Warum werden Menschen kriminell? Ursachenforschung und Betrachtung von Kriminalität aus sozialpsychologischer und gesellschaftsorientierter Perspektive


Hausarbeit, 2019

13 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Definition von Kriminologie
1.2 Abgrenzung zur Kriminalistik

2. Kriminalitätstheorien
2.1 Klassische Kriminalitätstheorien
2.1.1 Lerntheorien
2.1.2 Anomietheorie
2.2 Neuere Erklärungsansätze
2.2.1 Routine-Aktivitätsansatz
2.2.2 Allgemeine Drucktheorie

3. Bedeutung für die Praxis in der Sozialen Arbeit

4. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Eine Gesellschaft benötigt Regeln und Gesetze um zu funktionieren und um ein möglichst geordnetes Miteinander zu ermöglichen. Die Individualität jedes Menschen kollidiert dabei stets mit den Vorschriften die ein Staat vorgibt. Eigene Wünsche und Bedürfnisse finden ihre Grenzen dort, wo sie die Rechte eines anderen Menschen schneiden. Sobald dies geschieht, spricht man von Kriminalität. Ob es sich nun um ein einfaches Vergehen oder eine Tat mit gemeingefährlicher Absicht handelt – der Verstoß von Regeln bringt in unserem Rechtsstaat Konsequenzen mit sich. Gesetze dienen dazu zu kontrollieren, zu steuern, als Abschreckung von dem möglichen Begehen weiterer Straftaten und als Vergeltung. Strafen für Gesetzesbrecher können ziemlich hoch ausfallen- Dennoch gibt es immer Menschen, die sich nicht an vorgegebene Regeln halten wollen oder können. Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit den Gründen von Kriminalität und ihrer Entstehung aus sozialpsychologischer und gesellschaftsorientierter Perspektive mit dem Ziel ein Verständnis für die Entstehung und Entwicklung von Kriminalität zu bekommen und die theoretischen Grundlagen in der Praxis der sozialen Arbeit anwenden zu können. Dafür beruft sie sich auf insgesamt vier ausgewählten Kriminalitätstheorien und vergleicht diese miteinander. Anschließend findet eine kritische Auseinandersetzung dieser theoretischen Grundlagen statt und eine mögliche Praxisanwendung mit dem Schwerpunkt der sozialen Arbeit wird erläutert. Im Schlussteil geht es um die mögliche Entwicklung von Kriminalität und der Umgang mit dieser in der Zukunft.

1.1 Definition von Kriminologie

Begrifflich betrachtet besteht die Kriminologie aus zwei Wortbestandteilen: „crimen“, dem lateinischen Wort für Verbrechen und „logos“, dem griechischen Wort für Lehre. Übersetzt bedeutet Kriminologie also „Die Lehre vom Verbrechen“. Der Begriff Verbrechen ist hingegen in seiner Bedeutung recht weitläufig. Von der Einzeltat einer einzigen Person bis zur Summe aller Straftaten (der Kriminalität) wird generell erstmal der Begriff des Verbrechens verwendet. Aufgrund dieser relativ jungen Wissenschaft und der Bandbreite an Bedeutungen, sowohl national als auch international ist es schwierig eine einheitliche Definition zur Kriminologie aufzustellen. Der Ursprungsbegriff „Criminologia“ stammt von 1885 und wurde von Topinard erschaffen. Im engeren Sinne kann Kriminologie als eine Wissenschaft der Ursachen und Erscheinungsformen eines Verbrechens sowie seiner Bekämpfungsmöglichkeit auf repressiver und präventiver Ebene. Einfach ausgedrückt beinhaltet die Kriminologie daher zwei verschiedenartige Teile: zum einen geht es um die Gründe warum Menschen kriminell werden und Verbrechen begehen und zum anderen geht es um die Maßnahmen wie man dies verhindern kann.

(vgl. Clages & Zeitner, 2016: 1-3)

1.2 Abgrenzung zur Kriminalistik

Kriminologie gehört zu den Kriminalwissenschaften, welche nochmal unter juristische und nichtjuristische Kriminalwissenschaften unterschieden werden kann. Auf juristischer Ebene geht es also um die Beurteilung eines Verbrechens mit Zunahme der Gesetzestexte, also dem Strafrecht und der Strafverurteilung während eines Gerichtsverfahrens, dem Strafprozessrecht. Kriminologen und Kriminalisten müssen hingegen keine Juristen sein, sie befassen sich lediglich mit dem Verständnis von Kriminalität. Kriminalisten gehören in der Regel zur Berufsgruppe der Polizei und untersuchen einen Tatort nach einem Verbrechen nach Spuren und Beweisen um den Sachverhalt aufklären zu können. Sie befassen sich also mit einer einzelnen Straftat. Kriminologen hingegen untersuchen die Kriminalität generell, sie versuchen Gesetzmäßigkeiten zu finden und zu verstehen warum Menschen überhaupt kriminell werden. Sie untersuchen auch den Sinn von Strafen und Gesetzen und betrachten diesen oft kritisch nach seiner Wirksamkeit zur Verbrechensprävention und Repression. (vgl. Neubacher, 2011: 19-21)

2. Kriminalitätstheorien

Es gibt eine Vielzahl von Untersuchungen in der Kriminologie warum Menschen gegen ein Gesetz verstoßen und das Risiko eingehen erwischt und dafür belangt zu werden. Diese „Begründungen“ einer Straftat lassen sich in den sogenannten Kriminalitätstheorien wiederfinden. Diese Konzepte unterscheiden sich in nicht unerheblicher Weise voneinander und legen jeweils einen anderen Schwerpunkt. Diese Theorien sind lediglich als Modell zu verstehen und treffen nicht immer und jederzeit zu, können aber zumindest einen realistischen Anhaltspunkt für die Beweggründe einer Tat geben. Häufig werden mit den Theorien auch Handlungsempfehlungen ausgesprochen. Diese haben insbesondere in der praktischen Arbeit Bedeutung. Auf diese Empfehlungen für die Praxis wird zum Schluss dieser Hausarbeit ausführlich eingegangen, dort wird der Zusammenhang von dem Umgang mit Kriminalität in der Sozialen Arbeit untersucht und welche Relevanz für die alltägliche Praxis als Sozialarbeiter*in besteht. (vgl. Jansen & Peters, 1997: S.40-42)

2.1 Klassische Kriminalitätstheorien

Um einen möglichst wertneutralen Überblick zu ermöglichen, sollen in dieser schriftlichen Abhandlung zwei der klassischen Kriminalitätstheorien mit zwei neueren Erklärungsansätzen verglichen zu werden. Zum Schluss dieses Kapitels soll auf den Etikettierungsansatz eingegangen werden, der nicht als Theorie im eigentlichen Sinne betrachtet werden kann, sondern vielmehr eine erweiterte Betrachtung dieser aus einer etwas anderen Perspektive darstellt.

2.1.1 Lerntheorien

Lerntheorien gehören zur sozialpsychologischen Perspektive. Die Sozialpsychologie befasst sich mit dem Verhalten und Erleben einer Person innerhalb eines sozialen Kontextes. Dazu gehört die Erklärung, Beschreibung und insbesondere die Vorhersage einer bestimmten Verhaltensweise. „Sozial“ meint, dass individuelles Verhalten sowie Erleben im Zusammenhang mit anderen Menschen stehen, also beispielsweise dadurch beeinflusst werden. Wichtig zu beachten dabei ist, dass diese anderen Menschen für diesen Einfluss nicht anwesend sein müssen. Sie können beispielsweise auch einfach als Vorbild dienen, also subjektiv repräsentiert sein.

(vgl. Gollwitzer & Schmitt, 2009: 1 ff.)

Demnach lernen Menschen, zumindest aus Sicht der Lerntheorie, kriminelles Verhalten von anderen Personen unter anderem durch eine misslungene Sozialisation. Lerntheorien sind nicht nur bei der Betrachtung von Kriminalitätstheorien präsent, sondern auch in vielen anderen Bereichen. Dabei ist das Hauptmerkmal stets, das Lernen am Modell durch abgucken und nachmachen geschieht. Insbesondere bei Kindern ist dieses Modelllernen stark ausgeprägt, es wird also von der Geburt an ausgeführt. Neben dem Lernen am Modell gibt es noch das Lernen durch Erfolg. Dabei wird Verhalten, welches ein Individuum zu seinem erwünschten Ziel bringt positiv bestärkt. Biologisch betrachtet geschieht beim Lernen folgendes: nach einem erfahrenen Reiz folgt unmittelbar darauf die für das Verhalten erlernte Reaktion. Dieses Verhalten wurde durch kognitive Prozesse angeeignet. Similäre Versuchsreihen wurden von Iwan Pawlows bekannten Konditionierungstraining mit seinen Hunden durchgeführt. Dabei gewöhnte man die Tiere daran, dass eine Glocke geläutet wurde und unmittelbar darauf gab es etwas zu Fressen. Irgendwann konnte man messen, dass bereits nach dem akustischen Signal die Speichelabgabe der Hunde erhöht war, da diese darauf konditioniert waren, dass sie nun etwas zu Fressen bekämen. Prinzipiell geschieht beim Menschen das Gleiche, das Umfeld lebt ein bestimmtes Verhalten vor und der „Lernende“ guckt es sich ab und macht es nach, wobei ihm dies häufig nicht einmal bewusst ist. Wesentlich bei der Lerntheorie sind also die sozialen Kontakte in Familie, Schule und anderen Orten an denen zwischenmenschliche Kommunikation zustanden kommt, wobei beachtet werden muss, dass die gelernten Verhaltensweisen sich in der Regel unterscheiden. In der Herkunftsfamilie wird vielleicht auf ganz andere Dinge wert gelegt als in der Schule. Welches Verhalten sich dann eher abgeschaut wird hängt auch damit zusammen wie die persönliche Beziehung zu den Vorbildern besteht. Hier spielt auch unter anderem der Enttäuschungsdruck sowie weitere Bindungsphänomene eine Rolle. (vgl. Neubacher, 2011: 84-85)

[...]

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Warum werden Menschen kriminell? Ursachenforschung und Betrachtung von Kriminalität aus sozialpsychologischer und gesellschaftsorientierter Perspektive
Hochschule
Hochschule Bremen
Veranstaltung
Strafrecht
Note
1,5
Autor
Jahr
2019
Seiten
13
Katalognummer
V704643
ISBN (eBook)
9783346185426
ISBN (Buch)
9783346185433
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Soziale Arbeit, Recht, Strafrecht, Kriminalitätstheorien
Arbeit zitieren
Natascha Reichstein (Autor:in), 2019, Warum werden Menschen kriminell? Ursachenforschung und Betrachtung von Kriminalität aus sozialpsychologischer und gesellschaftsorientierter Perspektive, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/704643

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