Der Begriff Cargo-Kult bezeichnet ein primär Melanesisches Phänomen, bei dem die Stationierung amerikanischer Truppen auf Inseln mit noch relativ traditionell lebender Bevölkerung religiöse Heilserwartungen auslöste.
Die Inselbewohner beobachteten, wie Schneisen in den Wald gerodet, diese
beleuchtet und mit weißen runden Schlägern gewunken wurde, auf dass donnernde
Stahlvögel zu Boden glitten und „Cargo“ brachten oder abwarfen. Irgendwann kamen keine neuen Güter mehr. Und fortan versuchten die Menschen, die neuen Götter – und damit das Cargo – durch die Nachahmung der beobachteten Rituale wieder herbeizulocken: Sie schlagen Schneisen in den Wald, führen Tänze mit weißen Fächern auf, schnitzen Kopfhörer aus Holz und der örtliche Prophet hisst jeden Morgen die Flagge der Götter – die Stars and Stripes.
Dieser sehr verkürzten und natürlich die Skurrilität des Cargo-Kultes betonenden Sicht ist es zu verdanken, dass der Begriff „Cargo-Kult“ auch in der englischen Wirtschaftssprache und unter Programmierern als Synonym für eine effektlose, obwohl „richtig“ ausgeführte Handlung gilt. Darüber hinaus wird gerne von Soziologen die Parallele zum Cargo-Kult gezogen um Kaufräusche und Materialismus in den Industriestaaten zu kommentieren. Eine genauere Betrachtung des Cargo-Kult Phänomens und vor allem der sozialpolitischen Bewegungen innerhalb des Glaubens (in dieser Hausarbeit an der „Vorzeigebewegung“ dieser Richtung, dem Paliau-Kult, illustriert) wird die Tragik-Komik des Populärwissens über Cargo-Kulte jedoch verblassen lassen. [...]
Inhaltsverzeichnis
Cargo Kulte und die Paliau-Bewegung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit analysiert das soziologische Phänomen der Cargo-Kulte am Beispiel der Paliau-Bewegung auf Manus (Papua-Neuguinea), um die komplexen Verflechtungen zwischen religiöser Heilserwartung, antikolonialem Widerstand und politischer Reformbestrebung aufzuzeigen.
- Historische Genese der Cargo-Kulte durch koloniale Einflüsse
- Soziopsychologische Motive hinter dem Phänomen der Cargo-Philosophie
- Paliaus Transformation von der religiösen zur politischen Führung
- Die Implementierung der "Nupela Pasin" als Sozial- und Wirtschaftsreform
- Das Spannungsfeld zwischen kolonialer Unterdrückung und indigener Selbstverwaltung
Auszug aus dem Buch
Cargo Kulte und die Paliau-Bewegung
Der Begriff Cargo-Kult bezeichnet ein primär Melanesisches Phänomen, bei dem die Stationierung amerikanischer Truppen auf Inseln mit noch relativ traditionell lebender Bevölkerung religiöse Heilserwartungen auslöste.
Die Inselbewohner beobachteten, wie Schneisen in den Wald gerodet, diese beleuchtet und mit weißen runden Schlägern gewunken wurde, auf dass donnernde Stahlvögel zu Boden glitten und „Cargo“ brachten oder abwarfen. Irgendwann kamen keine neuen Güter mehr. Und fortan versuchten die Menschen, die neuen Götter – und damit das Cargo – durch die Nachahmung der beobachteten Rituale wieder herbeizulocken: Sie schlagen Schneisen in den Wald, führen Tänze mit weißen Fächern auf, schnitzen Kopfhörer aus Holz und der örtliche Prophet hisst jeden Morgen die Flagge der Götter – die Stars and Stripes.
Dieser sehr verkürzten und natürlich die Skurrilität des Cargo-Kultes betonenden Sicht ist es zu verdanken, dass der Begriff „Cargo-Kult“ auch in der englischen Wirtschaftssprache und unter Programmierern als Synonym für eine effektlose, obwohl „richtig“ ausgeführte Handlung gilt. Darüber hinaus wird gerne von Soziologen die Parallele zum Cargo-Kult gezogen um Kaufräusche und Materialismus in den Industriestaaten zu kommentieren.
Zusammenfassung der Kapitel
Cargo Kulte und die Paliau-Bewegung: Das einleitende Kapitel definiert den Begriff Cargo-Kult, beleuchtet den historischen Kontext der Kolonialisierung in Papua-Neuguinea und führt in die spezifische Rolle der Paliau-Bewegung auf der Insel Manus ein.
Schlüsselwörter
Cargo-Kult, Paliau-Bewegung, Melanesien, Papua-Neuguinea, Nupela Pasin, Kolonialismus, Heilserwartung, Manus, Native Councils, Soziologie, Religionsgeschichte, indigene Bewegungen, Kulturkontakt, wirtschaftliche Reformen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Phänomen der Cargo-Kulte in Melanesien und fokussiert dabei auf die Paliau-Bewegung als ein konkretes Beispiel für den Übergang von religiösen Heilserwartungen hin zu politischer Selbstorganisation.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Auswirkungen kolonialer Fremdherrschaft auf indigene Kulturen, die soziologische Einordnung von Cargo-Kulten als Reaktion auf materielle Ungleichheit und die Versuche zur Modernisierung durch sozio-ökonomische Reformen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, das Klischee des "skurrilen Cargo-Kults" zu überwinden und die Paliau-Bewegung als ernstzunehmende, emanzipatorische politische Bewegung zu analysieren, die religiöse Symbolik als "Deckmantel" für Reformen nutzte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine auf Literaturanalyse und historischen Quellen basierende Untersuchung, die soziologische Erklärungsmodelle zur Analyse des Paliau-Kults heranzieht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Entstehung der Bewegung, die Einführung der "Nupela Pasin", die Konflikte mit der australischen Kolonialverwaltung sowie das spätere Ende der Kultphase und die Etablierung politischer Strukturen wie dem Südküstenrat.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Cargo-Kult, Paliau, Melanesien, Kolonialismus und soziale Transformation definiert.
Inwiefern nutzte Paliau die Religionsfreiheit für seine politischen Ziele?
Paliau erkannte, dass die australische Verwaltung keine direkte politische Unabhängigkeit duldete, und nutzte daher die religiöse Freiheit als geschickten Vorwand, um radikale soziale und wirtschaftliche Reformen unter dem Deckmantel einer neuen Glaubensform einzuführen.
Wie unterschied sich der Paliau-Kult von anderen Cargo-Kulten?
Im Gegensatz zu anderen, oft eher irrationalen Ausprägungen des Cargo-Glaubens, war der Paliau-Kult ungewöhnlich "bodenständig" und pragmatisch, indem er konkrete soziale Strukturen, Schulen und eine moderne Verwaltung aufbaute, anstatt nur passiv auf die Ankunft von Gütern zu warten.
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- Katharina Kunze (Author), 2006, Der Cargo-Kult am Beispiel der Pailau-Bewegung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/70822