Seit den frühen Anfängen der Literatur dient das Motiv des Doppelgängers in den verschiedensten Ausführungen dazu, den Besonderheiten des Ichs, der Individualität, der Wahrnehmung und der Selbstwahrnehmung nachzugehen. Der Doppelgänger hat in der Literatur die Funktion, komische Verwechslungen und Verwandlungen darzustellen, spiegelt aber auch die geheimen Wünsche und Bedürfnisse des Betroffenen wieder oder versetzt in Angst und Schrecken. Doch nicht nur in der Literatur findet man das Doppelgängerphänomen wieder, auch in der Realität behaupten immer wieder Menschen, unter anderem Berühmtheiten wie Johann Wolfgang von Goethe, Guy de Maupassant und Katharina die Große, sich selbst begegnet zu sein. Auch der spanische Autor Javier Marías, der mit Todas las almas (1989) und Corazón tan blanco (1992) große Erfolge feierte, scheint von diesem Phänomen so fasziniert zu sein, dass er unter anderem in seinen Erzählungen La canción de Lord Rendall und in Gualta das Motiv des Doppelgängers aufgreift.
In der vorliegenden Hausarbeit soll es nun um eine kurze inhaltliche Darstellung und Textanalyse der Erzählung Gualta von Javier Marías und um die Thematisierung des Doppelgängermotivs in der Literatur gehen, wobei besonderer Wert auf die unterschiedlichen Verwendungsmöglichkeiten des Doppelgängers gelegt werden soll. Des Weiteren erfolgt ein Abriss bezüglich des Doppelgängerphänomens in der heutigen Gesellschaft und der daraus resultierenden Identitätsfrage.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Inhaltsangabe
3. Textanalyse
3.1 Erzählperspektive
3.2 Figurenkonstellation
3.3 Madrid versus Barcelona
3.4 Darstellung des Javier Santín alias Gualta
3.5 Die Bedeutung des Fußballs
4. Das Doppelgängermotiv in der Literatur
5. Das andere Ich
6. Eine Frage der Identität?
7. Fazit: Das Doppelgängermotiv in der Literatur am Beispiel von Javier Marías Erzählung Gualta
8. Literaturverzeichnis
Primärliteratur:
Sekundärliteratur:
Internetquellen:
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Doppelgängermotiv in der Literatur unter besonderer Berücksichtigung der Erzählung "Gualta" von Javier Marías. Dabei wird analysiert, wie das Zusammentreffen mit einem physisch identischen Doppelgänger bei den Protagonisten Krisen auslöst und zur Hinterfragung der eigenen Identität führt, wobei psychologische Aspekte und gesellschaftliche Prägungen einbezogen werden.
- Analyse des Doppelgängermotivs in der Literaturgeschichte
- Literarische Textanalyse der Erzählung "Gualta" von Javier Marías
- Psychologische Dimensionen der Identitätskrise und Selbstwahrnehmung
- Rolle gesellschaftlicher Muster ("hegemoniale Männlichkeit")
- Bedeutung von Fußballmetaphern und symbolischen Gegensätzen
Auszug aus dem Buch
3. Textanalyse
Bei dieser Erzählung von Javier Marías aus seinem Sammelband Während die Frauen schlafen handelt es sich um einen Ich-Erzähler, der eine homodiegetische Stellungen einnimmt, und eine der Hauptfiguren darstellt. Dadurch kommt es zu einer Identifikation mit dem Ich-Erzähler und der Leser bekommt seine Emotionen und Gedanken besser vermittelt. Es ist allerdings aus diesem Grund möglich, dass der Wahrheitsanspruch der Erzählung unzuverlässig ist, da der Ich-Erzähler aus seiner subjektiven Perspektive berichtet.
Betrachtet man die Figuren in den Erzählungen von Javier Marías näher, fällt auf, dass er bevorzugt Paare in die Geschichten einbaut. Auch in dieser Erzählung findet man zwei Liebespaare vor, die ohne Kinder in den Städten Madrid und Barcelona wohnen. Hierbei handelt es sich einmal um Javier Santín und sein „Superweib“ aus Madrid und Xavier de Gualta und sein „Mauerblümchen“ aus Barcelona. Die Namen beider Frauen werden nicht erwähnt. Überhaupt werden die Frauen der Männer nur sehr wenig beschrieben, aber dennoch als Gegensätze dargestellt, was allein schon an den jeweiligen Kosenamen zu erkennen ist. Javier Santín bezeichnet seine Frau als „Superweib“, während er die Frau von Gualta als ein vom Erfolg ihres Gatten „aufgekratztes Mauerblümchen“ und „Mädchen aus gutem Haus“ beschreibt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Doppelgängermotiv in Literatur und Realität ein und skizziert das Ziel der Hausarbeit, die Erzählung "Gualta" sowie das Phänomen der Identitätsfrage zu beleuchten.
2. Inhaltsangabe: Es wird die Begegnung zwischen Javier Santín und Xavier de Gualta geschildert, deren verblüffende Ähnlichkeit eine tiefe Identitätskrise beim Protagonisten auslöst.
3. Textanalyse: Dieses Kapitel untersucht die Erzählperspektive, Figurenkonstellation, die Bedeutung der Städte Madrid und Barcelona, die Charakterisierung der Protagonisten sowie die symbolische Rolle des Fußballs.
4. Das Doppelgängermotiv in der Literatur: Hier erfolgt ein Überblick über die literarische Tradition des Doppelgängers, unterteilt in verschiedene Typen von der Antike bis zum 19. Jahrhundert.
5. Das andere Ich: Dieser Abschnitt widmet sich der psychologischen Seite, insbesondere dem Phänomen der Heautoskopie, und diskutiert das Verhältnis zwischen physikalischer Ähnlichkeit und der Einzigartigkeit des Individuums.
6. Eine Frage der Identität?: Diese Analyse beleuchtet den Begriff der Identität im Kontext von Krisen, sozialphilosophischen Ansätzen und dem Konzept der hegemonialen Männlichkeit.
7. Fazit: Das Doppelgängermotiv in der Literatur am Beispiel von Javier Marías Erzählung Gualta: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, wonach die Anerkennung eines Doppelgängers wesentlich von der psychischen Bereitschaft des Betroffenen abhängt.
8. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur sowie Internetquellen.
Schlüsselwörter
Doppelgänger, Javier Marías, Gualta, Identität, Literaturanalyse, Heautoskopie, Identitätskrise, Romantik, Männlichkeit, Selbstwahrnehmung, Doppelgängerphänomen, Literatur, Psychologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert das Doppelgängermotiv in der Literatur und fokussiert dabei auf Javier Marías Erzählung "Gualta".
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Identitätsbildung, das Doppelgängerphänomen in der Literaturgeschichte, psychologische Selbstwahrnehmung und gesellschaftliche Rollenbilder.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist eine inhaltliche Darstellung und Textanalyse von "Gualta" sowie eine Untersuchung der Verwendungsmöglichkeiten des Doppelgängers in der Literatur und der daraus folgenden Identitätsfrage.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Textanalyse in Verbindung mit psychologischen und sozialphilosophischen Begriffen angewandt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Analyse der Erzählung "Gualta", eine historische Übersicht des Doppelgängermotivs und theoretische Überlegungen zu Identität und Selbstwahrnehmung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird primär durch Begriffe wie Doppelgänger, Identität, Javier Marías und Selbstwahrnehmung charakterisiert.
Wie beeinflusst der Fußball das Motiv in der Geschichte?
Der Fußball dient als symbolische Repräsentation der Gegensätzlichkeit zwischen Madrid und Barcelona, die den kulturellen und sozialen Kontrast der Doppelgänger unterstreicht.
Warum wird der Protagonist von seinem Doppelgänger verunsichert?
Die Identität des Protagonisten ist instabil und auf gesellschaftliche Konventionen ausgerichtet; das Aufeinandertreffen mit dem Ebenbild demontiert seine künstliche Persona.
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- Kristin Freitag (Author), 2005, Das Doppelgängermotiv in der Literatur am Beispiel von Javier Marías Erzählung "Gualta", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/70480