchenverdiener bzw. Ernährer in denn Hintergrund gerückt ist. Die Geschlechterklischees werden jedoch noch weiter bedient, wenn sie auch anders positioniert werden wie in der Vergangenheit (vgl. Götz, 2013, S. 18f.). Besonders auffällig ist, dass die Medien ihren Fokus bei dem Frauenbild stark auf die Schönheitsideale legen. Die gezeigten Schönheitsideale für Frauen in den Serien und Filmen, auch schon in den für Kindern, ist unerreichbar, wie in Kapitel 4 der Arbeit schon beschrieben. Das bedeutet, dass die Produzenten enorm Mut aufbringen müssen, beispielsweise auch Pickel zu zeigen und somit Mädchen nicht als perfekte Figuren zu inszenieren (ebd.).

Die Autorin Rebecca Hains schließt sich der Beobachtung von Götz an und beurteilt das Phänomen der Prinzessinnen für gefährlich. Es ist eine Tatsache, dass die jungen weiblichen Zuschauer diesen Mädchen- bzw. Prinzessinnenfiguren nacheifern, indem sie den Kleidungsstil, beispielsweise das Tragen von pinkfarbenen Kleidern, bevorzugen und tragen wollen. Die Mädchen orientieren sich an ihren medialen Vorbildern, um optisch ebenfalls in diese Märchenwelt eintauchen zu können, jedoch existiert eine nachhaltige Problematik. In diesen Darstellungen und Inszenierungen sind schädliche Botschaften enthalten. Die Zielgruppe dieser Filme und Serien sind Mädchen im Alter von fünf bis sechs Jahren. Der mediale Inhalt wird nicht auf das Alter der Mädchen angepasst. Außerdem ist an diesem Genre zu kritisieren, dass es verzerrte Schönheitsideale, Rollen der Geschlechter und kultureller Herkunft vermittelt (vgl. Hains, 2013, S.20). Die Darstellung und Einflussnahme auf die Mädchen lässt eine sogenannte „Prinzessinnen-Kultur“ entstehen (ebd.). Wie im Kapitel 4 der Arbeit schon beschrieben, wird folgende Nachricht an die Mädchen transportiert: Die optische Ausstrahlung und Erscheinung sind die wichtigsten Merkmale über die ihr Geschlecht sich definiert. Dies steht im Widerspruch zu der Theorie von Butler, wie in Kapitel 2 erläutert.

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Details

Titel
Gender und Medienerziehung. Welche Geschlechteridentitäten von Mädchen und Jungen werden durch die Medien transportiert?
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Note
2,0
Jahr
2018
Seiten
17
Katalognummer
V704502
ISBN (eBook)
9783346220424
ISBN (Buch)
9783346220431
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Erziehung, Medien, Geschlechter, Serien, Filme
Arbeit zitieren
Anonym, 2018, Gender und Medienerziehung. Welche Geschlechteridentitäten von Mädchen und Jungen werden durch die Medien transportiert?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/704502

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