Die Regelungen zur Unternehmensleitung und Überwachung (Corporate Governance) nehmen in vielen Ländern immer mehr Bedeutung ein. Unternehmensskandale wie Enron, WorldCom, Xerox, Parmalat etc. haben die Regierungen in Ländern wie z. B. Deutschland und den USA dazu veranlasst, tiefgreifende Reformen im Corporate-Governance-System durchzuführen. Durch Unternehmensskandale und dem damit einhergehenden Vertrauensverlust wird der gesamte Kapitalmarkt mit Liquiditätsentzug „bestraft“, was die Krise noch weiter verschärft. Im Vordergrund der Reformen steht also die Wiedergewinnung des Vertrauens der Öffentlichkeit in die Abschlussprüfung.
In diesem System nehmen die Abschlussprüfer eine zentrale Rolle ein. Sie sind es, die die Einhaltung von gesetzlichen Regelungen und Vorschriften im Jahresabschluss überprüfen sollen. Sie sind sowohl als Teil der internen, als auch der externen Corporate Governance in das Überwachungssystem eingebunden. Nach den weitreichenden Unternehmensskandalen der jüngsten Vergangenheit stellt sich die Frage, wie es soweit kommen konnte und wo die Schwachstellen im System liegen. Sind die gesetzlichen Regelungen nicht ausreichend genug, um die Abschlussprüfer hinreichend bei ihren Überwachungsaufgaben zu unterstützen? Oder haben die Abschlussprüfer in den besagten Fällen selbst versagt? Muss wiederum die Arbeit der Abschlussprüfer von einer übergeordneten Kontrollinstanz überwacht werden? Die vorliegende Arbeit soll die gegenwärtigen Regelungen zur Überwachung der Abschlussprüfer darstellen und die Wirksamkeit einzelner Aspekte der Regelungen kritisch hinterfragen. Mögliche Probleme der externen Qualitätskontrolle sollen dabei herausgearbeitet werden. Das Ziel ist es schließlich, einzelne kritische Punkte der externen Qualitätskontrolle aufzuzeigen und ggf. Vorschläge aus der Literatur als Alternativen entgegenzuhalten.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
1.2 Vorgehensweise
2 Die Notwendigkeit zur Überwachung der Abschlussprüfer
3 Externe Qualitätskontrolle
3.1 Berufspflichten des Wirtschaftsprüfers
3.2 Prüfungsgegenstand
3.3 Organe der externen Qualitätskontrolle
3.3.1 Übersicht
3.3.2 Prüfer für Qualitätskontrolle
3.3.3 Kommission für Qualitätskontrolle
3.3.4 Abschlussprüferaufsichtskommission (Qualitätskontrollbeirat)
4 Enforcement
5 Kritische Beurteilung der vorgestellten Regelungen
6 Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Notwendigkeit und Wirksamkeit der Regelungen zur externen Überwachung von Abschlussprüfern. Ziel ist es, durch eine kritische Analyse der aktuellen Kontrollstrukturen in Deutschland zu klären, inwieweit diese geeignet sind, das Vertrauen in die Abschlussprüfung zu stärken und Bilanzskandale durch frühzeitige Erkennung von Unregelmäßigkeiten zu vermeiden.
- Agency-Theorie als ökonomische Begründung für Kontrollsysteme
- Strukturen und Organe der externen Qualitätskontrolle
- Verfahren des Enforcement zur indirekten Überwachung
- Kritische Würdigung der Wirksamkeit der Kontrollinstanzen
Auszug aus dem Buch
3.2 Prüfungsgegenstand
Die zuvor dargestellten Berufspflichten des Wirtschaftsprüfers sind die Grundlagen für die Arbeit des Prüfers für Qualitätskontrolle. Demnach ist das interne Qualitätssicherungssystem Prüfungsgegenstand bei der externen Qualitätskontrolle.18
Nach den neuen Gesetzen sollen die Qualitätssicherungssysteme solcher Wirtschaftsprüferpraxen, die gesetzliche Abschlussprüfungen und Abschlusserstellungen durchführen, einer Qualitätskontrolle unterzogen werden.19 Die Wirtschaftsprüferpraxen, die nicht zur externen Qualitätskontrolle verpflichtet sind, haben die Möglichkeit einer freiwilligen Prüfung.20
Bei der Prüfung soll der Prüfer für Qualitätskontrolle den Ist-Zustand der zu prüfenden Praxis mit dem Soll-Zustand vergleichen. Der Soll-Zustand ergibt sich aus den in der jeweiligen Wirtschaftsprüferpraxis eingesetzten Qualitätssicherungshandbüchern, die sich an den Anforderungen der „VO 1/1995 ´Zur Qualitätssicherung in der Wirtschaftsprüferpraxis´“21 orientieren.22 Diese erste Stufe der Qualitätskontrolle ist die Systemprüfung der jeweiligen Praxis und soll die Angemessenheit und Funktionsfähigkeit des Qualitätssicherungssystems beurteilen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Darstellung der Problematik von Unternehmensskandalen und der zentralen Rolle der Abschlussprüfer für das Vertrauen in den Kapitalmarkt.
2 Die Notwendigkeit zur Überwachung der Abschlussprüfer: Theoretische Herleitung der Kontrollnotwendigkeit mittels der Agency-Theorie aufgrund asymmetrischer Informationsverteilung.
3 Externe Qualitätskontrolle: Detaillierte Erläuterung der Berufspflichten, des Prüfungsgegenstandes sowie der beteiligten Organe wie dem Prüfer für Qualitätskontrolle und der Kommission für Qualitätskontrolle.
4 Enforcement: Kurze Skizzierung der zweistufigen staatlichen Überwachung, die indirekt auch die Arbeit der Abschlussprüfer kontrolliert.
5 Kritische Beurteilung der vorgestellten Regelungen: Hinterfragung der Wirksamkeit der bestehenden Strukturen sowie Diskussion von Verbesserungsvorschlägen aus der Literatur.
6 Zusammenfassung und Ausblick: Resümee über die Eignung der neuen Regelungen und ein kritischer Ausblick auf die Grenzen der Kontrollierbarkeit.
Schlüsselwörter
Abschlussprüfung, Corporate Governance, Externe Qualitätskontrolle, Wirtschaftsprüfer, Agency-Theorie, Prüfungsqualität, Unabhängigkeit, Enforcement, Bilanzskandale, Qualitätssicherungssystem, Kommission für Qualitätskontrolle, Abschlussprüferaufsichtskommission, Risikobeurteilung, Wirtschaftsprüferkammer, Vertrauenswiedergewinnung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Regelungen zur Überwachung von Abschlussprüfern in Deutschland vor dem Hintergrund internationaler Unternehmensskandale.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Agency-Theorie zur Begründung von Kontrolle, das System der externen Qualitätskontrolle und das zweistufige Enforcement.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die kritische Hinterfragung der Wirksamkeit der bestehenden Überwachungsregelungen und deren Beitrag zur Stärkung des Vertrauens in die Abschlussprüfung.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Fundierung durch die Agency-Theorie sowie eine deskriptive Darstellung der geltenden Rechtslage mit anschließender kritischer Würdigung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die Berufspflichten, der Prüfungsgegenstand der externen Qualitätskontrolle, die involvierten Organe und die Struktur des Enforcement detailliert dargestellt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Abschlussprüfung, Externe Qualitätskontrolle, Wirtschaftsprüfer, Agency-Theorie und Corporate Governance.
Was unterscheidet die externe Qualitätskontrolle vom Enforcement?
Während die Qualitätskontrolle den Abschlussprüfer und sein internes Qualitätssicherungssystem direkt prüft, setzt das Enforcement bei der Berichterstattung der Unternehmen an und wirkt nur indirekt auf den Prüfer.
Warum wird die Auswahl der Prüfer für Qualitätskontrolle kritisch gesehen?
Da die zu prüfende Praxis ihren Qualitätsprüfer derzeit weitgehend selbst wählen kann, wird befürchtet, dass die notwendige Unabhängigkeit ("Independence in Mind") nicht immer vollständig gewährleistet ist.
- Arbeit zitieren
- Diplom-Ökonom Ingo Birkenfeld (Autor:in), 2006, Darstellung und kritische Beurteilung der Regelungen zur Überwachung der Abschlussprüfer, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/71106