In dem Hauptseminar „Kultur der Konflikte - Konfliktstrukturen im späten Mittelalter“ wurde die Frage behandelt, ob mittelalterliche Konflikte der Definition des Begriffs Kultur genügen. Anhand der in den Referaten vorgestellten und hinsichtlich ihrer Strukturen untersuchten Konflikte konnte dies bestätigt werden. Trotz verschiedener Konfliktparteien und anderer, für die jeweiligen Konflikte spezifischer Sachverhalte, sind übergreifende Merkmale ersichtlich, die dem Begriff der Kultur zugeordnet werden können.
In dieser Arbeit soll das im Seminar entwickelte Modell „Konflikthandeln“ auf einen Konflikt zwischen Stadtherrn und Stadt angewandt werden. Exemplarisch soll hierbei die Konfliktphase in der Stadt Hildesheim betrachtet werden, in der die Hildesheimer Bürgerschaft sich von ihrem Stadtherrn, dem Hildesheimer Bischof, zu emanzipieren suchte. Es soll zunächst versucht werden einen Überblick über die in Hildesheim im Spätmittelalter herrschenden Konflikte zu geben. Zudem soll geklärt werden, ob respektive bis wann der Konflikt latent war und ab wann die althergebrachten Strukturen, die schon in der latenten Phase hinterfragt wurden, von der aufstrebenden Bürgergemeinde schließlich verändert wurden. Außerdem soll das Konflikthandeln dahingehend untersucht werden, ob der Hildesheimer Bischof kontinuierlich seine Macht verlor, die Stadt somit also ihre Macht bis zur Stadtfreiheit ebenso kontinuierlich ausdehnen konnte. Dies würde die Frage nach sich ziehen, ob es eine Zwangsläufigkeit in der Entwicklungslinie des Machtverlustes beziehungsweise des Machtzuwachses im Spätmittelalter gab. Schließlich soll analysiert werden, ob Normen und Regeln die Konfliktphase prägten.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung:
II. Hauptteil:
1. Grundlage des Konfliktes:
2. Phasen des Konfliktes zwischen dem Bischof und der Stadt Hildesheim:
a) Die Erste Bischofsfehde und die rechtliche Grundlage der Stadt (1246-1294):
b) Die erste Konflikteskalation im Jahre 1294 und ihre Folgen:
α) Ursache:
β) Anlass/Auslöser:
γ) Ablauf des Konfliktes:
δ) Wiederherstellung der Ordnung und die Bedeutung des Stadtrechtes von 1300:
c) Die Konfliktsituation bis zur Zweiten Bischofsfehde:
d) Die Zweite Bischofsfehde und der Konflikt mit der Dammstadt 1331-1345:
α) Ursache:
β) Anlass:
γ) Auslöser/Beginn:
δ) Ablauf des Konfliktes:
ε) Befriedung, Wiederherstellung der Ordnung und erneutes Aufflammen des Konfliktes:
ζ) Beilegung der Zweiten Bischofsfehde:
e) Die Fortsetzung des Konfliktes bis ins 15. Jahrhundert:
3. Die Frage nach Regeln/Normen:
III. Schluss:
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Modell "Konflikthandeln" anhand der historischen Emanzipationsbestrebungen der Stadt Hildesheim gegenüber ihrem Stadtherrn, dem Bischof, im Spätmittelalter. Ziel ist es, die Konfliktphasen und die Entwicklung der städtischen Autonomie sowie den Einfluss von Normen und Regeln auf diese Auseinandersetzungen zu analysieren.
- Strukturelle Analyse mittelalterlicher Konflikte zwischen Stadtherr und Bürgerschaft.
- Emanzipationsprozess der Stadt Hildesheim vom 13. bis zum 15. Jahrhundert.
- Rolle rechtlicher Grundlagen und Urkunden für die städtische Selbstverwaltung.
- Auswirkung von Kriegen, Bündnispolitik und wirtschaftlicher Lage auf die Machtverhältnisse.
- Normen des Konflikthandelns und Mechanismen der Konfliktlösung.
Auszug aus dem Buch
d) Die Zweite Bischofsfehde und der Konflikt mit der Dammstadt 1331-1345:
Nach dem Tode Otto II. wählte der größte Teil des Domkapitels Heinrich, den Sohn des Herzogs von Braunschweig, zum Bischof, nachdem die Übrigen den vom Papst legitimierten Grafen Erich von Schaumburg ernannt hatten. Zunächst zögerte die Stadt sich einer bestimmten Partei anzuschließen, nahm dann aber aktiv am Konflikt teil und unterstützte Erich. Die 1196 vom Propst des Moritzklosters gegründete Siedlung Dammstadt, die sich zur Konkurrentin von Hildesheim entwickelt hatte und 1232 städtisches Recht verliehen bekam, setzte sich vehement für Bischof Heinrich ein, der die Stadt als wirtschaftliche Waffe gegen Hildesheim nutzte und ihr daher bedeutende Rechte verlieh. Das Privileg des Gewandschnittes wurde 1298 zwar vom Hildesheimer Rat verboten, doch hob Bischof Heinrich die Anordnung im Jahre 1317 auf und erließ weitere Maßnahmen zur Förderung der Dammstadt. Zudem versperrte diese im Westen den Hellweg und somit den wichtigen Übergang über den Fluss Innerste und baute ihren Befestigungsring weiter aus.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung stellt das Modell "Konflikthandeln" vor und definiert die Forschungsfrage bezüglich der Emanzipation der Hildesheimer Bürgerschaft vom Stadtherrn.
II. Hauptteil: Der Hauptteil analysiert detailliert die verschiedenen Konfliktphasen zwischen Bischof und Stadt, angefangen bei den Grundlagen über die Bischofsfehden bis zur Fortsetzung des Konflikts im 15. Jahrhundert.
1. Grundlage des Konfliktes: Dieses Kapitel legt die historischen Ursprünge der Marktsiedlung und die Entwicklung städtischer Rechte vor Beginn des 13. Jahrhunderts dar.
2. Phasen des Konfliktes zwischen dem Bischof und der Stadt Hildesheim: Ein zentraler Abschnitt, der die Eskalationsstufen, Rechtsänderungen und Machtkämpfe bis in das 15. Jahrhundert systematisch dokumentiert.
3. Die Frage nach Regeln/Normen: Hier wird untersucht, welche allgemeinen Normen des Konflikthandelns, wie Vermittlung durch Dritte und die Verschriftlichung von Verträgen, das Geschehen prägten.
III. Schluss: Der Schluss fasst den Emanzipationsprozess zusammen und stellt fest, dass Hildesheim zwar de iuro nie die volle Stadtfreiheit erreichte, de facto jedoch den Status einer Freien Stadt erlangte.
Schlüsselwörter
Hildesheim, Mittelalter, Bischof, Bürgerschaft, Stadtrecht, Konflikthandeln, Emanzipation, Machtverlust, Dammstadt, Konfliktkultur, Urkunden, Stadtherr, Interdikt, Autonomie, Concordia Heinrici
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die spätmittelalterlichen Konfliktstrukturen in Hildesheim und den Emanzipationsprozess der Bürgerschaft gegenüber ihrem Stadtherrn, dem Bischof.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen die politisch-rechtlichen Auseinandersetzungen, die Rolle von Bündnissen, die Bedeutung der wirtschaftlichen Entwicklung sowie die Bedeutung von Normen und schriftlichen Vereinbarungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist die Anwendung des Modells "Konflikthandeln" auf die historischen Konfliktphasen in Hildesheim, um das Machtgefüge zwischen Stadt und Kirche zu beleuchten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die strukturelle Konfliktanalyse und stützt sich dabei intensiv auf die Auswertung von Urkunden und zeitgenössischer Sekundärliteratur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Grundlagen, eine chronologische Untersuchung der Konfliktphasen (Bischofsfehden) und eine theoretische Reflexion über Regeln und Normen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Hildesheim, Stadtrecht, Bischofsfehde, Emanzipation und Konfliktkultur.
Welche Rolle spielte die "Dammstadt" in den Konflikten?
Die Dammstadt fungierte als wirtschaftliche Konkurrentin von Hildesheim und wurde vom Bischof gezielt gefördert, um die Macht der Hildesheimer Bürgerschaft zu schwächen, was schließlich zu ihrer Zerstörung durch die Hildesheimer führte.
Zu welchem Fazit kommt der Autor bezüglich der "Stadtfreiheit"?
Der Autor schlussfolgert, dass die Stadt Hildesheim zwar rechtlich (de iuro) nie die vollständige Freiheit vom Bischof erlangte, in der Praxis (de facto) jedoch den Status einer Freien Stadt erreichte.
- Quote paper
- Adrian Hartke (Author), 2006, Konfliktstrukturen in Hildesheim, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/70703