Die internationalen Rechnungslegungsvorschriften haben erhebliche Auswirkungen nicht nur auf die Finanzberichterstattung der Unternehmen, sondern auch auf das Controlling. Ziel dieser Seminararbeit soll es deshalb sein, die Aufgaben des Controllings im Rahmen der internationalen Rechnungslegung anhand einiger ausgewählter Bereiche darzustellen und zu erläutern. Im Zuge dessen werden wir insbesondere die neuen Herausforderungen der Controllingabteilungen, die sich durch die Umstellung des Jahresabschlusses von der rein gläubiger- und vergangenheitsorientierten Rechnungslegung des HGB hin zu einer die Investoren ansprechenden und zukunftsorientierten Berichterstattung der IFRS ergeben, untersuchen. In diesem Zusammenhang werden wir sehen, dass viele Informationen, die für die Berichterstattung nach IFRS notwendig sind, von internen Quellen zur Verfügung gestellt werden müssen. In der dann nachfolgenden Ausarbeitung werden wir einige spezielle Bereiche der Bewertung herausgreifen und versuchen, anhand dieser deutlich zu machen, wo die Hauptaufgaben des Controllings, durch die Umstellung bedingt, liegen. Des Weiteren wird uns interessieren, an welchen Stellen die Rechnungslegung Möglichkeiten zur Bilanzpolitik zulässt und wo die Umstellung auf die internationalen Vorschriften des IASB neue Möglichkeiten schafft.
Inhaltsverzeichnis
1. OBJEKTIVIERUNG DES CONTROLLINGS
1.1 Controller als Dienstleister für andere Führungskräfte
1.2 Aktionsfelder und Rollenverständnis von Controllern
2. CONTROLLING ALS SCHNITTSTELLE ZWISCHEN EXTERNER UND INTERNER RECHNUNGSLEGUNG
2.1 Management approach
2.2 Integration von interner und externer Rechnungslegung
3. ANWENDUNGSFELDER DES MANAGEMENT APPROACH IN SPEZIELLEN BEWERTUNGSFRAGEN
3.1 Langfristige Fertigungsaufträge
3.2 Sachanlagevermögen
3.3 Immaterielle Vermögensgegenstände
3.4 Zusammenschlüsse von Unternehmen / Goodwill
3.5 Außerplanmäßige Abschreibungen
3.6 Weitere Anwendungsfelder des Management Approach
4. BILANZPOLITIK
5. FAZIT
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht die Auswirkungen der internationalen Rechnungslegungsvorschriften (IFRS) auf das Controlling. Das primäre Ziel ist es, die neuen Herausforderungen und Aufgaben für Controllingabteilungen darzustellen, die sich aus der Umstellung von der vergangenheitsorientierten HGB-Rechnungslegung hin zu einer investorenorientierten IFRS-Berichterstattung ergeben, wobei die Integration interner Steuerungsdaten eine zentrale Forschungsfrage bildet.
- Rolle des Controllers als Managementdienstleister
- Konzept des "Management Approach" bei IFRS
- Spezielle Bewertungsfragen (Fertigungsaufträge, Goodwill, etc.)
- Einfluss der Rechnungslegung auf die Bilanzpolitik
- Anpassung von Controllinginstrumenten
Auszug aus dem Buch
3.1 Langfristige Fertigungsaufträge
Von einem langfristigen Fertigungsauftrag wird gesprochen, wenn bei einer kundenspezifischen Herstellung eines Vermögensgegenstandes (Construction Contract) zwischen dem Beginn des Fertigungsauftrags und der Abnahme des Auftraggebers mindestens mehr als zwei Rechnungsperioden vergehen bzw. wenn mindestens ein Bilanzstichtag zwischen diesem Fertigungszyklus liegt. In der Praxis kommt es bei den bilanzierenden Unternehmen häufig zu der Frage, wie langfristige Fertigungsaufträge zum Bilanzstichtag bewertet werden sollen, wenn diese bis dahin nur zum Teil erfüllt wurden. Es liegt somit ein Bewertungsproblem vor, da in den langfristigen Fertigungsaufträgen Erträge stecken, die eine periodenübergreifende Wertigkeit haben. So muss festgestellt werden, in welcher Höhe und zu welchem Zeitpunkt ein Teilgewinn realisiert wurde. Zwischen der Bewertung nach handelsrechtlichen und internationalen Rechnungslegungsstandards gibt es hierbei aber einen wesentlichen Unterschied in der Handhabung der periodengerechten Erfolgsermittlung. Während nach HGB das Vorsichtsprinzip maßgeblich für die Bilanzierung von Langfristigen Fertigungsaufträgen ist, steht nach den Richtlinien der IFRS die periodengerechte und investorenorientierte Erfolgsermittlung im Vordergrund.
In IAS 11 wird zwischen Festpreissystemen (fixed price contract), bei denen sich der Auftraggeber verpflichtet, die Leistung zu einem vorher festgelegten Preis zu erbringen, und Kostenzuschlagsverträgen (cost plus contract), wo eine prozentuale oder fixe Gewinnmarge aufgeschlagen wird, unterschieden. Während die Vorschriften des HGB eine Gewinnrealisierung erst nach Gefahrenübergang, also der rechtlichen Abnahme zulassen (completed-contract-method), muss nach internationalen Standards diese bereits, abhängig vom Fertigstellungsgrad, in Form einer Teilgewinnrealisierung vorgenommen werden. Demnach werden anteilige Erträge und Aufwendungen nach dem Leistungsfortschritt (percentage-of-completion method) in der Gewinn- und Verlustrechnung erfasst, falls diese verlässlich bestimmt werden können.
Zusammenfassung der Kapitel
1. OBJEKTIVIERUNG DES CONTROLLINGS: Das Kapitel definiert Controlling als ergebnisorientiertes Steuerungskonzept und beschreibt den Controller primär als Dienstleister, der das Management durch Transparenz und Prozessmoderation unterstützt.
2. CONTROLLING ALS SCHNITTSTELLE ZWISCHEN EXTERNER UND INTERNER RECHNUNGSLEGUNG: Hier wird der "Management Approach" erläutert, der die Nutzung interner Controlling-Daten für die externe IFRS-Berichterstattung fordert, um eine höhere Konsistenz zwischen interner Steuerung und externer Darstellung zu erzielen.
3. ANWENDUNGSFELDER DES MANAGEMENT APPROACH IN SPEZIELLEN BEWERTUNGSFRAGEN: Dieses Kapitel analysiert anhand konkreter Standards wie IAS 11, IAS 16 oder IAS 36, wie das Controlling bei komplexen Bewertungsfragen zur Erfüllung der IFRS-Anforderungen beiträgt.
4. BILANZPOLITIK: Das Kapitel untersucht, inwiefern die IFRS-Vorgaben Spielräume für Bilanzpolitik einschränken, wobei dennoch Ermessensspielräume bei Rückstellungen oder der Aktivierung von Entwicklungskosten bestehen bleiben.
5. FAZIT: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass Controller durch die IFRS neue Rollen als Informationsdienstleister einnehmen und ihre Systeme sowie Aktionsfelder entsprechend anpassen müssen.
Schlüsselwörter
Controlling, IFRS, Management Approach, Jahresabschluss, Bilanzierung, IAS, Bewertung, Fertigungsaufträge, Goodwill, Impairment, Bilanzpolitik, Unternehmenssteuerung, Controller, Rechnungslegung, Sachanlagevermögen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie sich die Umstellung auf IFRS-Rechnungslegungsvorschriften auf die Aufgaben und die Rolle des Controllings in Unternehmen auswirkt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen das Rollenverständnis von Controllern, die Schnittstelle zwischen interner und externer Rechnungslegung (Management Approach) sowie spezifische Bewertungsaspekte im IFRS-Kontext.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Darstellung und Erläuterung der veränderten Aufgaben des Controllings, bedingt durch die Transformation der Rechnungslegung von einer vergangenheitsorientierten HGB-Basis zu einer zukunftsorientierten IFRS-Berichterstattung.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse und der Anwendung der Erkenntnisse auf relevante Rechnungslegungsstandards (IAS/IFRS), ergänzt durch die Darstellung von Zusammenhängen in Prozess- und Rollenmodellen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Konzeption des "Management Approach", der operativen Anwendung auf Bewertungsthemen wie Fertigungsaufträge, Goodwill und Sachanlagevermögen sowie den Möglichkeiten der Bilanzpolitik unter IFRS.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Controlling, IFRS, Management Approach, Bilanzierung, Goodwill, Impairment und Unternehmenssteuerung maßgeblich geprägt.
Welche Bedeutung hat der Management Approach konkret für das Controlling?
Er bedeutet eine engere Verknüpfung: Interne Daten, die für die Unternehmenssteuerung genutzt werden, müssen verstärkt für die externe IFRS-Berichterstattung bereitgestellt werden, was die Bedeutung der Controlling-Qualität erhöht.
Wie beeinflussen die IFRS die Spielräume für Bilanzpolitik im Vergleich zum HGB?
Die IFRS schränken viele klassische bilanzpolitische Maßnahmen ein, da sie präzisere Bewertungen fordern, bieten aber dennoch spezifische Ermessensspielräume bei Schätzungen, beispielsweise bei der Nutzungsdauer von Vermögenswerten oder der Abzinsung von Rückstellungen.
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- Andreas Schmidt (Author), 2006, Aufgaben des Controlling im Rahmen der IFRS, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/70562