Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Pedagogy - History of Pedagogy

Victor und sein Lehrer Jean Itard. Eine Geschichte der Erziehung als Medium pädagogischer Bildung

Title: Victor und sein Lehrer Jean Itard. Eine Geschichte der Erziehung als Medium pädagogischer Bildung

Intermediate Diploma Thesis , 2000 , 55 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Cina Bugdoll (Author)

Pedagogy - History of Pedagogy
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Die historische Dimension des erzieherischen Handelns mit all seinen Maßnahmen, Institutionen, Inhalten, Zielbildern und Fragestellungen ist nicht von der Hand zu weisen. In der Geschichte der Pädagogik hinterlassen in der Vergangenheit handelnde Personen ihrer Nachwelt Erfahrungen im Gelingen wie im Scheitern, aus denen nachfolgende Generationen lernen können. Dieses „Denken über den Tag hinaus“ möchte ich anhand einer ausgewählten Geschichte aus dem Repertoire der Geschichte der Erziehung nachvollziehen. Es handelt sich nicht um einen fiktionalen Text, sondern um ein Gutachten des Arztes Itard über den Erziehungsversuch des Wilden von Aveyron. Gegenstand meiner Betrachtung soll der in diesem Gutachten thematisierte Erziehungs- und Bildungsprozess sein. Durch die Vorstellung der beiden beteiligten Personen und der Begegnung zwischen Lehrer und Schüler versuche ich, mich dieser Geschichte der Erziehung zu nähern.

Das Erziehungsverständnis und die daraus resultierenden pädagogischen Zielsetzungen des Lehrers sind dabei von Bedeutung für das Verständnis seiner gesamten Lehrtätigkeit. Nach der Beschreibung des Erziehungsprozesses im Ganzen wird dieser in Einzelteile zerlegt und analytisch betrachtet. Dabei gehe ich auf das Erziehungsfeld, die Lern- und Interaktionsformen sowie auf Methoden und Medien ein. Die Analyse erlaubt mir somit, meine gegenwärtige Sichtweise in die Vergangenheit zu projizieren und dadurch eine individuelle Auseinandersetzung zu erreichen. Unmittelbar an diese analytische Betrachtungsweise werden die Einzelteile wieder zusammengefügt und der Erziehungsprozess im Ganzen interpretiert. In der subjektiven Wertung und Auseinandersetzung geht es mir vor allem darum, die von mir ausgewählte historische Begebenheit gegenwartsnah zu deuten.
Dieser Herangehensweise liegt der eigene subjektive Bildungsprozess zugrunde. Über die einleitende Annäherung an die Thematik und Die gesamte vorliegende Arbeit ist also ein Versuch, anhand der Interpretation einer Geschichte aus der Geschichte der Erziehung den eigenen Bildungsprozess zu erfahren und zu fragen: Was kann man aus der Geschichte lernen?

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung: Anliegen der Untersuchung einer Geschichte der Erziehung

2. Vorstellung der beiden Figuren der Erziehungsgeschichte

2.1. Die Begegnung

2.2. Victor zwischen Idiotie und Wildheit: Disput zwischen Pinel und Itard

2.2.1. Der medizinische Blick Pinels

2.2.2. Der pädagogische Blick Itards

2.3. Das Menschenbild und Erziehungsverständnis des Lehrers und Erziehers

3. Beschreibung und Analyse des Erziehungsprozesses

3.1. Itards Gutachten als Quelle

3.2. Pädagogische Zielsetzungen als Konsequenz der Diagnose

3.2.1. Integration des Wilden in die Gemeinschaft

3.2.2. Erhöhung der Sensibilität

3.2.3. Erweiterung des gedanklichen Horizonts

3.2.4. Entwicklung der Sprache

3.2.5. Entwicklung geistiger Tätigkeit, die über die Bedürfnisse hinausgeht

3.3. Maßnahmen, Methoden und Ergebnisse des Lehr-Lern-Prozesses im Überblick

3.3.1. Integration in die Gesellschaft

3.3.2. Sinnesschulung

3.3.3. Schulung der intellektuellen Fähigkeiten

3.3.4. Schulung der affektiven Fähigkeiten

3.4. Didaktische Analyse der heilpädagogischen Urszene

3.4.1. Das Erziehungsfeld: Die pädagogische Provinz (Koch)

3.4.2. Das didaktische Modell

3.4.3. Der Unterricht als kommunikativer Prozess

3.4.4. Lernformen: Der Unterricht ohne Freude und Spiel

3.4.5. Medien und Methoden

4. Interpretation: Gegenwartsnahe Deutungen einer Geschichte der Geschichte der Erziehung

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht den historischen Erziehungsversuch des Arztes Itard an dem „Wilden von Aveyron“. Ziel ist es, anhand der Interpretation dieser pädagogischen Fallgeschichte den eigenen Bildungsprozess zu reflektieren und die Frage zu beantworten, was aus dieser historischen Begegnung für die heutige Pädagogik gelernt werden kann.

  • Historische Analyse des Erziehungsprozesses von Victor von Aveyron.
  • Gegenüberstellung des medizinischen Blicks von Pinel und des pädagogischen Ansatzes von Itard.
  • Untersuchung von Lernzielorientierung, Didaktik und Kommunikation im 19. Jahrhundert.
  • Reflexion über die Konstruktion des Adressaten in der Pädagogik.
  • Bedeutung der „heilpädagogischen Urszene“ für die Entwicklung sonderpädagogischer Methoden.

Auszug aus dem Buch

2.2.1. Der medizinische Blick Pinels

Pinel galt und gilt auch heute noch als eine führende Autorität auf dem Gebiet der Geistesstörungen. In der Zeit, als sich das Erziehungsdrama abspielte, war er Direktor der Pariser Asyle für Geisteskranke. In der Gegenwart wird er als erster Psychiater gewürdigt (vgl. LANE 1985, S.67).

Pinel war ein Mitglied der Kommission, die eigens für den sogenannten Wilden von Aveyron einberufen wurde. Er legte einen Bericht über den Jungen vor, in dem er diesen beschrieb, ihn mit idiotischen Kindern verglich und dann seine Diagnose und Prognose aufstellte (vgl. ebd.). Die Sinnesfunktionen schätzte er als so träge ein, dass er damit unter dem Stand einiger Haustiere lag. Mit seinen ausdruckslosen Augen fixierte er ausschließlich Nahrungsmittel oder Fluchtmöglichkeiten. Visuelle Unterscheidungen zwischen einem plastischen Gegenstand und einem Bild gelangen ihm nicht. Das Gehör war ebenfalls äußerst unempfindlich, sowohl gegenüber Lärm als auch gegenüber jeder Art von Musik. Er sprach nicht und gab nur monotone unartikulierte Laute von sich. Aufgrund seines wenig entwickelten Geruchsorgans schien er gleichgültig gegenüber angenehmen aber auch unangenehmen Düften. Der Tastsinn war ebenfalls enorm eingeschränkt (vgl. PINEL 1800, zit. in: LANE 1985, S.70ff.)

Im Bereich der Intelligenz maß Pinel dem Jungen keine Fähigkeiten zu. Die Aufmerksamkeit beschränkte sich nur auf Dinge, die seine Bedürfnisse befriedigen. Zu geistigen Arbeiten, Gedächtnisleistungen und Nachahmungen war er nicht imstande. Schon gar nicht verfügte er über Mittel der Verständigung (vgl. ebd., S.72f.).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Anliegen der Untersuchung einer Geschichte der Erziehung: Die Einleitung begründet das Vorhaben, durch die historische Auseinandersetzung mit dem Fall Itard eigene Erkenntnisse über Erziehung zu gewinnen.

2. Vorstellung der beiden Figuren der Erziehungsgeschichte: Dieses Kapitel stellt Victor und Itard vor und analysiert den fachlichen Disput zwischen Pinel und Itard über den Status des „Wilden“.

3. Beschreibung und Analyse des Erziehungsprozesses: Hier werden die Quellen (Gutachten), Zielsetzungen und konkreten pädagogischen Methoden detailliert beleuchtet.

4. Interpretation: Gegenwartsnahe Deutungen einer Geschichte der Geschichte der Erziehung: Das Kapitel überträgt die historischen Befunde auf gegenwärtige pädagogische Probleme, wie die Konstruktion von Schülern und die Gefahr von Lernzielfixierungen.

Schlüsselwörter

Victor von Aveyron, Itard, Geschichte der Erziehung, Sonderpädagogik, Heilpädagogik, Pinel, Erziehungsprozess, Sinnesschulung, Lernzielorientierung, Pädagogische Provinz, Konstruktion des Adressaten, Bildungsprozess, Aufklärung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der historischen Fallstudie des „Wilden von Aveyron“ und dessen Erzieher Itard, um daraus pädagogische Lehren für die Gegenwart abzuleiten.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Im Zentrum stehen die Methodik des Erziehungsprozesses, die Diskrepanz zwischen medizinischer Diagnose und pädagogischem Optimismus sowie die Rolle von Erziehungszielen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist die kritische Reflexion des eigenen Bildungsprozesses durch die Auseinandersetzung mit historischem Erziehungshandeln.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Arbeit nutzt die Analyse historischer Quellen (Itards Gutachten) und interpretiert diese vor dem Hintergrund pädagogischer Theorien und der heutigen Sonderpädagogik.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil beschreibt die verschiedenen Phasen der Erziehung, von der Integration über die Sinnesschulung bis hin zur Sprach- und Schrifterziehung.

Welche Schlüsselbegriffe prägen die Analyse?

Wesentliche Begriffe sind „pädagogische Provinz“, „Lernzielfixierung“, „Strafpädagogik“ und das Konzept der „Konstruktion des Adressaten“.

Warum stand Itard im Widerspruch zu Pinel?

Pinel sah in Victor einen unheilbaren Idioten, während Itard an dessen Bildsamkeit glaubte und die Mangelerscheinungen als Folge der gesellschaftlichen Isolation interpretierte.

Welche Rolle spielte das Spiel im Erziehungsprogramm?

Das Spiel wurde von Itard fast ausschließlich als Vorbereitung zum Lernen (z.B. Becherspiel) genutzt, ansonsten jedoch streng aus der Unterrichtssituation verbannt.

Inwiefern beeinflusste Itard spätere Reformpädagogen?

Itards Methoden der Sinneserziehung und seine genaue Beobachtung des Individuums bilden eine wichtige Grundlage für spätere Vertreter der heilpädagogischen Linie wie Séguin und Maria Montessori.

Excerpt out of 55 pages  - scroll top

Details

Title
Victor und sein Lehrer Jean Itard. Eine Geschichte der Erziehung als Medium pädagogischer Bildung
College
Humboldt-University of Berlin  (Institut für Erziehungswissenschaften)
Grade
1,0
Author
Cina Bugdoll (Author)
Publication Year
2000
Pages
55
Catalog Number
V71201
ISBN (eBook)
9783638635134
ISBN (Book)
9783638689182
Language
German
Tags
Victor Lehrer Jean Itard Eine Geschichte Erziehung Medium Bildung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Cina Bugdoll (Author), 2000, Victor und sein Lehrer Jean Itard. Eine Geschichte der Erziehung als Medium pädagogischer Bildung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/71201
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  55  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint