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Hollywoodfilme und Kalter Krieg

Title: Hollywoodfilme und Kalter Krieg

Term Paper (Advanced seminar) , 2005 , 23 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Johannes Kaufmann (Author)

Didactics - History
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Beschäftigt man sich mit Spielfilmen unter geschichtswissenschaftlichen Gesichtspunkten, so gibt es zwei grundsätzliche Aspekte, die zum Gegenstand der Untersuchung gemacht werden können: Einmal kann der Film auf seine Funktion als „Historiographie in bewegten Bildern“ geprüft werden, also als Veranschaulichung, Verlebendigung der dargestellten geschichtlichen Geschehnisse und Begebenheiten. Aussagekräftiger als seine Funktion als Sekundärquelle zu einer inszenierten Vergangenheit ist der Film jedoch als Dokument, „als historiographisches Material seiner Entstehungszeit“. Wie alle Kunstformen unterliegt er den politischen, sozialen und psychologischen Einflüssen, die die Gesellschaft, in der er entsteht, ausmacht. Dies desto mehr, je weniger er diese Einflüsse reflektiert, je unkritischer er also damit umgeht. Folglich lassen sich aus Massenfilmen, eher trivialen Produktionen, die keine weitere Intention als die Unterhaltung des Publikums vertreten, zumeist mehr Erkenntnisse über die Gesellschaft, die diese Filme ursprünglich rezipiert hat, gewinnen, als aus solchen, die einen kritischen und damit vorgelenkten Blick auf die eigene Entstehungszeit werfen. Dem entsprechend sollen in dieser Arbeit über Hollywoodfilme und den Kalten Krieg nicht nur Produktionen im Mittelpunkt stehen, die sich explizit mit dem Kalten Krieg und seinen Auswirkungen beschäftigen, sondern gerade auch Filme, die sich auf andere Themen beziehen und in Genres fallen, die üblicherweise keine Verbindung zum Kalten Krieg haben, in denen aber nichtsdestotrotz dessen Einfluss erkenntlich wird. Aus diesem Grund sollen hier nicht nur die großen Klassiker der einzelnen Epochen, wie Apocalypse Now für den Vietnamfilm, Beachtung finden, sondern beispielsweise auch Produktionen aus dem Bereich des Horror- und des Science-Fiction-Films. Aus den Erzählstrukturen und Leitmotiven dieser Genres, vor allem während der 50er Jahre, lassen sich aufgrund ihrer Popularität eher Rückschlüsse auf das Publikum ziehen als aus den alternativen Produktionen, die nur kleine Zuschauerzahlen erreichten.

Ziel dieser Arbeit ist es, nicht nur zu zeigen, dass sich politische und gesellschaftliche Einflüsse im populären Spielfilm spiegeln, sondern auch, dass diese Beeinflussung wechselseitig erfolgt, dass der Film aktiv auf die Meinungen und Vorstellungen seiner Zuschauer einwirkt, somit also – aus der Sicht des Historikers gesprochen – Teil des kollektiven Selbstverständnisses und Geschichtsbewusstseins ist.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Verbindung von Politik und Filmindustrie: Hollywood im Zweiten Weltkrieg und der Nachkriegszeit

3. Kommunistenjagd und Hysterie: Hollywood zu Beginn des Kalten Kriegs

3.1 Antikommunismus im Film

3.2. Versteckte Kritik: Ausweichen auf andere Genres

3.3. Invasionen und Riesenmonster: Science-Fiction- und Horrorfilme

4. Weltuntergang und Dschungelhölle: Die 60er- und 70er-Jahre

4.1 Die Rückkehr der Kritik

4.2 Exkurs: Der Atomkriegsfilm

4.3 Der Vietnamfilm

5. Vielfalt trotz Revisionismus und Nostalgie: Die Reagan-Ära

6. Ausblick und Schlußbemerkung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die wechselseitige Beeinflussung von Hollywood-Filmen und der gesellschaftspolitischen Lage während des Kalten Krieges, wobei insbesondere analysiert wird, wie Filme politische Ideologien widerspiegeln und aktiv auf das kollektive Geschichtsbewusstsein einwirken.

  • Verbindung von US-Politik und Filmindustrie in der Nachkriegszeit
  • Auswirkungen der Kommunistenjagd (McCarthy-Ära) auf die Filmproduktion
  • Metaphorische Gesellschaftskritik in Science-Fiction-, Horror- und Western-Filmen
  • Darstellung und Aufarbeitung des Vietnamkriegs in verschiedenen Filmepochen
  • Der Einfluss der Reagan-Ära auf Geschichtsrevisionismus und nostalgische Erzählmuster

Auszug aus dem Buch

3.3. Invasionen und Riesenmonster: Science-Fiction- und Horrorfilme

Mit dem Ende der McCarthy-Zeit legte sich langsam die öffentliche Hysterie, eine Unterwanderung durch sowjetische Spione betreffend. An ihre Stelle trat die Angst vor der Bedrohung von Außen, vor einer Invasion. Geschürt wurde diese Angst durch die wahrgenommene Expansion des Kommunismus’ in der Welt. Sie spiegelt sich in vielen Science-Fiction-Filmen der Zeit. In The Man from Planet X (1951) und Invaders from Mars (1953) suchen Außerirdische die Erde heim, um diese zu zerstören oder für sich in Anspruch zu nehmen. In The Thing from Another World (1951) gelingt es einer Gruppe von Wissenschaftlern und Soldaten in einer Forschungsstation im ewigen Eis, ein bösartiges und gefühlloses Alien – die außerirdische Version der kommunistischen Bedrohung – zu vernichten, welches sich von Menschen ernährt. Später unterdrücken sie ihren Forschergeist und akzeptieren, daß alle Ereignisse im Auftrag der nationalen Sicherheit geheim bleiben müssen.

Die Invasion of the Body Snatchers (1956) behandelt außerirdische Pflanzensporen, welche die Kontrolle über amerikanische Kleinstädter übernehmen. Die willenlosen und gehorsamen Marionetten können stellvertretend gesehen werden für Amerikaner, die unter den Einfluß des Kommunismus geraten sind. Es gibt aber auch Filme, die keine Feindbilder verbreiten, sondern vor dem möglichen Selbstmord der Menschheit durch den dritten Weltkrieg warnen, indem sie Außerirdische als Beispiel zeigen für Gesellschaften, die sich selbst vernichteten. Zu nennen wären hier Rocketship X-M (1950), The Day the Earth Stood Still (1951) und Forbidden Planet (1956). Es bleibt zu erwähnen, daß der Science-Fiction-Film, angetrieben durch den Wettlauf ins All, sich in dieser Zeit großer Beliebtheit erfreute.

Aufgrund der Eigenheiten seines Genres, nämlich der Ferne zur Realität, war es dem Horrorfilm möglich, sich eines Themas anzunehmen, daß für andere Genres noch eine zu große Abschreckung besaß: der nuklearen Bedrohung. Der Horrorfilm der 50er Jahre präsentiert eine Fülle verstrahlter Riesenkreaturen, wie das Urzeitmonster in The Beast from 20,000 Fathoms (1953), Ameisen in Them (1954) oder Heuschrecken in The Beginning of the End (1957).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung definiert den Film als historisches Dokument seiner Zeit und legt die methodische Vorgehensweise fest, Filme genreübergreifend auf ihren Kalter-Krieg-Kontext zu untersuchen.

2. Verbindung von Politik und Filmindustrie: Hollywood im Zweiten Weltkrieg und der Nachkriegszeit: Dieses Kapitel erläutert die ökonomische und ideologische Symbiose zwischen US-Regierung und Filmstudios zur Verbreitung des „American Way of Life“.

3. Kommunistenjagd und Hysterie: Hollywood zu Beginn des Kalten Kriegs: Der Abschnitt behandelt die Auswirkungen der McCarthy-Ära und des HUAC auf Hollywood, inklusive Schwarzer Listen und der Zensur linker Intellektueller.

3.1 Antikommunismus im Film: Hier wird die direkte propagandistische Verarbeitung der kommunistischen Bedrohung in Filmen der späten 40er und 50er Jahre analysiert.

3.2. Versteckte Kritik: Ausweichen auf andere Genres: Dieses Kapitel zeigt, wie Regisseure und Autoren aufgrund des Drucks ihre politische Kritik in Genres wie den Western oder andere metaphorische Erzählungen verlagerten.

3.3. Invasionen und Riesenmonster: Science-Fiction- und Horrorfilme: Das Kapitel untersucht die Angst vor Infiltration und nuklearer Zerstörung, die sich in Science-Fiction- und Monsterfilmen der 50er Jahre widerspiegelt.

4. Weltuntergang und Dschungelhölle: Die 60er- und 70er-Jahre: Die Analyse des Wandels in der Filmproduktion nach der Kubakrise und während des Vietnamkriegs.

4.1 Die Rückkehr der Kritik: Fokus auf Filme, die eine kritischere Auseinandersetzung mit dem Kalten Krieg und der atomaren Bedrohung wagten.

4.2 Exkurs: Der Atomkriegsfilm: Eine kurze Untersuchung der filmischen Darstellung der totalen Vernichtung und der nuklearen Abschreckung.

4.3 Der Vietnamfilm: Analyse der verzögerten filmischen Aufarbeitung des Vietnamkriegs und der Rolle des Kinos bei der Gestaltung des Veteranen- und Heldenbildes.

5. Vielfalt trotz Revisionismus und Nostalgie: Die Reagan-Ära: Untersuchung des filmischen Geschichtsrevisionismus in den 80er Jahren und der Rückkehr konservativer Werte.

6. Ausblick und Schlußbemerkung: Ein Resümee über die veränderten Deutungsmuster des Kalten Krieges in modernen Filmen nach dem Zusammenbruch des Ostblocks.

Schlüsselwörter

Hollywood, Kalter Krieg, Filmgeschichte, Antikommunismus, HUAC, McCarthy-Ära, Science-Fiction, Vietnamkrieg, Geschichtsrevisionismus, Propaganda, Filmgenre, Atomkrieg, Reagan-Ära, Gesellschaftskritik, kulturelles Gedächtnis.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es grundsätzlich in dieser Arbeit?

Die Arbeit untersucht, wie Hollywood-Filme als historisches Material politische Ängste, Ideologien und gesellschaftliche Vorstellungen während des Kalten Krieges spiegeln und prägen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die staatliche Einflussnahme auf Hollywood, der Antikommunismus, die metaphorische Kritik in Genre-Filmen, die Darstellung des Vietnamkriegs und der konservative Geschichtsrevisionismus der 80er Jahre.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es aufzuzeigen, dass Filme nicht nur als Unterhaltung dienen, sondern als Teil des kollektiven Geschichtsbewusstseins aktiv auf die Meinungen und Vorstellungen des Publikums einwirken.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit verfolgt einen chronologischen Ansatz und analysiert filmische Erzählstrukturen, Motive und Genres im Kontext der zeitgeschichtlichen politischen Ereignisse.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich chronologisch von den Auswirkungen der Nachkriegszeit und der McCarthy-Ära über die 60er und 70er Jahre (inklusive Vietnam und Atomkrieg) bis zur Reagan-Ära.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Schlüsselbegriffe sind vor allem Kalter Krieg, Hollywood, Antikommunismus, Vietnamfilm, gesellschaftliche Projektion und Geschichtsrevisionismus.

Wie reagierte Hollywood auf den Druck des HUAC?

Die Filmindustrie beugte sich schließlich dem Druck, akzeptierte Schwarze Listen, entließ kritische Mitarbeiter und förderte antikommunistische Propagandafilme, um ihr Überleben zu sichern.

Wie wurde der Vietnamkrieg in Filmen dargestellt?

Die Darstellung wandelte sich: Von einer anfänglichen Vermeidung des Themas über die traumatische Auseinandersetzung in den 70ern bis hin zu einer revisionistischen Helden-Mythisierung unter Reagan.

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Details

Title
Hollywoodfilme und Kalter Krieg
College
Technical University of Braunschweig  (Historisches Seminar - Abteilung Geschichtsdidaktik)
Course
Medien im Geschichtsunterricht
Grade
1,0
Author
Johannes Kaufmann (Author)
Publication Year
2005
Pages
23
Catalog Number
V70976
ISBN (eBook)
9783638629256
ISBN (Book)
9783638674812
Language
German
Tags
Hollywoodfilme Kalter Krieg Medien Geschichtsunterricht
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Johannes Kaufmann (Author), 2005, Hollywoodfilme und Kalter Krieg, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/70976
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