Der flämisch–wallonische Konflikt: Ausschließlich ein Sprachenstreit?


Hausarbeit, 2007

19 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Die Entstehung des Belgischen Staates

3. Die Ursachen des Belgischen Nationalitätenkonfliktes
3.1 Flämischer Identitätskampf.
3.2 Wallonisches Identitätsversagen?

4. Asymmetrien zwischen Wallonen & Flandern

5. Wirtschaftliche Entwicklung – Aufschwung versus Rezession

6. Die Sprachgrenze, der Sprachenstreit und die Sprachgesetze
6.1 Der Sprachenstreit..
6.2 Die Entwicklung der Sprachgesetze
6.3 Die Sprachgesetze von 1962 – 1963

7. Fazit

8. Literaturliste

1. Einleitung

Im Rahmen dieser Hausarbeit möchte ich darstellen, dass es nicht ausschließlich der Sprachenstreit war, welcher das Verhältnis zwischen Flamen und Wallonen erschüttert hat.

Seit der Staatsgründung 1830, standen sich zwei völlig unterschiedliche Volksgemeinschaften gegenüber und wagten den Versuch eines gemeinsamen Einheitsstaates.

Aufgrund der weltanschaulichen und sprachlich-kulturellen Unterschiede wurde der Zusammenschluss zwischen den niederländischsprachigen Flamen und den französischsprachigen Wallonen als reines Kunstprodukt bezeichnet.

Der Sprachenstreit in Belgien, wird gern als Anlass für sämtliche Auseinandersetzungen zwischen Flamen und Wallonen angesehen.

Aber es ist meiner Ansicht nach ein „Trugschluss, diesen Konflikt allein auf die Sprache zurück zu führen“.

Mit dem Sprachenstreit ist der Kulturstreit untrennbar verbunden, da er Ursache und Wirkung zugleich ist. Als Folgeerscheinung der unterschiedlichen Kulturen bildeten sich differente Religionen und Weltanschauungen aus.

Ein wichtiger Faktor im flämisch- wallonischen Konflikt, stellte die unterschiedliche wirtschaftliche Entwicklung in beiden Regionen da.

Neben den Diskriminierungen der sprachlichen und kulturellen Identität der Flamen hatten die Diskrepanzen in der Wirtschaftspolitik entscheidenden Anteil am zustande kommen der Staatsreform von 1970.

Ich folgenden Verlauf werde ich die Unterschiede zwischen den flämischen und frankophonen Gruppierungen aufzeigen und die Ergebnisse der Sprachgesetze von 1962 näher erläutern.

Die Sprachgesetze sollten den flämisch- wallonischen Konflikt eindämmen und helfen das Eis zwischen beiden Regionen zu schmelzen. Doch sind Sprachgesetze allein ausreichend um zwei völlig unterschiedliche Regionen zusammen zu führen?

Wie groß die Abneigung zwischen den Regionen noch heute ist, wurde am 14.12.2006 deutlich, als Flandern angeblich einseitig seine Unabhängigkeit erklärte und Zehntausende auf den Straßen feierten. Als bekannt wurde, dass dies nur eine Inszenierung darstellte, war die Enttäuschung auf flämischer Seite riesig.

Im Rahmen dieser Arbeit soll ersichtlich werden, dass die Differenzen zwischen den Regionen zu groß waren, um die sie mit Sprachgesetzen zusammen zu führen.

2. Die Entstehung des Belgischen Staates

Im Jahre 1648 musste Spanien die Unabhängigkeit der Niederlande anerkennen, was zur Folge hatte, dass auf den Besitzständen, die heutige Nordgrenze Belgiens entstand.

Die Südgrenze zu Frankreich, ist das Ergebnis des Friedens von Utrecht aus dem Jahre 1713.

Das Gebiet Belgiens wurde im Rahmen der französischen Besetzung 1794, in das französische Rechts- und Verwaltungssystem eingegliedert, was sich positiv auf die Wirtschaftslage im Land auswirkte[1].

Im weiteren Verlauf beschlossen die Großmächte Europas auf dem Wiener Kongress 1815, dass Belgien und die Niederlande zum „Königreich der Vereinten Niederlande“ zusammengefasst werden. In diesem geschaffenen Staatenbund hatten die belgischen Abgeordneten nur geringe Befugnisse. Dies lag auch daran, dass der König von Oranien, Wilhelm I., große Kompetenzen inne hatte und liberale Werte für ihn kaum eine Rolle spielten.

Er schränkte die persönlichen Freiheiten, als auch die Pressefreiheit ein und zog sich den Zorn der Liberalisten zu. Dieser wurde noch größer, als Wilhelm I. begann, dem Niederländischen, den französischen Sprachgebrauch zu bevorzugen und somit Barrieren im Rahmen der Einflussmöglichkeiten der belgischen Bevölkerung zu etablieren.

Mit dem Ziel vor Augen, eine von Rom unabhängige Kirche zu schaffen, verspielte Wilhelm auch die letzten Sympathien beim katholischen Klerus und zog sich weiteren Unmut zu.

Aus diesem Anlass, schlossen sich 1828 die liberalen und katholischen Gruppen zusammen, um gemeinsam ein Bündnis gegen das niederländische Regime in die Wege zu leiten.

Es wurde auf beiden Seiten ersichtlich, dass die eigenen Vorstellungen zurückgedrängt werden müssen, um die absolutistische Regierung in ihrem Streben zu behindern.

Ihren Höhepunkt fanden die Auseinandersetzungen im September 1830, als sich belgische Aufständische und königlichen Truppen gegenüberstanden.

Die Aufständischen forderten eine Teilung des Landes und akzeptierten keine Gegenvorschläge von Seiten der Unterhändler.

Wilhelm reagierte sehr zögerlich auf die Unruhen und ermöglichte es damit, dass sich die Aufständischen etablieren und sich eine Übergangsregierung konstituieren konnte.

Diese provisorische Regierung verkündete am 4. Oktober 1830 die Unabhängigkeit Belgiens.[2]

In der Konferenz von London 1831, wurde die Unabhängigkeit Belgiens auch von den Großmächten Frankreich und Großbritannien akzeptiert.[3]

Zwar sicherte sich Belgien die Souveränität der Großmächte zu, verpflichte sich aber gleichzeitig zur immerwährenden Neutralität. Die Gründung Belgiens gilt als reines Zweckbündnis und diente den Großmächten Europas zur Wahrung ihrer eigenen Interessen.

Die Großmächte waren sich der Tatsache bewusst, dass sie auf diesem Wege, den erst 15 Jahre alten Vertrag von Wien in Frage stellten.

Es musste noch einige Zeit verstreichen, bis es im April 1839, zum endgültigen Vertragsabschluss zwischen Belgien, den Großmächten und Holland kam.

3. Die Ursachen des belgischen Nationalitätenkonfliktes

Um realisieren zu können, was sich in Belgien in den letzten Jahrzehnten an Staatsreformen zugetragen hat, ist ein grundlegender historischer Rückblick, welcher mit der Staatsgründung beginnt, unabdingbar.

Bereits im Jahre 1830 wurde ersichtlich, dass ein erhebliches Konfliktpotential in den Bereichen der Weltanschauung, Wirtschaft und Sprache existierte.

Die Nationalisten Belgiens können nur begrenzt historische Wurzeln aufweisen, da unter anderen die sprachliche und kulturelle Trennlinie zwischen Norden und Süden bereits seit Anfang, beziehungsweise Mitte des 5. Jahrhunderts existiert.

Die Gegebenheiten des Nationalitätenkonfliktes machten Belgien vom einst unitären, zum föderalistischen Staat innerhalb Europas.

Selbst nach dem Belgien mittlerweile über 150 Jahre vereint ist, führten die unterschiedlichen Ansichten in den Bereichen Kultur, Sprache, Religion, Weltanschauung und Wirtschaft dazu, dass sich kein einheitlicher Staat herausbilden konnte.[4]

Allein der Sprachenstreit ist nicht ausschlaggebend für die Auseinandersetzungen zwischen Flandern und Wallonen.[5] Die Konfliktpunkte sind eng miteinander verstrickt und geben bis heute Anlass für den existierenden Regionalismus innerhalb Belgiens.[6]

3.1 Flämischer Identitätskampf

Der Begriff der Flamen existiert erst 150 Jahre, was aufzeigt, dass die Region wenig gemeinsame Geschichte in sich birgt. Im Rahmen der Staatsgründung 1830 existierte noch kein spezifisches – flämisches Bewusstsein. Die Gebiete des heutigen Flanderns, im Norden Belgiens, etablierten sich erst in den Jahren zwischen 1840 und 1860.[7]

Die Herausbildung einer eigenen Identität sollte dazu beitragen, der französischen Sprache den Kampf anzusagen und die eigene Kultur angemessen zu verteidigen.

Im Streben nach der eigenen Identität wurden sogar Abstriche gemacht, in dem man mit dem Niederländischen eine Sprache übernahm, welche nicht dem eigenen Ursprung entstammte.

Dies machte deutlich wie groß die Aversion gegen das Frankophone letztendlich war.

Auf flämischer Seite sah man sich verpflichtet, das Werk der Vorfahren fortzusetzen und nationale Bestrebungen durchzusetzen. Eine Mehrzahl der Flamen leiteten aus diesem unerbitterlichen Identitätskampf ihren wirtschaftlichen Vorsprung ab, was implizierte, dass ihr Selbstbewusstsein stetig anstieg und den Tatendrang in politischen und wirtschaftlichen Sektoren beständig anwachsen lies. Die Früchte dieses Arbeitseifers wurden unter anderen sichtbar in der Direktwahl eines eigenen Parlaments, was Flandern zur Subnation innerhalb Belgiens gemacht hat.

Aus einer zunächst simplen Sprachgemeinschaft, ist eine künstliche Nation hervorgegangen, deren Unabhängigkeit in sämtlichen Bereichen beständig wächst.

Erreicht werden sollten diese Ziele, in dem man sich vom alten politischen Denken abgewendet und neue Maßstäbe gesetzt hat. Gesellschaftliche Probleme wurden auf direktem Wege rational behandelt und sollten im Sinne der Nation verinnerlicht werden.[8] In der flämischen Region ist man gewillt sich mit der eigenen Nationalität zu identifizieren, aber sich gleichzeitig bewusst vom Volksnationalismus tyrannischer Nationen zu differenzieren.

Bei sämtlichen positiven Aspekten ist es nicht außer Acht zu lassen, dass die Bestrebungen Flanderns in Richtung eines eigenen Nationalstaates tendieren und sich nationale Strukturen negativ auf sämtliche Bereiche der Gesellschaft auswirken könnten.

Im Laufe der Evolution hat sich neben der Identität, die Politik als Träger des emanzipatorischen Denkens entwickelt.

Innerhalb des flämischen Regionalismus bestehen dennoch Disharmonien, über die Zukunft institutioneller Strukturen.

Die Visionen tendieren vom Erhalten der aktuellen Bestände, bis zur Gründung eines Regimes, um die Privilegien des Volkes zu garantieren und Eindringlinge fern zu halten.[9]

[...]


[1] Hecking, Claus: Das politische System Belgiens. Verlag Leske & Budrich; Opladen 2003; S. 28.

[2] Schilling, Jörg; Täubrich, Rainer: Belgien. Verlag C.H. Beck; München 1989; S.43.

[3] Hecking, Claus: Das politische System Belgiens. Verlag Leske & Budrich; Opladen 2003; S.30.

[4] Ebd. S.84.

[5] Schilling, Jörg; Täubrich, Rainer: Belgien. Verlag C.H. Beck; München 1989; S.107.

[6] Hecking, Claus: Das politische System Belgiens. Verlag Leske & Budrich; Opladen 2003; S.68.

[7] Hecking, Claus: Das politische System Belgiens. Verlag Leske & Budrich; Opladen 2003; S. 84.

[8] Ebd.S.86.

[9] Hecking, Claus: Das politische System Belgiens. Verlag Leske & Budrich; Opladen 2003; S.87.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Der flämisch–wallonische Konflikt: Ausschließlich ein Sprachenstreit?
Hochschule
Universität Erfurt
Veranstaltung
Förderalistische Systeme im Vergleich
Note
1,7
Autor
Jahr
2007
Seiten
19
Katalognummer
V70740
ISBN (eBook)
9783638618267
ISBN (Buch)
9783638769181
Dateigröße
454 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Konflikt, Ausschließlich, Sprachenstreit, Förderalistische, Systeme, Vergleich
Arbeit zitieren
Dirk Süßenbach (Autor), 2007, Der flämisch–wallonische Konflikt: Ausschließlich ein Sprachenstreit?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/70740

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