Die Versuchung Jesu - Historisch-kritische Exegese zu Matthäus 4,1-11


Hausarbeit, 2006
23 Seiten, Note: keine, aber sehr zufrieden

Leseprobe

Gliederung

1.0 Einleitung

2.0 Übersetzungsvergleich
2.1 Kurze Interpretation der Unterschiede

3.0 Literarkritik
3.1 Kontextkritik
3.2 Kohärenzkritik

4.0 Überlieferungskritik

5.0 Quellenkritik
5.1 Synoptischer Vergleich

6.0 Redaktionskritik

7.0 Formkritik

8.0 Gattungskritik
8.1 „Sitz im Leben“

9.0 Traditionskritik

10.0 Bestimmung des historischen Ortes

11.0 Klärung von Einzelaspekten
11.1 Begriffe
11.2 Sachfragen

12.0 Einzelexegese – Vers für Vers

13.0 Deutende Zusammenfassung der Ergebnisse der Exegese

14.0 Auslegung der Perikope mit Hilfe einer Kinderbibel
14.1 Art der Kinderbibel
14.2 Kontext
14.3 Ergänzungen
14.4 Intention der Geschichte
14.5 Illustrationen

15.0 Vergleich der beiden Auslegungsmethoden

16.0 Schluss

Literaturverzeichnis

1.0 Einleitung

Ich werde mich in meiner Exegese mit der Perikope „Jesu Versuchung“ (Mt 4,1-11) beschäftigen. Es gibt verschiedene Gründe, aus denen ich diese Geschichte ausgewählt habe. Zunächst fand ich sie beim ersten Lesen einfach interessant und mir sind spontan mehrere Fragen dazu eingefallen. Die erste Frage, die mir in den Kopf gekommen ist, ist folgende: Will der Teufel einen Beweis dafür, dass Jesus Gottes Sohn ist oder will er ihn von Gott abbringen? Außerdem frage ich mich, ob es Jesus nicht reizt, dem Teufel zu zeigen, was er kann, was ja ein sehr menschliches Gefühl wäre. Daraus ergeben sich noch mehr Fragen, wie zum Beispiel, ob und wie wir selbst in Versuchung geführt werden und ob wir in solchen Situationen genauso standhaft sein können, wie Jesus es ist.

Gerade auf dem Hintergrund der letzten Fragen glaube ich, dass sich der Text auch gut dazu eignen würde, ihn mit Schülern zu besprechen, mit ihnen beispielsweise zu diskutieren, was sie als Versuchung bezeichnen und was nicht, oder ob sie „Versuchung“ überhaupt immer in Verbindung mit Gott sehen. Weiterführend könnte man auch darüber nachdenken, wie man selbst im Alltag an seinem Glauben festhalten kann, wenn man von anderen provoziert wird.

Aufgrund all dieser Überlegungen denke ich, dass es sehr interessant sein wird, sich mit dem Text zu beschäftigen und hoffe, dass ich danach einige meiner Fragen beantworten kann.

2.0 Übersetzungsvergleich

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.1 Kurze Interpretation der Unterschiede

Die meisten Unterschiede zwischen den verschiedenen Übersetzungen ergeben keine bedeutenden inhaltlichen Differenzen. Ob es zum Beispiel heißt „Da wurde Jesus vom Geist in die Wüste geführt,…“ oder „Danach führte der Geist Gottes Jesus in die Wüste,…“ ist inhaltlich nur insofern relevant, als dass der Geist im zweiten Fall konkretisiert wird. Jedoch ist meiner Meinung nach auch ohne dies klar, welcher Geist gemeint ist. Der gleiche Fall liegt bei den Formulierungen „Es steht geschrieben“ und „In den Heiligen Schriften steht“ vor.

Die Ausdrücke „versuchen“, „herausfordern“ und „auf die Probe stellen“ sind zwar einzeln betrachtet nicht unbedingt synonym, meinen hier aber alle dasselbe.

Auch die spanische Version weist keine weiteren Unterschiede auf als die bereits vorhandenen zwischen den deutschen Übersetzungen. Die größten Differenzen findet man erwartungsgemäß in der Kinderbibel, da diese keine Übersetzung, sondern eine Übertragung des Textes beinhaltet. Diese Unterschiede sind größtenteils notwendig, um das Verständnis des Bibeltextes für Kinder zu erleichtern, sie sind aber nicht so bedeutend, dass sie den Inhalt der Geschichte verändern (vgl. hierzu Punkt 14).

3.0 Literarkritik

3.1 Kontextkritik

Die Versuchungsgeschichte schließt zeitlich und inhaltlich an die vorangegangene Taufperikope an. Der inhaltliche Zusammenhang entsteht durch das Wirken des Geistes Gottes in beiden Texten. Jesus empfängt bei der Taufe den Geist Gottes, der ihn nun in die Wüste führt[1]. Die Geschichte beginnt und endet in der Wüste, es schließt sich die Perikope „Der Beginn des Wirkens Jesu in Galiläa“ an. Es ist also ein sinnvoller Kontext der Versuchungsgeschichte zu erkennen.

3.2 Kohärenzkritik

Der Text weist eine eindeutige Geschlossenheit und Stimmigkeit auf. Es lassen sich weder inhaltliche noch stilistische Unstimmigkeiten finden, die Handlung verläuft synchron und es gibt keine Widersprüche innerhalb der Geschichte. Auch in der Textstruktur finden sich keine Brüche, die Wortwahl ist einheitlich.

4.0 Überlieferungskritik

Die Verfasser der vier von mir ausgewählten exegetischen Kommentare sind sich darin einig, dass die Geschichte der Versuchung Jesu durch die Urgemeinde überliefert wurde. Während Schmid zunächst die Frage stellt, ob die Erzählung von der Gemeinde erdichtet wurde, um Jesus als Beispiel des Frommen darzustellen oder zu zeigen, warum er „gewisse Wunder nicht gewirkt hat“[2], dann aber zu dem Schluss kommt, dass die Geschichte „letzten Endes auf Jesus selbst zurückgeht“[3], geht Schweizer von Anfang an davon aus, dass zunächst nur die Tatsache der Versuchung Jesu überliefert worden war, die dann von der Gemeinde vor dem Hintergrund des Alten Testaments interpretiert wurde[4]. Luz sieht einerseits den Rückblick der Gemeinde auf Jesus (der Glaube, dass Jesus bereits auf Erden Gottes Sohn war), andererseits die verbreiteten Geschichten der Versuchung bedeutender religiöser Gestalten wie Buddha oder Herakles als Voraussetzung für die Entstehung der Versuchungserzählung[5]. Letzteres sieht Schmid anders, er ist der Auffassung, die Mythen wichen inhaltlich zu stark von der Versuchungsgeschichte Jesu ab, „um als Vorbilder ernsthaft in Betracht zu kommen“[6]. Gnilka äußert sich sehr wenig zur Überlieferung der Geschichte, er geht aber aufgrund ihrer Struktur und der Zitate aus dem Alten Testament davon aus, dass sie in einem Zug entstanden ist und die drei Versuchungen nicht im Laufe der Zeit zu einer Geschichte zusammengesetzt wurde[7]. Diese Auffassung teilt auch Luz. Er zieht darüber hinaus in Betracht, dass die Erzählung von Anfang an mit der Taufgeschichte zusammen existiert haben könnte und „die dort proklamierte Gottessohnschaft Jesu von der Erinnerung an das Leben Jesu und dem Glauben der Gemeinde her interpretierte“[8].

[...]


[1] vgl. Schmid, Josef: Die Versuchung Jesu, 4,1-11 (= Mk 1,12f; Lk 4,1-13), in: RNT, Bd.1, Regensburg 1956, S.62.

[2] ebd., S.66

[3] ebd.

[4] vgl. Schweizer, Eduard: Die Versuchung Jesu 4,1-11; vgl. Mk1,12f.; Lk4,1-13, in: NTD, Bd.1, Teilbd.2, Göttingen/ Zürich 1986, S.31.

[5] vgl. Luz, Ulrich: Die Bewährung des Gottessohns in Versuchung (4,1-11), in: EKK, Bd.I, Teilbd.1, Zürich/ Einsiedeln/ Köln/ Neukirchen-Vluyn 1985, S.160.

[6] RNT, S.65

[7] vgl. Gnilka, Joachim: Jesus besteht die teuflische Versuchung (4,1-11), in: HThK, Bd.I, Teilbd.1, Freiburg 1986, S.84, Fußnote 10

[8] EKK, S.160

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Die Versuchung Jesu - Historisch-kritische Exegese zu Matthäus 4,1-11
Hochschule
Universität Paderborn
Veranstaltung
Exegetisches Proseminar
Note
keine, aber sehr zufrieden
Autor
Jahr
2006
Seiten
23
Katalognummer
V70463
ISBN (eBook)
9783638618045
Dateigröße
468 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Versuchung, Jesu, Historisch-kritische, Exegese, Matthäus, Exegetisches, Proseminar
Arbeit zitieren
Maike Schilling (Autor), 2006, Die Versuchung Jesu - Historisch-kritische Exegese zu Matthäus 4,1-11, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/70463

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