Diese Arbeit stellt Darwins Evolutionstheorie in Grundzügen dar und vermittelt einen übersichtlichen Überblick. Anhand namhafter Vertreter des Darwinismus und Sozialdarwinismus werden Veränderung aufgezeigt, die Darwins Theorie im Laufe der Zeit durchlaufen hat. Schließlich werden mögliche Parallelen zu Hitlers "Mein Kampf" aufgegriffen und diskutiert.
Anhand dieser Ausarbeitung wird einerseits eine Möglichkeit der für die Beantwortung der Frage nach der Verantwortlichkeit der Evolutionstheorie für die nachfolgenden Werke vorgeschlagen. Zum anderen wird die Beziehung zwischen Darwins Theorie, Sozialdarwinismus und Nationalsozialismus beleuchtet.
Gliederung
1 Einleitung
2 Darwins Werk
2.1 Die Entstehung der Arten durch natürliche Zuchtwahl
2.2 Entstehung der Arten
2.3 Kampf ums Dasein
2.4 Die natürliche Zuchtwahl
3 Ergebnis und Wirkung Darwins Werk
4 Ernst Haeckel und der Darwinismus
4.1 Die Beziehung zwischen Ernst Haeckel und Darwins Werk
4.2 Ernst Haeckel und die Generelle Morphologie
5 Sozialdarwinismus
5.1 Was bedeutet Sozialdarwinismus?
5.2 Die Entwicklung des Sozialdarwinismus
6 Die Ausbildung und Verbreitung des Sozialdarwinismus
6.1 Alfred Ploetz
6.2 Wilhelm Schallmayer
6.3 Alexander Tille
7 Vom Darwinismus zum Nationalsozialismus
8 Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Sozialdarwinismus und dem Nationalsozialismus Hitlers
9 Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die wissenschaftshistorische Entwicklung von Darwins Evolutionstheorie hin zum Sozialdarwinismus und analysiert, inwieweit diese Theorien als ideologische Grundlage für den Nationalsozialismus dienten oder von diesem instrumentalisiert wurden.
- Grundlagen der Darwinschen Evolutionstheorie und deren Missverständnisse.
- Die Rolle von Ernst Haeckel bei der Verbreitung und Radikalisierung darwinistischer Ideen.
- Definition und Entwicklung des Sozialdarwinismus durch Denker wie Ploetz, Schallmayer und Tille.
- Untersuchung der Parallelen und Unterschiede zwischen sozialdarwinistischen Modellen und der Ideologie Hitlers.
- Diskussion zur Frage der ethischen Verantwortung der Evolutionstheorie für die Gräueltaten des Nationalsozialismus.
Auszug aus dem Buch
2.4 Die natürliche Zuchtwahl
Was Darwin bereits im ersten Kapitel über die Zuchtwahl des Menschen bei domestizierten Tieren und Pflanzen angesprochen hat, findet sich in einer Übertragung auf die Natur wieder: „Kann das Princip der Auswahl für die Nachzucht, die Zuchtwahl, welche in der Hand des Menschen so viel leistet, in der Natur zur Anwendung kommen?“ lautet die Frage die er sich im vierten Kapitel stellt und die er versucht mittels Analogieschluss zur menschlichen Züchtung zu beantworten:
„Ich habe dieses Prinzip, wodurch jede solche geringe, wenn nur nützliche, Abänderung erhalten wird, mit dem Namen ‚natürliche Zuchtwahl’ belegt, um seine Beziehung zum Wahlvermögen des Menschen zu bezeichnen.“ (Darwin, 2000: 81)
So, wie der Mensch in der Lage ist, zu seinem eigenen Nutzen die Tiere oder Pflanzen in äußerlichen und sichtbaren Details zu verändern, indem er veränderte Varietäten schafft durch, wie er schreibt „methodisch und unbewusst ausgeführte Wahl“, so ist die Natur auch in der Lage zum Nutzen des Wesens auf „jedes innere Organ, auf jede Schattierung einer constitutionellen Verschiedenheit, auf die ganze Maschinerie des Lebens [zu] wirken“.
Jedes Individuum, dass sich in seinem Kampf ums Dasein als das den sich möglicherweise auch ändernden natürlichen Gegebenheiten am angepasstesten erweist, wird sich zum einen erhalten können, zum anderen auch dieses Merkmal, was es im Vergleich zu anderen Individuen gleicher Spezies als das am angepasstesten unterscheidet, „meistens durch Vererbung auf deren Nachkommen übertragen. Ebenso wird der Nachkömmling mehr Aussicht haben, leben zu bleiben“. Die Konsequenz der natürlichen Zuchtwahl ist, dass die Varietäten, welche im Laufe der Zeit und der Generationen die vorteilhaftesten Abänderungen erfahren haben, sich erhalten. Andere, die den Gegebenheiten, die sich möglicherweise nur geringfügig verändert haben, nicht mehr so optimal entsprechen, werden von den besser Angepasstesten überdauert werden und schließlich selbst nicht fortbestehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in Darwins Bedeutung und Fragestellung nach der Verbindung zwischen Evolutionstheorie und Nationalsozialismus.
2 Darwins Werk: Darstellung der Kernprinzipien wie natürliche Zuchtwahl, Artenwandel und Kampf ums Dasein.
3 Ergebnis und Wirkung Darwins Werk: Analyse der wissenschaftlichen Rezeption und der vorsichtigen Einordnung der menschlichen Stellung.
4 Ernst Haeckel und der Darwinismus: Diskussion von Haeckels Rolle als popularisierender und konsequenter Verfechter der Evolutionstheorie.
5 Sozialdarwinismus: Definition des Begriffs und Darstellung der verschiedenen Strömungen bei der Übertragung biologischer Konzepte auf die Gesellschaft.
6 Die Ausbildung und Verbreitung des Sozialdarwinismus: Untersuchung der Positionen von Ploetz, Schallmayer und Tille hinsichtlich Rassenhygiene und Selektion.
7 Vom Darwinismus zum Nationalsozialismus: Zusammenfassende Rückschau auf die Entwicklungslinien des Sozialdarwinismus.
8 Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Sozialdarwinismus und dem Nationalsozialismus Hitlers: Kritische Analyse der Instrumentalisierung sozialdarwinistischer Konzepte durch Hitler.
9 Schlussbemerkung: Resümee zur Frage der Verantwortlichkeit der Evolutionstheorie und Ablehnung einer zwangsläufigen Kausalität.
Schlüsselwörter
Evolutionstheorie, Charles Darwin, Sozialdarwinismus, Ernst Haeckel, Rassenhygiene, Selektion, Kampf ums Dasein, Nationalsozialismus, Eugenik, Deszendenztheorie, Alfred Ploetz, Wilhelm Schallmayer, Alexander Tille, Individuum, Naturgesetz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die philosophischen und historischen Zusammenhänge zwischen Charles Darwins Evolutionstheorie und der Entstehung des Sozialdarwinismus, sowie dessen ideologischer Instrumentalisierung im Nationalsozialismus.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Fokus stehen die Interpretation von Darwins Prinzip des "Kampfes ums Dasein", die Rolle bedeutender Darwin-Anhänger wie Ernst Haeckel und die Entwicklung rassentheoretischer Konzepte in Deutschland.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Ziel ist es zu klären, ob der Nationalsozialismus zwangsläufig aus der Evolutionstheorie folgen musste und inwiefern die Sozialdarwinisten für die Verbrechen Hitlers verantwortlich gemacht werden können.
Welche wissenschaftliche Methodik wird angewandt?
Die Arbeit nutzt eine wissenschaftshistorische Literaturanalyse, bei der zentrale Primärtexte von Darwin, Haeckel, Ploetz, Schallmayer, Tille und Hitler gegenübergestellt und interpretiert werden.
Welche Aspekte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung des Darwinschen Werks, die radikale Weiterentwicklung durch Haeckel, die Theoriebildung des Sozialdarwinismus durch verschiedene Denker und den Vergleich dieser Theorien mit Hitlers "Mein Kampf".
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am stärksten?
Die Arbeit wird maßgeblich durch die Begriffe Evolutionstheorie, Sozialdarwinismus, Rassenhygiene, Kampf ums Dasein und Selektion bestimmt.
Wie unterscheidet sich die Auffassung von Alexander Tille von der seiner Zeitgenossen?
Im Gegensatz zu anderen Sozialdarwinisten, die oft noch humanitäre Kompromisse suchten, radikalisierte Tille die Theorie, indem er Moral und Menschlichkeit explizit als Hindernisse für den evolutionären Prozess ablehnte.
Welches Fazit zieht die Autorin bezüglich der Schuldfrage?
Die Autorin kommt zu dem klaren Ergebnis, dass der Sozialdarwinismus nicht für die Machtergreifung Hitlers verantwortlich gemacht werden kann und dass die Gräueltaten des Nationalsozialismus keine zwangsläufige Folge der Darwinschen Theorie sind.
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- Cornelia Clauss (Author), 2007, Darwins Evolutionstheorie und der Weg zum Versuch der Kreation eines "perfekten Menschen", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/71117