Gegenstand dieser Hausarbeit ist das Verhältnis von Marcus Tullius Cicero und Caius Iulius Caesar Octavianus zwischen den Iden des März 44 v. Chr. und dem 7.Dezember 43 v. Chr.. Bei diesem Thema muss man zunächst die Charaktereigenschaften, die Ansichten und das jeweilige Umfeld der beiden Männer betrachten, um daraus auf die von ihnen verfolgten Ziele schließen zu können. Hierbei stellen sich die Fragen, ob erstens eine Entwicklung in ihrer Beziehung zueinander im Laufe der eineinhalb Jahre zu erkennen ist und zweitens, warum das Verhältnis einen derartigen Verlauf nehmen musste und welche Faktoren ihn förderten? Von diesen Betrachtungen aus kann man dann auf den Zustand der res publica nach dem Tod Caesars schließen. Von diesen Rückschlüssen aus gelangt man außerdem zu den Problemen, mit denen sich die politischen Eliten in den Jahren 44 und 43 v. Chr. konfrontiert sahen. Das Verhältnis von Cicero und Octavian als eigenständiger Gesamtkomplex scheint noch nicht sehr intensiv erforscht zu sein. Darstellungen zu diesem Thema findet man meist eingebunden in die Biographien der beiden, was an den begrenzten Quellen liegen mag. Auch die moderne Forschung muss ihre Erkenntnisse aus den Darstellungen antiker Historiker wie Plutarch, Appian oder Sueton oder direkt aus den erhaltenen Privatkorrespondenzen und Reden Ciceros gewinnen.
In meiner Hausarbeit erörtere ich zunächst die Ausgangspositionen der Hauptpersonen nach der Ermordung Caesars. Dazu möchte ich herausfinden, wo sie sich aufhielten und ob sie schon vor der Ermordung Caesars in einer definierbaren Beziehung zueinander standen. Zudem werde ich klären, ob ihr Verhalten in den Wochen nach der Tat ihr Vorgehen beeinflusste.
Anschließend betrachte ich noch die Motive, die Cicero und Octavian zur Zusammenarbeit bewegten. Damit möchte ich erschließen, inwieweit man von einem natürlichen Bündnis oder von einer unnatürlichen Zweckallianz sprechen kann, wenn man die Beweggründe der beiden Männer miteinander vergleicht. Hierauf folgend stelle ich die einzelnen Phasen der Entwicklung des Bündnisses zwischen Octavian und Cicero dar. Wie in jeder menschlichen Beziehung lassen sich auch hier mehrere Stadien des Zusammenwirkens erkennen und voneinander abgrenzen. Vor die Zusammenfassung dieser Hausarbeit stelle ich noch die Frage, wieso Octavian am Ende als vermeintlicher Sieger aus dem Bündnis hervorgehen konnte und nenne Gründe, die mir in dieser Sache schlüssig erscheinen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Ausgangsposition nach der Ermordung Caesars
2.1. Antonius
2.2. Octavian
2.3. Cicero
2.4. Woher kommt der gegenseitige Hass von Antonius und Cicero?
3. Motive für die Zusammenarbeit
3.1. Ciceros Motive
3.2. Octavians Motive
4. Die Entwicklung des Verhältnisses zwischen Cicero und Octavian
4.1. erste Begegnungen
4.2. Annäherung und beginnende Zusammenarbeit
4.3. Zusammenarbeit
4.4. Verselbstständigung Octavians
4.5. Bruch
5. Schlussgedanke
Wieso ging Octavian am Ende als vermeintlicher Sieger aus dem Bündnis hervor?
6. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Hausarbeit untersucht das politische Verhältnis zwischen Marcus Tullius Cicero und Caius Iulius Caesar Octavianus im Zeitraum zwischen den Iden des März 44 v. Chr. und Ciceros Ermordung im Dezember 43 v. Chr. Ziel ist es, die Motive für ihre zeitweilige Zweckallianz zu analysieren, die Phasen ihrer Zusammenarbeit zu beleuchten und die Gründe für das Scheitern dieses Bündnisses sowie den Aufstieg Octavians zum Alleinherrscher zu erörtern.
- Politische Ausgangslage der Akteure nach dem Tod Caesars
- Analyse der persönlichen und strategischen Motive für die Zusammenarbeit
- Phasen der Entwicklung des Bündnisses vom ersten Kontakt bis zum Bruch
- Rolle der öffentlichen Redekunst und Senatsbeschlüsse bei der Legalisierung Octavians
- Ursachen für das Scheitern der republikanischen Ambitionen Ciceros
Auszug aus dem Buch
3.1. Ciceros Motive
Ciceros Ziel war während der gesamten Zeit die Wiederherstellung der res publica libera, wie sie bereits vor Caesar bestanden hatte. Cicero und die Republikaner waren nicht bereit, die Entwicklung der Ordnung, resultierend aus der enormen Größe des römischen Reiches, hin zu einem neuen Konstrukt, in dem die Macht einem einzigen gehören würde, zu akzeptieren. Aus dieser Ansicht ergeben sich die Gründe für die Ermordung Caesars und für die spätere Bekämpfung von Antonius, der sich anschickte eine ähnliche Position im Staat zu erreichen wie sie Caesar innehatte. „Für den Kampf gegen Antonius und die Restauration der res publica fehlte das Instrument. Anfang November, […], glaubte Cicero es gefunden zu haben, denn am Tag der Calenden erhielt er einen Brief von Octavianus.“ (Grimal S.503). Durch die Einbindung des Caesarerben in seine Pläne wollte Cicero eine Einheitsfront gegen seinen Feind Antonius schaffen. Auch Persönliche Abneigungen gegen den Konsul des Jahres 44 schienen für die Entscheidung Ciceros für ein Bündnis mit Octavian eine Rolle gespielt zu haben. Dennoch war es „politisches Kalkül, nicht Überzeugung“ (Ortmann S.164), mit Octavian zusammenzuarbeiten. Allerdings war der Senat auf Octavians Truppen angewiesen, was Cicero sehr wohl bewusst war. Sein Plan war die politische Ausschaltung Octavians nach Erfüllung seiner Aufgaben im Kampf gegen Antonius. Er war die ganze Zeit der Meinung, er könne Octavian nach seinen Wünschen lenken. Dazu trug sicherlich auch dessen schmeichelhaftes Verhalten ihm gegenüber und sein junges Alter bei.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung des Themas und der zentralen Fragestellung bezüglich der komplexen Beziehung zwischen Cicero und Octavian.
2. Die Ausgangsposition nach der Ermordung Caesars: Untersuchung der Handlungsspielräume und Beweggründe von Antonius, Octavian und Cicero in der unmittelbaren Nachfolgezeit des Attentats.
3. Motive für die Zusammenarbeit: Analyse des "politischen Kalküls" beider Seiten, wobei Cicero auf die Wiederherstellung der Republik hoffte, während Octavian eigene Machtansprüche verfolgte.
4. Die Entwicklung des Verhältnisses zwischen Cicero und Octavian: Detaillierte Betrachtung der wechselhaften Phasen der Kooperation, die von taktischer Annäherung bis zum endgültigen Bruch reichten.
5. Schlussgedanke: Reflexion über die Fehleinschätzung Ciceros bezüglich seines Einflusses auf den jungen Octavian und das resultierende Scheitern des Bündnisses.
6. Zusammenfassung: Resümee der Forschungsergebnisse, die den unvermeidbaren Charakter des Konflikts zwischen der alten republikanischen Ordnung und dem aufkommenden Prinzipat unterstreichen.
Schlüsselwörter
Marcus Tullius Cicero, Caius Iulius Caesar Octavianus, Marcus Antonius, res publica, Caesarianer, Republik, Bürgerkrieg, Triumvirat, Senat, Mutina, Machtpolitik, Zweckallianz, Proskriptionen, Prinzipat, politische Geschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die wechselhafte politische Beziehung zwischen Marcus Tullius Cicero und dem jungen Octavian zwischen dem Jahr 44 v. Chr. und Ciceros Tod im Jahr 43 v. Chr.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das politische Machtvakuum nach dem Mord an Caesar, das Verhältnis zwischen Republikanern und Caesarianern sowie der Aufstieg Octavians zum späteren Kaiser.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es zu ergründen, warum Cicero ein Bündnis mit dem Erben Caesars einging und welche Faktoren letztlich zum Scheitern dieser strategischen Partnerschaft führten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Quellenarbeit, insbesondere der Auswertung von Korrespondenzen, Reden und historischer Fachliteratur, um die politischen Motive der Akteure zu rekonstruieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Ausgangslage der Akteure, die beidseitigen Motive für die Zusammenarbeit und eine chronologische Analyse der Phasen ihres Bündnisses bis zum finalen Bruch.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Cicero, Octavian, Antonius, res publica, Machtpolitik, Zweckallianz, Bürgerkrieg und der Übergang von der Römischen Republik zum Prinzipat.
Warum konnte Octavian aus dem Bündnis als Sieger hervorgehen?
Er nutzte Cicero strategisch zur Legalisierung seiner Stellung, behielt jedoch stets seine eigenen Ziele im Auge und verfügte im Gegensatz zu Cicero über direkte militärische Machtmittel.
War die Zusammenarbeit zwischen Cicero und Octavian von Beginn an zum Scheitern verurteilt?
Die Arbeit deutet an, dass die gegensätzlichen langfristigen Interessen – Ciceros Wunsch nach Wiederherstellung der Republik und Octavians Streben nach Macht – ein dauerhaftes Bündnis unmöglich machten.
- Quote paper
- Daniel Wimmer (Author), 2004, Das Verhältnis zwischen Marcus Tullius Cicero und Caius Iulius Caesar Octavianus zwischen den Iden des März 44 v. Chr. und der Ermordung Ciceros am 7.Dezember 43 v. Chr., Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/71172