Bildung und Erziehung als Abbild der Gesellschaft


Hausarbeit, 2019

12 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Definition von Bildung
1.2 Bildung als persönliche Ressource

2. Die Geschichte der Bildung: Erziehungsskonzepte und Kritiken
2.1 Schwarze Pädagogik
2.2 Antiautoritäre Erziehung

3. Bildung und Erziehung heute

4. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Statik ist, bei Betrachtung der Entwicklung der Welt und auch des Menschen im Allgemeinen, in der Natur so nicht vorgesehen. Durch stetige Veränderung und Entwicklung, auch Anpassung an sich verändernde Lebensbedingungen, wird ein Individuum wettbewerbsfähig und kann weiterbestehen. Dieser Grundsatz aus der Biologie lässt sich auch sehr gut auf die Betrachtung von gesellschaftlichen Prozessen anwenden. Ein Konzept, welches sich, im Laufe der Zeit, besonders häufig Wandlungen unterworfen hat, ist das der Bildung und Erziehung. In dieser Hausarbeit soll dargestellt werden wie sich der komplexe Begriff der Bildung einordnen lässt und seine Wichtigkeit für die persönliche Entwicklung eines Menschen. Weiterhin soll anhand von historischen Beispielen klar werden, dass Bildung und Erziehung immer als „Abbild der Gesellschaft“ fungieren und sich gemeinsam mit dieser wandeln und verändern. Im Hauptteil dieser wissenschaftlichen Abhandlung soll untersucht werden, welchen Stellenwert Bildung in der heutigen Zeit genießt und wie eng sie mit dem Konzept des Kapitalismus zusammenhängt. Zudem soll erläutert werden, wie sich Bildung und Erziehung gegenseitig bedingen. Zum Abschluss soll ein kurzer persönlicher Kommentar die gegebenen Inhalte dieser Hausarbeit abschließen.

1.1 Definition von Bildung

Wie anfangs schon erwähnt, ist der Bildungsbegriff im Laufe der Zeit ständig Wandlungen unterworfen, dementsprechend ist es schwierig eine einheitliche Definition aufzustellen. Vom Wortaufbau hingegen, lässt sich feststellen, dass „Bildung“ erstmal zwei Bedeutungen enthält. Zum einen, etwas, dass jemand in welcher Form auch immer „gebildet“ hat, also etwas, das besessen wird. Zum anderen, dass Bildung immer auch ein Prozess ist, damit sich etwas gebildet hat, muss es sich erstmal „bilden“. Es muss Substanz bekommen. Bildung ist also immer prozessorientiert, sie entwickelt sich mit der Zeit und mit der Interaktion zwischen Menschen. Bildung assoziieren viele Menschen erstmal mit den sogenannten Bildungsinstitutionen, also unter anderem Schule, Universität und Kindergarten. Diese „Lehrräume“ sind dafür bekannt, in der Regel jungen Menschen Bildung in Form von Wissen zu vermitteln. Es geht also auch um ein Lehr- und Lern Verhältnis (Interaktion) Welche Inhalte gelehrt werden steht im Bildungsplan, dies ist also eine politische Entscheidung. Durch das global vernetzende Internet gehen wir immer mehr weg vom Industriezeitalter und hin zu einem Informationszeitalter, denn alle Informationen sind nun theoretisch für jemanden mit einem Internetzugang, jederzeit abrufbar. Deswegen hat Bildung in der heutigen Zeit das Ziel, dass wir die Welt und unsere Zeit verstehen und damit umgehen lernen. Insbesondere der lineare Fortschritt, die Globalität und die Vernetzung in allen Bereichen erwarten von den Menschen sich eigene Gedanken zu machen und nicht lediglich altes Wissen zu reproduzieren. (vgl. Rittelmeyer, 2012: 13ff.; Stamm & Edelmann, 2013: S. 334-335)

1.2 Bildung als persönliche Ressource

Die Sinnhaftigkeit eines Bildungserwerbes steht außer Frage. Bildung fördert nicht nur die Aneignung selbstreflexiver Fähigkeiten, sondern ist zudem wesentlich für eine Vielzahl weiterer, mit Bildung in Zusammenhang stehender Fertigkeiten. Der Philosoph Henning Kössler beschreibt Bildung als den Erwerb eines Systems moralisch erwünschter Einstellungen durch die Vermittlung und Aneignung von Wissen auf solche Weise, dass Menschen im Bezugssystem ihrer gesellschaftlichen Welt wertend, wählend und stellungnehmend ihren persönlichen Standort definieren, ein eigenes Persönlichkeitsprofil entwickeln sowie Lebens- und Handlungsorientierung gewinnen. Es geht also um eine Ausbildung der eigenen Persönlichkeit und der Fähigkeit seine Lebenswelten zu beeinflussen. Bildung fördert Menschen unter anderem bei der Ausbildung von:

- Fähigkeiten der Lebens- und Alltagsbewältigung
- Verantwortungsbewusstsein, Kompromiss- und Friedensfähigkeit
- Kreativität und Selbstbeherrschung

Menschen, die keine Bildung erfahren, lernen also im schlimmsten Fall nie, was Selbstwirksamkeit bedeutet. Sie nehmen keinen Einfluss auf ihr Leben, stellen keine bestehenden Strukturen in Frage und bewegen sich Generationsübergreifend häufig in den gleichen Mustern. (vgl. Walther 2014: S. 116ff.)

2. Die Geschichte der Bildung: Erziehungsskonzepte und Kritiken

Um die heutige Stellung von Bildung in unserer Gesellschaft begreifbar zu machen, ist es sinnvoll sich zuerst vergangene Bildungsmomente in der Historie anzuschauen und ihren Stellenwert in der Geschichte einzuordnen. Da es den Umfang in dieser Hausarbeit sprengen würde über jede einzelne Epoche zu berichten, wurden zwei Bildungskonzepte ausgewählt, welche sich aufgrund ihrer Gegensätzlichkeit gut miteinander vergleichen lassen sollten.

2.1 Schwarze Pädagogik

Im Laufe des 19. Jahrhunderts kam es zu einer Institutionalisierung von Bildungseinrichtungen. Zuvor war Bildung etwas, dass insbesondere den adeligen Schichten vorbehalten war. Durch den Massenzugang an Bildung kam es zwangsläufig zu institutionellen Zwängen, Lehrermangel und materieller Not. Besonders ausschlaggebend für die Richtung, die in dieser Zeit eingeschlagen wurde, war jedoch das damalige Idealbild von Kindern und Jugendlichen. Demnach wollte man diese zu Gehorsam und Unterordnung erziehen. Dieser autoritäre Erziehungsstil fand nicht nur in den Institutionen, sondern häufig auch im Elternhaus statt. Die jungen Menschen sollten nicht denken lernen, sondern blind Befehlen höherer Autorität folgen. Mit dieser Art von „Bildung“ sollten die Schüler*innen darauf vorbereitet werden später als Soldaten oder in der Industrie ihre Pflicht gewissenhaft und ohne Fragen zu stellen, zu erfüllen.

Für das Bürgertum war Bildung insofern wichtig, als dass sie eine Legitimation herstellte sich vom damals sinkenden Adelsstand und den unteren Gesellschaftsschichten abzugrenzen z.B. durch einen durch „Fließ und harte Arbeit“ erworbenen Doktortitel. Bildung ermöglichte dem Bürgertum dadurch den gesellschaftlichen Aufstieg. Frauen, sowie Menschen aus der Arbeiterschicht wurden von diesen Bildungsmöglichkeiten ausgeschlossen. Für das nun erstarkte Bürgertum waren Werte wie Pünktlichkeit, Fließ, Ordnung, Pflichterfüllung sowie Gehorsamkeit gegenüber Vorgesetzten zentral. Triebhafte Gedanken wie beispielsweise der Wunsch zur sofortigen Bedürfnisbefriedigung sollte ausgemerzt werden, da dieser „Mangel an Selbstbeherrschung“ den unteren Arbeiterklassen zugeschrieben wurde.

Um dieses Ziel zu erreichen wurden subtile Unterwerfungsmethoden angewandt. Das Kind sollte nicht merken, dass ihm der Wille genommen wird und seine Eltern trotz harter Strafen dafür lieben lernen. Diese schwarze Pädagogik war besonders zu Zeiten des Nationalsozialismus beliebt. Körperliche Schläge aufgrund von Fehlverhalten waren eine beliebte Strafe. Dabei sollen die Kinder einsehen, dass sie selbst Schuld daran haben und dass die zu erziehenden Person selbst am meisten darunter leidet.

Ebenfalls eine häufige Methode ist das absichtsvolle Vernachlässigen der kindlichen Bedürfnisse, damit es früh lernt, dass nicht es, sondern die Erziehungsberechtigen und Lehrer*innen, also Autoritätspersonen die Bestimmungsgewalt darüber haben, wann was geschieht. Dadurch, dass die Kinder ihre Eltern trotz der körperlichen und psychischen Züchtigung lieben müssen, entwickeln sie häufig eine Abspaltung der negativen Gefühle, welche sie jedoch später als Erwachsene bei ihren eigenen Kindern wieder zum Ausdruck bringen indem sie sie mit den gleichen Methoden strafen.

Kinder sind in aller Regel sehr abhängig von ihren Bezugspersonen von daher akzeptieren sie diesen Umgang schnell und nehmen ihn in Form von emotionalen Verankerungen tief in sich auf. Die schwarze Pädagogik spielt unter anderem genau aus diesem Grund eine so große Rolle im Nationalsozialismus: Kinder bekommen von klein auf eingetrichtert, einen Hass gegenüber Minderheiten zu entwickeln den sie als Erwachsene gegen ihre eigenen Kinder ausüben. Dieser Hass kann sehr gut mit dem Antisemitismus verglichen werden und ist ein Grund dafür, dass sie Ideale von Hitler von der Bevölkerung so bereitwillig übernommen wurde. Es entspricht in genauester Weise dem Ideal, mit welchem sie selbst aufgewachsen sind. (vgl. Kuhlmann 2013: S. 81-85)

2.2 Antiautoritäre Erziehung

Nach 1945 änderte sich der Bildungs- und Erziehungsstil in Deutschland extrem. Wo zuvor Gehorsamkeit, Unterordnung und Autoritätenhörigkeit die Ideale bildeten taten die Siegermächte nun alles daran, die neuen Generationen möglichst „frei“ zu erziehen. Den Auftakt der Antiautoritären Erziehung bildete Alexander Sutherland Neill der selbst unter seiner autoritären Erziehung im Elternhaus und in der Schule litt. Er gründete die Schule „Summerhill“. Die pädagogischen Leitsätze seiner Schule waren insbesondere die Auffassung, dass der Mensch von Natur aus gut sei und negative Charaktereigenschaften lediglich durch die Unterdrückung der eigenen Triebe entstehen würden. Damit lassen sich interessante Parallelen zur schwarzen Pädagogik ziehen: Bei der schwarzen Pädagogik ging es um die Unterdrückung der Triebe und Bedürfnisse (Unterdrückung des „Es“) und die Idealisierung von Werten, Normen und Gesetzen (Idealisierung des „Über-Ich“). Bei der Antiautoritären Erziehung findet genau das Gegenteil statt: Unkontrollierte und Unbegrenzte Auslebung des „Es“ und keinerlei Begrenzung von außen durch das „Über-Ich“. Beide Erziehungsstile sind Extreme, wenn auch mit ganz unterschiedlichen Folgen.

Einen relativ großen Stellenwert gab Neill der sexuellen Neugierde des Kindes, welche seiner Meinung nach nicht unterdrückt werden sollte, da der Heranwachsende dadurch auch alle weiteren Freiheiten seines Lebens unterdrücken würde. Weiterhin wollte Neill durch die Freiheit des Kindes in allen Lebensbereichen seine natürliche Lernbereitschaft fördern und diese nicht durch ein starres Schulsystem unterdrücken. Das Kind soll selbst davon überzeugt sein, etwas zu tun und nicht von außen dazu genötigt werden. Neill selbst grenzt seinen Erziehungsstil vom vernachlässigenden „Laissez-faire“ Erziehungsstil ab. Laut ihm haben weder die Eltern noch die Kinder „mehr Rechte“ als der andere, sondern sind gleichberechtigt. Eine seiner Leitsätze: „Die Freiheit des Kindes und auch des Erwachsenen endet dort, wo die Freiheit eines anderen eingeschränkt wird.“

[...]

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Bildung und Erziehung als Abbild der Gesellschaft
Hochschule
Hochschule Bremen
Veranstaltung
Erziehungswissenschaften
Note
2,0
Autor
Jahr
2019
Seiten
12
Katalognummer
V704646
ISBN (eBook)
9783346184207
ISBN (Buch)
9783346184214
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Erziehungskonzepte, Schwarze Pädagogik, Antiautoritäre Erziehung, Bildung, Erziehung
Arbeit zitieren
Natascha Reichstein (Autor), 2019, Bildung und Erziehung als Abbild der Gesellschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/704646

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