Mit Beginn des 21.Jahrhunderts sieht sich die erweiterte Europäische Union vor große Herausforderungen gestellt; im Gegensatz zu vergangenen Jahrhunderten zählt Europa nicht mehr zu den klassischen Auswandererregionen, sondern zu den bevorzugten Einwanderungsregionen der Erde, was aktuelle Meldungen in der Presse, wie Flüchtlingsboote vor Lampedusa oder verzweifelte Afrikaner in den spanischen Exklaven Melilla und Ceuta, belegen. Alle EU-Länder gelten als Einwanderungsstaaten, was ein positives Wanderungssaldo in den Ländern belegt; hieraus resultieren verschiedene Probleme für die EU.
Pro Jahr wandern ca. 700.000 Menschen in die EU ein. Die Gründe für ihre Flucht oder Migration sind verschiedener Natur und reichen von Verfolgung, über familiäre Probleme/Gründe bis hin zu wirtschaftlichen Anreizen. Kontrovers diskutiert wird vor allem die Wohlstandsmigration, welche die EU zu vermeiden versucht. Die Zuwanderung ethnisch Zugehöriger, lange Zeit bevorzugt in der EU praktiziert, (z. B. in Deutschland Spätaussiedler) wurde in den letzten zehn Jahren immer mehr abgebaut. Bei Zuwanderung in die EU spielt die Familienzusammenführung eine bedeutende Rolle, weiterhin wird die Arbeitsmigration zukünftig eine wichtigere Rolle spielen (aus demographischen und wirtschaftlichen Gründen), Flüchtlinge und Asylbewerber gehören zu jener Gruppe, der die Aufnahme aus humanitärer Sicht nicht verwehrt werden darf. Doch durch schärfere nationale Asylgesetze wird versucht, die Zahl der Asylanten zu reduzieren, was aber die illegale Immigration nicht aufhalten kann. Die IOM (International Organisation for Migration) schätzt, dass pro Jahr ca. 300.000 – 500.000 Menschen illegal in die EU einreisen.
Migrationsströme sind kaum noch steuerbar geworden, auch nicht oder gerade nicht durch nationale Politik. Dies liegt an einer erhöhten Mobilität, an der erweiterten Telekommunikation, an der Vernetzung von Politik weltweit und an neuen Formen von Migration. Globalisierung führt dazu, dass bisherige Migrationspolitik im eigentlichen Sinne nicht mehr möglich ist. Die De-jure-Zuständigkeiten stimmen räumlich nicht mehr mit der De-facto-Regulierbarkeit überein. Grenzüberschreitende und supranationale Lösungen sind deshalb von Nöten.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
I. 1. Arbeitsziele
II. Die europäische Migrations- und Asylpolitik
III. Das Schengener Abkommen und seine humanitären Folgen
IV. Migration nach Europa
IV. 1. Legale Migration nach Europa
VI. 2. Illegale Migration nach Europa
IV. 3. Ursachen für Migration
V. Ist das Boot voll? - Zukunftsszenarien
V.1. Bevölkerungs- und Arbeitskräfteentwicklung
V. 1. 1. Zuwanderung
V. 1. 2. Geburtenentwicklung
V. 1. 3. Lebenserwartung
V. 1. 4. Erwerbsverhalten
V. 1. 5. Folgerungen
V. 2. Arbeitsplatzszenarien
V. 2. 1. Arbeitskräfteangebot
VI. Ausblick
VI. 1. Persönliches Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Entwicklung der europäischen Migrations- und Asylpolitik seit dem Schengener Abkommen und analysiert in diesem Kontext Zukunftsszenarien zur europäischen Migrationsentwicklung sowie die Auswirkungen des demographischen Wandels auf den Arbeitsmarkt. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert dabei darauf, ob Europa zur Kompensation demographischer Defizite Zuwanderung benötigt und wie eine zukunftsorientierte, ethisch vertretbare Migrationspolitik gestaltet werden kann, ohne die Leistungsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes zu gefährden.
- Historische und politische Entwicklung der europäischen Asyl- und Migrationspolitik.
- Analyse der Folgen des Schengener Abkommens für Migrationsprozesse.
- Differenzierung zwischen legalen und illegalen Migrationsformen sowie deren Ursachen.
- Zukunftsszenarien für Bevölkerungswachstum, Geburtenentwicklung und Arbeitsmarkt unter demographischen Gesichtspunkten.
- Diskussion von Handlungsoptionen für eine aktive und transparente Einwanderungspolitik in der EU.
Auszug aus dem Buch
IV. Migration nach Europa
Mit dem Fall des „Eisernen Vorhangs“ erhöhte sich der Wanderungsdruck auf die EU aus dem Osten, zusätzlich zu Wanderungsbewegungen aus dem Süden. Bis zum Ende der 1980er Jahre, war Europa zu einem Einwanderungskontinent geworden, was es bunter und interessanter gemacht hat. Einwanderung war in allen europäischen Staaten zu einem politischen Thema geworden. Von 1950 bis zum Fall des „Eisernen Vorhangs“ hat sich die ausländische Wohnbevölkerung vervierfacht. Ausländerzahlen an der Wohnbevölkerung lassen sich aber international nicht unbedingt vergleichen, da die einzelnen Länder eine unterschiedliche Einbürgerungspraxis haben.
Einwanderungspolitik in Europa war unterschiedlich gewichtet und reichte von Restriktion bis zu Liberalisierung, aber zum Ende des 20. Jahrhunderts verstärkte sich die Restriktion. Grund hierfür waren oft auch die unerwarteten sozialen Folgen, die Einwanderung mit sich brachte. Die Debatte wurde dann noch einmal emotionalisiert und politisiert durch die Flüchtlingsströme aus der Dritten Welt, was sich negativ auf die Ausländer auswirkte, die schon in der EU waren (bspw. Menschen aus ehemaligen Kolonien).
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Beleuchtet die Herausforderungen der EU als Einwanderungsregion sowie die Gründe und Formen moderner Migrationsströme.
I. 1. Arbeitsziele: Definiert das Ziel, die Auswirkungen von Schengen sowie zukünftige Gestaltungsoptionen für eine europäische Migrations- und Asylpolitik zu analysieren.
II. Die europäische Migrations- und Asylpolitik: Skizziert den schrittweisen Aufbau einer gemeinsamen europäischen Politik von den Römischen Verträgen bis zum Tampere-Programm und dem Haager Programm.
III. Das Schengener Abkommen und seine humanitären Folgen: Beschreibt den Abbau von Binnengrenzkontrollen, die verstärkte Außengrenzsicherung sowie die daraus resultierenden Einschränkungen für Asylsuchende.
IV. Migration nach Europa: Analysiert den wachsenden Migrationsdruck, die unterschiedlichen Formen von legaler und illegaler Migration sowie die vielfältigen Ursachen für Wanderungsbewegungen.
VI. 2. Illegale Migration nach Europa: Untersucht Formen irregulärer Zuwanderung, wie das Abtauchen nach Ablauf der Aufenthaltsfrist oder durch Schlepperkriminalität, und die Rolle des informellen Sektors.
IV. 3. Ursachen für Migration: Führt globale Faktoren wie Standortentscheidungen, demographische Unterschiede, Bevölkerungswachstum und ökologische Katastrophen als Treiber der Migration auf.
V. Ist das Boot voll? - Zukunftsszenarien: Diskutiert, ob und in welchem Umfang Europa zur Aufrechterhaltung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit Zuwanderung benötigt.
V.1. Bevölkerungs- und Arbeitskräfteentwicklung: Untersucht Variablen wie Zuwanderungsszenarien, Geburtenraten, Lebenserwartung und deren Einfluss auf die demographische Struktur.
V. 1. 1. Zuwanderung: Stellt verschiedene Szenarien der Zuwanderungssteuerung vor, von strikter Abschottung bis hin zur Öffnung in globaler Verantwortung.
V. 1. 2. Geburtenentwicklung: Analysiert den Geburtenrückgang in der EU und die Schwierigkeiten bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
V. 1. 3. Lebenserwartung: Betrachtet den Trend zur steigenden Lebenserwartung in Europa als wesentlichen Faktor der demographischen Alterung.
V. 1. 4. Erwerbsverhalten: Erörtert die Auswirkungen steigender Lebenserwartung auf das Rentenalter und die Bedeutung der Erwerbsbeteiligung.
V. 1. 5. Folgerungen: Fasst die demographischen Konsequenzen zusammen und bewertet die Notwendigkeit von Zuwanderung zur Vermeidung einer demographischen Lücke.
V. 2. Arbeitsplatzszenarien: Setzt die Nachfrage nach Arbeitskräften in Bezug zu unterschiedlichen Wachstumsmodellen der europäischen Wirtschaft.
V. 2. 1. Arbeitskräfteangebot: Diskutiert die Notwendigkeit der Anpassung des Arbeitskräfteangebots an den demographischen Wandel in den einzelnen Mitgliedsstaaten.
VI. Ausblick: Plädiert für eine proaktive, transparente Einwanderungspolitik und betont die Notwendigkeit gelungener Integration sowie die Bekämpfung der Fluchtursachen.
VI. 1. Persönliches Fazit: Formuliert ein Plädoyer für eine ethisch verantwortungsvolle Migrationspolitik, die Migration als Chance begreift und die Bedürfnisse der EU mit denen der Herkunftsländer in Einklang bringt.
Schlüsselwörter
Europäische Union, Schengener Abkommen, Migrationspolitik, Asylpolitik, demographischer Wandel, Arbeitskräftemangel, Festung Europa, illegale Zuwanderung, Bevölkerungsentwicklung, Integration, Arbeitsmarkt, Globalisierung, Migrationsursachen, Sozialsysteme, Zukunftsszenarien.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die europäische Migrations- und Asylpolitik im Kontext des Schengener Abkommens und bewertet vor dem Hintergrund des demographischen Wandels künftige Szenarien für die Zuwanderung in die EU.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Themenfelder umfassen die historische Entwicklung der EU-Migrationspolitik, die Auswirkungen des Schengener Abkommens, die Ursachen von Flucht und Migration sowie demographische Prognosen bezüglich Bevölkerungsentwicklung und Arbeitsmarkt.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, ob Europa Zuwanderung benötigt, um den demographisch bedingten Arbeitskräfterückgang auszugleichen, und wie eine aktive Migrationspolitik gestaltet werden kann, die sowohl wirtschaftliche als auch soziale Anforderungen erfüllt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine schriftliche Hausarbeit, die auf einer umfassenden Literaturanalyse basiert, um bestehende Modelle, Szenarien und politische Rahmenbedingungen der EU-Migrationspolitik auszuwerten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die politische Analyse von Schengen, eine Darstellung der Migrationsströme nach Europa sowie eine detaillierte Auseinandersetzung mit Zukunftsszenarien zur Bevölkerungs-, Arbeitsmarkt- und Geburtenentwicklung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen zählen unter anderem Europäische Union, Schengener Abkommen, demographischer Wandel, Migrations- und Asylpolitik, Arbeitskräftemangel sowie Integrationspolitik.
Wie bewertet die Autorin die Rolle des Schengener Abkommens?
Das Schengener Abkommen wird als eine Maßnahme beschrieben, die zwar die Binnengrenzen öffnete, aber gleichzeitig zu einer restriktiveren Außengrenzsicherung führte, was die Situation für Asylsuchende erschwerte und teilweise den Menschenrechten widerspricht.
Warum ist laut der Arbeit eine rein defensive Migrationspolitik gescheitert?
Eine defensive Abschottungspolitik wird als ineffektiv bewertet, da sie illegale Zuwanderung fördert, die demographischen Probleme der EU nicht löst und dem Ziel eines leistungsfähigen Wirtschaftsstandortes entgegensteht.
Was wird als „Hilfe zur Selbsthilfe“ im Kontext der Migrationsursachen gefordert?
Die Autorin fordert die Industrienationen dazu auf, Migrationsursachen wie Armut und Perspektivlosigkeit durch eine Öffnung der Märkte für Waren aus Entwicklungsländern zu bekämpfen, anstatt lediglich Eliten durch Abwanderung abzuschöpfen.
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- Corinna Patrizia Franiek (Author), 2006, Das Schengener Abkommen und Szenarien zur Zukunft der Migration in Europa, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/71010