In einer Demokratie, wie z.B. der Bundesrepublik Deutschland, bedeutet Politik laut Martin Greiffenhagen insbesondere eine „öffentliche Argumentation und parlamentarische Debatte“2. Auch hier offenbart sich, wie bedeutsam besonders die mündliche Sprache für Politiker und den Willensbildungsprozess im Allgemeinen ist. Bereits in der griechischen und römischen Republik studierten Politiker deshalb Logik, Rhetorik, Dialektik und Hermeneutik.3Die Beobachtung wachsamer Zuhörer, ihre Sprachkritik und die Reflexion über den Sprachgebrauch in der Politik waren und sind stets ein taugliches Mittel Sprachmanipulation bzw. beabsichtigte Meinungsänderung zu durchschauen und unwirksam zu machen. Ziel dieser Hausarbeit wird es zunächst sein, den Versuch einer Definition von der „Sprache der Politik“ zu unternehmen. Was versteht man unter politischer Sprache und welche verschiedenen Definitionen weist die einschlägige Literatur auf? Im daran anschließenden Gliederungspunkt werden unterschiedliche Funktionen politischer Sprache untersucht werden; dabei wird vorrangig auf die politische Sprache als sprachliches Handeln, ihre Meinungsbildungs- und Meinungsänderungsfunktion eingegangen. Wie kann Sprache in der Politik gleichzeitig Handeln sein? Welche Absicht kann Sprache in der Politik verfolgen und was folgt daraus für ihren Aufbau? Als Schwerpunkt dieser Arbeit werde ich mich mit den Besonderheiten politische Sprache beschäftigen. Welche Rolle spielt das politische Schlagwort? Gibt es spezifische Lexeme, die als eine Art Wortschatz vor allem im politischen Bereich verwendet werden? Warum gebrauchen Politiker in ihren Reden rhetorische Figuren und unbestimmte Begriffe? Am Ende meiner Hausarbeit werde ich meine Ergebnisse zusammenfassen und die Sprache der Politik in ihren Besonderheiten abschließend betrachten.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Was ist die „Sprache der Politik“?
3 Funktionen politischer Sprache
3.1 Politische Sprache als sprachliches Handeln
3.2 Meinungsbildungsfunktion
3.3 Meinungsänderungsfunktion
4 Besonderheiten
4.1 Schlagwort
4.2 Politischer Wortschatz
4.2.1 Institutionsvokabular
4.2.2 Ideologievokabular
4.2.3 Vokabular der verwalteten Sachgebiete
4.2.4 Allgemeines Interaktionsvokabular
4.3 Rhetorische Figuren
4.5 Unbestimmtheit
5 Schlussfolgerungen
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Definition, Funktionen und Besonderheiten politischer Sprache in der Gegenwart, um deren manipulative Wirkungsweisen und Bedeutung für die staatliche Willensbildung kritisch zu beleuchten.
- Grundlagen und Definitionen politischer Sprache
- Die handlungsleitenden und meinungsbildenden Funktionen
- Strukturanalyse des politischen Wortschatzes
- Rhetorische Strategien und deren Anwendung in der Debatte
- Die Rolle der Unbestimmtheit und Manipulation durch Sprache
Auszug aus dem Buch
4.4 Unbestimmtheit
Ein wichtiger Aspekt politischer Sprache, auf den bereits mehrfach hingewiesen worden ist, besteht in der Unbestimmtheit von Begriffen. Um diesen zumeist kritisierten Gesichtspunkt und die damit verknüpfte Unverbindlichkeit politischer Sprache zu verstehen, muss man sich die politische Wirklichkeit genauer ansehen. Jeder Aufbau eines Satzes enthält Aussagen über Zusammenhänge und Verantwortlichkeiten in der Welt. Nun ist es nicht unbedingt das Anliegen eines Politikers durch seine Reden konkrete verbindliche Versprechen zu schaffen, die seine zukünftige Handlungsweise einschränken würden und es ermöglichen sein späteres Verhalten an seinen vorherigen Aussagen zu messen.
Um diesem Dilemma zu entgehen, werden sowohl für zukünftige als auch vergangene Handlungen die Verantwortlichkeiten von greifbaren Akteuren verwischt und durch Passivkonstruktionen oder Personifikationen von Natur bzw. Sachen ersetzt. Nachvollziehbar wird dies an folgendem Beispiel demonstriert: Menschen werden verfolgt, ein Krieg bricht aus oder die Wirtschaft reagiert. Nicht selten lösen solche Äußerungen Verwirrung darüber aus, wer denn da reagiert oder wer die Menschen verfolgt. Hier wird besonders deutlich, welche Intension politische Sprache – genauer gesagt die verantwortlichen Personen – haben kann: Verantwortlichkeiten sollen so unklar wie möglich dargestellt werden. Dies kann von der Politik allein natürlich nicht gesteuert werden; ebenso sind es die Medien, die diese Kommunikation mittragen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung motiviert die Relevanz der Sprache in der Politik als Mittel zur Verständigung sowie zur Meinungsmanipulation und steckt den Rahmen der Arbeit ab.
2 Was ist die „Sprache der Politik“?: Dieses Kapitel diskutiert verschiedene wissenschaftliche Definitionen und grenzt politische Sprache als dynamischen Handlungs- und Funktionskomplex ein.
3 Funktionen politischer Sprache: Hier werden die Rollen der Sprache als sprachliches Handeln sowie ihre Bedeutung für die Meinungsbildung und Meinungsänderung innerhalb der Gesellschaft analysiert.
4 Besonderheiten: Dieser Hauptteil widmet sich den sprachlichen Kernmerkmalen, wie Schlagwörtern, der Gliederung des politischen Wortschatzes, rhetorischen Figuren und dem Phänomen der begrifflichen Unbestimmtheit.
5 Schlussfolgerungen: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont die Notwendigkeit einer geschulten Urteilskraft der Bürger gegenüber den Manipulationspotenzialen politischer Sprache.
Schlüsselwörter
Politische Sprache, Sprachmanipulation, Willensbildung, Schlagwort, Politischer Wortschatz, Rhetorik, Unbestimmtheit, Meinungsbildung, Diskursanalyse, Sprachhandeln, Politische Kommunikation, Propaganda, Begriffsbestimmung, Ideologie, Sprachkritik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse der Sprache in der Politik, ihrer Definition und der Untersuchung der spezifischen sprachlichen Mittel, die Politiker nutzen, um Einfluss zu nehmen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf den Funktionen politischer Sprache, der Struktur des politischen Wortschatzes, der Anwendung rhetorischer Figuren sowie der gezielten Verwendung von Unbestimmtheit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Sprache als Instrument der Macht eingesetzt wird, um Meinungen zu bilden, zu ändern oder zu steuern und warum eine kritische Reflexion für Bürger essenziell ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine tiefgehende Literaturanalyse und die linguistische Auseinandersetzung mit der Fachliteratur namhafter Sprachwissenschaftler.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Funktionen politischer Sprache und die Untersuchung ihrer Besonderheiten, insbesondere Schlagwörter, Vokabular, Rhetorik und begriffliche Vagheiten.
Welche Schlagwörter charakterisieren den Text am besten?
Kernbegriffe sind politische Kommunikation, Sprachhandeln, Meinungssteuerung, Rhetorik, ideologisches Vokabular und die Unbestimmtheit politischer Begriffe.
Was ist das Besondere am "Institutionsvokabular" laut der Arbeit?
Es umfasst Begriffe, die direkt mit politischen Organisationen und deren Rollen verbunden sind, wie z.B. Parlament, Fraktionen oder politische Prozesse.
Wie unterscheidet die Arbeit zwischen mehrsinnigen und mehrdeutigen Begriffen?
Mehrsinnige Wörter lassen verschiedene Deutungen zu, die durch Kontext geklärt werden können, während mehrdeutige Wörter (ideologische Polysemie) selbst bei klarem Kontext oft umstritten bleiben.
Welche Rolle spielen rhetorische Figuren wie die Paralipse?
Sie dienen dazu, die Aufmerksamkeit des Zuhörers zu lenken, indem der Redner etwas bewusst anspricht, während er vorgibt, es eigentlich nicht thematisieren zu wollen.
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- Anonym (Author), 2006, Die Sprache der Politik der Gegenwart - Definition, Funktionen und Besonderheiten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/71264