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Staudammprojekte in politisch und ökonomisch labilen Räumen - ihre Möglichkeiten und Risiken

Title: Staudammprojekte in politisch und ökonomisch labilen Räumen - ihre Möglichkeiten und Risiken

Examination Thesis , 2006 , 81 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Arne Klinger (Author)

Geography / Earth Science - Economic Geography
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Summary Excerpt Details

Großstaudammprojekte repräsentierten zur Zeit der Dekolonisation und einsetzenden Entwicklungshilfe die Aufbruchstimmung, in der versucht wurde, das ökonomische Defizit der Entwicklungsländer mit gigantischen Infrastrukturprojekten zu bekämpfen. Die Implementierung westlicher Technologien in Entwicklungsländern sollte Wachstumsimpulse auslösen und über die Förderung von Regionalentwicklung sollte die Ansiedlung von Industrieunternehmen unterstützt werden. Neben der Ansiedlung von Industrie wurde oft auch die Umstellung auf eine bewässerungsintensive, exportorientierte Landwirtschaft als Ziel genannt. Auf diese Weise sollte das Einkommensniveau der örtlichen Bevölkerung gesteigert und das dringend benötigte Wachstum zur Überwindung der Entwicklungsdefizite ausgelöst werden. Viele dieser oft überdimensionierten Prestigeprojekte sollten auch für die neue Selbstständigkeit und Fortschrittlichkeit der Staaten nach Jahrzehnten unter fremder Herrschaft stehen (z.B. der Assuan-Staudamm). 1 In den letzten Jahrzehnten brachten die unabschätzbaren ökologischen, sozialen, ökonomischen und politischen Folgen diese Projekte allerdings immer wieder in den Mittelpunkt konzeptioneller Kritik. Neben Umweltaspekten wie der Zerstörung fruchtbaren Acker-landes durch Überflutung oder Versalzung, und Fischsterben durch die Verschlechterung der Wasserqualität, gerieten Menschenrechtsverletzungen - im Zusammenhang mit Massenumsiedlungen - ebenso in den Mittelpunkt der Diskussion wie Korruptions- und Bestechungsvorwürfe. 2 Einen weiteren Kritikpunkt bietet die finanzielle Seite dieser Projekte, da Verschuldung und Hyperinflation nicht selten Folgen einer völlig unrentablen Stromerzeugung sind. Hinzu kommt, dass der von internationaler Seite prognostizierte Energiebedarf oft bei weitem zu hoch angesetzt wird und der ökonomische Nutzen nur auf Seiten der Industrieländer liegt. Die Entwicklungsländer werden durch den Schuldendienst in finanzielle und politische Abhängigkeit getrieben. Die Industrieländer profitieren durch Zinszahlungen und Wirtschaftsexporte doppelt. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Entwicklung der Staudammproblematik

2.1 Historischer Abriss von Staudammprojekten weltweit

2.2 Die Entwicklung der Staudammkontroverse

2.3 Die Weltkommission für Staudämme

2.3.1 Darstellung

2.3.2 Neue Strategien - Der „Rechte und Risiken – Ansatz“

2.4 Ein neuer Weg zur Entscheidungsfindung

2.4.1 Gewinnung öffentlicher Akzeptanz

2.4.2 Umfassende Prüfung von Optionen

2.4.3 Bestehende Kapazitäten optimieren

2.4.4 Erhalt von Flüssen und Existenzgrundlagen

2.4.5 Anerkennung von Ansprüchen und gerechte Teilung des Nutzens

2.4.6 Einhaltung von Verpflichtungen und Vereinbarungen

2.4.7 Gemeinsamer Nutzen zugunsten von Frieden, Entwicklung und Sicherheit

3 Naturräumliche Einordnung

3.1 Das Gewässersystem: Euphrat und Tigris

3.2 Syrien

3.2.1 Landeskundliche Daten

3.2.2 Naturraum und landwirtschaftliche Nutzung

3.3 Irak

3.3.1 Landeskundliche Daten

3.3.2 Naturraum und landwirtschaftliche Nutzung

3.4 Türkei

3.4.1 Landeskundliche Daten

3.4.2 Naturraum und landwirtschaftliche Nutzung

3.4.3 Bevölkerung

3.4.4 Arbeitsmarkt

3.5 Südostanatolien

3.5.1 Landeskundliche Daten

3.5.2 Naturraum

3.5.3 Bevölkerung

3.5.4 Arbeitsmarkt

3.5.5 Ethnische Minderheiten: Die Kurden

4 Das Südostanatolienprojekt – GAP

4.1 Darstellung

4.2 Ziele

5 Das innenpolitische Spannungsfeld

5.1 Das Sanliurfa-Harran-Bewässerungsprojekt

5.1.1 Darstellung

5.1.2 Auswirkungen auf die Landwirtschaft

5.1.3 Probleme durch die Bewässerung

5.1.4 Auswirkungen auf die sozialen Verhältnisse

5.1.5 Gesundheitliche Auswirkungen

5.1.6 Bewertung der Möglichkeiten und Risiken

5.2 Der Ilisu-Staudamm

5.2.1 Darstellung

5.2.2 Probleme bei der Realisierung

5.3 Die Umsiedlungsproblematik

5.3.1 Information der lokalen Bevölkerung

5.3.2 Das Dilemma der Kleinbauern und Besitzlosen

5.3.3 Die Rolle der Frau

5.3.4 Bewertung der Möglichkeiten und Risiken

6 Das außenpolitische Spannungsfeld

6.1 Konfliktstoff Wasser

6.2 Der Wasserkonflikt zwischen Türkei, Syrien und Irak

6.3 Die heutige Situation

6.3.1 Gründe für GAP

6.3.2 Negative externe Effekte auf die Unteranlieger

6.3.3 Positive externe Effekte auf die Unteranlieger

6.3.4 Bewertung der Möglichkeiten und Risiken

6.4 Rechtliche Grundlagen für kooperative Lösungen

6.4.1 Die „Helsinki Rules“

6.4.2 Das Flussgebietsübereinkommen der UN

6.4.3 Die Positionen von Türkei, Syrien, Irak

6.4.4 Bewertung der Möglichkeiten und Risiken

6.5 Alternative Lösungen der Wasserproblematik

6.5.1 „Virtuelles Wasser“

6.5.2 Meerwasserentsalzung

6.5.3 Wassertransport

6.5.4 Änderung der Einstellung zum Wasser

6.5.5 Begrenzung des Bevölkerungswachstums

6.5.6 Bewertung der Möglichkeiten und Risiken

7 Schlusswort

7.1 Fazit

7.2 Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Möglichkeiten und Risiken von Staudammprojekten in politisch und ökonomisch labilen Regionen am Beispiel des Südostanatolienprojektes (GAP) in der Türkei, mit der zentralen Fragestellung, ob ein solches Projekt in einem derartigen Raum stabilisierend wirken kann.

  • Analyse der Staudammproblematik und internationaler Richtlinien
  • Untersuchung des innenpolitischen Spannungsfeldes (Umsiedlung, Bewässerung)
  • Darstellung der außenpolitischen Konflikte zwischen Türkei, Syrien und Irak
  • Evaluation technischer und völkerrechtlicher Lösungsansätze

Auszug aus dem Buch

1 Einleitung

Großstaudammprojekte repräsentierten zur Zeit der Dekolonisation und einsetzenden Entwicklungshilfe die Aufbruchstimmung, in der versucht wurde, das ökonomische Defizit der Entwicklungsländer mit gigantischen Infrastrukturprojekten zu bekämpfen. Die Implementierung westlicher Technologien in Entwicklungsländern sollte Wachstumsimpulse auslösen und über die Förderung von Regionalentwicklung sollte die Ansiedlung von Industrieunternehmen unterstützt werden. Neben der Ansiedlung von Industrie wurde oft auch die Umstellung auf eine bewässerungsintensive, exportorientierte Landwirtschaft als Ziel genannt. Auf diese Weise sollte das Einkommensniveau der örtlichen Bevölkerung gesteigert und das dringend benötigte Wachstum zur Überwindung der Entwicklungsdefizite ausgelöst werden. Viele dieser oft überdimensionierten Prestigeprojekte sollten auch für die neue Selbstständigkeit und Fortschrittlichkeit der Staaten nach Jahrzehnten unter fremder Herrschaft stehen (z.B. der Assuan-Staudamm).

In den letzten Jahrzehnten brachten die unabschätzbaren ökologischen, sozialen, ökonomischen und politischen Folgen diese Projekte allerdings immer wieder in den Mittelpunkt konzeptioneller Kritik. Neben Umweltaspekten wie der Zerstörung fruchtbaren Ackerlandes durch Überflutung oder Versalzung, und Fischsterben durch die Verschlechterung der Wasserqualität, gerieten Menschenrechtsverletzungen - im Zusammenhang mit Massenumsiedlungen - ebenso in den Mittelpunkt der Diskussion wie Korruptions- und Bestechungsvorwürfe. Einen weiteren Kritikpunkt bietet die finanzielle Seite dieser Projekte, da Verschuldung und Hyperinflation nicht selten Folgen einer völlig unrentablen Stromerzeugung sind. Hinzu kommt, dass der von internationaler Seite prognostizierte Energiebedarf oft bei weitem zu hoch angesetzt wird und der ökonomische Nutzen nur auf Seiten der Industrieländer liegt. Die Entwicklungsländer werden durch den Schuldendienst in finanzielle und politische Abhängigkeit getrieben. Die Industrieländer profitieren durch Zinszahlungen und Wirtschaftsexporte doppelt.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die historische Rolle von Großstaudämmen im Kontext der Entwicklungshilfe sowie die daraus resultierende vielschichtige Kritik an ökologischen, sozialen und ökonomischen Folgen.

2 Die Entwicklung der Staudammproblematik: Dieses Kapitel zeichnet den historischen Weg von frühen Bewässerungsprojekten bis zur Staudammkontroverse und der Gründung der Weltkommission für Staudämme (WCD) nach.

3 Naturräumliche Einordnung: Hier werden die geografischen und landeskundlichen Gegebenheiten der Anrainerstaaten Syrien, Irak und Türkei sowie der Zielregion Südostanatolien detailliert dargestellt.

4 Das Südostanatolienprojekt – GAP: Dieses Kapitel erläutert die Struktur und die offiziellen Ziele des GAP als multi-sektorales regionales Entwicklungsprogramm.

5 Das innenpolitische Spannungsfeld: Untersucht werden konkrete Auswirkungen des GAP, wie die Folgen der Bewässerung in der Sanliurfa-Harran-Ebene, der Ilisu-Staudamm und die damit verbundenen Umsiedlungsproblematiken.

6 Das außenpolitische Spannungsfeld: Dieses Kapitel behandelt den Wasser-Konflikt zwischen den Anrainerstaaten sowie völkerrechtliche Lösungsansätze und alternative Konzepte zur Wasserproblematik.

7 Schlusswort: Das Schlusswort bewertet das Projekt kritisch anhand der WCD-Richtlinien und gibt einen Ausblick auf die Rolle der EU und Deutschlands in der Konfliktlösung.

Schlüsselwörter

Staudamm, Südostanatolien, GAP, Wasserknappheit, Türkei, Euphrat, Tigris, WCD-Richtlinien, Umsiedlung, Bewässerung, Konfliktmanagement, Völkerrecht, Nachhaltigkeit, Entwicklungspolitik, Syrien

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Staudammprojekte in der Region Südostanatolien (GAP) und bewertet deren Auswirkungen im Kontext der politisch und ökonomisch labilen Lage der Region.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen umfassen die Staudammproblematik, Umwelt- und Sozialfolgen von Massenumsiedlungen, grenzüberschreitende Wasserkonflikte sowie völkerrechtliche Rahmenbedingungen.

Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, kritisch zu untersuchen, ob Großstaudammprojekte wie das GAP in einem politisch und außenpolitisch labilen Umfeld tatsächlich eine stabilisierende Wirkung entfalten können.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literatur- und Datenanalyse, welche die historische Entwicklung, aktuelle statistische Daten zur Region und internationale Richtlinien wie die der Weltkommission für Staudämme integriert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine naturräumliche Einordnung, die detaillierte Vorstellung der GAP-Projekte sowie eine Analyse des innenpolitischen (Umsiedlung, Bewässerungsfolgen) und außenpolitischen Spannungsfeldes (Wasserkonflikt mit Syrien und Irak).

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind insbesondere Südostanatolien, Euphrat, Tigris, Umsiedlung, Bewässerung, Nachhaltigkeit und das Völkerrechtsprinzip der beschränkten Souveränität.

Welche Rolle spielt die Desinformation durch türkische Behörden laut dem Autor?

Der Autor führt aus, dass mangelnde oder absichtlich falsche Informationen zu Staudammvorhaben die lokale Bevölkerung unvorbereitet treffen und dazu beitragen, dass Umsiedlungsopfer in Armut in den Großstädten enden.

Warum wird die Agrarreform von 1973 als zentraler Hinderungspunkt genannt?

Laut dem Autor führte das Scheitern der Reform dazu, dass fruchtbares Land weiterhin in den Händen weniger Großgrundbesitzer konzentriert blieb, was die soziale Ungleichheit verschärft und das Ziel einer stabilisierenden Wirkung des GAP konterkariert.

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Details

Title
Staudammprojekte in politisch und ökonomisch labilen Räumen - ihre Möglichkeiten und Risiken
College
University of Hamburg  (Department Geowissenschaften)
Grade
1,0
Author
Arne Klinger (Author)
Publication Year
2006
Pages
81
Catalog Number
V71057
ISBN (eBook)
9783638617567
Language
German
Tags
Staudammprojekte Räumen Möglichkeiten Risiken
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Arne Klinger (Author), 2006, Staudammprojekte in politisch und ökonomisch labilen Räumen - ihre Möglichkeiten und Risiken, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/71057
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