„Derzeit erfahren viele Unternehmen, dass sich klassische Wettbewerbsstrategien wie Kostenführerschaft oder Qualitätsführerschaft als zunehmend unwirksam erweisen. Vermeintlich dauerhafte Wettbewerbsvorteile aus überlegenen Produkteigenschaften und Dienstleistungsinhalten verlieren immer schneller ihre Wirkung, da es insbesondere ostasiatischen Anbietern gelingt, dieselben oder höhere Qualitätsstandards zu niedrigeren Preisen zu bieten.“ 1 Dadurch kommt den Beziehungen zu aktuellen und potenziellen Kunden eine wachsende Bedeutung zu, und die Unternehmen bemühen sich, durch konsequente Kundenorientierung die Kundenzufriedenheit und Kundenbindung zu erhöhen. Der Wert von Kundenbeziehungen zählt daher heute zu den wichtigsten Einflussfaktoren für den Wert eines Unternehmens 3 : der Kunde wird nicht länger als Erlös- und Kostenträger, sondern vielmehr als Wert- und Vermögensbestandteil des Unternehmens betrachtet. Dabei stellt der Kunde, ähnlich wie der Wert der Marke, immaterielles Vermögen und somit auch ein Investitionsobjekt dar. Dadurch werden Kunden zunehmend als „intangible assets“ betrachtet und sind ein wesentliches Merkmal des wertorientierten Marketings, wodurch sich auch ein zunehmendes Interesse am Kundenwert erklärt. 4 Da somit der Ertragswert der Kundenbeziehungen eines Unternehmens einen überragenden Einfluss auf den Ertragswert des Unternehmens hat, ergibt sich auch ein Zusammenhang zwischen „Customer Equity“ und Shareholder Value. Aus externer Sicht sind Kenntnisse über den Wert von Kundenbeziehungen bzw. deren Art und Umfang ebenfalls von Interesse, da diese die Prognosen für die wirtschaftliche Entwicklung eines Unternehmens erleichtern, aber auch die Bewertung durch Kapitalgeber und Finanzanalysten unterstützt. Informationen über die Ausgaben zum Aufbau und zur Pflege von Kundenbeziehungen können aufzeigen, inwieweit ein Unternehmen seine Stellung am Markt sichert und ausbaut. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffliche Abgrenzungen zum Thema Kundenwert
3. Aktuelle Möglichkeiten im externen Berichtswesen
3.1. Anforderungen des Unternehmens an das Berichtswesen
3.2. Anforderungen der Stakeholder
3.3. Rechtliche Anforderungen nach HGB, US-GAAP, IAS
4. Aktuelle Entwicklung und Ausblick
4.1. Erweiterung der Bilanzierung
4.2. Zusätzliche Berichte
4.3. Value Reporting
4.4. Business Reporting als Alternative zum traditionellen Reporting
4.5. Aktueller Stand der Goodwillbilanzierung
5. Fazit
Zielsetzung & Themen der Seminararbeit
Die Arbeit untersucht die Möglichkeiten und Grenzen des ökonomischen Werts von Geschäftsbeziehungen im externen Berichtswesen. Dabei wird analysiert, inwieweit Unternehmen Kundenwertmanagement-Informationen transparent kommunizieren können und welche rechtlichen Restriktionen bei der Bilanzierung nach HGB, US-GAAP und IAS bestehen.
- Kundenwert als immaterieller Vermögenswert
- Informationsbedürfnisse von Stakeholdern im externen Reporting
- Bilanzierungsvorschriften für Kundenstamm und Goodwill
- Ansätze zur Erweiterung der Unternehmensberichterstattung (Value Reporting, Business Reporting)
- Zukunftsperspektiven der internationalen Rechnungslegung
Auszug aus dem Buch
3.1. Anforderungen des Unternehmens an das Berichtswesen
Die reinen Informationsbedürfnisse der Geschäftsleitung sollten idealerweise bereits durch das interne Berichtswesen erfüllt werden, somit stellt sich hier die Frage, inwiefern ein Interesse darin besteht, Informationen aus dem Unternehmen nach außen zu kommunizieren. Es handelt sich u.U. um sensible Informationen, die bspw. potenzielle Konkurrenten interessieren könnten. Das bedeutet, dass die inhaltliche Tiefe der Berichte, die über die gesetzlichen Pflichten zur Unternehmenspublizität hinausgehen, sorgsam abgewogen werden muss.
Ungeachtet dessen liegt einem Unternehmen natürlich daran sich im Blickfeld verschiedener Interessengruppen möglichst positiv darzustellen. Ein Aspekt ist dabei eine kapitalmarktorientierte Berichterstattung zur Sicherstellung bzw. Verbesserung der Beschaffung sowohl von Eigen- als auch Fremdkapital. Informationen über Kundenorientierung, Qualität der Produkte, Ausgaben für Forschung und Entwicklung u.a. können ebenfalls positiven Einfluss bspw. auf die Reputation des Unternehmens haben.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung beleuchtet die abnehmende Wirksamkeit klassischer Wettbewerbsstrategien und die wachsende Bedeutung von Kundenbeziehungen als wesentliche "intangible assets" eines Unternehmens.
2. Begriffliche Abgrenzungen zum Thema Kundenwert: Das Kapitel definiert den Kundenwert aus Sicht von Kunden und Anbietern sowie Konzepte wie Customer Lifetime Value, Customer Equity und Kundenattraktivität.
3. Aktuelle Möglichkeiten im externen Berichtswesen: Es werden die Anforderungen verschiedener Stakeholder an die Berichterstattung sowie die rechtlichen Rahmenbedingungen und Bilanzierungsmöglichkeiten nach HGB, US-GAAP und IAS untersucht.
4. Aktuelle Entwicklung und Ausblick: Hier werden innovative Ansätze wie Value Reporting und Business Reporting vorgestellt und der aktuelle Stand der Goodwillbilanzierung im Hinblick auf internationale Standards diskutiert.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Problematik der vergangenheitsbezogenen Rechnungslegung zusammen und betont den weiteren Forschungsbedarf zur standardisierten Werthaltigkeitsprüfung von Kundenbeziehungen.
Schlüsselwörter
Kundenwertmanagement, externes Berichtswesen, immaterielle Vermögenswerte, Customer Lifetime Value, Customer Equity, Stakeholder, Shareholder Value, Goodwill, Bilanzierung, HGB, US-GAAP, IAS, Value Reporting, Business Reporting, Kundenorientierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Seminararbeit befasst sich mit der Herausforderung, den Wert von Kundenbeziehungen in der externen Unternehmensberichterstattung abzubilden, da herkömmliche Bilanzen immaterielle Werte nur unzureichend erfassen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die theoretischen Grundlagen des Kundenwerts, die Informationsanforderungen von Kapitalgebern und Stakeholdern sowie die rechtlichen und praktischen Möglichkeiten und Grenzen bei der Bilanzierung dieser immateriellen Werte.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Möglichkeiten und Grenzen für den ökonomischen Wert von Geschäftsbeziehungen im externen Berichtswesen aufzuzeigen und einen Ausblick auf zukünftige Entwicklungen im Reporting zu geben.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, die einschlägige wissenschaftliche Publikationen und Rechnungslegungsstandards (HGB, US-GAAP, IAS) heranzieht, um den aktuellen Stand der Forschung und Praxis zu bewerten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Begriffsklärung, die Analyse der Anforderungen von Unternehmen und Stakeholdern, den Vergleich rechtlicher Bilanzierungsvorschriften sowie die Diskussion moderner Reporting-Ansätze wie dem Value Reporting.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kundenwertmanagement, immaterielle Vermögenswerte, Customer Equity, Goodwill-Bilanzierung, externe Berichterstattung, Stakeholder-Information, Business Reporting.
Warum ist eine Aktivierung von Kundenbeziehungen nach HGB so schwierig?
Aufgrund des Schutz- und Objektivierungsprinzips im HGB fehlt es bei selbst aufgebauten Kundenbeziehungen oft an der notwendigen bilanziellen Greifbarkeit, Identifizierbarkeit und der Möglichkeit einer sicheren Bewertung.
Welchen Einfluss hat das SFAS 142 auf die Goodwillbilanzierung?
SFAS 142 hat das Konzept der planmäßigen Goodwillabschreibung abgeschafft und durch den "Impairment-Only-Approach" ersetzt, was eine jährliche Werthaltigkeitsprüfung erforderlich macht.
Warum schlagen die Autoren ein "Tableau de Bord" vor?
Das Tableau de Bord dient als Management-Informationssystem, das finanzielle und nicht-finanzielle Kennzahlen kombiniert, um dem externen Berichtswesen eine fundierte Basis über wertschaffende Unternehmensbereiche zu bieten.
- Quote paper
- Dipl.-Kaufmann Andreas Bünnig (Author), Stefan Voß (Author), 2002, Kundenwertmanagement im externen Berichtswesen - Theoretische Anforderungen und praktische Restriktionen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/71016