Die vorliegende Arbeit zum Thema Fallbeispiele aus der interkulturellen Kommunikationspraxis wurde im Rahmen des Hauptseminars Kommunikationstheoretische Grundlagen interkultureller Kommunikation auf der Grundlage von zwei Aufsätzen verfasst: Learning Objectives in Intercultural Competence. Decoding German Everyday Knowledge from a Japanese Perspective von dem Professor für Interkulturelle Kommunikation an der Ludwig-Maximilians-Universität München Dr. Alois Moosmüller und Differences in the Perception of Face. Chinese Mien-Tzu and Japanese Mentsu von Kiyoko Suedo, einer Lehrbeauftragten der Kommunikationswissenschaften an der Hokusei Gakuen Universität in Sapporo, Japan. Alois Moosmüller beschäftigt sich in seinem Aufsatz anhand von drei Beispielen mit deutschem Alltagsverhalten1 und behandelt dieses aus deutscher und japanischer Perspektive. Ziel war es, den Blick auf kulturspezifische Denk- und Verhaltensmuster zu lenken, die sich hinter den beschriebenen Situationen verbergen.
Der Aufsatz von Kiyoko Suedo basiert auf Interviews, die mit Chinesen, Japanern und einem Amerikaner durchgeführt wurden und das Konzept der Gesichtswahrung in China und Japan fokussieren. Es werden Unterschiede des kulturspezifischen Konzepts des face aufgezeigt und auf die daraus resultierenden Kommunikationskonflikte hingewiesen.
Aufgrund der unterschiedlichen Themen der vorliegenden Aufsätze ist diese Hauptseminararbeit zweigeteilt. Kapitel 2 wurde auf Grundlage des Aufsatzes von Alois Moosmüller verfasst und beschäftigt sich einleitend mit dem Konzept der interkulturellen Kompetenz. Die drei Beispielsituationen werden einleitend geschildert und dann aus japanischer und deutscher Perspektive interpretiert. Es folgt eine abschließende kritische Stellungnahme. Kapitel 3 basiert auf dem Aufsatz von Kiyoko Suedo und behandelt die Unterschiede der Gesichtswahrung in China und Japan. Anschließend werden die Begriffe mien-tzu und mentsu erläutert. Es werden die in der Studie gefundenen Unterschiede erklärt und anschließend kritisch dokumentiert. Kapitel 4 fasst die gewonnen Ergebnisse zusammen. Die vorliegende Hausarbeit hinterfragt die Gültigkeit der vorgestellten Studie bzw. der Interviews kritisch und artikuliert einige – nach Meinung der Verfasserin dieser Arbeit – notwendigen Verbesserungsvorschläge und Anregungen.
Inhaltsverzeichnis
1. EINFÜHRUNG
2. LERNZIELE DER INTERKULTURELLEN KOMPETENZ
2.1. DEUTSCHE ALLTAGSSITUATIONEN AUS JAPANISCHER PERSPEKTIVE
2.1.1. BEISPIEL 1 – UNFREUNDLICHKEIT IM VERKAUFSGESPRÄCH
2.1.2. BEISPIEL 2 – EIN AUFREGENDES SEMINAR
2.1.3. BEISPIEL 3 – EIN LANGWEILIGES SEMINAR
2.2. KRITISCHE SCHLUSSBETRACHTUNG
3. UNTERSCHIEDE IN DER GESICHTSWAHRUNG
3.1. FACE WORKS
3.2. DAS CHINESISCHE MIEN-TZU UND DAS JAPANISCHE MENTSU
3.3. KRITISCHE SCHLUSSBETRACHTUNG
4. RESÜMEE
5. QUELLENANGABEN
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht anhand konkreter Fallbeispiele die Herausforderungen der interkulturellen Kommunikation, insbesondere im Kontext zwischen deutschen, japanischen und chinesischen Verhaltensmustern. Ziel ist es, durch die Analyse spezifischer Alltagssituationen und des Konzepts der Gesichtswahrung ein tieferes Verständnis für die kulturspezifischen Denk- und Handlungsmuster zu entwickeln, die in interkulturellen Interaktionen zu Konflikten führen können.
- Interkulturelle Kompetenz als Schlüsselqualifikation
- Analyse deutscher Alltagssituationen aus japanischer Perspektive
- Vergleich der Konzepte Mien-Tzu (China) und Mentsu (Japan)
- Untersuchung von Machtstrukturen und Kommunikationsstilen
- Reflektion über methodische Ansätze in der kulturvergleichenden Forschung
Auszug aus dem Buch
3.2. Das chinesische mien-tzu und das japanische mentsu
Bevor auf die durch die Interviews ermittelten Unterschiede zwischen dem chinesischen mien-tzu und dem japanischen mentsu eingegangen wird, sollte vorab betont werden, dass beiden gemein ist, dass sie für eine reibungslose Kommunikation und den Aufbau einer interpersonellen Beziehung unumgänglich sind. In beiden Ländern ist die Gesichtswahrung enorm wichtig, um dem eigenen Ansehen gerecht zu werden und die soziale Harmonie zu erhalten und zu stärken. Da die Wörter mien-tzu und mentsu nahezu gleich klingen und die japanische und die chinesische Kultur oft als identisch angesehen werden, führt ein vorschnelles Urteil zu dem Schluss, dass sich hinter beiden Begriffen dasselbe Konzept verbirgt. Die von Suedo durchgeführten Interviews enthüllen allerdings gravierende Unterschiede.
So wird das chinesische mien-tzu des Gesprächspartners unabhängig von dessen gesellschaftlichem Status gewahrt. In China hat jeder Anrecht auf gesichtsgebende Elemente in der Kommunikation. Suedo stellt folgendes fest: „Chinese people value mien-tzu no matter how rich or poor or high or low in status one is.“ (2004: 293). In Japan hingegen leitet sich die Pflicht zur Gesichtswahrung aus der Bewertung des gesellschaftlichen Status ab. Wie folgendes Zitat deutlich macht, folgt das Bestreben der Gesichtswahrung einer allgemein akzeptierten Hierarchie: „In Japan, when I make my superiors lose mentsu, I am considered a terrible person no matter how wrong they are. But if my superiors make me lose mentsu, they are not considered as terrible.” (2004: 299). Je höher demnach das Ansehen bzw. der gesellschaftliche Status in Japan, desto größer das Bestreben das mentsu zu wahren.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINFÜHRUNG: Diese Einleitung erläutert die thematische Grundlage der Arbeit basierend auf den Aufsätzen von Moosmüller und Suedo und skizziert den Aufbau der Untersuchung.
2. LERNZIELE DER INTERKULTURELLEN KOMPETENZ: Das Kapitel definiert den Begriff der interkulturellen Kompetenz und analysiert anhand von drei Fallbeispielen deutsche Verhaltensmuster aus japanischer Perspektive.
2.1. DEUTSCHE ALLTAGSSITUATIONEN AUS JAPANISCHER PERSPEKTIVE: Hier werden drei spezifische Szenarien – ein Verkaufsgespräch und zwei Seminarsituationen – detailliert geschildert und aus interkultureller Sicht interpretiert.
2.1.1. BEISPIEL 1 – UNFREUNDLICHKEIT IM VERKAUFSGESPRÄCH: Die Analyse zeigt, wie unterschiedliche Auffassungen von Hierarchie und Berufsrolle zu Missverständnissen zwischen Kunde und Verkäufer führen können.
2.1.2. BEISPIEL 2 – EIN AUFREGENDES SEMINAR: Dieses Beispiel verdeutlicht den Konflikt zwischen dem Wunsch nach inhaltlicher Kritik und dem Bedürfnis nach Höflichkeit in verschiedenen kulturellen Kommunikationsstilen.
2.1.3. BEISPIEL 3 – EIN LANGWEILIGES SEMINAR: Hier wird untersucht, wie unterschiedliche Erwartungen an den Lernprozess und die Interaktion zwischen Lehrenden und Studierenden zu Frustration führen.
2.2. KRITISCHE SCHLUSSBETRACHTUNG: Dieser Abschnitt hinterfragt die Validität der vorgestellten Beispiele und betont die Notwendigkeit realer interkultureller Erfahrung gegenüber simulierten Situationen.
3. UNTERSCHIEDE IN DER GESICHTSWAHRUNG: Das Kapitel widmet sich dem Konzept des "Face" und vergleicht dessen Bedeutung in der chinesischen und japanischen Kultur.
3.1. FACE WORKS: Hier werden theoretische Grundlagen des Face-Konzepts definiert, darunter das positive und negative Face nach Brown und Levinson.
3.2. DAS CHINESISCHE MIEN-TZU UND DAS JAPANISCHE MENTSU: Das Kapitel arbeitet die zentralen Unterschiede zwischen dem statusunabhängigen chinesischen Mien-Tzu und dem hierarchiegebundenen japanischen Mentsu heraus.
3.3. KRITISCHE SCHLUSSBETRACHTUNG: Diese kritische Würdigung thematisiert methodische Einschränkungen der untersuchten Studie, insbesondere hinsichtlich der Repräsentativität der befragten Gruppen.
4. RESÜMEE: Das Resümee fasst die Notwendigkeit des Verständnisses kommunikativer Prozesse zusammen und plädiert für zukünftige, differenziertere Studien.
5. QUELLENANGABEN: Dieses Kapitel listet sämtliche verwendete Literatur und Quellen auf, auf die in der Arbeit Bezug genommen wurde.
Schlüsselwörter
Interkulturelle Kommunikation, Interkulturelle Kompetenz, Gesichtswahrung, Mien-Tzu, Mentsu, Kulturstandard, Kommunikationsstil, Japan, China, Deutschland, Alltagsverhalten, Face Work, Soziale Harmonie, Hierarchie, Fremdkulturelles Orientierungssystem.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert Fallbeispiele interkultureller Kommunikationspraxis und untersucht dabei Unterschiede in den Kommunikationsstilen und Konzepten der Gesichtswahrung zwischen deutschen, japanischen und chinesischen Akteuren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die Förderung interkultureller Kompetenz, die Bedeutung von kulturell geprägten Denk- und Verhaltensmustern sowie die verschiedenen Ausprägungen des "Face"-Konzepts im asiatischen Raum.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie unterschiedliche kulturelle Erwartungen und Kommunikationsstile in interkulturellen Überschneidungssituationen zu Missverständnissen führen können und warum das Verständnis dieser "versteckten" Dimensionen essentiell ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer kontrastiven Analyse von Fachaufsätzen sowie der Interpretation spezifischer Alltagssituationen und Experteninterviews, die in der Literatur beschrieben werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung deutscher Alltagssituationen aus japanischer Sicht sowie eine vergleichende Analyse des chinesischen Mien-Tzu und des japanischen Mentsu inklusive einer kritischen Reflektion der zugrunde liegenden Studien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind interkulturelle Kommunikation, Mien-Tzu, Mentsu, Gesichtswahrung, interkulturelle Kompetenz und Kulturstandards.
Warum spielt das Konzept der "Gesichtswahrung" eine so zentrale Rolle?
Das Face-Konzept ist ein wesentlicher Kulturstandard, der in asiatischen Gesellschaften soziale Harmonie und Beziehungen steuert; Unkenntnis darüber führt laut Autorin zu schwerwiegenden interkulturellen Konflikten.
Worin liegt der Hauptunterschied zwischen Mien-Tzu und Mentsu laut der Studie?
Während Mien-Tzu in China unabhängig vom Status gewahrt wird, leitet sich die Pflicht zur Gesichtswahrung beim japanischen Mentsu stark aus der gesellschaftlichen Hierarchie ab.
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- Simone Zimmermann (Author), 2006, Fallbeispiele aus der interkulturellen Kommunikationspraxis, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/71207