Filmrezension: Baz Luhrmann - William Shakespeares Romeo und Julia


Rezension / Literaturbericht, 2005
7 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Filmrezension

Baz Luhrmann – William Shakespeares Romeo und Julia

Der Anspruch, die Dramen William Shakespeares in unserer heutigen, von Massenkonsum und Schnelllebigkeit geprägten Zeit lebhaft zu machen, kann nur durch eine Transformation dieser von der Bühne in die Kinosäle realisiert werden. Der australische Regisseur Baz Luhrmann nimmt mit seinem Film William Shakespeares Romeo und Julia diesen Medienwechsel vor. Er verlegt das eigentlich im italienischen Verona spielende Bühnenspektakel in die lateinamerikanische Küstenstadt Verona Beach, in der das Leben von der Gewalt im Allgemeinen auf der einen Seite, vom ewigen Kampf der zwei rivalisierenden Familien, den Montagues und den Capulets, auf der anderen Seite geprägt ist. Zudem arbeitet Luhrmann mit dem Originaltext Shakespeares, den er zwar um etwa ein Drittel kürzt, so jedoch auch die jüngere Generation der Zuschauer durch das Leitmedium der shakespeareschen Sprache mit der Tragödie Romeo und Julia vertraut macht. Der im Jahre 1996 erschienene Film William Shakespeares Romeo und Julia ist der zweite Film aus Luhrmanns Red Curtain-Trilogy, wobei unter „Red Curtain“ eine Art Filmsprache zu verstehen ist, deren vereinfachte Handlung und musikalische Elemente den Zuschauer zu einer aktiven Teilnahme am Filmgeschehen gewinnen wollen.

Inhalt des Films

In Verona Beach herrscht ein erbitterter Kampf zwischen den verfeindeten, die Großstadt dominierenden Familien, Montague und Capulet. Die einzigen Kinder der beiden Familien, Romeo – ein Montague, und Julia – eine Capulet, verlieben sich auf einem von Julias Vater veranstalteten Maskenball unsterblich ineinander und beschließen mit der Hilfe von Julias Amme, sich in aller Heimlichkeit von Pater Laurence trauen zu lassen. Am Strand von Verona Beach kommt es dann jedoch zum wiederholten Male zu einem Kampf zwischen den Montagues und den Capulets, in dem Romeos bester Freund Mercutio von Julias Cousin Tybalt unglücklicherweise getötet wird, woraufhin Romeo aus Rache Tybalt erschießt und aus Verona Beach nach Mantua verbannt wird. Julias Eltern, die nicht wissen, dass ihre Tochter heimlich geheiratet hat, arrangieren die Hochzeit dieser mit dem aufstrebenden Unternehmer Dave Paris. Julia wendet sich jedoch gegen diese Hochzeit und fragt Pater Laurence um Rat. Dieser hat einen Plan: Julia soll in der Nacht vor ihrer Hochzeit eine Substanz zu sich nehmen, die sie tot erscheinen lässt. Unterdessen will Pater Laurence Romeo einen Eilbrief nach Mantua zukommen lassen, woraufhin dieser nach Verona zurückkehren soll, um die in der Kirche von Verona Beach aufgebahrte, dann wieder erwachte Julia mit sich nach Mantua zu nehmen. Während Julia die Substanz tatsächlich einnimmt und ihre Trauerfeier zelebriert wird, verpasst Romeo den Zeitpunkt, zu dem der Eilbrief gesendet wird. Alle erneuten Versuche von Pater Laurence, Romeo das Telegramm zukommen zu lassen, schlagen fehl. Romeo erfährt lediglich von einem seiner Freunde, der ihn in Mantua besucht, dass Julia tot ist. Daraufhin kehrt Romeo nach Verona Beach zurück, erwirbt bei einem alten Mann ein Fläschchen Gift und macht sich auf den Weg zur Kirche von Verona Beach, wo er Julia tot auffindet. Noch während diese wieder erwacht, nimmt er das Gift und stirbt. Julia begeht daraufhin Selbstmord mit Romeos Waffe. Der Tod der beiden Liebenden führt letztendlich zur Versöhnung der verfeindeten Familien.

Charaktere

Anhand der Kostüme, welche die einzelnen Darsteller auf dem von Julias Vater organisierten Maskenball tragen, lässt sich am besten eine Analyse der Charaktereigenschaften dieser vornehmen.

Einige Kostüme unterstreichen die Diskrepanz zwischen den realen Eigenschaften eines Charakters und der Rolle, die dieser spielen möchte. So tritt Romeo (perfekt besetzt mit Leonardo Di Caprio) auf dem Maskenball als Ritter auf, was seinen Mut und seine noblen Intentionen hervorheben soll. Doch dieses Kostüm harmonisiert nicht mit Romeos Charakter, da er eigentlich von Melancholie, gewollter Einsamkeit und – nach dem Tod Mercutios – von Rachegelüsten geleitet wird. Auch das Kostüm von Julias Vater (Paul Sorvino) spiegelt nicht dessen wahren Charakter wider. Er tritt als dominanter Kaiser Nero auf, ist aber in Wirklichkeit nur teilweise dominant, nämlich dann, wenn er seine Tochter und deren Amme schlägt. Ansonsten scheint er sich eher dem Alkohol als seiner Familie zuzuwenden, wodurch er ein erhebliches Stück seiner Macht einbüßt.

In den meisten Fällen akzentuiert jedoch das Kostüm den Charakter der jeweiligen Figur. So tritt Julia (gespielt von Claire Danes) als Engel auf, wodurch ihre Unschuld, ihre einzigartige Schönheit und Reinheit betont werden. Dave Paris (Paul Rudd), der aufstrebende Unternehmer und Julias Gatte in spe, bereichert den Maskenball als Astronaut. Dieses Kostüm ist ein Indikator für den schnellen Aufstieg Paris‘ zu einem berühmten Junggesellen, aber auch für dessen teilweise angedeutete Arroganz. Mercutio (exzellent dargestellt von Harold Perrineau), Romeos bester Freund, tritt als Drag-Queen auf, was seinen einfallsreichen und humorvollen Charakter unterstreicht. Mercutio liebt es, zu feiern und seinen Körper in aller Öffentlichkeit zur Schau zu stellen. Er ist sogar derart impulsiv, dass er ohne jegliche Vorwarnung seine Pistole am Strand abfeuert. Julias Mutter, Gloria Capulet (Diane Venora), sieht sich selbst als Göttin und Männer verführende Machtausüberin. Diese Eigenschaften kann sie perfekt als Cleopatra verkörpern. Weiterhin tritt Benvolio als Mönch auf, was seine Rolle als Streitschlichter und beruhigend wirkender Pol in diesem Film betont. Als letztes wird dem Zuschauer Tybalt (John Leguizamo) als Teufel verkleidet vorgestellt. Dieses Kostüm ist eigentlich dasjenige, welches die Rolle einer Figur in diesem Film am besten zur Schau bringt. Tybalt ist äußerst temperamentvoll. Dieses Temperament schlägt jedoch bei jeder sich bietenden Gelegenheit in Heimtücke und Hinterlist um. Tybalt sucht immer den direkten Kampf mit den Montagues, was im Laufe der Handlung schließlich zu seinem Tod führt.

[...]

Ende der Leseprobe aus 7 Seiten

Details

Titel
Filmrezension: Baz Luhrmann - William Shakespeares Romeo und Julia
Hochschule
Universität Siegen
Note
1,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
7
Katalognummer
V71113
ISBN (eBook)
9783638628235
Dateigröße
366 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Filmrezension, Luhrmann, William, Shakespeares, Romeo, Julia
Arbeit zitieren
Stefan Kraus (Autor), 2005, Filmrezension: Baz Luhrmann - William Shakespeares Romeo und Julia, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/71113

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