Anliegen dieser Hausarbeit soll in erster Linie sein, einen innerhalb eines angemessenen Rahmens möglichst breiten, wenn natürlich auch nicht vollständigen Überblick über den Begriff des Fremden in den Sozialwissenschaften zu geben. Hierbei kommen verschiedene Ansätze zu Wort, die sich diesem Themenkomplex mal aus Sicht der sich durch den eindringenden Fremden bedroht fühlenden Gemeinschaft, mal aus Sicht des Individuums, das sich in diese Gemeinschaft einfügen muss, nähern, und die unterschiedliche Akzente bei Entstehung, Konsequenzen und ‚Lösungsvorschlägen′ für die ‚Fremdenproblematik′ setzen.
Sicherlich grundlegend für ein solches Vorhaben ist der Begriff des Fremden bei Georg Simmel (Kap. I 1.). Auf ihn greifen auch sowohl Zygmunt Bauman (Kap. I 2.) als auch Armin Nassehi (Kap. I 3.) bei der Entwicklung ihrer eigenen Ansätze zurück, wobei insbesondere Letzterer einerseits wiederum Bauman wie auch andere Konzepte in seine Überlegungen einbezieht.
Da in fast allen dargestellten Konzepten dabei auf die Entwicklung der Nationalstaaten allgemein, respektive ihre historisch und regional je unterschiedlichen Antworten bei der Bewältigung ihrer konstitutiven Aufgabe des Umgangs mit Fremden innerhalb ihres Territoriums ein besonderes Augenmerk gerichtet wird, soll anschließend in einem Exkurs exemplarisch auf vier verschiedene nationalstaatliche Integrationskonzepte eingegangen werden (Kap. II).
Im dritten Teil nun wird ein neuer Begriff von Kultur und kultureller Kompetenz nach Dirk Baecker vorgestellt (Kap. III), der eine etwas andere, systemtheoretisch geprägte Herangehensweise und somit eine neue Perspektive in das bis dahin Gesagte bringen soll.
Der vierte und letzte Abschnitt schließlich will versuchen, die bisherigen Überlegungen kurz zusammenfassend, eine vorläufige Bilanzierung der bisherigen sozialwissenschaftlichen Beschäftigung mit dem Thema vorzunehmen.
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Inhaltsverzeichnis
Einleitung
I Soziologische Konzepte zum Begriff des „Fremden“
1. Simmel
2. Bauman
3. Nassehi
II Exkurs: Beispiele nationaler Integrationskonzepte
Frankreich
Großbritannien
Die Vereinigten Staaten
Deutschland
III „Kultur“ als Chance?
IV Fazit
Zielsetzung und Themen
Diese Arbeit verfolgt das Ziel, einen umfassenden Überblick über soziologische Ansätze zum Begriff des „Fremden“ zu geben und dabei zu untersuchen, wie sich Konzepte von Identität, Ausgrenzung und Integration im Kontext moderner Nationalstaaten und gesellschaftlicher Differenzierung verändern.
- Theoretische Fundierung des Fremdenbegriffs (Simmel, Bauman, Nassehi)
- Vergleichende Analyse nationalstaatlicher Integrationsmodelle
- Systemtheoretische Perspektive auf Kultur und interkulturelle Kompetenz
- Transformation des Fremden im Zeitalter der Globalisierung
Auszug aus dem Buch
1. Simmel
Die ausführlichste Bezugnahme Georg Simmels auf die Begrifflichkeit des Fremden findet sich in seinem oft zitierten „Exkurs über den Fremden“ in „Soziologie. Untersuchungen über die Formen der Vergesellschaftung“. Er beschreibt dort aus Sicht der Gesellschaft das (zunächst räumliche) Eindringen des Fremden in eine organisch gewachsene Gemeinschaft, wobei der Fremde im hier gemeinten Sinne sich eben gerade dadurch vom Besucher oder ‚nur‘ Wandernden unterscheidet, dass er nicht „heute kommt und morgen geht, sondern [...] heute kommt und morgen bleibt“ und daher „innerhalb eines bestimmten räumlichen Umkreises [...] fixiert“ ist und so längerfristig zu einem Teil dieser Gemeinschaft wird.
Selbst wenn dies zunächst nur eine Teilhaberschaft als Außenseiter ist, so wird er damit dennoch zum Bestandteil des Gesellschaftsgefüges, wird in diesem Zusammenhang jedoch nicht als Mitglied der ‚In-Group‘, sondern als Mitglied der ‚Out-Group‘ betrachtet. Die Kategorisierbarkeit in die ‚Out-Group‘ zeigt dabei jedoch bereits, dass er damit Teil einer Gesellschaftsstruktur geworden ist. Der Fremde ist „Element der Gruppe selbst [, ...] zugleich ein Außerhalb und Gegenüber.“
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Arbeit führt in die soziologische Auseinandersetzung mit dem Fremden ein und skizziert den Aufbau der theoretischen Untersuchung sowie den angestrebten systemtheoretischen Ausblick.
I Soziologische Konzepte zum Begriff des „Fremden“: Dieses Kapitel vergleicht die Ansätze von Simmel, Bauman und Nassehi, die das Verhältnis von Individuum, Gesellschaft und Fremdheit aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten.
II Exkurs: Beispiele nationaler Integrationskonzepte: Anhand von Frankreich, Großbritannien, den USA und Deutschland werden die jeweils zugrunde liegenden nationalen Strategien zum Umgang mit dem Fremden und deren Exklusionsmechanismen untersucht.
III „Kultur“ als Chance?: Basierend auf Dirk Baecker wird ein systemtheoretischer Kulturbegriff vorgestellt, der die Möglichkeiten einer produktiven, zukunftsorientierten Auseinandersetzung mit dem Fremden aufzeigt.
IV Fazit: Das abschließende Kapitel bilanziert die Ergebnisse der Untersuchung und diskutiert die Herausforderungen einer Identitätsbestimmung in einer globalisierten, postmodernen Gesellschaft.
Schlüsselwörter
Fremdheit, Soziologie, Georg Simmel, Zygmunt Bauman, Armin Nassehi, Nationalstaat, Integration, Assimilation, Kultur, Systemtheorie, Identität, Exklusion, Inklusion, Differenz, Globalisierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet eine soziologische Bestandsaufnahme des Begriffs „der Fremde“ und analysiert dessen Entwicklung sowie die daraus resultierenden gesellschaftlichen Konflikte und Integrationsstrategien.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die soziologischen Konzepte der Fremdheit, die unterschiedlichen Integrationskonzepte moderner Nationalstaaten sowie systemtheoretische Ansätze zum Verständnis von Kultur.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den Fremdenbegriff aus verschiedenen theoretischen Perspektiven zu beleuchten und Wege aufzuzeigen, wie das Phänomen der Fremdheit jenseits bloßer Problematisierung als Herausforderung und Chance verstanden werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Literaturanalyse klassischer und moderner soziologischer Theorien und vergleicht diese hinsichtlich ihrer Erklärungskraft für das gesellschaftliche Verhältnis zum Fremden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Analyse soziologischer Konzepte (Simmel, Bauman, Nassehi), einen empirisch orientierten Exkurs zu nationalen Integrationsmodellen und einen systemtheoretischen Ausblick auf das Konzept der Kultur nach Dirk Baecker.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Fremdheit, Integration, Exklusion, nationale Identität, systemtheoretische Kulturanalyse sowie die Ambivalenz des Fremden in der Moderne.
Wie bewertet der Autor den Begriff der „kulturellen Kompetenz“?
Der Autor kritisiert, dass gängige Begriffe der interkulturellen Kompetenz oft erneut Asymmetrien produzieren, und plädiert stattdessen für eine systemtheoretische Sichtweise, die auf Offenheit und die Gestaltung einer ungewissen Zukunft setzt.
Inwiefern hat die Globalisierung Einfluss auf den Fremdenbegriff?
Die Arbeit verdeutlicht, dass durch globale Verflechtungen traditionelle, auf Nationalstaaten basierende Identitätskonstruktionen an Trennschärfe verlieren, was den Umgang mit dem Fremden verlagert und komplexer macht.
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- M.A. Péter Szász (Author), 2001, Wer oder was ist 'fremd'? - Von Simmel bis Baecker - Versuch eines Überblicks über die Entwicklung des Fremdenbegriffs, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/7115