Der Anteil der schriftlichen und mündlichen Kommunikation im Alltagsleben hat sich meiner Meinung nach stark verändert. In fast jedem Haushalt ist ein Computer zu finden, der dann auch meistens noch einen Internetanschluss besitzt. Dadurch werden viele Informationen auf dem schriftlichen Wege, per e-mail, ausgetauscht. Wo man früher vielleicht angerufen hätte, wird jetzt eine kurze Nachricht geschrieben.
Der Nachteil ist natürlich genauso wie bei anderen schriftlichen Erzeugnissen, dass die Nachricht nicht unmittelbar beim Empfänger ankommt, sondern zeitverzögert. Daher ist es in einigen Firmen nicht mehr erlaubt, dass die Mitarbeiter untereinander mit e-mails kommunizieren. Es hat sich herausgestellt, dass ein einfacher Anruf schneller geht, denn man bekommt die Antwort auf eine Frage unmittelbar.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Unterschiede mündlicher und schriftlicher Kommunikation
3. Die Kommunikation in der Novelle „Die missbrauchten Liebesbriefe“
4. Schriftlose Idylle = Ideal; Warum schreibt Keller dann?
5. Quellenangabe
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Spannungsverhältnis zwischen schriftlicher und mündlicher Kommunikation und analysiert deren Auswirkungen auf zwischenmenschliche Beziehungen anhand von Gottfried Kellers Novelle „Die missbrauchten Liebesbriefe“.
- Grundlagen der mündlichen und schriftlichen Kommunikation
- Konzept des „Autonomen Diskurses“
- Kommunikationsformen in Gottfried Kellers Werk
- Die Rolle der Schrift bei der Isolation von Individuen
- Das Ideal der mündlichen Kommunikation im literarischen Kontext
Auszug aus dem Buch
3. Die Kommunikation in der Novelle „Die missbrauchten Liebesbriefe“
Am Anfangsteil der Novelle „Die missbrauchten Liebesbriefe“ von Gottfried Keller hätten die Gegner der Schrift ihre wahre Freude gehabt.
Denn Viggi Störteler bringt die Schrift fast nur Unglück. Er ist ein Leiter eines Speditions und Warengeschäftes und beschäftigt sich nebenbei mit dem Schreiben von Essays und später von Novellen. Seine Frau Gritli hat dafür nicht sehr viel übrig und als er sie dazu zwingen will ihm hochtrabende Liebesbriefe zu schreiben, benutzt sie Wilhelm, einen Schulmeister, diese für sie zu verfassen. Das heißt, sie schreibt die Originale ihres Mannes ab und gibt sie dem Schulmeister, dieser formuliert eine Antwort, die Gritli wiederum abschreibt und sie ihrem Mann schickt. Der merkt nichts von dem Betrug bis er irgendwann seine Briefe beim Schulmeister findet. Daraufhin verstößt er Gritli und lernt kurze Zeit später Kätter Ambach kennen und heiratet sie. Gritli verliebt sich dann doch in den Schulmeister und auch die beiden heiraten.
Ein wichtiges Merkmal des Schreibens ist, dass man einen Text nicht zur Rechenschaft ziehen kann. Wenn der Autor noch lebt, könnte man höchstens ihn verantwortlich machen. Daher ist es wichtig, dass Viggi seine Novellen unter dem Synonym „Kurt vom Walde“ veröffentlicht. Was zum einen daran liegt, das alle Schreiber dieser Novellen ein Synonym benutzen. Andererseits kann ihm so niemand nachweisen, dass er diesen Text geschrieben hat und er kann selbst bestimmen, wem er erzählt, dass er von ihm ist. Genauso kann er aber als Autor nicht zur Rechenschaft gezogen werden, da es ja nicht sein richtiger Name ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung reflektiert die technologische Veränderung unserer Kommunikationsgewohnheiten und diskutiert die Bedeutung von Schriftlichkeit für das gesellschaftliche Gedächtnis gegenüber der Unmittelbarkeit mündlicher Interaktion.
2. Unterschiede mündlicher und schriftlicher Kommunikation: Das Kapitel erörtert wissenschaftliche Perspektiven auf Schriftlichkeit als künstliche Technologie, die zwar Wissen bewahrt, aber den direkten, persönlichen Bezug zwischen Kommunikationsteilnehmern verzerren kann.
3. Die Kommunikation in der Novelle „Die missbrauchten Liebesbriefe“: Hier wird analysiert, wie der Einsatz schriftlicher Kommunikation in Kellers Novelle zur Isolation und zum Unglück der Protagonisten führt, während mündliche Interaktion als lebendig und wahrhaftig kontrastiert wird.
4. Schriftlose Idylle = Ideal; Warum schreibt Keller dann?: Abschließend wird hinterfragt, warum der Autor trotz der im Werk dargestellten Problematik der Schrift an der literarischen Form festhält, wobei die Schrift als Mittel zum Zweck für ein letztlich idealisiertes, mündliches Ende verstanden wird.
5. Quellenangabe: Auflistung der verwendeten Literatur und Quellen zur theoretischen Untermauerung der Arbeit.
Schlüsselwörter
Schriftliche Kommunikation, Mündliche Kommunikation, Oralität, Literalität, Gottfried Keller, Die missbrauchten Liebesbriefe, Autonomer Diskurs, Kommunikation, Medienkultur, Zwischenmenschliche Beziehungen, Literaturanalyse, Sprachphilosophie, Isolation, Medientheorie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den theoretischen und praktischen Unterschieden zwischen mündlicher und schriftlicher Kommunikation und deren Darstellung in Gottfried Kellers literarischem Werk.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Medientheorie, die soziologischen Auswirkungen von Schriftlichkeit sowie die Analyse des Kommunikationsverhaltens der Charaktere in der Novelle.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist es zu ergründen, wie das Medium der Kommunikation die zwischenmenschliche Wahrheit und das persönliche Glück der Handelnden beeinflusst.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Autorin nutzt literaturwissenschaftliche Analyse in Kombination mit medientheoretischen Ansätzen von Autoren wie Eric A. Havelock und Walter Ong.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung zu den Medien Schrift und Wort sowie die konkrete Anwendung dieser Theorien auf die Romanhandlung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Oralität, Literalität, der Autonome Diskurs, Mediennutzung und die kritische Distanz zum schriftlichen Wort.
Warum wird die Schrift in der Novelle als problematisch dargestellt?
Die Schrift ermöglicht Täuschung und den Verlust der Unmittelbarkeit, was die Protagonisten in eine soziale und emotionale Isolation treibt.
Welche Rolle spielt das Ende der Novelle für die Argumentation der Autorin?
Das „schriftlose“ Ende dient als Beweis für das Ideal der mündlichen Kommunikation, da nur diese echte zwischenmenschliche Verbundenheit ermöglicht.
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- Franziska Hill (Author), 2003, Schriftliche und mündliche Kommunikation, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/71027