Ideologie und Ideologiekritik. Zu Th. W. Adornos Bestimmung der Kunst


Hausarbeit, 2005

19 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1 Adornos Bestimmung der Kunst
1.1 Zum Wesen des Kunstwerks
1.2 Sinn eines Kunstwerks und notwendige Rezeption
1.3 Geschichtlichkeit

2 Ideologie und Ideologiekritik. Zu Th. W. Adornos Deutung der Rolle der Kunst in der modernen Gesellschaft
2.1 Die Rolle der Kunst in der modernen Gesellschaft
2.2 Massenmedien

3 Adornos Deutung der Kunst im Vergleich zu Benjamins Deutung der Kunst

4 Schluss

5 Literaturangaben
5.1 Primärliteratur
5.2 Sekundärliteratur

Einleitung

In dieser Arbeit möchte ich auf Adornos Bestimmung der Kunst im Allgemeinen und vor dem Hintergrund seiner neo-marxistischen Ästhetik eingehen, auf seine Definition der Kunstwerke und deren notwendige Rezeption.

Daher möchte ich im ersten Kapitel zum einen zeigen, wie Adorno das Kunstwerk definiert, und zum anderen Adornos Sicht vom Sinn eines Kunstwerks darbieten sowie die für ihn notwendigen Rezeptionsgrundlagen und das von ihm als notwendig erachtete Vorgehen vorstellen.

Die Geschichtlichkeit der Kunstwerke ist für Adorno mit der Rezeption verknüpft. Da sie jedoch ein wichtiger Bestandteil der Kunstwerke selbst ist, wird sie eigenständig im letzten Abschnitt des ersten Kapitels behandelt.

Im zweiten Kapitel möchte ich auf die Begriffe Ideologie und Ideologiekritik eingehen und hierzu Adornos Deutung der Rolle der Kunst in der modernen Gesellschaft sowie seine Einstellung zu den Massenmedien untersuchen.

Das dritte Kapitel enthält eine kurze Analyse von Adornos Deutung der Kunst im Vergleich zu Walter Benjamins Deutung der Kunst.

1 Adornos Bestimmung der Kunst

1.1 Zum Wesen des Kunstwerks

„Wer weiß, dass ein Kunstwerk etwas Gemachtes ist, weiß keineswegs, dass es ein Kunstwerk ist.“ (GS 7, S. 267) Ein allgemeiner Begriff reicht für Adorno nicht aus, um die Kunst und Kunstwerke zu beschreiben. Hierfür gibt es mehrere Gründe. Zum einen ist Adorno der Meinung, dass die Kunst nicht nur in den Kunstwerken aufgeht, da Künstler immer auch an der Kunst arbeiten und nicht nur an den Werken, zum anderen betrachtet er Kunstwerke als dynamische Prozesse, die ebenso wenig durch ein festgelegtes Schema analysiert wie allgemeingültig definiert werden können.

„Was Kunst sei, ist unabhängig sogar vom Bewusstsein der Kunstwerke selbst.“

Den Begriff „Artefakt“, der „Kunstwerk“ übersetzt, hält er für völlig unzureichend, um das Wesen eines Kunstwerks treffend zu beschreiben, da dieser nur auf das Gemachtwerden durch Menschenhand deute, das umfassende Wesen eines Kunstwerks aber nicht repräsentieren kann. Ein Kunstwerk ist für Adorno mehr als etwas nur „Gemachtes“. Durch die Verwendung des Begriffs „Artefakt“ würde das Wirken der Menschen, der Künstler, zu stark fokussiert und die eigentlichen Ursachen für das Kunstwerk, sein Sinn und seine Funktion, nicht deutlich gemacht.

Kunstwerke sind nach Adorno nicht als Sein, sondern als Werden zu betrachten, denn er versteht sie nicht als statische Gebilde, die aus mehreren ebenfalls statischen Teilen bestehen, sondern als eine Einheit aus Kraftzentren und Ding, deren Einzelmomente jedes für sich den Wahrheitsgehalt des gesamten Werks in sich trägt und doch nicht für sich allein als Kunstwerk bestehen kann: „Es ist, [...] Monade: Kraftzentrum und Ding in eins“. (GS 7, S. 268)

Nur im Gesamtarrangement aller Einzelmomente entstehe das Kunstwerk. „Die Kunstwerke sind der Einzelmomente bedürftig und fähig vermöge ihrer Unvollständigkeit, vielfach ihrer Unerheblichkeit.“ (GS 7, S. 263)

Nach Adorno vereinigen Kunstwerke Gegensätze, „unvereinbare, unidentische, aneinander sich reibende Momente“, sie suchen die Einheit des Identischen und Nichtidentischen im Prozess ihres Seins, weil sogar ihre Einheit ein Moment des Werks selber ist und nicht die Zauberformel fürs Ganze.

Diese Wechselseitigkeit ihrer verschiedenen Einzelteile mache ihre Dynamik aus, da die Unschlichtbarkeit der wirkenden Gegensätze aller Teile in keinem prozessualen (Zeit)punkt gestillt wird.

Die Spannung der Gegensätze jedoch mündet nicht in reiner Identität mit nur einem der vorhandenen Pole. Das bedeutet, das sie nur unter dem Blick des jeweiligen Betrachters „leben“, nicht statisch sind, also auch immer wieder anders wahrgenommen werden können.

Andererseits werden sie nur als fertige, geronnene („fest gewordene“) Objekte zum Kraftfeld ihrer Antagonismen; denn sonst liefen die verkapselten Kräfte nebeneinander her oder auseinander. Und selbst dieser Umstand als Konsequenz ihrer Dynamik lässt sich schwer definieren: „Ihr paradoxes Wesen, der Einstand, negiert sich selber.“ (GS 7, S. 264)

Sehr wichtig ist Adorno, dass die Einzelteile nicht als Gegebenheiten verkannt, sondern als Kraftzentren wahrgenommen werden, die das Kunstwerk zum Ganzen treiben. Und selbst das Verhältnis von Ganzem und Teilen des Kunstwerks bilde noch einen Prozess.

Auch die so genannte Totalität eines Kunstwerks sei nicht bloß das Gefüge all seiner Teile, es bleibe auch in seiner Vergegenständlichung aufgrund der in ihm wirksamen Tendenzen ein erst sich Herstellendes. (GS 7, S. 267)

Für Adorno ist das Kunstwerk sowohl Prozess selbst im Stillstand als auch Resultat des Prozesses.

Er bezeichnet Kunstwerke als etwas Selbstständiges und Lebendiges und führt Goethe an, der sie statt mit dem Begriff ‚Monade’ mit dem Synonym ‚Entelechie’ bezeichnet. (GS 7, S. 268) Entelechie bedeutet ‚was das Ziel in sich hat’ und lässt noch verständlicher werden, wie Adorno das Wesen eines Kunstwerks sieht: als einen vergegenständlichten Wahrheitsgehalt, der zwingend aus verschiedenen Teilen zusammengestellt ist, die einander bedürfen, obwohl jeder für sich eben den Wahrheitsgehalt des Gesamtkunstwerks in sich trägt. Der Betrachter muss den Inhalt unter Zuhilfenahme philosophischer Reflexion herausarbeiten.

Aufgrund der Tatsache, dass Kunstwerke nicht nur aufgrund ihrer Materie wirken, sondern durch den dynamischen Prozess der Einzelmomente, spricht Adorno ihnen auch eine Zeitwirkung zu. „Der Prozesscharakter der Kunstwerke ist nichts anderes als ihr Zeitkern.“ (GS 7, S. 264)

Hier unterscheidet er zwischen Kunstwerken, die schnell „untergehen“, weil sie zu sehr auf „Angepasstheit“ bedacht sind, und solchen, die sich polemisch zeigen.

„Die Kunstwerke, sterbliche menschliche Gebilde, vergehen offensichtlich umso rascher, je verbissener sie dem (Vergehen) sich entgegenstemmen.“ (GS 7, S. 264)

Würden Kunstwerke alleine dazu erschaffen, auf Dauer zu wirken, „indem das vermeintlich Kurzlebige und Vergängliche aus ihnen entfernt wird oder das Allgemeinmenschliche in ihnen verewigt werden soll“, so würden sie ihr Leben verkürzen und eine unpassende Gestalt annehmen, weil der Spannungscharakter der Kunstwerke sich gegen eine solche Statik wehre.

1.2 Sinn eines Kunstwerks und notwendige Rezeption

Den Sinn eines Kunstwerks, wie Adorno ihn sieht, kann man besser nachvollziehen, wenn man weiß, dass für Adorno ein enger Zusammenhang zwischen Kunst und Gesellschaft besteht. Seiner Meinung nach gehen Probleme der Zeit in die Kunst ein, das heißt, die Nöte und Probleme der Menschen werden in ihr widergespiegelt und sind für den Künstler bewusst oder unbewusst Quellen. Das Besondere zumindest der in seinen Augen „wahren“ Kunstwerke ist, dass sie Kritik am schlechten Zustand der Gesellschaft üben, ohne sich auf ihn selber einlassen zu müssen:

„An den Malen der Kunstwerke erkennen wir die Wunden der Zeit und damit auch ihren Wahrheitsgehalt.“

Diese Funktionszuweisung der Kunst hat ihre Ursache in Adornos Kritik an der Gesellschaft, die er als einen Zustand „totaler Verdinglichung“ bezeichnet und der er auf allen gesellschaftlichen Ebenen zwanghafte äußerliche Einheit vorwirft, die über qualitativen Besonderheiten gelten. Diese Zustände bezeichnet er mit den Begriffen „Identität“ und „das Nichtidentische“.

[...]

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Ideologie und Ideologiekritik. Zu Th. W. Adornos Bestimmung der Kunst
Hochschule
FernUniversität Hagen  (Institut für Philosophie)
Veranstaltung
Präsenzveranstaltung "Das Ende der Kunst" im Juni 2005
Note
2,7
Autor
Jahr
2005
Seiten
19
Katalognummer
V70897
ISBN (eBook)
9783638630467
ISBN (Buch)
9783638793933
Dateigröße
483 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Dozent: Mit Ihren Ausführungen zum Thema Ideologie und Ideologiekritik. Zu Th. W. Adornos Bestimmung der Kunst haben Sie unter Beweis gestellt, dass Sie sich mit den Grundzügen der Adornschen Ästhetik vertraut gemacht haben. Es gelingt Ihnen in Ihrer knappen, aber sachorientierten Darstellung, die für das gewählte Thema zentralen Aspekte dieser Theorie zutreffend zu charakterisieren.
Schlagworte
Ideologie, Ideologiekritik, Adornos, Bestimmung, Kunst, Präsenzveranstaltung, Ende, Juni
Arbeit zitieren
Eva Siegmund (Autor), 2005, Ideologie und Ideologiekritik. Zu Th. W. Adornos Bestimmung der Kunst, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/70897

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