Sexueller Mißbrauch von Jungen


Seminararbeit, 1999

18 Seiten, Note: 2,6


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Was ist Mißbrauch

3. Die Opfer des sexuellen Mißbrauchs

4. Die Täter
4.1 Dominanz des Mannes
4.2 Klassifikation der Täter

5. Feststellen des Mißbrauchs

6. Auswirkung des Mißbrauchs
6.1 Körperliche Folgen
6.2 Psychische Folgen
6.3 Folgen auf das soziale Verhalten
6.4 Bewältigungsstrategien und Abwehrmechanismen

7. Hilfe bei Mißbrauch

8. Literaturverzeichnis
8.1 Bücher
8.2 Artikel
8.3 Sammelbände
8.4 Internet

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Die Problematik des sexuellen Mißbrauchs von Jungen ist in der Psychologie noch sehr unterrepräsentiert. Ähnlich dem Bereich über Sexualität von Kindern und Jugendlichen im Allgemeinen. Es liegen zwar umfangreiche Unterlagen zum Thema sexueller Mißbrauch vor, doch kaum wirklich psychologisches Material über Themen wie Bewußtsein, Identität, Wahrnehmung oder Verarbeitung eines Traumas durch Mißbrauch. Das vorliegende Material beschränkt sich größtenteils auf Berichte von mißbrauchten Jungen und Männern und mehrere Studien der verschiedensten Institutionen, bei welchen die Ergebnisse so unterschiedlich sind wie die Anzahl der Studien. Nicht einmal die Reichweite des Problems ist genau bekannt. So liegt der Anteil der Jungen als Opfer von sexuellem Mißbrauch bei 2 bis 50 %. Wobei die niedrigen Prozentsätze aus feministischen Studien stammen und die hohen Prozentsätze in meist sehr kleinen Studien (N 100), mit ausgesuchten Personen liegen.

Die psychologischen Auswirkungen sind hingegen bisher kaum betrachtet. In diesen Bereich spielt neben der Sexualität von Kindern und Jugendlichen auch die Täterforschung eine große Rolle. Da dieser Bereich bis heute auch nicht sehr intensiv bearbeitet wurde, können auch daraus kaum Schlüsse gezogen werden. Aber gerade der Sachverhalt, daß viele männliche Täter früher selbst mißbraucht wurden, zeigt den engen Zusammenhang zwischen den Bereichen.

2. Was ist Mißbrauch

Mißbrauch zu definieren, ist eine heikle Angelegenheit. Grundlegend ist zu sagen, daß sexueller Mißbrauch die Ausnutzung eines Macht- bzw. Kompetenzgefälles zur Befriedigung sexueller Wünsche aller Art des Machtinhabers ist, ohne das das Kind die Möglichkeit hat, sich angemessen zu entscheiden. Unter angemessen versteht man auch, daß „die kindliche Sexualität...nicht einfach mit der Sexualität des Erwachsenen gleichgestellt werden“ (Trube-Becker,1992, S.53) kann.

Das Alter des Mißbrauchers, die Schwere des Mißbrauchs oder das Anwenden von Gewalt sollten in einer Definition nicht näher beschrieben werden, da es so immer wieder zu Verzerrungen oder Ausnahmefällen kommen kann. Auch die Gefühle des Opfers sollten keine Rolle spielen, da sich das Opfer in einer ihm subjektiv angenehmen Situation befindet und/oder den Mißbrauch gar nicht abschätzen kann. Priorität muß auf die Ausnutzung des Macht- bzw. Kompetenzgefälles gelegt werden, denn erst da beginnt der Mißbrauch. In einer Beziehung, in der es keine verschiedenen sexuellen Kompetenzen oder Machtpositionen gibt, wird es auch kaum Mißbrauch geben.

Hier wird diese Definition eingeschränkt und auf die Jungen im Alter von 0 – 18 Jahre gelegt. Es soll hier kein gesellschaftlicher oder juristischer Disput geführt werden, da dann die Definition wieder eingeschränkt oder verzerrt würde.

3. Die Opfer des sexuellen Mißbrauchs

Einen prozentualen Anteil der Jungen am Gesamtgeschehen oder ein Zahlenverhältnis zwischen Jungen und Mädchen ist nicht so relevant, wenn es um die Auswirkungen des Mißbrauchs geht. SozialarbeiterInnen vom Jugendamt berichten von einem Verhältnis von 1:1,andere Studien„von 2:1 bis 4:1 (Finkelhoretal., 1990; Elliger & Schötensack, 1991; Bange, 1992)“ (Engfer, 1998, S.1009). Das liegt sicher daran, daß sich ein Teil der mißbrauchten Jungen nicht als Opfer sieht. Sie können mit einer Beziehung zu einer Frau, ihre Rolle innerhalb ihres jugendlichen Umfeldes eine stärkere Position erreichen. Ein 14jähriger Junge, der eine sexuelle Beziehung zu einer 30jährigen Frau unterhält, wird in seinem jugendlichen Umfeld (Klasse, Verein, Clique, Freunde) eher in Ansehen und Achtung noch steigen, da er schon ein „richtiger“ Mann ist. Er hat also keinen Grund sich als Mißbrauchsopfer zu sehen und damit an die Öffentlichkeit zugehen. Zum Mißbrauch wird es erst dann durch Justiz und Gesellschaft gemacht, was sich wiederum dann erst traumatisch auf den Jungen auswirken kann.

Jungen werden im früherem Alter und unter Anwendung von mehr Gewalt als Mädchen mißbraucht. Auch das Rollenklischee des Mannes: stark, hart, ohne Gefühle und nie in der Opferrolle spielen eine Rolle, die es den Jungen schwerer macht mit ihrem Problem an die Öffentlichkeit zu gehen, „...d.h. auch betroffene Jungen sind in ihrem `sozialen` Geschlecht eher weiblich;...“ (Born, 1994, S.38). Auch haben sie Angst homosexuell zu sein, da der größte Teil der Täter ein heterosexueller Mann ist. Die Jungen glauben, daß ihr „homosexuelles Wesen“ den Mann dazu verleitet hat, die Tat zu begehen.

Die Aufdeckungsrate steigt mit zunehmendem Alter der Opfer. Die Gründe dafür sind verschiedenartig. Die Kinder erkennen erst mit zunehmendem Alter, was da mit ihnen geschieht, ihnen wird immer mehr bewußt, daß sie das gar nicht wollen und auch ihr soziales Netzwerk vergrößert sich immer mehr. Sie sind nicht mehr innerhalb der Familie gefangen und bekommen Kontakt zu anderen Personen, wie Lehrer, Mitschüler, Trainer.

Das die Familiensituation stark mit dem sexuellen Mißbrauch korreliert ist inzwischen empirisch nachgewiesen. Schon eine gestörte Elternbeziehung erhöht das Risiko des Mißbrauchs, je besser die Beziehung der Eltern funktioniert, „...desto stärker können Eltern auch als Schutzfaktoren dienen“ (Wetzels, 1997, S.89). Andere Faktoren können nach Wetzels auch die soziale Isolation der Familie, Mangel an Beaufsichtigung des Kindes, keine umfassende sexuelle Aufklärung oder auch ein emotional unsicheres oder depriviertes Kind sein. Je vielschichtiger die Familienprobleme sind, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit des sexuellen Mißbrauchs. Die gestörte Eltern-Kind-Interaktion, wirkt sich nach dem Mißbrauch um so schlimmer aus, als daß das Kind niemanden hat, an den es sich wenden kann oder ihm nicht geglaubt wird. So lebt es dann mit dem sexuellen Mißbrauch und der Tatsache als Lügner bezeichnet zu werden, was sich weiter traumatisierend auf das Kind auswirkt.

4. Die Täter

4.1 Dominanz des Mannes

Beim Täter allein sind die Ursachen für einen Mißbrauch zu suchen. Nicht das Opfer, sondern die Persönlichkeit des Täters und seine spezifischen Erfahrungen, lassen den Mißbrauch Realität werden.

Meist sind die Täter männlichen Geschlechts. Der Frauenanteil bewegt sich zwischen 2 und 20%. Warum der Täteranteil so von Männern dominiert wird, ist noch nicht ausreichend geklärt. Eine Rolle dürfte das schon oben genannte Phänomen spielen, daß Jungen, die durch fremde Frauen mißbraucht werden, sich nicht als Mißbrauchsopfer sehen und damit auch keinen Grund haben an die Öffentlichkeit zu gehen. Auch spielt die größere Abhängigkeit des Jungen von der Mutter eine Rolle und das die Jungen meist gezwungen sind aktiver zu sein, als wenn sie von einem männlichen Täter mißbraucht werden. Frauen wenden außerdem viel weniger Gewalt als Männer an.

[...]

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Sexueller Mißbrauch von Jungen
Hochschule
Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig  (Sozialpädagogik)
Veranstaltung
Seminar Entwicklungspsychologie
Note
2,6
Autor
Jahr
1999
Seiten
18
Katalognummer
V7079
ISBN (eBook)
9783638144445
Dateigröße
505 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sexueler Mißbrach, Jungen, Sozialarbeit, Psychologie
Arbeit zitieren
Joerg Krause (Autor), 1999, Sexueller Mißbrauch von Jungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/7079

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