Der erste Teil der Arbeit befasst sich mit einer theoretischen Annäherung an das ThemaRaum und Identität.Aufbauend auf einer Literaturrecherche werden die wesentlichen Prozesse der menschlichen Identifikation behandelt, um anschließend die Bedeutung des Raumes, im Wirkungsgefüge der menschlichen Identifikationsprozesse darzustellen. Im zweiten Teil der Arbeit werden die theoretischen Erkenntnisse, mit einem praktischen Beispiel verglichen und diskutiert. Als Beispiel wurde dieNeubausiedlung Berlin-Hohenschönhausen,in der über 70.000 Menschen leben, ausgewählt. Die Planergemeinschaft Hannes DUBACH und Urs KOHLBRENNER erarbeitete für diese Siedlung einenStädtebaulichen Rahmenplan.Dieser Rahmenplan beinhaltet Planungsvorschläge die der Siedlung Identität verleihen sollen und es den BewohnerInnen ermöglichen soll, sich mit ihrer Siedlung zu identifizieren. Pläne und Texte zu den identitätsrelevanten Vorschlägen werden analysiert, mit den theoretischen Erkenntnissen aus der Literaturrecherche verglichen und diskutiert. Die Ergebnisse zeigen, dass die Vorschläge der Planergemeinschaft zur Strukturierung, Gliederung und Gestaltung der Neubausiedlung, die Orientierungsmöglichkeiten in der Siedlung wesentlich verbessern und somit die Identifikation der einzelnen Stadtteile und der Siedlung selbst ermöglicht wird. Durch das gezielte etablieren von hierarchisch gegliederten, öffentlichen Räumen, wird den BewohnerInnen Raum zur sozialen Interaktion zur Verfügung gestellt. Dies ermöglicht es den BewohnerInnen ihre eigene Identität vor anderen Individuen darzustellen. Durch die Nutzung des öffentlichen Raumes erhält der Raum selbst Identität und kann somit zum Objekt der Identifikation werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Identität und Raum – theoretische Annäherung
2.1 Identität und Identifikation
2.1.1 Identität
2.1.2 Identifikation
2.1.2.1 Identification of
2.1.2.2 Being identified
2.1.2.3 Identification with
2.1.3 Ich-Identität
2.1.4 Wir-Identität
2.2 Die Bedeutung des Raumes im Wirkungsgefüge der Identifikationsprozesse
2.2.1 Das Wirkungsgefüge von Identifikationsprozessen
2.2.2 Funktionen des Raumes im Prozess der Identitätsbildung
2.2.3 Raum als Bühne der sozialen Interaktion
2.2.4 Raum als Teil der Identität und Objekt der Identifikation
3 Forschungsfrage
4 Methoden
5 Identität und Raum – praktische Diskussion
5.1 Räumliche Lage der Neubausiedlung Hohenschönhausen
5.2 Die Ausgangslage 1991
5.2.1 Gesellschaftlichen Strukturen
5.2.2 Struktur und Bebauung der Siedlung
5.2.3 Siedlungsfreiräume
5.3 Entwicklungsszenarien
5.4 Entwicklungsprofil und Entwicklungsleitsätze
5.4.1 Entwicklungsprofil
5.4.2 Entwicklungsleitsätze
5.5 Identitätsrelevante Planungsvorschläge
5.5.1 Räumliche Definition der Neubausiedlung nach Außen
5.5.2 Räumliche und funktionale Struktur im Siedlungsinneren
5.5.2.1 Stadtteile
5.5.2.2 Wohnquartiere
5.5.3 Gestalterische Umsetzung der Siedlungsstruktur
5.5.3.1 Baumkonzept
5.5.3.2 Gestaltungskonzept
6 Abschließende Betrachtung
Zielsetzung & Themen
Diese Bakkalaureatsarbeit untersucht die identitätsstiftende Funktion von öffentlichem Freiraum am Beispiel der Berliner Neubausiedlung Hohenschönhausen. Ziel ist es zu analysieren, wie landschaftsarchitektonische Maßnahmen dazu beitragen können, dass Bewohnerinnen und Bewohner Identifikation mit ihrem Wohnumfeld entwickeln, insbesondere in städtebaulich monotonen Großsiedlungen.
- Die Bedeutung von Raum für Identifikationsprozesse von Individuen und Gruppen.
- Analyse der städtebaulichen Ausgangslage und Problematik in Berlin-Hohenschönhausen.
- Vergleich theoretischer Identitätskonzepte mit konkreten städtebaulichen Rahmenplänen.
- Die Rolle der Landschaftsarchitektur bei der Gestaltung von Identifikationsmöglichkeiten.
- Strukturierung und Differenzierung des öffentlichen Raums zur sozialen Interaktion.
Auszug aus dem Buch
2.2.3 Raum als Bühne der sozialen Interaktion
Damit der Raum als Bühne der sozialen Interaktion fungieren kann, muss er erstens zur Verfügung stehen und zweitens auch dazu geeignet sein. Er muss also den Bedürfnissen der NutzerInnen gerecht werden. Diese Feststellung mag oberflächlich klingen, die tatsächliche Situation in Wohnquartieren stellt sich jedoch oft genau so dar – man denke an dicht bebaute Gründerzeitviertel in denen generell sehr wenig unbebaute, nutzbare Fläche zur Verfügung steht oder an Gebiete mit Zeilenbebauung, in denen zwar flächenmäßig große Freiräume verfügbar sind, diese aber in ihrer räumlichen Qualität nur bedingt nutzbar sind und sich somit nicht als Raum der Identifikation eigenen.
Gerd HELD führt hierzu eine Unterscheidung zwischen Raum und Ort ein. Er definiert Raum als die „Bedingung der Möglichkeit“ eines Ortes mit bestimmten Eigenschaften. Es muss für den Menschen möglich sein den Raum zu identifizieren und ihm Eigenschaften zuzuschreiben (identification of), damit er zu einem Ort werden kann. Räume, die „keine“ Orte sind, werden oft mit „dort ist Nichts“ beschrieben, dem Raum werden also keine, für den Nutzer relevanten Eigenschaften zugeordnet. Er kann somit für die identifizierende Person auch nicht als Bühne dienen (vgl. HELD 1999, 78).
Damit Raum als Bühne der sozialen Interaktion und zur Darstellung der eigenen Identität genutzt werden kann, muss er als Ort identifizierbar (vgl. Abbildung 1, räumliche Kognition) und nutzbar sein. Er muss wechselnde und unterschiedliche Nutzungen zulassen. „Damit ein Raum unterschiedliche und wechselnde Nutzungen enthalten kann, kann er selbst logischerweise nicht mit einer bestimmten Nutzung identifiziert werden. Er muss ein vermittelndes Abstraktum darstellen. Dies bedeutet nicht, dass es nicht Formvarianten des Raumes gäbe oder, dass es nicht auf seine Formfestigkeit und seine Pflege und Gestaltung ankäme“ (HELD 1999, 78-79).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung stellt die Identitätskrise moderner Siedlungsstrukturen dar und führt die zentrale Fragestellung zur identitätsstiftenden Funktion von Freiräumen ein.
2 Identität und Raum – theoretische Annäherung: Dieses Kapitel erläutert grundlegende psychologische und sozialwissenschaftliche Identitätskonzepte und setzt diese in Bezug zur Bedeutung des physischen Raumes.
3 Forschungsfrage: Hier wird die Zielsetzung definiert, die identitätsbildenden Maßnahmen des städtebaulichen Rahmenplans für Hohenschönhausen wissenschaftlich zu untersuchen.
4 Methoden: Dieses Kapitel beschreibt das methodische Vorgehen, bestehend aus Literaturrecherche und der Analyse eines konkreten Fallbeispiels anhand eines städtebaulichen Rahmenplans.
5 Identität und Raum – praktische Diskussion: Der Hauptteil analysiert die Situation der Siedlung Berlin-Hohenschönhausen, erörtert Entwicklungsszenarien und bewertet konkrete Planungsvorschläge hinsichtlich ihrer Identifikationswirkung.
6 Abschließende Betrachtung: Das Fazit fasst zusammen, dass eine Identitätsbildung durch landschaftsarchitektonische Gestaltung möglich ist, wenn diese Räume der sozialen Interaktion auf verschiedenen Hierarchieebenen schafft.
Schlüsselwörter
Identität, Raum, Identifikation, Identitätsbildung, Wohnsiedlung, Landschaftsarchitektur, Berlin-Hohenschönhausen, Öffentlicher Raum, Städtebaulicher Rahmenplan, Soziale Interaktion, Identitätskrise, Wohnquartier, Stadtteil, Identifikationsprozesse, Freiraumplanung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, welche Rolle der öffentliche Raum und die Landschaftsarchitektur spielen, um die Identität von Großwohnsiedlungen und das Zugehörigkeitsgefühl ihrer Bewohnerinnen und Bewohner zu stärken.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentral sind die theoretischen Konzepte von Identität und Identifikation (psychologisch/sozial) sowie deren praktische Anwendung im Städtebau und in der Landschaftsarchitektur am Beispiel von Berlin-Hohenschönhausen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es zu prüfen, ob die Maßnahmen des „Städtebaulichen Rahmenplans“ für Hohenschönhausen die Identitätsbildung der Bewohnerinnen und Bewohner fördern können, basierend auf den identitätstheoretischen Grundlagen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Literaturrecherche zur theoretischen Fundierung sowie eine Plan- und Textanalyse, um das konkrete Fallbeispiel des städtebaulichen Rahmenplans für Hohenschönhausen zu untersuchen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Ausgangslage der Siedlung 1991, stellt Entwicklungsszenarien vor und diskutiert spezifische identitätsrelevante Planungsvorschläge wie Baumkonzepte und eine hierarchische Gliederung der Räume.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Identitätsbildung, öffentlicher Raum, Landschaftsarchitektur, Berlin-Hohenschönhausen und soziale Interaktion charakterisieren.
Warum wird Berlin-Hohenschönhausen als Beispiel herangezogen?
Die Siedlung dient als ideales Beispiel, da ihre monotone Struktur nach der Wende eine radikale Anpassung der Planung erforderte, um den Bewohnern Orientierung und Identifikationsmöglichkeiten in einem neuen System zu bieten.
Welche Rolle spielt das Baumkonzept in der Gestaltung?
Das Baumkonzept soll zur räumlichen Differenzierung der Stadtteile und Quartiere beitragen, damit diese für Bewohnerinnen und Bewohner als eigenständige und wahrnehmbare Einheiten erkennbar werden.
Warum ist die „Bühnenfunktion“ des Raumes für die Identität wichtig?
Der Raum als Bühne ermöglicht soziale Interaktion. Erst wenn Menschen sich im Raum begegnen und sich dort präsentieren können, kann der Raum selbst zum Träger von Identität werden und eine Bindung zwischen den Bewohnern und ihrem Wohnumfeld ermöglichen.
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- Roland Barthofer (Author), 2007, Die identitätsstiftende Funktion von öffentlichem Freiraum - Untersucht am Beispiel der Neubausiedlung Berlin-Hohenschönhausen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/71099