Frauen im Journalismus - Die sozialstatistische Dimension


Hausarbeit, 2005

17 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung:

2. Zur Datenlage:

3. Umfang und Struktur von Frauenbeschäftigung im Journalismus
3.1. Zum Journalistinnenanteil:
3.2. Journalistinnenausbildung
3.3. Vertikale Segregation
3.4. Horizontale Segregation:

4. Soziale und ökonomische Indikatoren zur Geschlechterstruktur im Journalismus:
4.1. Einkommen:
4.2. Familiärer Status von Journalistinnen:

5. Resümee:

Quellennachweis:

1. Einleitung

Die Durchschnittsjournalistin ist 35 Jahre alt und damit im Schnitt 3 Jahre jünger als ihr männlicher Kollege. Sie ist verheiratet oder lebt in einer Partnerschaft, hat keine Kinder, verfügt über ein abgeschlossenes Hochschulstudium, hat acht Jahre Berufserfahrung, arbeitet in den klassischen Frauenredaktionen und verdient 1700 Euro im Monat. Das ergeben statistische Untersuchungen, wie zum Beispiel die von Weischenberg aus dem Jahre 1993/94. Diese Daten sagen nichts über die Persönlichkeit von Journalistinnen aus, auch nicht, ob sie ein Talent zum Schreiben haben oder wie ihr journalistische Alltag aussieht. Es sind anonyme Zahlen, aber es lassen sich daraus einige interessante Schlüsse über die Position von Frauen im Journalismus ziehen. Ein Blick in die Redaktionen beweist, dass der Journalismus in Deutschland ein männlich dominierter Beruf ist. Wie in anderen Wirtschaftsbereichen gilt auch hier das ungeschriebene Gesetz: je höher das Prestige und umso mehr Macht und Einkommen damit verbunden ist, umso schwerer können Frauen in den „Club der Männer“ hineingelangen. Männer bestimmen größtenteils das Programm, die Themen, die Sprache und welches Geschlechterbild der Gesellschaft vermittelt wird. Im Folgenden soll zum einen durch die Sozialstatistik ein genaueres Bild von Journalistinnen dargelegt und zum anderen Diskriminierung, die Journalistinnen in ihrem Beruf ausgesetzt sind, erläutert werden.

2. Zur Datenlage

Die Entwicklung einer kommunikationswissenschaftlichen Frauen- bzw. Geschlechterforschung ließ in Deutschland lange auf sich warten. Die erste systematische Untersuchung zur Berufssituation von Journalistinnen ist eine Doppeldissertation von Heinrich Freise und Jochen Draht.[1] Sie beschäftigt sich zum Teil mit der Situation von Journalistinnen in drei Rundfunkanstalten, ihrer Sozialisation, ihrer Mobilität und ihrem Selbstverständnis. Außerdem werden Berufsmotivation und –Wirklichkeit von Journalistinnen einer Rundfunkanstalt untersucht.

Repräsentative Daten über die Situation von Frauen im Journalismus sind fast immer Nebenprodukte breiter angelegter Untersuchungen. Nur selten widmet sich eine großflächig angelegte Studie gänzlich der Situation von Journalistinnen im Berufsleben. Bisher gibt es nur ein Projekt dieser Art: Die Journalistinnenstudie von Irene Neverla und Gerda Kanzleiter aus dem Jahr 1984. Die Studie offenbart Einsichten über „Journalistinnen- Frauen in einem Männerberuf“ und lieferte erste verlässliche Daten zum Anteil von Journalistinnen in Rundfunk, Tageszeitungen und Zeitschriften.

Neuere Daten über Geschlechterstrukturen, Einkommenshöhen und Binnensegregation des Systems Journalismus nach Geschlecht brachten erst wieder zwei Studien von 1993/94: Die Münsteraner Kommunikatorstudie von Weischenberg, Löffelholz und Scholl „Journalismus in Deutschland“, die einen Überblick über den gesamtdeutschen Arbeitsmarkt im Medienbereich lieferte[2], sowie die Hannoveraner „JournalistInnenstudie“ von Schneider, Schönbach und Stürzebecher[3]. Beide Untersuchungen wurden annähernd parallel durchgeführt, beziehen sich aber auf etwas unterschiedlich angelegte Grundgesamtheiten. Während die Forschungsgruppe um Schneider ihre Stichprobe aus der Grundgesamtheit klassischer Medien wie Zeitungen, Zeitschriften, Nachrichtenagenturen, Hörfunk und Fernsehen gewann,[4] berücksichtigte das Forscherteam um Weischenberg in der Grundgesamtheit außerdem Anzeigenblätter, Stadtmagazine, Fachzeitschriften und Mediendienste.[5] Die Ergebnisse beider Untersuchungen liegen dennoch relativ nah beieinander und ergänzen sich teilweise. In den 90er Jahren entstanden noch weitere, allerdings thematisch begrenzte Untersuchungen, wie z.B. die Studie von Heike Amend und Ute Schulz 1990. Sie führten in Westberlin eine Untersuchung von festangestellten Journalistinnen und Journalisten durch. Margret Lünenborg verglich 1997 die Arbeitssituation von Journalistinnen in vier europäischen Ländern, darunter auch Deutschland.[6] Man muss davon ausgehen, dass sich der Journalismus und damit auch die Rolle der Journalistinnen in wesentlichen Bereichen seit den 90ern verändert haben. Eine aktuelle repräsentative Studie gibt es zurzeit nicht, sie ist jedoch in Arbeit. Siegfried Weischenberg, Leiter des Instituts für Journalistik und Kommunikationswissenschaft an der Universität Hamburg ist derzeit dabei, seine Studie von 1994 zu erneuern. Das Forschungsprojekt „Journalismus in Deutschland II“ wird voraussichtlich ende 2005 veröffentlicht.[7]

3. Umfang und Struktur von Frauenbeschäftigung im Journalismus

3.1. Zum Journalistinnenanteil:

Bezüglich der Berufstätigkeit von Frauen in den Medien liegen, wie für den gesamten Journalismusbereich, ebenfalls nur begrenzt gesicherte Daten vor. Es lassen sich vor allem deshalb keine exakten Angaben machen, weil die Berufsbezeichnung Journalist und Journalistin sowie das gesamte Berufsfeld nicht fest umrissen sind. Besonders die Freiberufler bewegen sich oft in Randgebieten und auf unterschiedlichen Berufsfeldern gleichzeitig. Hier bestehen große Lücken in der Kommunikationsforschung. Ende der 70er Jahre betrug der Anteil von Journalistinnen in Tageszeitungen, Zeitschriften und Presseagenturen knapp zwölf Prozent und in den öffentlich rechtlichen Rundfunkanstalten 17,2 Prozent. Den durchschnittlichen Frauenanteil im Journalismus geben Irene Neverla und Gerda Kanzleiter in ihrer Studie mit rund 13 % an.[8] 15 Jahre später ermittelte das Münsteraner Team um Weischenberg einen Frauenanteil im Journalismus von 31 Prozent.[9] Die Hannoveraner Untersuchung um Beate Schneider nennt einen Journalistinnenanteil von 29 Prozent.[10]

„Der leicht nach oben abweichende Wert (der Münsteraner Studie) gegenüber der Hannoveraner Erhebung scheint im Zusammenhang zu stehen mit dem breiten Sample der Münsteraner Untersuchung; denn der Journalistinnenanteil in Mediendiensten, Stadtmagazinen und Anzeigenblättern liegt mit Werten von 44 Prozent, 37,5 Prozent und 32 Prozent über dem des Durchschnitts.“[11]

Für das Anwachsen des Journalistinnenanteils innerhalb der letzten 20 Jahre macht Elisabeth Klaus in ihrer Studie drei Prozesse verantwortlich. Erstens die Veränderungen der Medienlandschaft im Zuge der deutschen Wiedervereinigung, zweitens die Ausdifferenzierung des Printmedienmarkts durch die Etablierung von neuen Anzeigenzeitschriften, Stadtmagazinen und Mediendiensten sowie die Markteinführung neuer Fachzeitschriften und schließlich die Einführung des dualen Rundfunksystems und die damit verbundene Etablierung privater Rundfunkanbieter. Da diese Prozesse heute jedoch weitgehend abgeschlossen sind, rechnet Klaus in Zukunft eher mit einer Stagnation des Frauenanteils im Journalismus[12]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Frauenanteil nach Medientyp in Prozent. Zahlen aus Weischenberg u.a. (1993) S. 27)

3.2. Journalistinnenausbildung

Der Anteil der Frauen in der Journalistenausbildung ist weit höher als im tatsächlichen Berufsleben. Der Frauenanteil in der Publizistik- und Kommunikationswissenschaft und im Fach Journalistik ist von etwas weniger als einem Drittel zu Beginn der siebziger Jahre bis zum Wintersemester 1991/92 auf rund die Hälfte angestiegen; dabei war die Entwicklung in der Journalistik noch rasanter als in der Kommunikationswissenschaft. Eine Erhebung an den deutschen Instituten für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft, 1994 von Romy Fröhlich und Christina Holtz-Bacha durchgeführt, hat einen weiblichen Anteil unter den Studierenden von 51 Prozent ergeben. An den Journalistenschulen, die gezielter als die Universitäten für den Journalismus ausbilden, schwankt der Anteil der Frauen von Jahr zu Jahr zum Teil erheblich. Seit 1988 gibt es im Fach Journalistik je nach Bildungseinrichtung und Jahrgang durchschnittlich zwischen 33 und 57 Prozent weibliche Studierende.[13]

Auch bei Volontärinnen steht die Geschlechterverteilung noch zugunsten der Frauen, in den privaten Rundfunkanstalten liegt der Frauenanteil bei den Volontariaten bei etwa 65 Prozent. Volontariate in allen Medienbereichen wurden 1992 mit ca. 40 % weiblich besetzt. In der Vergangenheit stieg jedoch die Quote von Frauen im Journalismus nicht proportional zu ihrem Anteil beim Nachwuchs. Auf der Ebene der festangestellten Redakteure sinkt der Frauenanteil bereits unter den Durchschnitt. Ursache dafür könnte in sozialpolitischen und beruflichen Rahmenbedingungen liegen: „Journalistinnen unterbrechen ihre Berufslaufbahn häufiger als Männer, insbesondere um Familienpflichten zu übernehmen“, sagt Ute Schulz.[14]

3.3. Vertikale Segregation

Irene Neverla entwickelte Anfang der 80er Jahre eine Theorie der Arbeitsmarktsegmentation und übertrug diese auch auf den journalistischen Beruf. Sie ermittelte zwei geschlechtsspezifische Teilarbeitsmärkte.

„Der ,männliche` primäre Arbeitsmarkt ist gegenüber dem ,weiblichen`, sekundären Arbeitsmarkt insofern privilegiert, als Männer eher als in höhere Positionen aufsteigen und eher höhere Einkommen beziehen, wobei die Ungleichheiten nicht hinreichend mit geringerem Alter und Berufsdauer der Frauen erklärt werden können.“[15]

Die hierarchische Aufspaltung des Arbeitsmarktes wird durch den Begriff „Segregation“ herausgestellt. Diesen Terminus verwenden Irene Neverla und Gerda Kanzleiter in ihrer 1984 erschienenen Studie, „um die Binnenstruktur der journalistischen Profession zu charakterisieren.“[16] Sie sehen den Journalismus sowohl durch vertikale als auch durch horizontale Segregation gekennzeichnet.[17] Horizontale Segregation wird im Punkt 3.4. näher erklärt. Vertikale Segregation ist vor allem der Ausdruck geschlechtsspezifischer Verteilung von Positionen in der Hierarchie: je höher der Rang und je umfangreicher die damit verbundenen Kompetenzen, desto geringer der Frauenanteil. Das zeichnet sich zum einen bei der Einteilung von Altersgruppen ab: In der Altersgruppe zwischen 20 und 34 Jahren dominieren die Frauen mittlerweile. Etwa ausgeglichen ist das Geschlechterverhältnis in der Gruppe der 35- bis 40jährigen. Ab der Altersgruppe 50 Jahre und älter sind eindeutig mehr Männer in den Redaktionen anzutreffen.[18]

[...]


[1] Vgl. Freise, Heinrich; Draht, Jochen: Die Rundfunkjournalistin. Das Bild der Journalistin in der Kommunikationsorganisation Rundfunkanstalt. Motivation und Berufswirklichkeit. Berlin 1977

[2] Vgl. Weischenberg, Siegfried; Löffelholz, Martin; Scholl, Armin: Journalismus in Deutschland. Design und erste Befunde der Kommunikatorstudie. Media Perspektiven 1/1993, S. 21-31

Weischenberg, Löffelholz, Scholl: Merkmale und Einstellungen von Journalisten. Journalismus in Deutschland II. Media Perspektiven 4/ 1994, S. 154-166

[3] Vgl. Schneider, Beate; Schönbach, Klaus; Stürzebecher, Dieter: Journalisten im vereinigten Deutschland. Strukturen, Arbeitsweisen und Einstellungen im Ost-West-Vergleich. In: Publizistik, 38. Jg. 1993, Heft 3, S. 353 – 382.

[4] Vgl. Pürer, Heinz: Zwischen Tradition und Wandel: Zum Stand der Kommunikatorforschung in Deutschland. In: Fünfgeld, Hermann; Mast, Claudia (Hrg.): Massenkommunikation. Ergebnisse und Perspektiven. Opladen 1997, S. 89 f.

[5] Weischenberg u.a. (1993), a.a.O. S. 24.

[6] Vgl. Margret Lünenborg: Journalistinnen in Europa. Opaden 1997

[7] Vgl. http://www.journalistik.uni-hamburg.de/jourid2.html

[8] Vgl. Neverla, Irene; Kanzleiter, Gerda: Journalistinnen. Frauen in einem Männerberuf. Frankfurt a.M. 1984, S. 28 ff.

[9] Vgl. Weischenberg u.a. (1993), a.a.O. S. 27

[10] Vgl. Schneider u.a. (1993), a.a.O. S. 360.

[11] Ute Schulz: Journalistinnen im Schulterschluss? Wiesbaden 2000, S. 28

[12] Vgl. Klaus, Elisabeth: Kommunikationswissenschaftliche Geschlechterforschung. Zur Bedeutung der Frauen in den Massenmedien und im Journalismus. Opladen/ Wiesbaden 1998, S. 154.

[13] Vgl. Fröhlich, Romy; Holtz-Bacha, Christina: Frauen und Medien. Eine Synopse der

deutschen Forschung. Opladen 1995, S. 64

[14] Schulz, Ute (2000), a.a.O. S. 30

[15] Neverla, Irene: Arbeitsmarktsegmentation im journalistischen Beruf. In: Publizistik 28. Jg. 1983/2. S. 359

[16] Schulz, Ute (2000), a.a.O. S. 31

[17] Vgl. Neverla, Irene; Kanzleiter, Gerda (1984), a.a.O. S. 46 ff.

[18] Vgl. Sitter, Carmen: Die eine Hälfte vergisst man(n) leicht!: Zur Situation von Journalistinnen in Deutschland unter besonderer Berücksichtigung des 20. Jh. Pfaffenweiler 1998 S. 371

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Frauen im Journalismus - Die sozialstatistische Dimension
Hochschule
Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt  (Journalistisches Institut )
Veranstaltung
Hauptseminar: Journalismus als Beruf
Note
2,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
17
Katalognummer
V71269
ISBN (eBook)
9783638631518
ISBN (Buch)
9783638794046
Dateigröße
440 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Frauen, Journalismus, Dimension, Hauptseminar, Beruf
Arbeit zitieren
Inka Lezius (Autor), 2005, Frauen im Journalismus - Die sozialstatistische Dimension, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/71269

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