Seamus Heaney's Punishment


Hausarbeit (Hauptseminar), 2001

19 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Biographische Skizze Heaneys

2. Grundzüge von Heaneys Lyrik

3. Punishment
3.1 Inhalt
3.1.1 Das Windeby-Mädchen
3.1.2 Parallelen Jütland – Irland
3.2 The Artful Voyeur
3.3 Sprache
3.3.1 Religiöse Metaphorik
3.3.2 bog -Metaphern
3.3.3 Weitere sprachliche Auffälligkeiten

4. Heaneys Rolle in der Literatur und das anglo-irische Problem

Literaturverzeichnis

Anhang

1. Biographische Skizze Heaneys

Geboren wurde der wohl bekannteste zeitgenössische englischsprachige Dichter am 13. April 1939 auf dem Bauernhof der Familie im County Derry. Das älteste von neun Kindern, besuchte er zunächst die örtliche Schule. Mit 18 schrieb er sich am Queen’s College in Belfast ein, machte dort vier Jahre später einen Abschluß in Englisch und legte ein Jahr später eine Lehramtsprüfung am St. John’s College, Belfast, ab.

Zu dieser Zeit begann Heaney zu schreiben und seine Werke unter einem Pseudonym zu veröffentlichen. Im Jahr nach seiner Hochzeit mit Marie Devlin, die 1965 stattfand, wurde er als Dozent ans Queen’s College nach Belfast gerufen; Death of a Naturalist erschien. 1969 wurde sein zweiter Band, Door into the Dark, veröffentlicht. Anschließend nahm er einen zweijährigen Lehrauftrag an der University of California wahr um ein Jahr nach seiner Rückkehr zusammen mit seiner Familie in die Republik Irland umzusiedeln.

Kurz darauf erschien sein dritter Band Wintering Out, zwei Jahre später North. 1975 begann er eine Lehrtätigkeit am Carysfort College in Dublin. Field Work erschien 1979. Einige Jahre später gab er die Tätigkeit in Dublin auf und erhielt einen Lehrauftrag in Harvard. Station Island ist der Titel eines 1984 veröffentlichen Gedichtbandes, 1987 folgte The Haw Lantern. Sein bisher letzter Band Seeing Things erschien 1991. Alle seine Bände wurden mehrfach von den verschiedensten Institutionen ausgezeichnet.

Aufmerksamkeit erregte Heaney auch mit seiner Version des Beowulf, die 1999 erschien.

Seit 1976 lebt Heaney mit seiner Frau in Dublin.

2. Grundzüge von Heaneys Lyrik

Bei der Lektüre von Heaneys frühem Werk, vor allem von Death of a Naturalist oder Door into the Dark, aber auch darüber hinaus, stellt man sehr schnell fest, daß Heaney in ausgeprägtem Maße mit seiner ländlichen Heimat verwurzelt ist. Dies erkennt man bereits an „Digging“, dem ersten Gedicht in Death of a Naturalist. Hier definiert Heaney seine Rolle als Dichter, der sich von seinen Vorfahren abhebt und doch Parallelen zieht: Mit seinem Großvater verbindet er das Stechen von Torf, mit seinem Vater die Arbeit im Garten; anders als er wußten sie mit einem Spaten umzugehen (Vers 28: „But I’ve no spade to follow men like them.“), gleichwohl zieht er eine Analogie Spaten-Stift wenn er schreibt „Between my finger and my thumb / The squat pen rests. / I’ll dig with it.“ (V. 29-31). Trotz der Unterschiede ordnet sich Heaney so in die ländlich-bäuerliche Familientradition ein.

Ein weiteres Merkmal seines Schaffens ist gleichfalls schon in „Digging“ präsent, nämlich die Auseinandersetzung mit den Troubles, die bei irischen Autoren ja fast schon obligat erscheint. Auch in diesem Punkt sucht Heaney seiner Rolle als Dichter zu entsprechen: der Stift wird mit einer Waffe verglichen (V. 1-2: „Between my finger and my thumb / The squat pen rests; snug as a gun.“).[1]

Das letzte Hauptmerkmal, neben vielen mystischen Elementen und seiner für die Verhältnisse zeitgenössischer Lyrik leicht verständlichen Sprache, ist die ausgeprägte Sexualmetaphorik, die ebenfalls bereits in „Digging“ augenscheinlich wird (V. 8: „Stooping in rhythm [...]“; V. 23: „[...] going down and down“), die jedoch an anderer Stelle in Zusammenhang mit der Untersuchung von „Punishment“ genauer betrachtet wierden wird.

3. Punishment

3.1 Inhalt

Heaneys Gedicht ist ein Gedicht über sein Verhältnis zu den Troubles (ein sehr schön euphemistischer Begriff für einen Konflikt, dessen Wurzeln mehrere Jahhunderte zurück reichen), doch geht er noch weiter, indem er Irlands Vergangenheit auf eine ungewöhnliche Weise einbezieht.

3.1.1 Das Windeby-Mädchen

Der Gegenstand um den sich „Punishment“ dreht ist das sogenannte Windeby-Mädchen; eine Moorleiche, die der dänische Archäologe P.V. Glob in seinem Buch The Bog people. Iron-Age Man Preserved beschreibt.[2] Dieses fiel Heaney wohl in den 60er Jahren in die Hände[3] und inspirierte ihn zu den sogenannten bog poems.

Obwohl das Gedicht durchgängig in der ersten Person erzählt wird, werden verschiedene Perspektiven geboten. Die erste Stophe läßt das Berichtete in der Inneperspektive wahrnehmen, der Erzähler empfindet die ausnahmslos taktilen Reize der Schlinge und des Windes wie am eigenen Leib (V. 1: „I can feel [...]). In der folgenden Strophe ist die Perspektive bereits leicht verschoben: Das Beschriebene kann als (mit)empfunden ebenso wie als bloße Beobachtung angesehen werden, bedingt durch die zweimalige Verwendung des Personalpronomens „her“ (V. 5 und 8) und die Tatsache, daß das Verb „feel“ aus der ersten Strophe trotz der syntaktischen Abgrenzung in die zweite hinüber reicht. Der vollständige Übergang zur Außenperspektive vollzieht sich gleich zu Beginn der dritten Strophe, wenn nämlich der Erzähler beschreibt, daß er den Körper des Mädchens sieht (V. 9: „I can see [...]“). Insgesamt gesehen kann man die Entwicklung der Perspektive als zooming out beschreiben: vom Innenleben über die Nahaufnahme hin zur relativ distanzierten Draufsicht (V. 32: „I am the artful voyeur“) und schließlich zur vergleichenden Einordnung in einen größeren Zusammenhang (V. 38: „[...] your betraying sisters“). Heaney schafft es auf diese Weise, seine ambige Haltung zu den Troubles als genauso fließend wie die Perspektive darzustellen.

Auch ist es naheliegend, emotional divergierende Betrachtungsweisen des Sprechers damit in Verbindung zu bringen. Zum einen die sexuell-emotionale, die sich sowohl durch rein sexuelle Bilder konstituiert, etwa das Erhärten der Brustwarzen des Mädchens durch den kalten Wind (V. 3-5), als auch durch sehr gefühlvolle Aussagen – wie beispielsweise das der Anklage „adulteress“ vorangestellte verniedlichende Adjektiv „little“ (V. 23), „I almost love you“ (V. 29), oder die verbittert wirkende, zynische Anspielung auf den Ehering an den man sofort erinnert wird, wenn die Schlinge um den Hals des Mädchens bezeichnet wird als „a ring / to store / the memories of love.“ (V. 20-22). Zum anderen schließlich eine naturwissenschaftliche Betrachtung, die sich auf Photographien der Moorleiche (Ausschnitte des Körpers, das Gehirn des Mädchens nach der Sektion, etc.) wie auch auf Globs Untersuchungen an ihr (V. 26 „undernourished“, V. 36 „and all your numbered bones).

[...]


[1] Es besteht kein Zweifel, daß in einer Vielzahl von Heaneys Gedichten der Sprecher mit dem Autor gleichzusetzten ist; Heaney selbst hat dies oft genug bestätigt.

[2] Die von Glob gezeigten Photographien sind im Anhang ab S. 16 reproduziert.

[3] Corcoran, Neil. The Poetry of Seamus Heaney, S. 53.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Seamus Heaney's Punishment
Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg  (Fakultät Sprach- und Literaturwissenschaften)
Veranstaltung
Hauptseminar Political Poetry
Note
1
Autor
Jahr
2001
Seiten
19
Katalognummer
V7064
ISBN (eBook)
9783638144353
Dateigröße
711 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Seamus, Heaney, Punishment, Hauptseminar, Political, Poetry
Arbeit zitieren
Christian Sauer (Autor), 2001, Seamus Heaney's Punishment, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/7064

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