1. Die Notwendigkeit der Gewinnmaximierung in der Unternehmung
Unternehmen haben viele Ziele, wobei unter Ökonomen die Frage, ob Unternehmen nur nach dem Gewinnmaximierungskalkül1 agieren sollten, umstritten ist. Ohne an dieser Stelle partialanalytische mikrökonomische Studien zu bemühen, herrscht in den Wirtschaftswissenschaften Einigkeit darüber, dass Unternehmen vor allem langfristig Gewinne maximieren sollten, um am Markt bestehen zu können2. Denn nur Unternehmen, die Profit erzielen, können sich noch andere Ziele leisten. Wenn nun Gewinnmaximierung das Oberziel einer Unternehmung ist, dann stellt sich die Frage, nach welchen Gesichtspunkten man andere Unternehmensziele bewerten soll. Wenn man ein wertfreies Bewertungsmodell für die Analyse von Handlungsmustern und -zielen sucht, dann bietet es sich an, Interaktionen und Zielformulierungen auf Kosten- und Nutzenüberlegungen hin zu untersuchen. Dieser ökonomische Ansatz3 eines Gary Becker bietet die Möglichkeit, systematisch über Vorteilsüberlegungen zu Erkenntnissen von interagierenden Wirtschaftssubjekten und Handlungssituationen jedweder Art zu gelangen4. Das Ethikkonzept von Homann baut auf solchen Vorteils- und Anreizüberlegungen auf, um darüber hinaus aufzuzeigen, wie z.B. konfligierende Interessen ökonomisch sinnvoll überwunden werden können. Wenn eine Unternehmung ihren Gewinn maximieren will und die Arbeitnehmerschaft konträre Interessen verfolgt, dann gilt es nach Homann einen derartigen Rahmen an Regeln zu gestalten, der die Anreizstrukturen beider Parteien berücksichtigt, um Kooperationsgewinne zu erzielen.
Inhaltsverzeichnis
1. Die Notwendigkeit der Gewinnmaximierung in der Unternehmung
2. Institutionenethik als Primat für ethisches Handeln
2.1 Ordnungs- versus Handlungsethik
2.2 Dilemmastrukturen und Wettbewerb
2.3 Anreize und Wettbewerb
2.4 Überwindung von Dilemmastrukturen durch die Ordnungsethik
3. Das Versagen des Ordnungsrahmens im Fall Enron
3.1 Die Liaison von Kontroll- und Beratungsinstanz
3.2 Die Konsolidierungskreisproblematik von SPEs nach US-GAAP
3.3 Anreizbedingungen im Fall Enron
4. Plädoyer für einen ordnungstheoretischen Ansatz
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit analysiert das Ethikkonzept von Karl Homann, das auf ordnungstheoretischen und spieltheoretischen Anreizüberlegungen basiert, und prüft dessen Anwendbarkeit am Beispiel des Enron-Skandals, um institutionelle Rahmenbedingungen zur Vermeidung von Firmenzusammenbrüchen und Wohlfahrtsverlusten zu evaluieren.
- Grundlagen der institutionellen Wirtschafts- und Unternehmensethik nach Karl Homann
- Spieltheoretische Analyse von Dilemmastrukturen im Wettbewerb
- Untersuchung der strukturellen Mängel im Fall Enron
- Rolle von Anreizstrukturen für Unternehmensführung und Kontrolle
- Evaluierung von ordnungspolitischen Ansätzen zur Regulierung von Märkten
Auszug aus dem Buch
2.2 Dilemmastrukturen und Wettbewerb
In Anlehnung an das klassische Konzept des spieltheoretischen „Gefangenendilemmas“ verdeutlicht Homann den Nutzen von Institutionen: da in Dilemmasituationen wie dem „Gefangenendilemma“ für die Spieler pareto-optimale Interaktionen an den Ausbeutungsrisiken scheitern, sorgen die Regelsysteme von Institutionen dafür, dass bestimmte Handlungsweisen unterbunden werden (z.B. Ausbeutung durch Nicht-Erfüllen eines Vertrags). Im klassischen Beispiel vom „Gefangenendilemma“ gestehen beide Spieler die Straftat und bringen sich in eine pareto-inferiore Situation (hohes Strafmaß für beide Spieler). Aufgrund eigener Anreizüberlegungen erzeugen sie somit das kollektiv schlechteste Ergebnis. Die Spielregeln sind derart gestaltet, dass beide Spieler gegen Ihr Hauptinteresse („leugnen“ mit evtl. Straffreiheit) verstoßen müssen. Die „Logik der Situation“ zwingt sie regelrecht dazu.
Dieselbe Situation liegt auf Wettbewerbsmärkten vor, wenn die Anbieterseite zum einen an hohen Absatzpreisen und zum anderen gleichzeitig daran interessiert ist, die Konkurrenz preislich zu unterbieten. Ebenso wie bei den „Gefangenen“ suchen die Anbieter Kooperationsvorteile mittels Preis- und Mengenabsprachen auszunutzen, die jedoch durch ein Kartellamt (Ordnungsrahmen) ausbleiben müssen. Die „kollektive Selbstschädigung“ der Anbieter erzeugt jedoch einen Nutzenzuwachs in Form fallender Preise auf Seiten der Nachfrager. Der Nutzenzuwachs beschränkt sich jedoch nicht auf die Nachfragerseite alleine. Die Folgen der Normensetzung sind weitreichend und generieren zum einen Nutzenzuwächse auch auf der Anbieterseite sowie Wohlfahrtsgewinne im Allgemeinen für beide Parteien.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Die Notwendigkeit der Gewinnmaximierung in der Unternehmung: Dieses Kapitel erläutert die ökonomische Begründung der Gewinnmaximierung als zentrales Unternehmensziel und führt in den ökonomischen Ansatz zur Analyse von Handlungsmustern ein.
2. Institutionenethik als Primat für ethisches Handeln: Hier wird das Konzept der Ordnungsethik nach Karl Homann vorgestellt, welches Moral in die Rahmenordnung einbettet und durch Anreizstrukturen Wettbewerb und Kooperation regelt.
3. Das Versagen des Ordnungsrahmens im Fall Enron: Das Kapitel untersucht die praktischen Defizite der Kontrolle, die Rechnungslegungsproblematik bei Zweckgesellschaften und die destruktiven Anreize, die zum Zusammenbruch des Enron-Konzerns führten.
4. Plädoyer für einen ordnungstheoretischen Ansatz: Abschließend wird diskutiert, inwiefern der ordnungstheoretische Ansatz trotz des Enron-Falls brauchbare Instrumente bietet, um durch Anreizkompatibilität und Strafandrohungen Fehlverhalten in Unternehmen zu begrenzen.
Schlüsselwörter
Wirtschaftsethik, Unternehmensethik, Karl Homann, Ordnungsethik, Institutionenethik, Enron-Skandal, Gewinnmaximierung, Dilemmastruktur, Anreizstruktur, Wettbewerb, Zweckgesellschaften, Bilanzfälschung, Sarbanes-Oxley-Act, Wohlfahrtsökonomie, Spieltheorie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Seminararbeit behandelt die Anwendung des ordnungsethischen Konzepts nach Karl Homann auf reale Unternehmensskandale, insbesondere am Beispiel von Enron.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Themenfelder umfassen Institutionenethik, spieltheoretische Dilemmastrukturen, Anreizsysteme in der Wirtschaft sowie die Bedeutung staatlicher und nicht-staatlicher Kontrollmechanismen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, zu untersuchen, ob Homanns zweistufiges Ethikkonzept in der Lage ist, Firmenzusammenbrüche wie den Fall Enron durch geeignete institutionelle Rahmenbedingungen zu verhindern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt den ökonomischen Ansatz und spieltheoretische Analysen, um Handlungssituationen von Wirtschaftsakteuren zu bewerten und Handlungsempfehlungen für Regelwerke abzuleiten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die theoretischen Grundlagen der Ordnungsethik, die spezifischen Versäumnisse der Enron-Bilanzpolitik (speziell die Nutzung von SPEs) und die Rolle destruktiver Anreizstrukturen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Ordnungsethik, Institutionenethik, Anreizstruktur, Wettbewerb, Dilemmastruktur und Enron-Skandal.
Warum spielt die 3-Prozent-Regel für SPEs bei Enron eine so große Rolle?
Die 3-Prozent-Regel sollte wirtschaftliche Unabhängigkeit suggerieren; ihre bewusste Umgehung durch Enron ermöglichte es, hochverschuldete Zweckgesellschaften nicht in den Konzernabschluss zu konsolidieren.
Wie bewertet der Autor den Sarbanes-Oxley-Act (SOA)?
Der Autor sieht im SOA ein notwendiges Instrument, das durch drastischere Strafen und eine Sensibilisierung der Unternehmensführung dazu beiträgt, das Risikobewusstsein zu stärken, auch wenn regulatorische Dichte allein Versagen nicht ausschließen kann.
- Quote paper
- Damir Cacic (Author), 2006, Karl Homann - Fortsetzung der Ethik mit besseren Mitteln: Anwendung auf den Fall Enron , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/70625