Der Erwachsene als Lernwesen - Grundlagen einer Anthropologie des Erwachsenen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2007
17 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Verzeichnis verwendeter Abkürzungen

0 Vorwort und Aufbau der Seminararbeit

1 Pädagogische Anthropologie
1.1 Grundlagen und geschichtliche Entwicklung
1.2 Bedeutung und Aufgaben der Anthropologie für die Pädagogik
1.3 Anthropologie des Erwachsenen als Teil der Pädagogischen Anthropologie

2 Die Anthropologie des Erwachsenen in exemplarischen Aussagen
2.1 Reifetheorie vs. Lerntheorie
2.2 Biografie und Lebenswelt des Erwachsenen
2.3 Mündigkeit und Verantwortung
2.4 Lernfähigkeit und Bildungsfähigkeit

3 Anthropologie und Erwachsenenbildung: Zusammenfassung und Ausblick

Literaturverzeichnis

Verzeichnis verwendeter Abkürzungen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

0 Vorwort und Aufbau der Seminararbeit

Die Pädagogik beschäftigt sich mit Vorgängen der Erziehung, der Bildung und des Lernens beim Menschen. Im Zentrum der Pädagogik als Wissenschaft steht somit der Mensch. Es ist daher nahe liegend, dass zur pädagogischen Theoriebildung und für die pädagogische Praxis eine wie auch immer geartete „Lehre vom Menschen“ existieren muss. Aus dem Griechischen stammend wird die Lehre vom Menschen als Anthropologie (griechisch ανθρωπολογία, anthropo~ von άνθρωπος - Mensch und ~logie von λόγος – Lehre) bezeichnet. Mit einigen Grundlagen dieser Lehre vom Menschen im Bereich der Pädagogik (Pädagogische Anthropologie) und insbesondere der relevanten Aussagen für die Erwachsenenbildung befasst sich die vorliegende Seminararbeit.

Ausgangspunkt der Arbeit ist im ersten Kapitel eine knappe Darlegung der Entstehung der Pädagogischen Anthropologie aus der Philosophie heraus. Des Weiteren erfolgt ein kurzer Grundriss der Aufgaben einer Anthropologie des Erwachsenen im Rahmen der Erwachsenenbildung.

Im zweiten Kapitel werden dann exemplarische Aussagen zur Anthropologie des Erwachsenen vorgestellt. Eine umfassende Entwicklung einer Anthropologie des Erwachsenen oder auch die erschöpfende Darstellung der vorliegenden Anthropologien des Erwachsenen ist in der knappen Form einer Seminararbeit nicht möglich.

Das dritte Kapitel schließt die Arbeit mit einer Darstellung möglicher Ergebnisse der anthropologischen Reflexion und deren Konsequenzen für die Erwachsenenbildung ab.

1 Pädagogische Anthropologie

1.1 Grundlagen und geschichtliche Entwicklung

Die Frage des Menschen nach sich selbst ist eine der ältesten Fragen, die sich die Menschheit stellt. Seit der Mensch die Fähigkeit zur kulturellen Betätigung besitzt, sind uns aus allen Hochkulturen Zeugnisse davon überliefert, dass der Mensch sich seine Herkunft und sein Wesen versucht zu erklären.[1] ZDARZIL stellt hierzu fest, dass der Tatbestand, dass der Mensch ‚Anthropologie’ entwickelte, selbst ein anthropologischer Tatbestand ist, schließlich wird damit deutlich, dass der Mensch zur Distanznahme zu sich selbst fähig ist, also Selbstbewusstsein besitzt und fähig ist, über die eigene Existenz nachzudenken.[2] Diese Befähigung, die Frage nach den Bedingungen der Möglichkeit der menschlichen Existenz zu stellen, wird auch als Fähigkeit zur Reflexion bezeichnet. Notwendig dafür ist, dass der Mensch sich von sich selbst distanziert, also sich geistig gegenübertritt und in Frage stellt. Kein anderes Lebewesen ist dazu im Stande und fragt sich nach dem Sinn und Ziel des Lebens. Der Mensch hat als Träger eines expliziten Bewusstseins Geschichte, in dem er Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu unterscheiden vermag.[3] Das Nachdenken des Menschen über die Frage der Natur des Menschen, also die Anthropologie, gehört daher zu den Grunddisziplinen der Philosophie. Die Frage besitzt einerseits eine theoretische Relevanz und dient zur Klärung der Stellung des Menschen in der Welt und damit zur Selbstbesinnung und Selbstvergewisserung des Menschen. Zudem ist der anthropologischen Fragestellung aber auch eine den einzelnen Menschen bzw. die gesamte Menschheit betreffende praktische Relevanz eigen: Für das Individuum stellt sich die Aufgabe der sinnvollen Selbstverwirklichung, für die Gemeinschaft die Herausforderung der Gestaltung eines humanen Zusammenlebens in der Gesellschaft.[4]

Die Fragestellung der Anthropologie wird von verschiedenen Wissenschaften bearbeitet. Zunächst zu nennen ist die Philosophische Anthropologie, welche die Grundlagen für einzelwissenschaftliche Überlegungen bereitstellt. Sie konnte erst in dann entstehen oder zur Blüte gelangen, wenn menschliches Sein nicht mehr ausschließlich auf göttliche Vorherbestimmung und göttliche Eingriffe in das Leben zurückgeführt wird, da Anthropologie ansonsten nur die Ergründung bzw. Interpretation des göttlichen Willens darstellt.[5] Neben der Philosophie beschäftigen sich auch die verschiedensten Natur- und Kulturwissenschaften mit den jeweils ihr Fachgebiet betreffenden anthropologischen Aussagen.[6] Auch pädagogische Aussagen sind von jeher aufs engste mit – explizit niedergelegten oder implizit mitgedachten – anthropologischen Annahmen verknüpft, was sich in der Geschichte der bedeutenden pädagogischen Theorien leicht nachweisen lässt und auch unmittelbar einsichtig ist: Pädagogik als Wissenschaft der erzieherischen oder bildenden Einwirkung auf den Menschen muss sich zwangsläufig immer die Frage stellen, auf welches Ziel hin der Mensch erzogen oder gebildet werden soll, wie diese Einwirkung erfolgen soll und ob die Festlegung von Weg und Ziel überhaupt dem Menschen angemessen ist. Weder die Festlegung des Ziels noch die Bestimmung des Weges, wie das Ziel versucht wird zu erreichen, ist ohne eine Vorstellung vom Wesen des Menschen möglich.

Die Anthropologie war über eine lange Zeit hinweg ein rein philosophischer Gegenstand. KANT erhob in der Neuzeit die anthropologische Fragestellung ‚Was ist der Mensch?’ schließlich zur zentralen Frage der Philosophie, welche die Gebiete Religionsphilosophie, Ethik und Metaphysik mit einschließt.[7] Im 18. Jahrhundert begann in den Einzelwissenschaften die Entwicklung der verschiedenen Anthropologien. Die Naturwissenschaften untersuchten die biologische, physiologische und morphologische Entwicklung des Menschen, die Geschichts- und Gesellschaftswissenschaften den Menschen als Kulturwesen.

1.2 Bedeutung und Aufgaben der Anthropologie für die Pädagogik

Der Beginn der wissenschaftlichen Pädagogischen Anthropologie liegt ebenfalls im 18. Jahrhundert. Als Grundlegend sind hier die pädagogischen Arbeiten ROUSSEAUS, HUMBOLDTS und PESTALOZZIS zu nennen, philosophische Impulse gingen beispielsweise von KANT, HERDER, und SCHLEIERMACHER aus.[8] Zwischen 1945 und 1975 kam es infolge des Aufschwungs der philosophischen Anthropologie seit Beginn des 20. Jahrhunderts auch in der Pädagogik zu einem Ausbau der Anthropologie zu einem zentralen Arbeitsbereich der Erziehungswissenschaft. Hierbei entstand allerdings nicht ‚die’ Pädagogische Anthropologie, sondern eine Reihe von differierenden Ansätzen, die von verschiedenen Grundannahmen ausgehen und unterschiedliche Schwerpunkte setzen. Ziel sämtlicher pädagogischer Anthropologien[9] ist es, mittels der Lehre vom Menschen die Erziehungsmöglichkeiten zu identifizieren, Erziehungsziele festzulegen, Erziehungsmittel zu entwickeln und den Erziehungserfolg zu definieren.[10] Aus diesen Zielstellungen ergibt sich die Aufgabe der Pädagogischen Anthropologie als die „Zusammenfassung einzelwissenschaftlicher Forschungsergebnisse zu übergreifenden Theorien, um mit deren Hilfe zur Klärung pädagogisch relevanter Probleme beizutragen.“[11] Die Pädagogik übernimmt damit nicht einfach die Erkenntnisse anderer Wissenschaften ungeprüft in die eigene Disziplin, sondern führt die Erkenntnisse zu einer pädagogischen Theorie zusammen. Damit verbunden ist auch eine zweite Aufgabe. Die Pädagogik greift als Wissenschaft nicht nur auf die Erkenntnisse anderer Wissenschaften zurück, sondern muss auch selbst einen Beitrag für die Erarbeitung einer umfassenden Anthropologie leisten. Die Gegenstände der Pädagogik – Erziehung, Bildung und Lernen – sind Ausdrucksweisen menschlicher Existenz. Daher analysiert die Pädagogische Anthropologie die pädagogische Wirklichkeit und bringt dadurch selbst einen wesentlichen Beitrag in die umfassende Beschreibung menschlichen Seins und Sollens ein. Damit ist nun ein weiteres wichtiges Moment jeder Anthropologie angesprochen: Die Verschränkung von Sein und Sollen. Aussagen der Pädagogischen Anthropologie bewegen sich immer auf beiden Ebenen, denn die Aussagen beinhalten auch immer ein Bild vom Menschen, das dem jeweiligen Pädagogen als Ziel seines Handelns vorschwebt. Hierin ist auch die Notwendigkeit des kritischen Umgangs mit allen in Anthropologien enthaltenen Menschenbildern erkennbar. Bildung auf ein ‚Bild’ hin wird inzwischen auch von der wissenschaftlichen Pädagogik nicht mehr weiter verfolgt. Die Besonderheit des Menschen ist gerade seine Nicht-Festlegung auf ein bestimmtes Entwicklungsziel. DIENELT[12] zeigt die Problematik einer Festlegung auf Menschenbilder auf und plädiert für ein wesenhaft-beschreibendes Menschenbild ohne ideologische Verabsolutierungen und normative Festlegungen. Die Vorstellung, durch die Entwicklung eines wissenschaftlichen Menschenbildes Ziel und Ausrichtung der Pädagogik ableiten zu können, wäre eine unzulässige und ideologische Vereinfachung.[13] Eine Berechtigung hat die Pädagogische Anthropologie in der Bestimmung der Bildungsziele aber dennoch, indem sie das allgemeinmenschliche, das fundamentale des menschlichen Seins bestimmt und auf pädagogische Relevanz hin untersucht. Hier übt die Pädagogische Anthropologie auch eine Art Prüffunktion aus, indem anthropologisch relevante Erkenntnisse anderer Wissenschaften zunächst auf ihre pädagogische Eignung und Übereinstimmung mit dem wesenhaften Bild vom Menschen begutachtet werden müssen.[14]

[...]


[1] Vgl. LASSAHN (1983), 7.

[2] Vgl. ZDARZIL (1976), 13.

[3] Vgl. ZDARZIL (1976), 46-47.

[4] Vgl. KUNZMANN u.a. (1998), 13.

[5] Vgl. LASSAHN (1983), 8.

[6] Vgl. ZDARZIL (1976), 13. oder LASSAHN (1983), 7-9.

[7] Vgl. KUNZMANN u.a. (1998), 11.

[8] Vgl. REINHOLD u.a. (1999), 24ff.

[9] Eine Ausnahme bildet hier der plurale-historische Ansatz der pädagogischen Anthropologie. Dieser lehnt es ab, die Anthropologie als normsetzende Fundamentaldisziplin der Pädagogik anzuerkennen. Sämtliche anthropologische Aussagen sind nach diesem Ansatz immer z.B. mit gesellschaftlichen Bedingungen, Machteffekten und Ideologien verbunden, welche kritisch zu hinterfragen sind. Vgl. REINHOLD u.a. (1999), 24ff.

[10] Vgl. REINHOLD u.a. (1999), 25. Der Begriff ‚Erziehung’ wird hier deswegen verwendet, weil die Pädagogik sich in ihrem Selbstverständnis zum Teil in eine empirische Wissenschaft gewandelt hat und diesen Wandel durch die Verwendung des Begriffs Erziehungswissenschaft dokumentiert. Statt Erziehung könnte man – ohne die Richtigkeit der Aussage zu verfälschen – auch von ‚Bildung’ sprechen.

[11] ZDARZIL (1978), 29. Textauszeichnungen nicht übernommen.

[12] Vgl. DIENELT (1977), 89-96.

[13] Vgl. DIENELT (1977), 95f.

[14] Vgl. DIENELT (1977), 96.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Der Erwachsene als Lernwesen - Grundlagen einer Anthropologie des Erwachsenen
Hochschule
Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt  (Philosophisch-Pädagogische Fakultät)
Veranstaltung
Hauptseminar Zentrale Fragen der Andragogischen Anthropologie und Psychologie
Note
1
Autor
Jahr
2007
Seiten
17
Katalognummer
V71134
ISBN (eBook)
9783638631051
ISBN (Buch)
9783640862092
Dateigröße
449 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Im Zentrum der Pädagogik steht der Mensch. Für Theorie und Praxis wird daher eine Pädagogische Anthropologie benötigt. Ausgangspunkt ist eine Darlegung der Entstehung der Pädagogischen Anthropologie aus der Philosophie, weiterhin erfolgt ein Grundriss der Aufgaben einer Anthropologie des Erwachsenen anhand einiger für die Erwachsenenbildung relevanter Aussagen. Enthalten ist auch eine Darstellung möglicher Ergebnisse der anthropologischen Reflexion und die Konsequenzen für die Erwachsenenbildung.
Schlagworte
Erwachsene, Lernwesen, Grundlagen, Anthropologie, Erwachsenen, Hauptseminar, Zentrale, Fragen, Andragogischen, Psychologie
Arbeit zitieren
Markus Hubner (Autor), 2007, Der Erwachsene als Lernwesen - Grundlagen einer Anthropologie des Erwachsenen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/71134

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