Die Bedeutung der ozeanischen Kunst für die Expressionisten


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006

20 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Kurze Definition „Expressionismus“

2. Paul Gauguin
2.1 Die Suche nach dem „Paradies“
2. 2 Reise nach Tahiti 1891-1893
2.3 Der Einfluss der ozeanischen Kunst und Mythologie
2.4 Entstehung von „Noa Noa“ und ein gescheitertes Comeback

3. Emil Nolde

4. Deutsche expressionistische Vereinigungen
4.1 „Die Brücke“
4.2 „Der blaue Reiter“

5. Das Kunstverständnis zur NS- Zeit- die Ausstellung „Entartete Kunst“

6. Schlussbetrachtung

7. Literaturangaben

1. Einleitung

Nachdem sich zunächst Maler und Bildhauer von der ozeanischen Kunst begeistern und anregen ließen, hat sie nun auch in immer stärkerem Maße weitere Kreise in ihren Bann gezogen. Schnitzereien und Malereien sind nicht mehr bloße Kuriositäten oder Studienobjekte für Museen der Ethnologie, sondern wichtige Dokumente im Rahmen einer weltweiten Kunstbetrachtung.

Seit den legendären Entdeckungsreisen von Captain Cook im späten 18. Jahrhundert steht die Südsee für die Sehnsucht nach dem verlorenen Paradies, von Träumen und Visionen. Der ozeanische Lebensraum sowie die dort gefertigte Kunst stellten einen besonderen Einfluss auf die Stilrichtung des „Expressionismus“ dar. Was hat weltbekannte Künstler wie unter anderem Emil Nolde und Paul Gauguin dazu bewogen, auf die andere Seite der Weltkugel zu reisen, um neue Wege für ihre Kunst sowie ihr Leben zu finden?

Der Expressionismus war jedoch keine Stilrichtung, sondern eine Bewegung, die in loser Orientierung an Vorbildern neue und unkonventionelle gestalterische Wege beschritt. Mancher Künstler bewegte sich nur kurze Zeit im Umfeld der Expressionisten, erhielt oder gab wertvolle Impulse und setzte dann seine künstlerische Entwicklung mit anderen formalen Mitteln fort (Kolberg, 1996:211).

1.2 Kurze Definition „Expressionismus“

Der Expressionismus ist eine Stilrichtung in der bildenden Kunst, die als künstlerische Bewegung im frühen 20. Jahrhundert (ca. 1905- 1925) als Kunst des seelischen Ausdrucks dem Impressionismus entgegentrat und diesem somit diametral gegenüberstand. Die Elemente Farbe, Dynamik und Gefühl lassen sich in nahezu jedem expressionistischen Werk finden. Die expressionistische Malerei entsprang einer Rebellion für eine neue Spontaneität und Lebensintensität, die Künstler fühlten sich aufgerufen, ihre Angst, Frustration sowie ihren Ärger vor der modernen Welt zu bekennen. Kurz nach dem 1. Weltkrieg wurde der Expressionismus von neuen Stilrichtungen teils überlagert und teils abgelöst (ebd.:210).

2. Paul Gauguin

2.1 Die Suche nach dem „Paradies“

Paul Gauguin wurde am 7. Juni 1848 in Paris als Sohn des französischen Journalisten Cloves Gauguin und der Spanierin Aline Tristan geboren. Als vierjähriger fuhr er mit seiner Mutter für drei Jahre nach Peru zu Verwandten, der Vater starb auf der Überfahrt. Er lebte ein Jahrzehnt in Orleans, ging zur Marine und war von 1871- 1883 Bankbeamter in Paris. 1873 heiratete er die Dänin Mette Sophie Gad und bekam mit ihr fünf Kinder. Er sammelte Bilder der Impressionisten, unter anderem auch von Cezanne und beginnt erstmals 1875 als Dilettant zu malen. Gauguin lernt später den Künstler Pissarro kennen, der ihm Unterricht gibt und stellt erstmals 1876 im „Salon“ in Paris eigene Werke aus.

Gauguin hatte eine liebende Frau, reizende Kinder sowie einen einträglichen Beruf, war das nicht alles, was sich ein Mensch wünschen kann? Um seine Beweggründe verstehen zu können, muss man wissen, dass Gauguin nie zufrieden mit seiner Lebenssituation war, er war stets „auf der Suche“. Um die verschüttete Welt echter Empfindungen wieder zu finden, geht er in die Bretagne, um unter Bauern zu leben. Tief beeindruckt von ihrer alltäglichen engen Verbundenheit mit der Religion versucht er, in Bildern ihre schlichte, unverfälschte Frömmigkeit auszudrücken (Betz,1989:24).

Im Europa des ausgehenden 19. Jahrhunderts war er unglücklich, Paris war ihm zu laut und zu hektisch, ständig herrschten Konkurrenzneid und Neuerungssucht. Auf der einen Seite musste er natürlich Geld für seine große Familie verdienen, aber andererseits war er auch darauf versessen, die Führung unter den Malern seiner Generation anzutreten.

Auch als Künstler war er nicht mit sich und seinen Werken zufrieden, die öffentliche Anerkennung fehlte, da sich durch die intensive Zusammenarbeit der Künstlerfreunde die Werke ähnelten und das Individuelle hinter dem einheitlichen Stil verschwand. Für seine Entwicklung brauchte er das geeignete Umfeld. Ein unverdorbenes Paradies voller neuer, schöpferischer Eingebungen wäre dafür ideal. Gauguins Maltechnik hatte sich zwar schon durch den Kontakt mit großen Malern wie Cezanne und Pissarro verbessert, jedoch war er auf der Suche nach etwas „Neuem“, „…seine Zukunft lag jetzt im Finden nie gemalter Bilder und Kompositionen…“ (Betz,1989:30). Dabei war ihm wichtig, nicht einfach nach der Natur zu malen, da Kunst für ihn Abstraktion bedeutete. Diese konnte man nur erreichen, wenn man von der Natur träumt und dabei mehr an die Schöpfung als an das Ergebnis denkt.

Gauguin hatte des Weiteren auch Geldsorgen und konnte von seiner Kunst nicht leben. Daher wurde er noch betrübter und wollte deswegen Paris verlassen und nach Madagaskar gehen. Zum Einen stellte er sich das Leben dort viel einfacher und günstiger vor und zum Anderen glaubte er dort, sein „Paradies“ zu finden.

2.2 Reise nach Tahiti 1891- 1893

Man rät ihm allerdings, anstelle von Madagaskar bis nach Ozeanien zu fahren, genauer gesagt nach Tahiti. Dort sollte er sich von den verschiedenen Menschengattungen, Religionen, dem Mystizismus und Symbolismus beeinflussen lassen. Gauguin ist anfangs nicht von der Idee begeistert, auch weil die Überfahrt teurer ist als nach Madagaskar. Gauguin änderte seine Meinung jedoch nach Besuchen der Weltausstellung.

In der Pariser Weltausstellung 1889 sollte der technische und kulturelle Fortschritt dokumentiert werden und Frankreich als Industrienation und Kolonialmacht darstellen. Seitdem wuchs das Interesse an fremden Ländern, insbesondere an den Kolonien, die durch kleine „Völkerschauen“ der jeweiligen Länder „ausgestellt“ wurden. Paul Gauguin fällt eine Broschüre vom Kolonialministerium über Tahiti in die Hände, die ihn schließlich überzeugt. Madagaskar ist seiner Meinung nach nun doch noch zu nah an der zivilisierten Welt.

Europa ist in seinen Augen schlecht und machte ihn krank. Tahiti hingegen ist gut und gesund, da die Menschen dort ihren Lebensinhalt im Singen und Lieben sehen. In der freien Natur kann er sich somit der Kunst und seinem Lebensglück widmen und sich auf sein Inneres konzentrieren. Er beschließt, für drei Jahre nach Tahiti zu gehen und versteigert am 23. Februar 1891im Pariser Hotel Drouot 30 seiner Bilder, die einen Erlös von 9860 Francs erzielen. Somit reist er hoffnungsvoll am 4. April ab (Betz, 1989:116).

Gauguin kam auf Tahiti an und verbrachte drei Monate in der Hauptstadt Papeete. Dort malte er erste Portraits, in Auftrag gegeben von den ansässigen Kolonialherren. In Papeete gefällt es ihm allerdings nicht, da hier schon durch den Kolonialismus die „westliche Welt“ Einzug gehalten hat. Im Laufe des 19. Jahrhunderts war seit der Entdeckung der Insel die Bevölkerung auf etwa zehn Prozent ihrer ursprünglichen Zahl geschrumpft, eingeschleppte Krankheiten hatten ihren Tribut gefordert. Dies bedeute, dass die traditionelle Kunst, die vor allem eine Kunst im Auftrag der Herrscher und Priester gewesen war, davon nicht unberührt blieb. Somit waren die Repräsentationen der Gottheiten obsolet geworden; die kleineren Skulpturen aus Holz oder Stein wurden, wenn überhaupt, nur noch im Untergrund benutzt.

In dieser Kultur waren Skulpturen auch nicht weit verbreitet. Die meisten und gerade die höchsten Gottheiten wurden nicht figürlich, sondern eher in Symbolen verschiedenster Art vergegenwärtigt. Wahrscheinlich haben Repräsentationen in menschlicher Gestalt eine größere Rolle gespielt. (Bühler 1962:168).

Das verstärkte Eindringen des Westens, insbesondere der Kolonisten und Missionare, in die naturvölkische Kultur Ozeaniens hat die zahlreichen Bräuche und damit auch viele Kunstformen zum Absterben gebracht, zumindest aber deren ursprünglichen Charakter verfälscht.

Eine seiner ersten und eindruckvollsten Begegnungen mit dem Land und den Einwohnern ist der Tod des tahitianischen Königs, Pomare V. Dieser regierte seit 1877, doch seit die französischen Kolonisten anwesend waren, legten sie ihm nahe, zurückzutreten. Schließlich trat er im Jahr 1880 zurück und Tahiti wurde französische Kolonie; seinen Titel sowie alle Ehren durfte Pomare V. aber behalten. Am 12. Juni desselben Jahres stirbt der König, woraufhin einen Monat lang Festlichkeiten abgehalten werden. Zu dieser Zeit geht Gauguin mit einem Notizblock von einer Maori- Gruppe zur anderen. Sie sitzen vor dem Palast im Gras und singen Hymnen, was ihn sehr beeindruckt. Zudem ist er überrascht von der Schönheit ihrer olivbraunen Körper, die einen Kontrast zum dunklen Gras bilden.

Durch den Tod des Königs gewinnt die westliche Zivilisation Oberhand und Gauguin will fort, da er hier wieder das findet, wofür er Europa verlassen hat. Daher reist er 45 km an die Südküste und wohnt fortan in einer Hütte abseits im Dorf Mataiea. Von da aus sieht er Gebirge mit üppiger Pflanzenpracht, die die nach wenigen Metern zu undurchdringlicher Wildnis wird sowie das stille, durchsichtige Wasser, das sich, je nach Tiefe und Lichteinfall, rosa, blau oder lila färbt (Bühler, 1962:170).

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Die Bedeutung der ozeanischen Kunst für die Expressionisten
Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen
Note
2,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
20
Katalognummer
V71344
ISBN (eBook)
9783638620505
Dateigröße
436 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bedeutung, Kunst, Expressionisten
Arbeit zitieren
Sandra Hein (Autor), 2006, Die Bedeutung der ozeanischen Kunst für die Expressionisten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/71344

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