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Der Blick und das Schamgefühl in Jean-Paul Sartres Werk "Das Sein und das Nichts"

Title: Der Blick und das Schamgefühl in Jean-Paul Sartres Werk "Das Sein und das Nichts"

Presentation (Elaboration) , 2002 , 16 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Nina Strehle (Author)

Philosophy - Philosophy of the 20th century
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Summary Excerpt Details

Der Kerngedanke des Werkes Das Sein und das Nichts. Versuch einer phänomenologischen Ontologie von JEAN-PAUL SARTRE ist die Aufspaltung des Seins in zwei verschiedene Seinsweisen: das An-sich-sein und das Für-sich-sein.
Alles gegenständliche, nicht-menschliche Sein existiert in der Art des An-sich, d.h. eines Seins, das mit sich selbst identisch ist. Gegenstände sind kurzerhand nur das, was sie sind. Ich nehme eine Welt wahr, die aus lauter Objekten bzw. An-sichs besteht und deren Zentrum ich bin.
Der Mensch besitzt die Fähigkeit, Bewusstsein von sich zu haben. Dieses Sich-Bewusstsein unterscheidet sich von seiner bloßen körperlichen Existenz und dem An-sich der nichtmenschlichen Dinge. Der Mensch existiert im Modus des Für-sich, da er nicht mit sich selbst identisch ist.
In dem Moment, in dem mich ein anderer Mensch erblickt, werde ich meiner selbst bewusst. Ich bin Objekt bzw. An-sich für einen Andern, der selbst Subjekt ist. Mein Wesen wird im Blick des Andern geschaffen, doch mein Sein ist von ihm abhängig, durch ihn bestimmt. Ich bin nicht An-sich, denn ich bin mehr als nur gegenständlich, und nicht Für-sich, denn ich bin nur, insofern ich für-andere bin. Ich bin mein eigenes Nichts.
Wenn ich nun zum Objekt eines fremden Subjekts werde, schäme ich mich. Schamgefühl ist Ausdruck eines Protestes gegen ein Etikett und gleichzeitig dessen Zustimmung. Der Mensch ist das, was er nicht ist, und ist nicht, was er ist.
Dennoch kann mich das Schamgefühl dazu veranlassen, zu meinem Wesen zurückzufinden. Ich kann den Andern sodann als Objekt erfassen, doch ich muss darauf Acht geben, ihn als solches zu fixieren. Ansonsten kehrt sich der beschriebene Prozess erneut um.
In den nachfolgenden Kapiteln sollen JEAN-PAUL SARTRES Ausführungen über Blick und Schamgefühl beleuchtet und veranschaulicht werden, um Einsicht in die Kerngedanken seines Werkes und in allgemeine Anschauungen des Autors zu erhalten.
[...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Der Andere

2.1 Der Andere als Objekt

2.2 Der Andere als Subjekt

3 Der Blick

3.1 Was ist der Blick?

3.2 Was geschieht, wenn ich erblickt werde?

3.3 Die Anwesenheit des Andern

4 Das Schamgefühl

5 Objektivierung des Andern

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Das primäre Ziel dieser Arbeit ist es, die zentralen Konzepte des Blickes und des Schamgefühls innerhalb der phänomenologischen Ontologie von Jean-Paul Sartre, insbesondere in seinem Hauptwerk "Das Sein und das Nichts", zu erläutern. Die Arbeit untersucht dabei die intersubjektive Dynamik zwischen Individuen und die daraus resultierenden Auswirkungen auf das Selbstverständnis und die Identitätsbildung.

  • Die Differenzierung zwischen dem Sein "An-sich" und dem Sein "Für-sich".
  • Die Analyse der Objektivierung durch den Blick des Anderen.
  • Das Schamgefühl als Ausdruck des Konflikts zwischen der eigenen Freiheit und der Fremdbestimmung.
  • Das Ringen um die eigene Subjektivität in einem ständigen intersubjektiven Kreislauf.

Auszug aus dem Buch

3.2 Was geschieht, wenn ich erblickt werde?

JEAN-PAUL SARTRE verdeutlicht das Moment des Erblicktwerdens am Beispiel des Voyeurs.

Ich stehe an einer Tür und sehe heimlich durch das Schlüsselloch. Meine Wahrnehmung beschränkt sich auf den Flur, das Schlüsselloch und die Geräusche hinter der Tür. Vielleicht kann ich sogar die Leute im Zimmer erkennen und ihre Gespräche genau verstehen. Ich bin derzeit hingegeben in mein unmittelbares Tun. Meine Neugierde oder Eifersucht motivieren mich.

SARTRE nennt diesen Zustand Situation. Ich kann über mein Handeln frei entscheiden, insofern mich momentan gewisse Konstellationen und Widerstände nicht daran hindern. In dieser Situation habe ich jedoch kein Ich-Bewusstsein. Mein Sein kommt zwar in meinem Handeln zum Ausdruck, ich erkenne es aber nicht. Ich bin quasi meine eigene Tätigkeit. Ich kann mein Tun nicht beurteilen und mich nicht als neugierigen Lauscher bestimmen.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Kerngedanken von Sartres Ontologie ein, insbesondere die Unterscheidung zwischen An-sich und Für-sich sowie die Bedeutung des Anderen.

2 Der Andere: Hier wird analysiert, wie die Begegnung mit einem Anderen die eigene Wahrnehmung und Identität radikal verändert, indem man vom Subjekt zum Objekt wird.

3 Der Blick: Dieses Kapitel untersucht die Funktion des Blickes als Mittel der Objektivierung und beleuchtet die existenzielle Erfahrung des Erblicktwerdens anhand von Fallbeispielen.

4 Das Schamgefühl: Es wird dargelegt, wie Scham als notwendige Bedingung und Reaktion auf den Blick des Anderen entsteht und das eigene Selbstverständnis beeinflusst.

5 Objektivierung des Andern: Dieses Kapitel behandelt den Versuch des Individuums, den Spieß umzudrehen und den Anderen seinerseits zum Objekt zu machen, um die eigene Freiheit zurückzugewinnen.

Schlüsselwörter

Jean-Paul Sartre, Das Sein und das Nichts, Phänomenologie, Ontologie, An-sich, Für-sich, Der Andere, Der Blick, Schamgefühl, Subjektivität, Objektivierung, Intersubjektivität, Identität, Voyeur, Situation.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit behandelt die philosophischen Konzepte des Blickes und der Scham in Jean-Paul Sartres Werk "Das Sein und das Nichts" und wie diese die menschliche Existenz in Beziehung zu anderen definieren.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen die Konzepte des Seins, der intersubjektiven Wahrnehmung, der Identitätsbildung durch den Blick des Anderen sowie das daraus resultierende Spannungsfeld zwischen Freiheit und Objektivierung.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, Einsicht in Sartres Kerngedanken zur Ontologie des menschlichen Seins zu vermitteln und zu zeigen, wie der Andere meine Welt strukturiert und mein Selbstverständnis bedingt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt die Methode der phänomenologischen Analyse, um Sartres theoretische Ausführungen anhand von alltäglichen Beispielen zu veranschaulichen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert schrittweise den Prozess der Wahrnehmung des Anderen, die Bedeutung des Blickes, das Aufkommen von Scham sowie die darauffolgenden Versuche der eigenen Objektivierung des Gegenübers.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den wichtigsten Begriffen gehören An-sich, Für-sich, Objektivierung, Subjektivität, Blick und Schamgefühl.

Warum spielt das Beispiel des Voyeurs eine so wichtige Rolle?

Das Beispiel verdeutlicht den Übergang vom unreflektierten Handeln (in der Situation) zur bewussten Identität, sobald man sich durch den Blick eines Anderen ertappt und beurteilt fühlt.

Warum ist das Ringen um Subjektivität ein "ständiger Kreislauf"?

Sartre beschreibt ein ewiges Duell: Da jeder Mensch versucht, ein Subjekt zu sein, aber durch den Anderen zum Objekt gemacht werden kann, wiederholt sich dieser Prozess ständig, bis der Tod die Möglichkeiten beendet.

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Details

Title
Der Blick und das Schamgefühl in Jean-Paul Sartres Werk "Das Sein und das Nichts"
College
University of Münster  (Philosophisches Seminar)
Grade
1,0
Author
Nina Strehle (Author)
Publication Year
2002
Pages
16
Catalog Number
V7072
ISBN (eBook)
9783638144407
ISBN (Book)
9783656205463
Language
German
Tags
Blick Schamgefühl Jean-Paul Sartres Werk Sein Nichts
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Nina Strehle (Author), 2002, Der Blick und das Schamgefühl in Jean-Paul Sartres Werk "Das Sein und das Nichts", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/7072
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