Die Gewaltbereitschaft der Hooligans


Hausarbeit, 2006

16 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2.Begriffsklärungen
2.1. Der Gewaltbegriff
2.2. Das Gruppenphänomen
2.3. Das ist ein Hooligan

3. Mögliche Ursachen von Hooliganismus unter Betrachtung verschiedener Aspekte
3.1. Die Sinnkrise (nach Pilz)
3.2. Die Ersatzgemeinschaft (nach Heitmeyer)
3.3. Ein Zeichen von Lebendigkeit
3.4. Die Rolle der Polizei
3.5. Die Rolle der Medien

4. Präventionsmaßnahmen gegen Hooliganismus
4.1. Das Fan-Projekt
4.2. Polizeiarbeit

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Welt zu Gast bei Freunden ist das derzeitige Motto in Deutschland. Die Fußball Weltmeisterschaft hat begonnen. Menschenmengen feiern auf den Straßen ihre Länder, singen Sprechchöre und sind gut gelaunt. Das bunte Bild von verschiedenen Nationalflaggen wird jedoch durch zahlreiches bewaffnetes Polizeiaufgebot und immer wieder auftretende Metallzäune getrübt. Die Menschenmenge muss in Zaum gehalten werden. Dann passiert es womöglich doch, es kommt zu einer Rauferei und die Menge brüllt „Hooligans, Hooligans!!“. Das war es doch, worauf alle gewartet haben. Gerade beim Fußballspiel assoziieren viele Menschen einen Gewaltakt mit Hooligans. Gefährlich und brutal, wie ein Raubtier im Gebüsch. Dabei die Gedanken an Daniel Nivel, ein französischer Polizist, den deutsche Hooligans am 21. Juni 1998 in den Rollstuhl geprügelt haben, an deutsche Hooligans bei Auswärtsspielen der Nationalmannschaft in der Slowakei, im vergangenen Jahr, an die 450 Hooligans von Hansa Rostock, die im Februar diesen Jahres aus Frust über ein Spielausfall den Bahnhof von Stendal in Sachen-Anhalt verwüstet, neun Autos angezündet und die anwesenden Polizisten mit Steinen bewarfen. Hooligans gelten allgemein als böse und unberechenbar. So stellen die Medien sie jedenfalls oft dar und wer ihnen uneingeschränkt Glauben schenkt, behält das Bild von einem arbeitslosen, gewalttätigen Schlägertypen, der auf alles und jeden losgeht, in Kopf. Mein verzerrtes Bild, dass ich von dieser speziellen Subkultur habe, möchte ich durch die Auseinandersetzung mit dieser Arbeit gerade rücken. Dabei interessiert mich besonders die Gewaltbereitschaft dieser Menschen, woher diese kommt. Ob sie aus Frustration, Hass oder Langeweile resultiert oder vielleicht eine Begeisterung dahinter steckt.

Dafür ist es jedoch erforderlich, dass ich mich zunächst mit dem Gewaltbegriff und dem Massenphänomen beschäftige, bevor ich überhaupt sagen kann, was ein Hooligan ist. Mein Hauptaugenmerk liegt auf den möglichen Ursachen von Gewalthandlungen dieser speziellen Fußballfans. Abschließend erläutere ich einige Präventionsmaßnahmen, die Übergriffe auf unbeteiligte Personen oder Sachgegenstände auf Seiten der Hooligans einschränken und ihnen Alternativen bieten sollen.

2.Begriffsklärungen

2.1. Der Gewaltbegriff

Generell wird zwischen physischer und psychischer Gewalt unterschieden. Die psychische Gewalt konstituiert sich, wie auch die physische Gewalt, in der konkreten Handlung zwischen Subjekten. Sie drückt sich jedoch beispielsweise durch Drohungen, Beschimpfungen oder Vernachlässigung aus. Bei der physischen Gewalt kommt es zu einer beabsichtigten direkten körperlichen Handlung[1]. Diese körperliche Auseinandersetzung unterscheidet die Hooligans mit unter von anderen Fußballfans, die ihre Enttäuschung oder Aggressionen über ein Fußballspiel lediglich durch Gesten und Ausrufen zum Ausdruck bringen. Diese Form der Gewalt wird von der breiten Masse der Gesellschaft akzeptiert. Weder werden aggressive Beschimpfungen in den Medien aufgeführt, noch wird sich nach einem Fußballspiel über eben diese unterhalten. Die Hooligans jedoch überschreiten durch ihre gewählte Gewaltform die unsichtbare Grenze, die von der Gesellschaft als Norm bezeichnet wird und variabel ist. Hooligans haben die Neigung sich vor, während oder nach einem Fußballspiel sozial abweichend zu verhalten.

„Mit diesem ersten Zusammenstoß war eine Art Schwelle überschritten worden, eine imaginäre Trennlinie: diesseits der Schwelle hatte ein Sinn für die Grenze des Erlaubten bestanden, ein normales Einverständnis ... darüber, was man nicht machen konnte; jetzt aber waren wir irgendwo, wo es nicht mehr viele Grenzen gab, wo der Sinn dafür, dass es Dinge gab, die man nicht machen konnte, nicht mehr existierte. Nun begannen die Gewalttätigkeiten.“[2]

Durch einen physischen Gewaltakt zeigt sich wie überwältigend die Überlegenheit von Menschen über andere Menschen sein kann. Derjenige, der Gewalt ausübt, kann etwas tun, wogegen andere nicht in der Lage sind. Er hat die Macht über den Betroffenen. Es wird ein künstliches Machtgefälle inszeniert, wobei der Geschädigte seine Konkurrenzfähigkeit minimiert oder gar verliert. Die beiden Begriffe Gewalt und Macht stehen somit in direkter Verbindung zueinander. Macht kann mittels Gewalt realisiert werden.[3]

2.2. Das Gruppenphänomen

Hooligans nehmen nie alleine an körperlichen Ausschreitungen teil. Sie treten stets in einer Gruppe, die bis zu 500 Hooligans umfassen kann, auf. Zum Einen spielt hierbei der Aspekt der Macht eine Rolle. In den seltensten Fällen verfügt eine einzelne Person über Macht. Menschen mit den selben Absichten oder Vorstellungen schließen sich zu einer Masse zusammen. „ Eine Masse ist ein seltsames Phänomen: sie ist eine Ansammlung heterogener Elemente, die einander unbekannt sind...“[4]. Entscheidend ist der Moment, in dem die vielen Menschen aufhören, viele verschiedene Menschen zu sein und zu einer Menschenmasse verschmelzen. Somit ist die Macht im Besitz einer Gruppe und bleibt nur so lange in dem Ausmaße existent, wie die Gruppe zusammenbleibt. Wenn von jemandem behauptet wird, er „habe Macht“, heißt das, dass er von einer bestimmten Anzahl von Menschen ermächtigt ist, in ihrem Namen zu handeln.[5]

„Bei jeder Menschenmenge gibt es eine solche Schwelle, alle Menschenmengen agieren zunächst innerhalb irgendwelcher Grenzen. Es gelten Regeln, die besagen: bis hier hin und nicht weiter. ... Die Menge darf hier sein, aber nicht dort. Das Erlebnis hat zunächst eine Form, auch wenn es zu deren Auflösung hinstrebt.“[6]

Zum Anderen wird eine Menschenmenge zu einer immer größeren und schnelleren Lawine, die die imaginären Grenzen der gesellschaftlichen Normen schneller durchbrechen kann. Das destruktive Verhalten wird durch eine Massensituation erleichtert, weil die Beteiligten sich durch wechselseitiges Hochspielen der Emotionen ihr angestrebtes Verhalten unkritisch betrachten. Die Triebhemmungen werden abgebaut, es kommt zu einer Lockerung normaler Kontrollmechanismen und damit zu einer größeren Wahrscheinlichkeit von abnormalen, hier gewalttätigen, Verhalten. Durch die anderen Menschen um sich herum, bekommt die Einzelperson in der Masse das Gefühl von Sicherheit. Gleichzeitig entzieht er sich seiner Verantwortung für sein Handeln, weil er durch die Masse anonym bleibt.

„ ... wenigstens für kurze Zeit möglich wird, kein einzelner mehr zu sein, sondern in der Masse der großen Zahl zu verschwinden – an ihrer Stärke teilzuhaben, in dem Gefühl, ihr anzugehören.“[7]

[...]


[1] Vgl. Detlef Pech 2002 S. 49

[2] s. Bill Buford 1991 S. 97/98

[3] Vgl. Detlef Pech 2002 S.49

[4] s. Bill Buford 1991 S.38

[5] Vgl. Hannah Arendt 1995 S.45

[6] s. Bill Buford 1991 S. 216/217

[7] s. Bill Buford 1991 S. 217

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Die Gewaltbereitschaft der Hooligans
Hochschule
Fachhochschule Flensburg  (Institut für Soziologie)
Veranstaltung
You`ll never walk alone - Soziologie und Fußball - das Pänomen einer Massenkultur
Note
1,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
16
Katalognummer
V71292
ISBN (eBook)
9783638631624
Dateigröße
424 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Kommentar der Dozentin: "Insgesamt eine sehr gute Arbeit. Inhaltlich überzeugend."
Schlagworte
Gewaltbereitschaft, Hooligans, You`ll, Soziologie, Fußball, Pänomen, Massenkultur
Arbeit zitieren
Nadine von Wickede (Autor), 2006, Die Gewaltbereitschaft der Hooligans, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/71292

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