Nachhaltige Nachbarschaften durch die organisierte Gruppenselbsthilfe im Wohnungsbau?


Diplomarbeit, 2007
254 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Herleitung des Themas im Zusammenhang mit dem Diplomrahmenthema: „Produktionsbedingungen und Katalysatoren der Stadtentwicklung“

2. Kurzbeschreibung der organisierten Gruppenselbsthilfe (OGSH)

3.Theoretische Annäherung durch eine kurze Skizzierung des sozialwissenschaftlichen Kontextes
3.1. Individualisierung der Gesellschaft.
3.2. Nachbarschaft als eine Form der sozialen Netzwerke
3.3 Definition des Begriffes „Nachhaltige Nachbarschaft“
3.4. Individualisierungsprozesse, Nachbarschaft und organisierte Gruppenselbsthilfe im Zusammenhang

4. Verschiedene Formen der OGSH im Lauf der deutschen Geschichte
4.1. Die Genossenschaftsbewegung
4.2. Die Siedlerbewegung
4.3. Instandbesetzung

5. Die organisierte Gruppenselbsthilfe im Überblick
5.1 Die zwei Modelle der organisierten Gruppenselbsthilfe
5.1.1 Das Trägermodell
5.1.2 Das Initiativmodell
5.2Die vier Phasen der OGSH
5.2.1Vorbereitungsphase
5.2.2. Planungsphase
5.2.3 Bauphase
5.2.4 Die Wohnphase
5.3 Rechtsformen der Baugruppe
5.3.1. Die GbR
5.3.2 Die Wohnungseigentümergemeinschaft
5.3.3. Die KG
5.3.4. Die GmbH
5.3.5. Die e.G
5.3.6. Der e.V.
5.4 Prozessbeteiligte und Aufgabenfelder bei der OGSH
5.4.1 Die Baugruppe
5.4.2 Der Architekt
5.4.3 Die technische Baubetreuung
5.4.4.Wirtschaftliche Betreuung
5.4.5.Gruppenselbsthilfe-Betreuungsunternehmen
5.4.6. Die Gemeinde
5.5. Kostenaspekte der Gruppenselbsthilfe beim Bauprozess
4.5.1. Kostensparen durch Gruppenselbsthilfe
5.5.2. Kosten- und flächensparendes Bauen
5.5.3 Aufgabenfelder des Kostensparens
5.5.4 Der Kosten- und Finanzierungsplan

6. Grobstruktur des Untersuchungsvorhabens
6.1. Ziel
6.2. Weg

7. Hypothesenaufstellung und Forschungsfragen
7.1 Hypothese 1
7.2 Hypothese 2
7.3 Hypothese 3
7.4 Hypothese 4
7.5 Hypothese 5
7.6 Hypothese 6
7.7 Hypothese 7
7.8 Hypothese 8
7.9 Hypothese 9

8.Weg zur Erstellung narrativer Projektbeschreibungen
8.1 Wahlbegründungen des qualitativen Interviews
8.2 Die einzelnen Arbeitsschritte
8.2.1. Der Interviewleitfaden:
8.2.2 Die Interviewdurchführung
8.2.3 Transkription
8.2.4. Erstellung narrativer Projektbeschreibungen

9. Narrative Projektbeschreibungen
9.1. Projektbeispiel A
9.2. Projektbeispiel B
9.3. Projektbeispiel C
9.4. Projektbeispiel D
9.5. Projektbeispiel E

10. Hypothesenbewertung

11. Fazit

12. Zur Aktualität von nachhaltigen Nachbarschaften und gemeinschaftlich organisierten Wohnprojekten

Literaturverzeichnis

Gesonderter Anhang:
Sammlung der geführten Interviews
Erste Interviewauswertungsversuche
Rechtsformen im Überblick
Kostenaspekte der Gruppenselbsthilfe beim Bauprozess

1.Herleitung des Themas im Zusammenhang mit dem Diplomrahmenthema: „Produktionsbedingungen und Katalysatoren der Stadtentwicklung“

Die Herleitung des Themas soll zugleich eine Einführung in die für diese Arbeit relevanten Aspekte darstellen. Nachdem einzelne Aspekte und Hypothesen angesprochen wurden, soll am Ende dieser Herleitung und Einleitung die genaue Gliederung und Vorgehensweise dieser Arbeit erläutert werden. Ziel des ersten Teils dieser Arbeit ist es, im Anschluss eine Zusammenfassung und Auflistung von Hypothesen vornehmen zu können. Die Bekräftigung, Differenzierung oder die Widerlegung der in dieser Einleitung und dem folgenden Text aufgestellten Hypothesen ist Inhalt und Ziel dieser Arbeit. Die in der Einleitung angesprochenen Aspekte und Behauptungen, sollen im nächsten Kapitel näher erläutert werden.

Die Schaffung und Organisation von Wohnraum ist sicherlich eine der elementarsten Aufgaben der geplanten Stadtentwicklung. Ein Großteil des Wohnraums in Deutschland wurde und wird nicht durch seine Bewohner geplant und produziert. Die Arbeit entstand unter der Annahme, dass Aufgrund von fehlenden Mitbestimmungsmöglichkeiten bei der Gestaltung des sozialen und materiellen Zusammenhangs des eigenen Wohnraums, eine Aneignung des Wohnraums oder die Identifizierung mit demselbigen durch die Bewohner oft gar nicht oder nur sehr bedingt stattfindet, weswegen engere Formen von Nachbarschaften sich häufig nicht entwickeln.

Der Begriff des Wortes Wohnraum ist mehrdeutig, da die Bedeutung des Wortes von Bewohner zu Bewohner individuell unterschiedlich ist. Für den einen beschränkt sich die Bedeutung des Wortes auf die so genannten eigenen vier Wände, andere empfinden im Extremfall die ganze Stadt als ihren Wohnraum. Mit der Verwendung des Wortes Wohnraum kann mehr gemeint sein als nur die in sich abgeschlossene Wohnung. Gerade die Zunahme individuell unterschiedlicher Lebenskonzepte und Vorstellungen von Wohnraum gilt es bei der Planung der Stadtentwicklung zu berücksichtigen. Stadtplanung muss zwischen den Bedürfnissen und Vorstellungen des Einzelnen und den Bedürfnissen der Gesellschaft vermitteln.

Stadtplanung ist durch ihren generalistischen Ansatz ein fremdbestimmter Eingriff in die Lebens- und Wohnwelt des Einzelnen. Die Fremdbestimmtheit der Produktion des eigenen Lebensraumes bzw. Wohnraumes im materiell-physischen Sinne steht in einem Spannungsverhältnis zu gesellschaftlichen Entwicklungstendenzen. Diese gesellschaftlichen Entwicklungstendenzen, auch Individualisierung der Gesellschaft oder Pluralisierung der Lebensformen genannt, zeichnen sich gerade dadurch aus, dass der Selbstbestimmung der eigenen Lebensumstände ein hoher Wert beigemessen wird. Der „Lebensinhalt“ oder auch „Lebenssinn“ kann diesem Ansatz nach nur durch eine selbstbestimmte Lebensführung gefunden werden.

Die Schaffung von Lebenssinn wird immer mehr zur Eigenleistung… und soziale Schnittmuster für die alltägliche Lebensführung verlieren an Gebrauchswert.[1]

Wird das Wort „Lebenssinn“ durch das Wort „Wohnsinn“ ersetzt, so ist die Bedeutungsintention des Satzes immer noch gültig. Das Wort Wohnsinn wird hier in dem Sinne verwendet, dass der eigene Wohnraum die eigenen individuellen Wohnbedürfnisse oder auch Lebensbedürfnisse in möglichst optimaler Weise befriedigt Dem Austausch der beiden Wörter geht die Annahme voraus, dass die Bedeutung der Wörter Lebenssinn, Wohnsinn, Lebensraum und Wohnraum in einem engen Zusammenhang stehen. Auch die Begriffe „soziale Schnittmuster“ und „genormte Wohnraumplanungen“ sind in dem Zusammenhang austauschbar. Dass Wohnbedürfnisse sich nur sehr schwer von „Lebensgrundbedürfnissen“ abtrennen lassen zeigt schon die folgende Aufzählung von Wohnbedürfnissen[2]:

- Physiologische Bedürfnisse nach Wärme, Licht, Ruhe, Erholung und Schlaf
- Das Bedürfnis nach Sicherheit, Beständigkeit, Vertrautheit
- Das Bedürfnis nach Privatheit im Sinne der Zugangskontrolle zum eigenen Selbst
- Das Bedürfnis nach sozialer Anerkennung, Prestige, Status und Ansehen
- Das Bedürfnis nach Selbstentfaltung

Die Lebensgestaltung ist in unserer heutigen Gesellschaft durch ein zunehmendes Maß an Komplexität der Lebensverhältnisse gekennzeichnet. Diese zunehmende Komplexität ist zu einem großen Teil durch die Pluralisierung der Lebensstile bedingt. Auf diesen Zusammenhang wird in der Arbeit später nochmals näher eingegangen. Der eigene Wohnraum, als Rückzugsmöglichkeit und Kompensation zu der restlichen Welt, gewinnt an Bedeutung, denn hier kann man sich selbstbestimmt zwischen den Polen Aktivität - Passivität, Vertrautheit - Fremde, Privatheit – Öffentlichkeit entscheiden. Im eigenen Wohnraum lässt sich das Ausmaß an Privatheit individuell regulieren.[3] Der private Rückzugsraum, die Wohnung, wird zum Refugium des Individuums vor der überfordernden Außenwelt.

Die zunehmende Komplexität der Gesellschaftsstrukturen und der damit verbundene Wunsch nach Rückzug führen aber auch oft zu einer Anonymisierung der Lebensverhältnisse, die in vielen Einzelfällen bis zur Vereinsamung führen kann.

Eine Möglichkeit, der Anonymisierung und Vereinsamung entgegenzuwirken, ist die Stärkung und Förderung von Nachbarschaften. Auf verschiedene Formen und Eigenschaften von Nachbarschaften als Formen von Gemeinschaften wird daher in einem späteren Kapitel nochmals gesondert eingegangen. Mit nachhaltigen Nachbarschaften ist zunächst folgendes gemeint:

- der nachbarschaftliche Zusammenhang durch die Bewohner wird als bedeutsam empfunden
- die Nachbarschaft kennzeichnet sich durch viele persönliche Kontakte der Nachbarn untereinander
- die Nachbarschaft ist über einen langen Zeitraum von Relevanz
- die Nachbarschaft besitzt identitätsstiftende Eigenschaften.

Nachhaltige Nachbarschaften, also Nachbarschaften die vom individuellen Kontaktverhalten der Bewohner untereinander leben, lassen sich nicht durch äußere Eingriffe planen, jedoch gibt es besonders günstige Entstehungsbedingungen.

Das Entstehen von Gemeinschaft ist von der persönliche Bereitschaft und den Eigenschaften ihrer einzelnen potentiellen Mitglieder abhängig. Das Entstehen von Gemeinschaftsgefühl, abgesehen von der Familie als einer besonderen Gemeinschaftsform, ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Ausschlaggebend sind zum Einen die persönliche Sympathie der einzelnen Mitglieder zueinander, zum Anderen die gemeinsame Identifikation mit einem Ort, einer Aufgabe, einer gemeinsamen Geschichte, gemeinsamer Besitz oder auch ein gemeinsames Ziel.

Das Verhalten und die Einstellung von selbstbestimmten Individuen lässt sich nicht planen. Stadtplanung kann jedoch das Entstehen von Nachbarschaft durch die Konzeption von bestimmten Strukturen begünstigen.

Gebaute Strukturen, als materielle Produkte der Stadtplanung, nehmen Einfluss auf Kommunikationsstrukturen, sie können die Kommunikation begünstigen oder aber auch das Gegenteil erreichen. Kommunikation braucht Begegnungsmöglichten, bei denen ein Austausch stattfinden kann. Die Möglichkeiten einer begünstigenden Kommunikationsstrukturplanung sind damit aber nur unzulänglich beschrieben. Antje Flade fasst die Aussagen von Alfred Lang zu diesem Thema im folgenden Satz zusammen:

Das Gebaute und Gestaltete ist wie das Geschriebene ein kollektives oder soziales Zeichensystem oder ein Code. Der wohnende Mensch vermittelt Informationen über sich selbst, indem er durch Bindung an einen festen Ort seine eigene Persönlichkeit mitgestaltet…Das Gebaute ist ein Träger psychischer und sozialer Prozesse“ [4]

Damit der wohnende Mensch Informationen über sich vermitteln kann, braucht er einen Einfluss auf den Informationsträger, das Gebaute. Die Selbstdarstellung über den eigenen Wohnbereich ist wichtig für die Entstehung eines kollektiven Raumes[5]. Erst durch diese Selbstdarstellung im kollektiven Raum wird dieser sich auch ein Stück weit persönlich angeeignet und somit wichtig für den Einzelnen. Durch die Möglichkeit der Selbstdarstellung oder durch die Mitbestimmung bei der Planung wird die Identifikation mit dem Wohnort verstärkt. Formen der Selbstbestimmung bei der Planung des eigenen Wohnraums schaffen Identifikationen. Eine gemeinsame Identifikation wiederum schafft ebenso ein Gruppengefühl, welches sich bis zum Gemeinschaftsgefühl steigern kann. Auf die Abstufungen von der Gruppe zur Gemeinschaft im Zusammenhang mit Nachbarschaft soll in einem späteren Kapitel noch näher eingegangen werden.

Den Mitbestimmungsmöglichkeiten der Bewohner bei der Gestaltung und Planung des eigenen Wohnraumes, in Hinsicht auf seine potentiellen Nachbarn wie auch in architektonischer Hinsicht, sind bei den „klassischen“ Wohnproduktions- und Organisationsformen enge Grenzen gesetzt.. Diese „klassischen“ Produktions- und Organisationsformen schaffen Angebote, zwischen denen der Bewohner als Konsument auswählen kann, ohne auf das konkrete Angebot einen entscheidenden Einfluss zu haben.

Damit der Bewohner Einfluss nehmen kann, muss der Wohnraum auch seiner Verfügungsgewalt unterliegen. Diese Verfügungsgewalt ist in Deutschland oft nur dadurch gegeben, dass der Wohnraum auch Wohneigentum des Bewohners ist. Entscheidend hierbei ist es, dass die Verfügungsgewalt gegeben ist, dass der Bewohner Verantwortung für seinen Wohnraum übernehmen kann. Eigentum spielt in zweierlei Hinsicht eine Rolle für die Identifikation mit seinem Wohnbereich. Zum Einen ist Eigentum als solches schon identitätsstiftend, insbesondere wenn es durch Eigenleistungen geschaffen wurde. Zum Anderen hat Wohneigentum und die damit verbundene Verfügungsgewalt zur Folge, dass der Bewohner sich für seinen Wohnraum auch verantwortlich fühlt.

Die Eigentumsquote von selbstgenutzten Wohnungen liegt in Deutschland jedoch nur bei 43%[6]. Diese Wohnungen werden zu einem großen Teil fertig gekauft und somit halten sich die Mitbestimmungsmöglichkeiten und deren Wahrnehmung bei der Gestaltung dieser Wohnungen in engen Grenzen. Dass das Vorhandensein von Eigentum und das sich Verantwortlichfühlen weitere begünstigende Faktoren mit sich bringt, zeigt die folgende Auflistung welche durch Untersuchungen empirisch belegt wurde[7]. Wohneigentümer haben im Allgemeinen:

- eine bessere Gesundheit und besseres Wohlbefinden
- ein besseres Selbstwertgefühl
- eine bessere Wohn- und Lebenszufriedenheit
- bessere nachbarliche Beziehungen und Aktivitäten
- besseres Familienleben und kindliche Entwicklung
- bessere Ortsbindung
- besseren Pflegezustand von Gebäuden und Freiflächen…

Eine Möglichkeit die finanziellen Beschränkungen zur Wohneigentumsbildung herabzusenken und an Einflussmöglichkeiten bei der konkreten Gestaltung seines eigenen Wohnraumes zu gewinnen, bietet das Prinzip der „organisierten Gruppenselbsthilfe“. Dieses Prinzip wird als ein Instrument gesehen, das die Entstehung von nachhaltigen Nachbarschaften fördert. Die Entwicklung und Förderung von nachhaltigen Nachbarschaften wird als eine Aufgabe der Stadtplanung angesehen, da die soziale Einheit einer Gemeinde erst durch eine bestimmte Dichte der sozialen Interaktionen gegeben ist.

In dieser Arbeit sollen fünf Projektbeispiele, die vor 10 Jahren mit Hilfe der organisierten Gruppenselbsthilfe realisiert wurden, in Hinsicht auf die Entstehung einer nachhaltigen Nachbarschaft untersucht werden. Der Schwerpunkt liegt hierbei in der Untersuchung ihrer 10 jährigen Entwicklung und weniger in der Geschichte ihres eigentlichen Entstehungsprozesses.

Zu Beginn der Arbeit wird kurz das Wesen der organisierten Gruppenselbsthilfe skizziert, zu einem späteren Zeitpunkt werden die Prinzipien der organisierten Gruppenselbsthilfe genauer dargestellt.

Im nächsten Schritt werden Perspektiven aufgezeigt, die dazu beitragen, die organisierte Gruppenselbsthilfe in einem größeren Gesamtkontext betrachten und einordnen zu können. Begriffe wie Individualisierung der Gesellschaft und Pluralisierung der Lebensformen werden genauer erläutert. Aus einer Beschreibung von Nachbarschaften in Allgemeinen, wird eine Definition von nachhaltigen Nachbarschaften abgeleitet. Ziel dieses Abschnitts ist es, die Bedeutung von nachhaltigen Nachbarschaften aufzuzeigen.

Da die organisierte Gruppenselbsthilfe keine absolut neue Erscheinungsform ist, wird die geschichtliche Entwicklung der organisierten Gruppenselbsthilfe in Deutschland in groben Zügen dargestellt, um sich der organisierten Gruppenselbsthilfe von einer weiteren Seite aus zu nähern.

Im darauf Folgenden, wird auf die organisierte Gruppenselbsthilfe in detaillierter Weise eingegangen. Der theoretische Teil erhebt keinen Anspruch auf die vollständige Behandlung aller relevanten Aspekte. Der Anspruch dieses Teiles ist es aber, einen Überblick über die organisierte Gruppenselbsthilfe zu geben und somit jedem Leser genügend Hintergrundwissen für den weiteren Verlauf der Arbeit zu vermitteln.

Im nächsten Teil, wie bereits zu Beginn der Her- und Einleitung angesprochen, werden mit Hilfe des zuvor vorgestellten Hintergrundwissens, der in der Herleitung wie auch im weitern Verlauf des Textes gemachten Behauptungen konkrete Hypothesen aufgestellt. Die einzelnen Arbeitsschritte und Arbeitsweisen die zur Überprüfung der Hypothesen herangezogen werden, werden in diesem Teil vorgestellt.

Die Überprüfung der Hypothesen soll anhand von Projektbeispielen erfolgen. Diese Beispiele werden kurz vorgestellt, da sie sich für eine Untersuchung bestimmter Qualitäten der organisierten Gruppenselbsthilfe auch aufgrund ihrer Unterschiedlichkeit gut eignen.

Die Untersuchung erfolgt mittels qualitativer Interviews von Projektbewohnern und Experten. Die 10 jährige Entwicklung, aber auch die speziellen Eigenschaften der Projekte, sollen mittels Interviews und deren Interpretationen in narrativer Form dargestellt werden. Die Auswertung soll unter anderem dazu führen, Aussagen über die Wohnzufriedenheit, das nachbarschaftliche Zusammenleben und Erfahrungswerte dieser Gruppenbeispiele machen zu können

Die zuvor aufgestellten Hypothesen werden anhand der Interviewauswertungen überprüft. um hieraus Schlussfolgerungen zu ziehen, inwieweit sich das nachbarschaftliche oder gemeinschaftliche Zusammenleben durch die organisierte Gruppenselbsthilfe unterstützen lässt.

Im Anhang befindet sich eine Sammlung der geführten Interviews in transkribierter Form. Einzelne Interviewstellen sollen auch schon während des ersten Teils dieser Arbeit zitiert werden.

2. Kurzbeschreibung der organisierten Gruppenselbsthilfe (OGSH)

Bei der organisierten Gruppenselbsthilfe handelt es sich um einen Zusammenschluss von Menschen zu einer Interessengemeinschaft. Diese Interessengemeinschaft besteht aus Menschen, die versuchen, ihren Wunsch nach eigenem Wohnraum gemeinsam zu realisieren. Es handelt sich um einen handlungsorientierten Zusammenschluss von Individuen mit einer gemeinsamen Zielsetzung, dem Wunsch nach selbstgebautem, selbstgenutztem und in vielen Fällen auch selbstbestimmtem Wohnraum, welcher im Eigentum des Einzelnen liegen kann, wie aber auch im Eigentum einer über den Bauprozess fortbestehenden Gemeinschaft.

Durch die Möglichkeiten der OGSH entstehen Projekte, die die Potentiale der gegenseitigen Hilfe und der gemeinsamen Interessen bündeln. Durch die organisierte Zusammenarbeit bei der Planung und vor allem beim Bau des Projektes können Kosteneinsparungen erreicht werden. Die eingebrachten Eigenleistungen beim Bau und die damit verbundenen Kosteneinsparungen haben zur Folge, dass Menschen zu Bauherren werden, die alleine nicht in der Lage wären ein Bauvorhaben zu finanzieren. Die einzelnen Gruppenmitglieder können in Form der Gruppenselbsthilfe Arbeiten und Leistungen erbringen, die eine einzelne Person nicht leisten kann. Die organisierte Arbeit in der Gruppe eröffnet für jeden Einzelnen finanzielle Vorteile. Die Gruppenmitglieder stellen einen Teil des Eigenkapitals, welcher nötig ist um Wohneigentum finanzieren zu können, nicht in Form von Geld zur Verfügung, sondern in Form einer so genannten Muskelhypothek. Durch die erbrachten Bauleistungen der Gruppe, der „Muskelhypothek“, wird das Bauvorhaben für jedes Gruppenmitglied im Endeffekt billiger. Durch die gemeinsame Planung des Bauvorhabens und durch die gemeinsame Beteiligung am Bauprozess lernen sich die späteren Mitglieder der entstehenden Nachbarschaft bereits im Vorfeld kennen. Es besteht die Möglichkeit seine zukünftigen Nachbarn auszusuchen und sie auch vorher schon gut kennen zu lernen. Die organisierte Gruppenselbsthilfe kann aus einem bereits bestehenden Bekannten- und Freundeskreis entstehen oder aus sich zunächst fremden Menschen.

Es ist die Annahme, dass durch das gemeinsame Ziel, die gemeinsame Arbeit und den damit verbundenen gemeinsamen Erfahrungen eine Gruppenidentität entsteht, welche sich auf die entwickelnde Nachbarschaft auswirkt. Aufgrund der gemeinsamen Planung kann die Nachbarschaft den baulichen wie auch den sozialen Zusammenhang ihres Zusammenlebens im Idealfall selber planen, oder zumindest beeinflussen. Die organisierte Gruppenselbsthilfe (im folgenden durch OGSH abgekürzt) bietet auch die Möglichkeit, dass Gemeinschaftsräume und Gemeinschaftsflächen geschaffen werden, welche den Wohnkomfort jedes Einzelnen erhöhen und welche die Gruppenidentität intensivieren können.[8]

Die Bewertung eines Bewohners zur OGSH, der sich mit Hilfe dieser sein Haus baute:

„…wir haben trotzdem schon ein sehr gutes nachbarschaftliches Verhältnis. Man kennt sich eben über die Bauphase, aber die bringt für den Einzelnen doch eine Belastung mit, wo der Einzelne unter Stress steht, wo man ihn dann auch da kennen lernen kann, damit lernt man die Leute natürlich kennen“… (A1:140-143 )„Wir haben hier auch gerne zusammen Mittag gegessen, durch die Bauphase gab es ja eine richtig gute soziale Kommunikation, der eine bringt mal Essen mit für alle, dann setzt man sich hin, das ist schon nicht schlecht gewesen“ (A1:153-155)… „das Umfeld sind mehr oder weniger die Häuser, die mit uns zusammen gebaut haben.“ (A1:191-192)

„…diese Gruppenselbsthilfe, weil man wirklich die Belastung dadurch soweit minimiert, oder durch eigene Leistung dazu schafft, dass es machbar wird. “(A1:422-423)[9]

3.Theoretische Annäherung durch eine kurze Skizzierung des sozialwissenschaftlichen Kontextes

In diesem Kapitel soll der Zusammenhang zwischen gesellschaftlichen Entwicklungen beziehungsweise Zuständen und der OGSH dargestellt werden. Es werden hierfür sozialwissenschaftliche Theorien und Begriffe verwendet, deren Gültigkeit angenommen wird und die hier in nur sehr generalisierter Form dargestellt werden. Eine tiefgehende, differenzierte und kontroverse Auseinandersetzung mit den Theorien und ihren Begriffen wird an dieser Stelle unterlassen.

3.1. Individualisierung der Gesellschaft.

Die Ursachen und Anfänge für die Individualisierung der hiesigen Gesellschaft liegen unter anderem in der zunehmenden Arbeitsteilung, welche durch die Industrialisierung sprunghaft anstieg. Die philosophisch-kulturgeschichtlichen Grundlagen wurden aber bereits durch die Aufklärung geschaffen.

Die immer spezialisierteren Produktionstechniken und Arbeitsweisen führten zu einem Auflösungsprozess der damaligen Großfamilienstruktur und der dörflichen Gemeinschaften. Die Menschen zogen von den Dörfern und Kleinstädten in die Großstadt, und alte Versorgungsbezüge wurden durch die Massenproduktion ersetzt. Ein interessanter Aspekt hierbei ist der Zusammenhang von Wohnungsbau durch standardisierte Massenproduktionsverfahren und die individuelle Art der Aneignung dieses Wohnraums durch die Bewohner Die Produktionsweise der Industrialisierung führte zu einer Schwächung der sozialen Bindungen. Wichtige Überlebensfunktionen, wie die physische und soziale Sicherheit, die wiederum wichtigen Wohnfunktionen entsprechen, wurden nicht mehr durch die Gemeinschaft, in die man hinein geboren war, gewährleistet, sondern wurde durch industrialisierte Produktionsweisen und staatlich kontrollierte Sozialsysteme übernommen. Der Einzelne musste sich nicht mehr zwangsläufig den Verhaltensnormen einer bestimmten Gemeinschaft unterwerfen, sondern gewann an Handlungsspielräumen. Zu der Mobilität im geographischen Sinne kam die soziale Mobilität hinzu. Diese kurz gefasste Beschreibung bezieht sich aber nur auf einen Teil des Individualisierungsprozesses. Neben vielen anderen Autoren, wird diese Entwicklung durch Georg Simmel, Emile Durkheim und Karl Marx beschrieben und erklärt.

In der neueren Geschichte hat sich der Individualisierungsprozess um ein Vielfaches beschleunigt und verstärkt. Ulrich Beck[10] beschreibt die Dimension des Individualisierungsprozesses in dreierlei Hinsicht, er beschreibt sie mit der:

- Freisetzungsdimension
- Entzauberungsdimension
- Kontroll- und Reintegrationsdimension

Mit der ersteren ist gemeint, was in den voran gegangenen Zeilen bereits beschrieben wurde. Der Mensch wurde aus seinen traditionellen Klassen und Versorgungsbezügen herausgelöst. Die zweite Dimension bezieht sich darauf, dass mit dem Wegfall traditioneller Lebensbezüge und dem damit verbundenen Handlungswissen auch die Handlungssicherheit verloren ging. Durch das Fehlen von traditionellen Normen und Vorgaben, wie man sich zu verhalten hat, wird das Wissen daher zur Eigenleistung. Der Lebensentwurf wird weniger durch äußere Gegebenheiten determiniert, sondern wird, wie es der Name schone nahe legt, zur Eigenleistung. Das Subjekt wird zum Objekt des eigenen Handelns. Die Vielfalt an möglichen Handlungsoptionen ist jedoch auch mit Unsicherheiten verbunden, worin vermutlich die Namensgebung dieser Dimension begründet ist. Die Erfordernisse der zunehmenden Eigenleistung verlangen jedoch ein hohes Maß an Bildung und anderen Qualifikationen. Daher ist der Einzelne doch wiederum abhängig vom Bildungssystem, aber auch von anderen Strukturen und Systemen, wie zum Beispiel dem Beschäftigungssystem oder dem Versorgungssystem des Wohnungsmarktes. In diese Systeme muss sich das Individuum integrieren, womit auch schon die letzte Dimension beschrieben ist.

Durch die letzte Dimension wird deutlich, dass das Theoriekonzept der Individualisierung der Gesellschaft nicht in die gleiche Richtung zielt, wie die Annahme von der Atomisierung der Gesellschaft. Beck spricht nicht von der Vereinzelung des Individuums, auch nicht von der Beziehungslosigkeit des freischwebenden Individuums. Das Individuum untersteht immer noch bestimmten Systemzwängen. Diese Zwänge ergeben sich aus komplexen und für den Einzelnen schwer oder gar nicht zu überschauenden Gesellschaftsstrukturen. Das Individuum emanzipiert sich nicht automatisch von der Gesellschaft oder wird gar autonom. Es besteht aber in der heutigen Zeit weniger der Zwang zu gemeinschaftlichem Zusammenleben. Dies beruht heute im Vergleich zur älteren aber auch zur jüngeren Vergangenheit eher auf dem Prinzip der Freiwilligkeit.[11] Diesbezügliche Missverständnisse entstehen unter anderem durch unterschiedlichen Vorstellungen der Begriffe Gesellschaft und Gemeinschaft und der Verwechselung dieser Begriffe. Gesellschaft ist nicht gleichzusetzten mit Gemeinschaft und umgekehrt. Der Unterschied zwischen Gemeinschaft und Gesellschaft soll durch folgende Zitate deutlich gemacht werden:

Das Verhältnis selber, und also die Verbindung, wird entweder als reales und organisches Leben begriffen – dies ist das Wesen der Gemeinschaft, oder als ideelle und mechanische Bildung – dies ist der Begriff der Gesellschaft.“[12]

Gesellschaften beruhen auf einem Vertrag. Gesellschaft meint in erster Linie die Großstadt, die Weltstadt, aber auch den Nationalstaat, das alle traditionellen heimatlich-regionalen Bindungen überlagert und verdrängt.“[13].

„Gemeinschaftliches Leben bezieht sich auf einen alltäglichen Lebensstil, bei dem eher mehr als weniger miteinander geteilt wird. Was gewöhnlich geteilt wird, ist der Besitz von Geldmitteln, Mahlzeiten, Kindererziehung, soziales Leben, Wohnraum, Ideen und Weltanschauungen, so wie der Kontakt mit dem sozialen und biophysischen Umfeld.“[14]

Der im Titel angesprochene Begriff „nachhaltige Nachbarschaft“ soll auch eine Form von Gemeinschaft sein, doch hierzu mehr im nächsten Kapitel.

Gemeinschaften entstehen durch das Teilen von Gemeinsamkeiten, das in Vergangenheit oft durch Zwänge begründet war. Das „Wesen“ von Gemeinschaften kann durch unmittelbar erfahrene Eindrücke wahrgenommen werden, während das „Wesen“ von Gesellschaften nur in sehr abstrahierender Weise beschrieben werden kann. Die Lebensbezüge in der heutigen Gesellschaft sind im Gegensatz zu vergangenen Gesellschaftsformen nicht mehr überschaubar, da sie sich in unfassbarer Weise komplex gestalten. Zu diesen gesellschaftlich bedingten Lebensbezügen gehört in besonderer Weise die Stadt als Wohnraum. Die Komplexität kann für den Einzelnen überfordernd wirken, weswegen er seinen Wohnraum auf die von ihm direkt bewohnte Wohnung begrenzt, da hier die Gestaltung seines Wohnraumes auch seiner direkten Verfügungsgewalt unterliegt und er hier seine individuellen Vorstellungen bis zu einem gewissen Grad realisieren kann.

Individualität und solidarische Bezogenheit sind keine sich polar gegenüberstehende Begriffe, sondern können sich auch ebenso bedingen.[15] Ein belegendes Beispiel hiefür kann z.B. die Annahme sein, dass gerade ein Mensch aufgrund seines ausgeprägten individuellen Charakters den sozialen Zusammenhang zu anderen Menschen sucht und er diesen Zusammenhang seinen individuellen Wünschen entsprechend gestalten möchte.

Ralf Dahrendorf macht den Unterschied zwischen selbstbestimmten Handlungsweisen und gesellschaftlich vorgeschrieben Handlungsmöglichkeiten durch die Verwendung von zwei Begriffen, die er in seinem Konzept der Lebenschancen verwendet, sehr anschaulich. Er verwendet die Begriffe Optionen und Ligaturen.[16] Option bedeutet in dem Sinne die Wahlmöglichkeit zwischen verschieden Handlungsalternativen, die einem Individuum in seinem spezifischen gesellschaftlichen Kontext zu Verfügung stehen. Die Bandbreite der Handlungsalternativen sind durch die Ligaturen vorgegeben. Ligaturen bezeichnen die gesellschaftlichen Bezüge, durch die das Individuum in die Gesellschaft eingebunden ist. Sie stellen sozusagen fixe Handlungskoordinaten dar.[17] Der Begriff Ligatur stammt ursprünglich aus der Typographie. Er bezeichnet hier eine Verbindung von Buchstaben, welche besonders häufig im Zusammenhang verwendet werden, wie beispielsweise die Buchstabenfolge: „s.c.h“. Durch die Verwendung von Ligaturen, kann ein Schriftsetzter wesentlich schneller arbeiten und zudem unschöne Versprünge der Buchstaben vermeiden.

Vormoderne Gesellschaften zeichneten sich dadurch aus, dass die Kombinationsmöglichkeit einzelner Ausdrucksweisen, Verhaltensmöglichkeiten, Bewertungskriterien durch ein starres Raster vorgegeben war. Im Zusammenhang mit den Ligaturen, im metaphorischen Sinne, könnte man es so sehen, dass man sich nur mit vorgefertigten Wörtern oder gar Satzteilen ausdrücken konnte. Die Kombinationsmöglichkeiten der Ligaturen waren dadurch stark vorgegeben und eingeschränkt. Der Individualisierungsprozess bedeutet somit, dass das Individuum mehr auf einzelne Zeichen und Buchstaben zurückgreifen muss, wodurch die Wahl der Kombinationsmöglichkeiten nahezu unbegrenzt ist, sich aber dadurch natürlich der Schwierigkeitsgrad wesentlich erhöht.

Der Individualisierungsprozess führt jedoch nicht zum Auflösungsprozess jeglicher sozialer Ligaturen, denn der Mensch bleibt immer ein soziales Wesen. Die Individuen finden sich in neuen sozialen Netzwerken zusammen, welche sie aktiv gestalten müssen. Sie können sich dabei weniger auf traditionelle Verhaltensmuster und Normen verlassen, so wie dies in der Vergangenheit der Fall war, sondern müssen quasi neue Ligaturen entwickeln. Keupp schreibt hierzu:

„ Die zeitgemäßen Webmuster der sozialen Beziehungen setzen ein aktives Subjekt voraus. Dieses wird Baumeister seines eigenen Beziehungsnetzwerkes“[18]

Die nächsten Kapitel sollen die grundlegenden Eigenschaften der Webmuster der sozialen Beziehungen, oder anders ausgedrückt, die der sozialen Netzwerke erklären. In dem Zusammenhang wird auch auf die spezifischen Eigenschaften der sozialen Netzwerke: Gruppe, Gemeinschaft und Nachbarschaft eingegangen und daraus eine Definition von nachhaltigen Nachbarschaften abgeleitet.

3.2. Nachbarschaft als eine Form der sozialen Netzwerke

Die Theorie der sozialen Netzwerke geht aus der Intention hervor, Beziehungen zwischen Individuen analysieren zu können und auch die Beziehungen graphisch darstellen zu können.

Soziale Netzwerke sind in dem Sinne zu verstehen, dass die Individuen die Knotenpunkte eines Netzes darstellen und die Verbindungsstränge die Interaktionen zwischen den Individuen symbolisieren. In dieser Hinsicht ist ein soziales Netzwerk noch ziemlich unbegrenzt. Auf diese Weise könnte man die ganze Menschheit als ein einziges soziales Netzwerk betrachten, da letztendlich jeder mit jedem über unterschiedliche viele andere Verknüpfungspunkte verbunden ist. Eine Präzisierung erlangt das soziale Netzwerk erst, wenn man die Art der Interaktion festlegt, um so verschiedene Erscheinungsformen sozialer Netzwerke voneinander abgrenzen zu können. Franz und Pappi unterscheiden zwischen zwei Arten von Netzwerken, dem partiellen Netzwerk und dem totalen Netzwerk.[19] Partielle Netzwerke beziehen sich auf Interaktionen, die durch ihren emotionalen Gehalt bestimmt sind, wie beispielsweise das Netzwerk der Familie und des Freundeskreises. Totale Netzwerke sind allgemeinerer Art, sie beziehen sich auf Transaktionen von Ressourcen und Informationen allgemeiner Art, und können sich daher in ihrer Abbildung äußerst komplex gestalten.

Die Intention dieser Arbeit ist es, herauszufinden, inwieweit die OGSH die Bildung von partiellen Netzwerken beeinflusst, insbesondere die spezielle Form der Nachbarschaft.

Um der Thematik der Nachbarschaft näher zu kommen, kann man sich verschiedener Definitionen bedienen, wobei sich die Schwerpunkte einzelner Definitionen von Nachbarschaft stark unterscheiden. So beschreibt der Soziologe Max Weber, Nachbarschaft als eine soziale Beziehung, als

ein seinem Sinngehalt nach aufeinander gegenseitig eingestelltes und dadurch orientiertes Verhalten Mehrerer[20].

Diese Definition beschreibt aber mehr die Überkategorie, in die Nachbarschaft einzuordnen ist, nämlich die Überkategorie des partiellen Netzwerkes. Diese Definition ist also für alle Formen eines sozialen Netzwerkes zulässig und beschreibt noch nicht die spezifischen Eigenheiten des Phänomens Nachbarschaft.

Bernt Hamm grenzt mit seiner Definition die Eigenschaften einer Nachbarschaft von denen anderer sozialer Netzwerke ab, wenn er schreibt:

Nachbarschaft ist eine soziale Gruppe, deren Mitglieder primär wegen der Gemeinsamkeit des Wohnortes miteinander interagieren“.[21]

Die Nennung einer sozialen Gruppe in dieser Definition ist dabei ein wenig prekär, da man für die Beschreibung einer sozialen Gruppe sehr unterschiedliche Auffassungen haben kann, auf die noch später eingegangen wird.

Eine weitere Definition von Nachbarschaft nach Kurt Dieter Vierecke eignet sich für das Verständnis von Nachbarschaft besonders gut. Er beschreibt Nachbarschaft als Geflecht sozialer Interaktionen innerhalb eines vom Einzelnen jeweils unterschiedlich wahrgenommenen Raumes.[22] Kurt Dieter Vierecke bringt somit explizit eine wahrnehmungspsychologische Komponente mit ins Spiel, die von erheblicher Bedeutung ist. Denn Nachbarschaft setzt sich immer aus einer bestimmten Anzahl von Individuen zusammen, bei der schon der Einzelne die räumliche Größe der Nachbarschaft, die Anzahl der Mitglieder und die soziale Wirklichkeit der Nachbarschaft als solche jeweils anders wahrnimmt. Das deutet schon auf das eigentliche Kernproblem bei der Beschreibung von Nachbarschaft hin. Zusammenfassend kann man sagen, dass Nachbarschaft durch den räumlichen Aspekt in Verbindung mit dem Aspekt des sozialen Verhaltens gekennzeichnet wird.

Kurt Dieter Vierecke zählt zur besseren Unterscheidung vier typische Nachbarschaftsbezüge auf, die sich in gewissem Sinne hierarchisch bzw. konzentrisch aufbauen. Zu diesen vier Formen gehören[23]:

- der potentielle Nachbar
- der Nachbar der faktischen Nähe
- der Nachbar des kommunikativen Bezuges
- der qualifizierte Nachbar

Aus der Sichtweise eines einzelnen Bewohners sind alle Bewohner in der näheren Umgebung seiner Wohnung potentielle Nachbarn, wobei hier noch keine Interaktion stattfinden muss. Es kann sogar vorkommen, das man gar nicht voneinander weiß.

Dies ist beim Nachbarn der faktischen Nähe nicht der Fall. Zwar ist es auch hier möglich, dass keine Interaktion stattfindet, doch ist man sich durch die räumliche Nähe gezwungenermaßen miteinander bekannt. „ Der Einzelne identifiziert ihn als In-der-Nähe-Wohnenden,… “.[24] Der potentielle Nachbar könnte zum Beispiel der Bewohner sein, der in dem Wohnhaus schräg gegenüber wohnt, während die Bewohner eines Hauses Nachbarn der faktischen Nähe sind, wobei gerade auch bei sehr großen Mietshäusern viele Mieter für sich gegenseitig nur potentielle Nachbarn darstellen können.

Der Nachbar des kommunikativen Bezuges kann in dem Haus schräg gegenüber wie auch in demselben Haus wohnen. Entscheidend hierbei ist es, dass man sich zumindest grüßt oder sogar ein Gespräch anfängt.

Der Status des qualifizierten Nachbarn kennzeichnet sich dadurch aus, dass man zielgerichtet Interaktion mit seinem Nachbarn aufnimmt und dass ein gewisses Vertrauensverhältnis vorhanden ist, sodass man Gespräche führt, die über einen Smalltalk hinausgehen. Es kann sogar soweit gehen, dass man sich gegenseitig einlädt und ein Freundschaftsverhältnis entsteht. Das Vorhandensein der faktischen Nähe ist hierbei sicher vorteilhaft, aber nicht zwingend.

Der Soziologe Klages zählt für die Interaktion innerhalb einer Nachbarschaft drei spezifische Verhaltensformen auf[25]:

- zeremonielles Verhalten
- Solidaritätsverhalten
- individuelles Kontaktverhalten

Diese drei Verhaltensformen lassen sich auch bis zu einem gewissen Grad in Beziehung zu den Nachbarschaftsbezügen von Kurt Dieter Vierecke setzen. Das zeremonielle Verhalten ist zumeist auf Distanzerhaltung ausgerichtet und beschränkt sich nur auf das tägliche Grüßen, die Besprechung des Putzplanes für das Treppenhaus oder Ähnliches. Das zeremonielle Kontaktverhalten kann auf jeden Fall nur bei Nachbarn des kommunikativen Bezuges auftreten, auch wenn sich diese Kommunikation stark in Grenzen hält. Das Solidaritätsverhalten ist in erster Linie zweckgebunden, kann aber zwischenmenschliche Motivationen beinhalten. Hier geht es um das Erbitten von Hilfeleistungen, wie z.B. die Bitte um ein wenig Mehl bis zur Beaufsichtigung der Kinder. Das individuelle Kontaktverhalten tritt hier schon auf. Am stärksten ist es sicherlich beim qualifizierten Nachbarschaftsverhältnis vorzufinden, welches in erster Linie zwischenmenschlich motiviert ist. Das Auftreten von individuellen Kontaktverhalten ist für die in dieser Arbeit untersuchten Projekte von besonderem Interesse.

Die räumliche Wahrnehmung der Nachbarschaft lässt sich in drei Kategorien einteilen:[26]

- Wir-Gebiete
- persönliche Territorien
- Cliquen Revier

Zum Wir-Gebiet zählt die räumliche Umgebung, in der auch die potentiellen Nachbarn beheimatet sind. Es grenzt also das eigentliche Wohnumfeld ein, wobei auch hier die Grenzen sehr fließend sein können und sich die einzelnen Bewohner einer Wohngegend in einer ganz unterschiedlich groß wahrgenommenen Nachbarschaft befinden können. Die persönlichen Territorien beinhalten neben der eigenen Wohnung die Orte und vor allem Wege, die von dem einzelnen Bewohner besonders oft aufgesucht werden und mit denen der Bewohner besonders stark vertraut ist.

Das Cliquen Revier kommt sicherlich am meisten bei Kindern und Jugendlichen vor. Dies können Orte wie Spielplätze, Bushaltestellen oder einzelne Bänke sein. Diese Orte fungieren oft als Treffpunkte für bestimmte Gruppen und werden wiederum von anderen Gruppen gemieden.

Die Merkmale einer Nachbarschaft werden durch ganz bestimmte Einflussfaktoren bestimmt. Zu diesen Einflussfaktoren gehören:

- Merkmale des jeweiligen Individuums
- Merkmale der potentiellen Nachbarn des Individuums
- Merkmale der räumlichen Umgebung
- gesellschaftlicher Kontext

Das Verhalten der einzelnen Bewohner ist durch deren Alter, Geschlecht, Beruf, soziale Position und soziale Schichtzugehörigkeit vorherbestimmt. Eine soziale Position kann z.B. die Rolle des Vaters, Ehemanns, Angestellten, Kollegen, Vereinsmitgliedes und die des Nachbarn sein. Die soziale Schichtzugehörigkeit lässt sich grob durch den Beruf, das Bildungsniveau und das Einkommen beschreiben.

Zu den Merkmalen der räumlichen Umgebung gehört die Größe des Raumes, die Bauweise, die Freifläche, die Gestaltung und die Verkehrsdichte. Das Erschließungs- und Gestaltungskonzept ist für den Erlebniswert des Wohnumfeldes verantwortlich und somit auch dafür, wie sehr das Wohnumfeld angeeignet wird. Der Erlebniswert des Wohnumfeldes ist von erheblicher Bedeutung für das Verhalten der Bewohner und die Anneignung des Wohnraumes. Ortsbezogenheit macht sich positiv im Mitgestalten der Umwelt und im sich „Für-Sie-Verantwortlich-Fühlen“ bemerkbar. Freiflächen haben auch die Aufgabe als Kommunikationsraum zu dienen, also Interaktion zu schaffen, was ja eine Grundvoraussetzung für Nachbarschaft ist.

Das Wohnumfeld ist also die eigentliche Bühne für die Nachbarschaft, wobei das Wohnumfeld als Kompensation und/oder als Komplementär zur Wohnung verstanden wird. Kinder können häufig ihren Bewegungsbedarf nicht allein in der Wohnung ausleben und benötigen daher zusätzlich das Wohnumfeld. Für die Entwicklung und das Verhalten des Kindes ist daher das Wohnumfeld von entscheidender Bedeutung. Es lässt sich feststellen, dass Kinder die häufigsten Wohnumfeldnutzer sind, während Erwachsene sich bei der Nutzung des Wohnumfeldes der Gefahr aussetzen, des Müßiggangs verdächtigt zu werden und es somit auch weniger nutzen. Es lässt sich zusammenfassend feststellen, dass die Gestaltung des Wohnumfeldes von entscheidender Bedeutung für das Funktionieren einer Nachbarschaft ist.

Ist nun nachbarschaftliches Verhalten mit dem einer Gruppe zu vergleichen? Bei der Beantwortung dieser Frage ist es wichtig zu klären, welche Vorstellung man von einer „Gruppe“ hat. In sozialwissenschaftlichen Texten unterscheidet man zwischen Primär - und Sekundärgruppen[27]. Damit mehrere Individuen eine Primärgruppe in sozialwissenschaftlichem Sinne bilden können, müssen mehrere Kriterien erfüllt sein. Die in ihr auftretenden Kontakte erfordern die persönliche Anwesenheit der Gruppenmitglieder, sowie, die Primärgruppe ihre Mitglieder in besonderen Maß prägen, dass sie gemeinsame Ziele haben und ein spezifisches Gruppenbewusstsein entwickeln. Diese Vorgaben können innerhalb einer Nachbarschaft erfüllt werden, dieses ist aber in gegenwärtigen Nachbarschaften nur in Ausnahmen der Fall. So können Nachbarn sicherlich im Einzelfall eine Primärgruppe bilden, doch kann sich das nachbarschaftliche Verhältnis auch auf nur lose Beziehungen untereinander beschränken. In diesem Fall sind es Sekundärgruppen. Der Begriff Primärgruppe soll im Folgenden durch den Begriff Gemeinschaft ersetzt werden. Es lässt sich vom Standpunkt des einzelnen Bewohners ein konzentrisches Modell aufbauen, bei dem er mit bestimmten Nachbarn (qualifiziertes Nachbarschaftsverhältnis) eine Gemeinschaft bildet, mit den Mitbewohnern des Hauses aber sich eine Gruppenbeziehung, der stark abgeschwächten Form, herausbildet und mit anderen Bewohnern eines Wohnquartiers gar keine Beziehung vorhanden sind. Das Vorhandensein einer Gruppenidentität lässt sich also nur in graduellen Abstufungen beschreiben. Die Beziehungen der Nachbarn untereinander bestimmt auch, inwieweit die Aufgaben, die dem System der Nachbarschaft im Allgemeinen zugewiesen werden, erfüllt werden können.

Aufgaben einer Nachbarschaft:

- soziale Kontrolle
- „Helfer in der Not“
- Kindheitssozialisation
- Erzeugung von Heimatgefühl bzw. Vertrauen

Unter sozialer Kontrolle versteht man die Durchsetzung des rollenkonformen Verhaltens oder auch der Normen, die dieses begründen, wobei die soziale Kontrolle selbst ein Teil der Rollenerwartung sein kann. Soziale Kontrolle ist z.B. für das Einhalten bestimmter Regeln verantwortlich. „Helfer in der Not“ bedeutet z.B. das Ausleihen bestimmter Gegenstände, das Aufpassen auf die Kinder oder dass man jemanden um einen Gefallen bittet.

Kindheitssozialisation bedeutet, dass das Kind zum ersten Mal Rollenerwartungen außerhalb der Familie kennen lernt[28]. Die Nachbarschaft stellt für die Kleinkinder ohnehin die Außenwelt schlechthin dar. Hier finden die ersten Kontaktaufnahmen außerhalb der Familie statt und das Kind wird für sein späteres Leben geprägt. So können z.B. sehr heterogene Nachbarschaften Verhaltensunsicherheiten hervorrufen, während sehr homogene Nachbarschaften die soziale Mobilität verhindern können, was wiederum zu Schwierigkeiten bei der Integration in andere Nachbarschaften führen kann. Die Nachbarschaft soll auch Heimatgefühl bzw. Vertrauen beim Bewohner hervorrufen, damit er sich mit dem Ort, an dem er wohnt, identifizieren kann und sich daraus Wohnqualität ergibt. Die soziale Einheit einer Gemeinde ist erst durch eine bestimmte Dichte der sozialen Interaktionen gegeben, und die wichtigste Bühne für diese Interaktion ist die Nachbarschaft. Im nächsten Kapitel soll der Frage nachgegangen werden, inwieweit Nachbarschaft heute tatsächlich noch von Relevanz ist und inwieweit eine nachhaltige Nachbarschaft durch die organisierte Gruppenselbsthilfe geschaffen werden kann. Zunächst soll aber nochein aus den vorherigen Beschreibungen ein stark übersteigertes Idealbild von nachhaltigen Nachbarschaften definiert werden.

3.3 Definition des Begriffes „Nachhaltige Nachbarschaft“

Die Nachbarn stellen für sich alle gegenseitig Nachbarn des kommunikativen Bezuges da. Die Kontakte der Nachbarn sind durch ein besonders hohes Maß an solidarischen und individuellen Kontaktverhalten gekennzeichnet. Die Nachbarn empfinden das Wohngebiet als „Wir-Gebiet“, wie auch grundsätzlich ein „Wir-Gefühl“ vorhanden ist. Das Erschließungs- und Gestaltungskonzept der Nachbarschaft wirkt sich in Bezug auf die vorher genannten Punkte begünstigend aus. Die Fluktuationsrate ist in nachhaltigen Nachbarschaften äußerst gering. Jeder Bewohner fühlt sich für seinen Wohnraum, in sozialer wie materieller Hinsicht, verantwortlich. Nachhaltige Nachbarschaften erfüllen in besonderer Weise Aufgaben der sozialen Kontrolle, der gegenseitigen Hilfe, der Kindheitssozialisation und der Erzeugung von Ortsbindung. Bewohner nachhaltiger Nachbarschaften identifizieren sich mit ihrer Nachbarschaft, in sozialem wie auch materiellem Sinne.

3.4. Individualisierungsprozesse, Nachbarschaft und organisierte Gruppenselbsthilfe im Zusammenhang

Im Zuge des Individualisierungsprozesses, gibt es eine zunehmende Anzahl von Menschen, die ihre sozialen Netzwerke flexibel gestalten und nicht das Bedürfnis verspüren, sich in eine Gemeinschaft einzugliedern, bei der die Interaktion der einzelnen Mitglieder miteinander hauptsächlich nur durch die räumliche Nähe der Wohnungen begründet ist. Die Kriterien, nach denen soziale Netzwerke geknüpft werden, sind oft andere. Ein wichtiges Kriterium ist sicherlich die Sympathie zueinander, aber auch andere nutzbringende Effekte, wie Informationsgewinnung, Erhöhung des eigenen Status und Weiteres. Es ist wichtig festzuhalten, dass die direkte räumliche Nähe für die Konstruktion des Netzwerkes nicht zwingend erforderlich ist.

Räumliche Mobilität und sogar die Loslösung von räumlichen Beschränkungen durch die modernen Informations- und Kommunikationstechnologien führen zu sozialen Netzwerken, deren Knotenpunkte räumlich weit verstreut sind. Nachbarschaft als ein räumlich begrenztes Netzwerk besitzt für viele Menschen in dem Zusammenhang schon fast einen fossilen Charakter.

Es stehen dem Einzelnen aber nicht nur die Möglichkeiten offen, sein persönliches Netzwerk zu knüpfen, sondern es wird auch ein hohes Maß von Mobilität und Flexibilität verlangt, gerade auch im Zusammenhang mit dem eigenen Arbeitsplatz. Dies führt dazu, dass eine intensive Identifikation mit dem eigenen Wohnort oft gar nicht mehr stattfinden kann. Eher noch mit dem eigenen Mobiliar, welches eben eher noch ein lebenslanger Begleiter ist als der unmittelbare Wohnort. Dieses moderne „Nomadentum“ lässt auch oft keine Nachbarschaften mehr zu, die über das zeremonielle Verhalten hinausgehen, da der Wohnort immer nur ein Wohnort auf Zeit ist und eine allzu starke Bindung mit dem Wohnort nicht gewünscht wird, dies schließt auch die Menschen mit ein, die rein zufällig auch in der Nähe wohnen.

Die Möglichkeit, sich seine Knotenpunkte im Netzwerk selber auszusuchen, führt auch dazu, dass die Interaktion mit anderen Menschen, z.B. seinen Nachbarn der faktischen Nähe, gemieden wird. Kommunikationsbedürfnisse werden über das eigene Netzwerk abgedeckt und die Kommunikation mit seinen Nachbarn kann da im Extremfall sogar schon als lästig erscheinen oder den Einzelnen überfordern. Die eigene Wohnung wird als Refugium verstanden, wo man, wenn man denn so will, jeglichen Außenkontakt abbrechen kann. Gerade in Städten werden Kommunikations- und Beziehungsnetze geführt, deren Knotenpunkte sich über die ganze Stadt verteilen. Der Alltag und die bereits statt gefundenen Kommunikationsprozesse führen dazu, dass man seine Freizeit nicht auch noch mit Smalltalk im Treppenhaus vergeuden will. Der hierfür aufzubringende Aufwand und die zu überschreitende Hemmschwelle stehen in keinem Verhältnis zum anzunehmenden Gewinn, eher ist noch zu befürchten, dass man in der Zukunft noch mehr Zeit durch unnützen Smalltalk verliert.

Dies ist sicherlich ein nur sehr einseitig beschriebenes Bild, doch soll veranschaulicht werden, dass von Vielen eine intensive Nachbarschaft gar nicht gewünscht wird. Viele Menschen sehen ihren Wohnraum, der sich auf die Privatsphäre der eigenen Wohnung beschränkt als ausreichend an.

So hat jeder doch seinen individuellen Raum und das ist auch ganz gut so. Soviel Trubel könnte man ja sonst so gar nicht ab.“(A2:775-776)[29] …Deswegen…wenn man mal vorbei kommt am Haus, am Gartenzaun, wird man sicherlich mal ein Wort schwätzeln, aber…vielleicht auch mal einen Kaffe trinken, aber es werden keine größeren Sachen. Jeder hat ja sein Feld, das sehe ich durchaus als ausreichend an. (A2:788-791)

Ein Bauträger, der in der Vergangenheit viel Erfahrungen mit der OGSH gemacht hatte, erklärte, warum aus seiner Sicht das Modell der der OGSH im Gegensatz zu früher heute nicht mehr so gefragt ist, in folgender Weise[30]:

Heute ist es so, dass viele junge Leute weniger handwerkliche Berufe haben und eher studieren. Dann geht es gleich ins akademische Berufsleben, das heißt, dass heute weniger handwerkliche Tätigkeiten vorhanden sind als früher einmal “(F2:14-17)…“Ich glaube eigentlich, dass der Zusammenhalt in der Gesellschaft so nicht mehr da ist “(F2:43)…“Die jungen Leute müssen heute mobil sein, die können sich nicht ein Jahr lang mit dem Selbstbau beschäftigen. Früher haben die Jungen Leute, wenn sie von der Bundeswehr kamen, eine Familie gegründet. Wer gründet heute noch eine Familie? Wenn man früher ein Haus gebaut hat, dann war meistens die Zielsetzung eine Familie. Das ist heute auch wieder anders geworden…“Man muss dann (für die OGSH ) auch 20 Leute zusammen haben, 20 Familien zusammen haben, die kriegen sie heute nicht so ohne etwas weiteres zusammen.“(F2:119-120)…“Sagen wir mal die Rahmenbedingungen im zwischenmenschlichen Bereich haben sich verändert. Früher hat man mehr mit dem anderen kommuniziert und das ist heute eigentlich nicht mehr so, weil jeder mit sich selbst beschäftigt ist.“ (F2:99-102)

Einige der wichtigsten Gründe, die gegen die Bildung von nachhaltigen Nachbarschaften sprechen, sind hier stichpunktartig zusammengefasst:

- Kommunikationsbedürfnisse werden durch individuelle Netzwerke, deren Knotenpunkte räumlich weit verstreut sein können, abgedeckt.
- Zwang zur Mobilität durch Beruf
- Individualisierung in „Form des Abstandhaltens und Distanzerhaltung“
- Individualisierung in Form von fehlenden Gemeinsamkeiten
- fehlende Kinder als „Kontaktvermittler“
- fehlende Ortsbindung
- mangelnde Identifizierung mit dem eigenen Wohnraum
- mangelndes Engagement

Wie am Anfang des Kapitels schon erwähnt, kann es dieser Teil der Arbeit nur leisten, mögliche gesellschaftliche Bedingungen lediglich zu streifen, die die Entwicklung einer nachhaltigen Nachbarschaft behindern bzw. weswegen nachhaltige Nachbarschaften für viele Menschen keine wünschenswerten Ziele darstellen. Inhalt dieser Arbeit ist es, Möglichkeiten aufzuzeigen unter welchen Bedingungen es dennoch zu nachhaltigen Nachbarschaften kommen kann.

Es stimmt, dass sich die Gesellschaft entsolidarisiert, und dass immer weniger Leute auf die Idee kommen, dass man durch solidarisches Zusammenhandeln etwas verändern kann. Wie aber immer bei solchen Situationen gibt es dann eine kleine, und möglicherweise dadurch, dass sie kleiner, ist auch eine homogenere und stärkere Gruppe, die sagt: Nein, da wollen wir ja gerade was gegen setzten und deswegen wollen wir das.“(F3:341-145)

Individualisierungsprozesse können höchst unterschiedliche Konsequenzen erzeugen, auf der einen Seite werden Formen des gemeinschaftliches Zusammenleben von vielen Menschen nicht gewünscht oder gesucht und auf der anderen Seite, suchen Menschen gerade wegen ihrer individuellen Lebensvorstellungen enge Formen des nachbarschaftlichen Zusammenlebens.

Individualisierung in Form von Wunsch nach selbstbestimmten Handlungsmöglichkeiten, kann durch enge Formen des Zusammenlebens und den damit verbundenen Verhaltensregeln und Rollenerwartungen behindert werden.

Die Annahme dieser Arbeit ist es, dass man durch Gemeinschaft an Handlungsoptionen und Freiheiten gewinnt, denn durch die Bündelung der einzelnen individuellen Ressourcen kann der Einzelne auch entlastet werden. Durch das Zusammenleben in einer Gemeinschaft oder zumindest gemeinschaftlichen organisierten Projekten entstehen Synergieeffekte, welche den Handlungsspielraum erweitern und somit auch der individuellen Entfaltung zugute kommen können. Dieser Handlungsspielraum kann es möglich machen, den sozialen und materiellen Zusammenhang seines Wohnraums mitzubestimmen. Die Synergieeffekte die dies möglich machen, sollen im Laufe dieser Arbeit kenntlich gemacht werden. Zum Einen können durch die Bündelung der einzelnen finanziellen Ressourcen Mengeneffekte erreicht werden, sodass Anschaffungen gemacht werden können, die dem Einzelnen nicht möglich sind. Zum Anderen können alltägliche Belastungen und Verpflichtungen auf Mehrere verteilt werden. Gemeinschaftsprojekte vermitteln als freiwilliger Zusammenschluss von Individuen zwischen den Härten und Freiheiten der Individualisierung.[31] Es entstehen Gemeinschaften aus einer selbstbestimmten und reflektierten Handlung heraus und es entstehen so auch neue Projektionsflächen für neue Identitäten.[32] Die Betonung der Freiwilligkeit ist im Zusammenhang mit dem genannten Phänomen des Individualisierungsprozesses von entscheidender Bedeutung, denn dadurch unterscheiden sich diese Form von Gemeinschaften auf signifikante Art und Weise von Gemeinschaftsformen der Vergangenheit, die gerade durch bestimmte Zwänge entstanden sind.

Gemeinschaftliche Projekte bieten auch Projektionsflächen für neue Identitäten, da gemeinschaftliche Projekte als bedeutender empfunden werden können, als Leistungen, die ausschließlich nur durch das eigene Schaffen begründet sind. Man identifiziert sich mit dem gemeinschaftlichen Projekt, da sich auch ein Abbild des eigenen Selbst und der selbsterbrachten Leistung im Gemeinschaftsprojekt widerspiegelt. Der Entschluss zum Zusammenschluss für ein Wohnprojekt resultiert im Zusammenhang mit der Freiwilligkeit aus der ganz individuellen Lebenseinstellung und stellt sich im Vergleich zum standardisierten Wohnungsmarkt auch noch als etwas Besonderes dar. Durch den Zusammenschluss lassen sich Altbauten auf individuelle Art und Weise umbauen oder es entstehen gemeinschaftlich geplante Neubauten. Durch den gemeinschaftlichen Produktionsprozess entsteht ein „Wir-Gefühl“, das sich auch nach dem Abschluss der Produktion auf positive Weise auf das Zusammenleben auswirkt. Die Prinzipien der OGSH können die Möglichkeit eröffnen, seine Andersartigkeit darzustellen und ein Gegenmodell zu bestehenden Verhältnissen zu leben. Viele Menschen, auch gerade ältere Menschen, haben nicht die Möglichkeiten, sich ihr individuelles Beziehungsnetz zu knüpfen und vereinsamen infolgedessen. Es ist auch ein großer Zeit- und Koordinierungsaufwandes erforderlich, sein Kommunikationsbedürfnis nur über den räumlich weit verstreuten Freundeskreis zu befriedigen; hier kann es von Vorteil sein, in direkter Nachbarschaft zu leben. Ein zeitintensives Arbeitsleben erschwert auch häufig die Aufrechterhaltung von Kontakten bzw. die Möglichkeit, solche erst zu knüpfen. Es kann daher sehr praktisch sein, in ein bestehendes soziales Gefüge am eigenen Wohnort zurückzukehren oder im Falle eines Umzuges in ein bestehendes einziehen zu können.

Im Zuge von gemeinschaftlich organisierten Wohnprojekten lassen sich zudem Gemeinschaftsflächen planen, die den individuellen Freizeit- und Kommunikationsvorstellungen der einzelnen Mitglieder entsprechen. Es ist leichter, seine Kinder beaufsichtigen zu lassen und andere Hilfeleistungen in Anspruch zu nehmen. Der Intensitätsgrad der sozialen Kontakte innerhalb der Gemeinschaft ist frei wählbar, indem man das Verhältnis von privaten Rückzugsmöglichkeit und gemeinschaftlichen Flächen bei der Planung des Projektes festlegt. Gemeinschaftliche Wohnprojekte müssen daher nicht zwangsweise von romantisierenden Vorstellungen des Nachbarschaftsverhältnisses ausgehen, bei der jeder mit jedem eng befreundet ist und das allgemeine Zusammenleben durch Harmonie bestimmt ist. Dies ist lediglich eine Idealvorstellung, bei der jedes Projekt selbst bestimmen kann, inwieweit es den Versuch unternimmt, sich dieser Idealvorstellung durch eine entsprechende Planung zu nähern, oder auch der Gefahr aussetzt zu scheitern.

Eine primäre Grundvorrausetzung für gemeinschaftlich organisierte Wohnprojekte ist eine ausreichende Anzahl von Interessierten, die sich für ein solches Modell zusammen finden. Die Interessenten sollten auch bezüglich ihrer jeweiligen Werte- und Normenvorstellungen, sprich Lebenseinstellung, einen möglichst homogenen Pool bilden, da sonst die Gefahr des Scheiterns sehr groß ist. Gegenseitige Vertrauensbildung ist der „soziale Kitt“ der ein gemeinschaftlich organisiertes Wohnprojekt erst möglich macht.[33] Dass sich das Modell der organisierten Gruppenselbsthilfe in der Vergangenheit als ernsthafte Alternative zu gängigen Produktionsformen von Wohnraum erwiesen hat, soll im folgenden Kapitel durch einen kurzen geschichtlichen Abriss gezeigt werden.

4. Verschiedene Formen der OGSH im Lauf der deutschen Geschichte

Die Produktion von Wohnraum steht immer im engen Zusammenhang mit gesellschaftlichen Zuständen und dem damit verbunden Ressourcenmanagement. Die Wirtschaftlichkeit der Bauproduktion lässt sich durch ein Kräftedreieck von Geld, Zeit und Qualifikation beschreiben. Das Kräfteverhältnis innerhalb des Dreiecks ändert sich jeweils mit den sich ändernden ökonomischen und historischen Rahmenbedingungen.[34] Durch die Kräfteverschiebungen haben sich auch die Bedeutungen der Selbsthilfe und Eigenleistung jeweils verschoben.

Selbsthilfe ist eine traditionelle und auch heute noch übliche Form der Erstellung von Wohnraum. Nahezu Zweidrittel der heute weltweit existierenden Wohnungen wurde auf diese Weise errichtet.[35] In vielen anderen europäischen Ländern hat die Gruppenselbsthilfe im Wohnungsbau einen weit aus bedeutenderen Stellenwert als in Deutschland. Die OGSH wird auch als wertvolles Instrument im Bereich der Entwicklungshilfe gesehen. Diese Arbeit beschäftigt sich jedoch nur mit der OGSH in Deutschland. Erst im Zuge der Industrialisierung und der zunehmenden Arbeitsteilung hat sich die Produktion von Wohnraum in Deutschland zu Gunsten von Baufirmen mit ihren fachlichen Qualifikationen und ihren maschinellen Möglichkeiten verlagert. Baufirmen versuchen durch den Einsatz von standardisierten Fertigteilen und durch Maschineneinsatz den Faktor Zeit zu minimieren und durch eine äußerst differenzierte Produktions- und Entwicklungsplanung die Finanzierungskosten, sprich den Faktor Geld, ebenfalls zu reduzieren. Der Einsatz von normierten Bauteilen verlangt wiederum weniger Qualifikation bei der Montage.[36] Ein gutes Beispiel für die Perfektionierung dieser Bauweise sind Fertigbauhäuser, welche in der Fabrik vorgefertigt werden und sich innerhalb weniger Stunden „schlüsselfertig“ zusammensetzen lassen. Das Produktionsprinzip der Selbsthilfe durch Eigenleistung setzt aufgrund seines hohen Einsatzes von manuellen Tätigkeiten mehr auf den Faktor Zeit, um so wiederum den Faktor Geld herab senken zu können. Es zeigte sich, dass gerade in Zeiten wirtschaftlicher Not, Selbsthilfebauweisen die einzige Möglichkeit waren Wohnraum zu erstellen, so dass Selbsthilfe daher auch häufig mit Notbauweisen in Verbindung gebracht wird. Dass Selbsthilfe, und insbesondere die Gruppenselbsthilfe, aber nicht zwangsweise zu notdürftigen Lösungen führen müssen, zeigt sich am Beispiel der Genossenschaftsbewegung am Ende des 19. Jahrhunderts.

4.1. Die Genossenschaftsbewegung

Aufgrund der katastrophalen Wohnsituation, welcher breite Bevölkerungsschichten im 19. Jh. in großen Städten ausgesetzt waren, ergab sich eine Reformbewegung, die versuchte dieser Situation etwas entgegen zu setzen. Der Mietwohnungsbau und die Bodenspekulation führten zu Wohnpreisen, welche es vor allem für die Arbeiterschicht nur zuließ, in extrem beengten Wohnungen zu leben, die zudem durch ihre schlechten Luft- und Lichtverhältnisse geprägt waren.

Diese überfüllten Wohnquartiere mit ihren Mietskasernen bewogen eine Gruppe von Leuten, das Konzept der Baugenossenschaften zu entwickeln.[37] Einer der Pioniere war Victor Aimé Huber der 1848 eine Schrift mit dem Titel „Die Selbsthülfe der arbeitenden Klassen durch Wirtschaftsvereine und innere Ansiedlung “. Ähnliches wurde durch den Landesbaumeister C.W. Hoffman propagiert.[38] Nachdem einige Rahmenbedingungen von Seiten des Staates geschaffen wurden, wie die rechtlichen Grundlagen, z.B. das Genossenschaftsgesetz von 1889(GenG) mit der begrenzten Haftungspflicht und der Kreditmittelvergabe durch Sozialversicherungen, kam es zu einen regelrechten Boom von Genossenschaftsgründungen.

Unter der genossenschaftlichen Wohnform wird ein sozioökonomisches System verstanden, bei welchem sich Personen zusammenschließen, um ihre gemeinsamen Ziele von Wohnvorstellungen zu verwirklichen. Das Ziel einer Genossenschaft ist das Förderprinzip ihrer Mitglieder und nicht die Gewinnmaximierung. Das Kapital einer Gewerkschaft muss innerhalb der Gewerkschaft verbleiben und Gewinnausschüttungen an die Mitglieder finden nicht statt. Eine Genossenschaft ist ein gemeinnütziger Verein, der seine Aufgabe darin sieht, seinen Mitgliedern dauerhafte, sichere und kostengünstige Wohnbedingungen zu ermöglichen. Eine Genossenschaft erhebt lediglich Mieten, die kostendeckend sind, im Gegensatz zum Wohnungsmarkt, der durch privatwirtschaftliche Interessen bestimmt ist. Das einzelne Genossenschaftsmitglied erhält ein lebenslanges Dauerwohnrecht, zu meist sehr günstigen Mietverhältnissen innerhalb des Wohnungsbestands der Genossenschaft. Der Wohnungsbestand gehört der Genossenschaft als Ganzes und das einzelne Mitglied hat keine direkten Eigentumsanteile am Wohnbestand. Mitglied der Genossenschaft wird man durch den Kauf eines Genossenschaftsanteils, welcher unterschiedlich hoch sein kann. Ein Genossenschaftsmitglied ist somit Teilhaber an der Genossenschaft und zugleich Mieter der Genossenschaft. Die Summe der einzelnen Genossenschaftsanteile ergibt die Kapitaldecke der Genossenschaft. Jedes Mitglied hat eine Stimme bei der Vollversammlung, in der wichtige Grundsatzentscheidungen getroffen werden.

Die Grundsätze der Selbsthilfe und Selbstverwaltung sind innerhalb der verschiedenen Genossenschaften unterschiedlich ausgeprägt. Die speziellen Eigenschaften des Genossenschaftsprinzips sollen in einem späteren Kapitel noch einmal näher behandelt werden, im Zusammenhang mit möglichen Rechtsformen, welche sich eine Gruppenselbsthilfe geben kann. Das preußische Genossenschaftsgesetz von 1867 stellt den ersten gesetzlichen Rahmen für die OGSH in Deutschland dar. Die Genossenschaftsbewegung hat in Deutschland eine gewisse Vorreiterrolle in Bezug auf die organisierte Gruppenselbsthilfe übernommen. Die erste große Gründungswelle fand, wie bereits anfangs beschrieben, zu Ende des 19 Jh. statt. Die Reformierung des Genossenschaftsgesetzes von 1889 stellte sozusagen die Initialzündung dieser Wohnreformbewegung dar. Von 1890 wuchs die Anzahl der Wohnungsbaugenossenschaften von 50 auf 1122.[39] Eine Reformbewegung war es deswegen, weil es neben dem Prinzip der partizipatorischen Teilhabe auch in architektonischer und städtebaulicher Hinsicht starke neue Impulse setzte. Die sozial-kulturellen Einrichtungen der Genossenschaften, wie z.B. Kindergärten, Schulen, Bibliotheken und so weiter, waren ein weiterer wichtiger Bestandteil dieser Wohnreformbewegung, welche den lebensreformerischen Ansatz deutlich machen. Die sozialen Infrastrukturen waren lange Zeit Vorbilder für die Entwicklung eines modernen Wohlfahrtsstaates.[40] Eine zweite große Gründungswelle setzte nach dem Ende des 1.Weltkrieges ein. Zu dieser Zeit begann man jedoch auch von staatlicher Seite aus Wohnungspolitik zu betreiben, da man es den Genossenschaften nicht allein überlassen konnte, das Problem der Wohnungsnot zu lösen. Es wurde ein Wohnungsbaugesetz erlassen, das sich vor allem der Verhinderung von hochverdichteten Mietskasernenquartieren widmete. Zudem ergaben sich aus der Zusammenarbeit des Staates, der Gewerkschaften, von Unternehmern und Banken erste Wohnungsbaugesellschaften, Bauhütten und Finanzierungsinstitute, die in zunehmendem Maße die Genossenschaften in ihrer Versorgungsfunktion ablösten. Dass Gruppenselbsthilfe oft eine Antwort auf existenzielle Krisen in Notzeiten ist, zeigt sich durch die erneute Gründungswelle von Genossenschaften nach dem 2. Weltkrieg. Heute sind ungefähr 2,2 Millionen Mietwohnungen in Deutschland in Genossenschaftsbesitz, das sind ungefähr 10% aller Mietwohnungen in Deutschland.[41] Heute unterscheiden sich die großen Wohnungsbaugenossenschaften oft nicht wesentlich von anderen Wohnungsbauunternehmen. Ihr Förderungsauftrag ist zumeist nur auf die reine Wohnraumversorgung begrenzt. Die sozial-kulturellen Einrichtungen wurden durch die Infrastruktur des Wohlfahrtstaates ersetzt. Durch ihre Größe sind viele der heutigen Genossenschaften äußerst bürokratisch, und eine wirkliche Teilhabe am Management der Genossenschaft findet nur in sehr begrenztem Rahmen oder gar nicht statt. Zudem ist ein Großteil des Wohnungsbestandes schon sehr alt, wodurch die Wohnungen häufig sanierungsbedürftig sind und zudem die Grundrisskonzeptionen nicht mehr heutigen Wohnbedürfnissen entsprechen.[42]

4.2. Die Siedlerbewegung

Da Selbsthilfe gerade in Notzeiten gefordert ist und da Notzeiten auch Hungerzeiten sind, sind viele Selbsthilfehäuser mit entsprechender Landnutzung ausgerüstet, dies ist auch heute gerade in Entwicklungsländern so.

Als Reaktion auf die schlechten hochverdichteten innerstädtischen Gebiete Ende des 19 Jh. in Deutschland suchten viele ihr Heil in der Kleingartenbewegung. In der Nähe der großen Städte wurden Grundstücke in Anspruch genommen, die einen gewissen Grad der Selbstversorgung gewährleisteten konnten. Zeitgleich zum Beginn der Genossenschaftsbewegung wurden innerstädtischnahe und brachliegende Grundstücke durch Kleingärtner genutzt. Diese Gebiete waren aber zugleich auch Spekulationsgebiete, weswegen den Kleingärtner auch nur befristete Pachtverträge zugewiesen wurden, wenn überhaupt Pachtverträge ausgestellt wurden. Die Nutzung dieser Spekulationsgebiete durch Kleingartensiedlungen war daher nur temporär möglich und dementsprechend waren auch die baulichen Anlagen nur dahingehend ausgerichtet. Man sprach daher von den „Gartenzigeunern“[43] So entstanden einfache Bretter- und Blechbuden- Siedlungen, die schnell abgerissen werden konnten und dann an neuer Stelle wieder entstanden. Im Zuge des 1. Weltkrieges gewannen diese Siedlungsformen jedoch an Bedeutung, da hier auch der „Kriegsgemüseanbau“ möglich war und deswegen diese Siedlungen durch die Kleingartenverordnung von 1919 eine Legitimierung von staatlicher Seite erfuhr. Nach dem 1. Weltkrieg entstand eine große Anzahl von Kleinsiedlungen oder auch Erwerbslosensiedlungen, welche den Siedlern ein Überleben in schlechten Zeiten ermöglichen sollte. Diese Siedlungen waren nicht mehr nur temporär angelegt sondern wurden auch von Architekten wie Bruno Ahrend fachlich unterstützt, um eine dauerhafte Überlebensmöglichkeit zu gewährleisten. Ahrens entwarf für eine Siedlung in Werneuchen bei Berlin Haustypen, bei denen neben bescheidenen Wohnräumen auch wahlweise Werkstätten, Ställe und Scheunen integriert waren.[44]

Da der soziale Wohnungsbau Ende der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts auf Mieter eingestellt war, die ein festes Einkommen hatten und es diese nur begrenzt gab, mussten viele Menschen auf der Strasse leben. Der Mietwohnungsbau produzierte Wohnungsangebote, welche für die Nachfrageseite nicht finanzierbar waren, und daher kam auch der soziale Wohnungsbau selbst zum Erliegen. Ein Fünftel der damaligen 5 Millionen Arbeitslosen stammte aus dem Baugewerbe.

Mit einer Notverordnung wurden 1929 von der Weimarer Republik Programme gestartet, welche diesem Zustand entgegenwirken sollten. Diese Notverordnung sah vor, dass Gemeinden zwangsweise billiges Pachtland zu Verfügung stellen mussten, und auf diese Weise entstanden 30.000 neue Siedlerstellen. Unter der Anleitung von professionellen Bauarbeitern schufen arbeitslose Bewerber um diese Siedlerstellen ganze Siedlungen mit der Aussicht, eine dieser Siedlerstellen in Erbpacht zu erlangen.

Doch nicht nur den Erwerbslosen kam die staatlich subventionierte und geförderte Wohnungspolitik zu gute, sondern auch den Erwerbstätigen. Dies geschah in der Weise, dass so genannte Werkssiedlungen mit staatlicher Förderung errichtet wurden, in besonderem Maße geschah dies zur Zeit der Nationalsozialisten. Dies sollte die Identifikation mit dem Unternehmen stärken und zudem zu Zeiten der Arbeitsflaute Arbeit beschaffen. Zudem stellten die Werksiedlungen eine „…personalpolitisch bessere Manövriermasse“ [45] dar.

In der Zeit der Nationalsozialisten wurde außerdem die deutsche Arbeiterfront gegründet (DAF). Die DAF gründete eine große Anzahl von Klein- und Selbsthilfesiedlungen, die durch eine generalstabsmäßige Planung gekennzeichnet waren. Der einzelne Selbsthelfer wurde ebenso wie das Baumaterial eingeplant und eingesetzt. Dies führte zu Standardisierungen, Normierungen und den Aufbau einer spezifischen Gruppenselbsthilfe-Bürokratie.

Nach den Zerstörungen des 2. Weltkrieges war Selbsthilfe und Gruppenselbsthilfe Grundvoraussetzung für den Wiederaufbau. Der Wohnungs- und Kleinsiedlungsbau wurde durch das erste Wohnungsbaugesetz von 1950 gefördert, und man setzte hierbei insbesondere auf die Gruppenselbsthilfe und deren Organisation durch gemeinnützige Träger. In der Zeit zu Beginn der BRD wurde die Förderung des Eigenheims fokussiert und es entstand ein große Anzahl von Neubausiedlungen in Einfamilienhausbauweise. In folgendem Zitat von Konrad Adenauer werden die Grundsätze der deutschen Wohnungsbaupolitik deutlich, welche unter anderem für das Ortsbild vieler Dörfer, Kleinstädte und auch der Städte in Deutschland mit verantwortlich sind:

„Das Siedlungshaus mit Garten ist nach jeder Richtung hin als die glücklichste Verwirklichung des Familienheimsgedankens anzusehen…10.000 Eigenheim-Siedlungshäuser…sind auf die Dauer nach meiner Überzeugung sozial viel wertvoller als 20.000 Mietwohnungen in großen Wohnblocks im Eigentum einer kollektiven Genossenschaft“[46]

4.3. Instandbesetzung

Die Stadterneuerung war lange Zeit in Deutschland durch Abriss und Neubau bestimmt. Durch diese Form der Erneuerung wollte man städtebaulichen Missständen entgegenwirken und zugleich neue Standards setzen. Diese sollten den Kriterien von mehr Komfort, Hygiene, Luft und Licht entsprechen. Des Weiteren war es die Zielsetzung mehr Parkplätze und Freiflächen zu schaffen und, gemäß den Prinzipen des funktionalen Städtebaus, störende Gewerbe aus den Wohngebieten zu entfernen. Altbauten galten als Versinnbildlichung desjenigen, was man glaubte, überwinden zu müssen. Eine Sanierung und Modernisierung dieser galt als überflüssig, wenn sie denn mehr als 40% der Baukosten eines vergleichbaren Neubaus ausmachten.[47]

Im europäischen Denkmaljahr von 1975 begann eine Diskussion, welche dazu anregte die Qualitäten des Altbaus wieder zu entdecken bzw. neu zu entdecken. Wohnwerte, wie großzügigere Deckenhöhen, Grundrisse, Zimmergrößen und ästhetische Gesichtspunkte wie Stuck, Fassaden, Proportionen, Baukörper und Fenster wurden nicht mehr nur unter rein rationellen und modernistischen Gesichtspunkten betrachtet. Hinzukam, dass durch den Abriss von billigen Wohnungen bzw. deren Umwandlung mit mietwirksamen Anpassungen der Wohnungsmarkt für Menschen mit geringen Einkommen immer enger wurde. Dies ergab sich auch dadurch, dass diese sich zum Teil nicht den Wohnvorstellungen des modernistischen Städtebaus unterordnen wollten und so die Neubauwohnungen des „sozialen Wohnungsbaus“ für diese als Ausweichfläche nicht in Frage kamen.

Ein klassisches Beispiel für das Aufeinadertreffen verschiedener Wohnvorstellungen und dem sich daraus ergebenden Konfliktpotenzial war der Berliner Stadtteil Kreuzberg. 1963 wurde ein Stadterneuerungsprogramm verabschiedet, welches vorsah, durch eine direkte Autobahnanbindung, der Auslagerung von Gewerbe und die großmaßstäbliche Ersetzung des Altbaus durch Neubau, die Wohnqualität dieses Stadtteils zu verbessern. Zur Realisierung dieses Stadterneuerungsprogramms war es notwendig, betroffene Altbauten zu „entmieten“, so dass bald ein großer Teil des Altbaubestandes leer stand und in einem noch schnelleren Tempo verfiel. Für die Hausbesitzer war es mittelfristig lukrativer ihre Grundstücke im Stadterneuerungsgebiet zu verkaufen oder neu zu bebauen, als den Altbau instand zu halten. Für einen Teil der Bevölkerung galt dies jedoch als Verschwendung von Bausubstanz und Wohnraum, und zudem waren diese Erneuerungsmaßnahmen auch mit dem dafür notwendigen Wegzug großer Bevölkerungsteile verbunden. Aus dieser Haltung heraus entschlossen sich einzelne Gruppen dazu, die leerstehenden Häuser zu besetzen. Bei den ersten demonstrativen Besetzungen 1979 machten Laien vor, wie es durch Selbst- und Gruppenselbsthilfe möglich war, die Bausubstanz zu erhalten.

Nachdem nach kurzer Zeit mehr als 170 Häuser besetzt waren, war es für die Stadtpolitik notwendig geworden, ihr Vorgehen zu überdenken und nach Handlungsalternativen zu suchen. So wurde 1981 im Berliner Senat ein Finanzierungsprogramm verabschiedet, welches die Selbsthilfe im Wohnungsbau unterstützen sollte. Des Weiteren wurden Sanierungsträger nach §34 des Städtebauförderungsgesetzes beauftragt, Ansätze und Strategien zu entwickeln, die eine behutsame Stadterneuerung ermöglichen sollten. Im Vordergrund stand auch gerade die Altbausanierung durch Selbsthilfe der Betroffenen. Die praktische Erprobung dieser neuen Formen der Stadterneuerung in Selbstbestimmung der betroffenen Bewohner wurde zu einem Eckpfeiler der IBA-Politik.[48] Es mussten für die an Selbsthilfe interessierten Gruppen, Organisations- und Finanzierungskonzepte ausgearbeitet werden, damit eine Überführung der besetzen Häuser in eine legale Nutzung möglich war und zudem die finanziellen Belastungen und Risiken für die Gruppen tragbar waren. Die fachliche und professionelle Unterstützung der Gruppen und die Bildung von Netzwerken für den Erfahrungsaustausch waren für diese Art der Stadterneuerung ebenso notwendig wie das hohe Engagement und die Motivation der betroffenen Gruppen. Diese Form der organisierten Gruppenselbsthilfe und des bürgerlichen Engagements ermöglichte es, dass große Teile der Altbausubstanz vom Abriss verschont blieben und dass sich diese Menschen, ihren eigenen Nutzungsansprüchen entsprechend, den Wohnraum gestalten konnten. Zudem konnten die Gebäudebestände häufig dem Spekulationsmarkt entzogen werden, was wiederum mit einer gewissen Kostensicherheit für die Nutzer verbunden ist.

Diese Form der Altbausanierung ist auch gerade für die Zukunft von großer Bedeutung, da es vermutlich zukünftig keinen quantitativen Mangel an Wohnraum in Deutschland geben wird, doch qualitative Aufwertung und die nutzerspezifische Umgestaltung des vorhanden Wohnraumes, so durch die Nutzer selbst vollzogen werden können.

5. Die organisierte Gruppenselbsthilfe im Überblick

Nachdem eine kurze Beschreibung der OGSH, ein gesamtgesellschaftlicher Zusammenhang in einer eher abstrakteren und sehr allgemeinen Art und Weise vollzogen wurde, soll nun detaillierter auf diese eingegangen werden. In diesem Kapitel sollen die rechtlichen, finanztechnischen, organisationsspezifischen, planungsspezifischen und baubezogenen Besonderheiten des OGSH Modells vorgestellt werden. Es wird bei der OGSH immer davon ausgegangen, dass die Gruppe, die sich zum Ziel der Verwirklichung gemeinsamer Wohnvorstellungen zusammenfindet, auch immer bestimmte Bauarbeiten, sei es bei der Sanierung oder beim Neubau, in Eigenleistung erbringt. Prinzipiell ist es natürlich auch möglich, sämtliche Bauarbeiten an Baufirmen zu vergeben und trotzdem ein enges nachbarschaftliches Zusammenwohnen gemeinsam zu planen. Der Versuch einen Überblick über die Einzelheiten der OGSH zu vermitteln, gestaltet sich schwierig, da versucht wird, nur die Prinzipien der OGSH herauszukristallisieren. Die Richtigkeit der getroffenen Aussagen ist in Bezug auf alle möglichen Erscheinungsformen der OGSH dann doch immer wieder im Einzelfall zu überprüfen. Es wird ansatzweise auf die einzelnen Gestaltungsformen der OGSH eingegangen, doch werden die möglichen Modelle und deren Varianten nicht explizit vorgestellt, sondern es werden Aussagen allgemeiner Art getroffen, um so den Grundprinzipien der OGSH und den sich daraus ergebenden Möglichkeiten näher zu kommen. Im nächsten Kapitel wird der zeitliche Ablauf der OGSH beschrieben. Bestimmte Einzelheiten sollen in den darauf folgenden Kapiteln nochmals näher erläutert werden.[49]

5.1 Die zwei Modelle der organisierten Gruppenselbsthilfe

Die Formen und Ergebnisse der OGSH können in ihrer Realisierung höchst unterschiedlich sein. OGSH kann in Bereich des Einfamilienhausbaus ebenso zum Tragen kommen, wie bei Initiierung eines Hausprojektes, das durch seine hohe soziale Dichte und Kollektivität bestimmt ist. Prinzipiell lassen sich jedoch alle Projekte zunächst nach zwei Kategorien einordnen. Entweder sind sie dem Träger- oder dem Initiativmodell zuzuordnen.

[...]


[1] Zit. Keupp 2002, S.7

[2] nach Flade 1993, S.47

[3] vgl. Harloff 1993; 31ff

[4] Zit. Flade 1993, S.50;

[5] vgl Harloff 2000, S.38

[6] Statistisches Bundesamt 2004

[7] Flade2006, S.158ff

[8] vgl. IRS 1998a, S. 1ff; vgl. Fuchs 2002, S 6ff s. Hypothesen

[9] Interviewzitat – Die Interviews befinden sich im Anhang; Zitierweise wird im Kapitel 9.2 Die einzelnen Arbeitschritte/Transkription erklärt

Die Aussagen sind „zusammengeschnitten“

[10] vgl. Beck 1983, S.35-74 ; Beck 1986, 121ff ;

[11] Beck 1995

[12] Tönnies 1988, S. 3

[13] Reese – Schäfer 2001, S. 13f

[14] Metcalf, Blömer 2001, S. 8

[15] vgl. Keupp 1999, S.4

[16] vgl. Dahrendorf 1979

[17] vgl. Keupp, 1999, S.4

[18] Zit. Keupp 1999, S.5

[19] vgl. Pappi 1987;

[20] Zit. nach Vierecke 1972; S.15

[21] Zit. Hamm 1973; S.18

[22] vgl. Vierecke 1972; S.15ff

[23] vgl. Vierecke 1972; S.47

[24] Zit. Vierecke 1972, S.47

[25] vgl. Klages 1958, S.127

[26] Nützel 1993

[27] Cooley 1909; S.205

[28] vgl. Hamm 1973, S 82

[29] Interviewzitat – Die Interviews befinden sich im Anhang; Zitierweise wird im Kapitel 9.2 Die einzelnen Arbeitschritte/Transkription erklärt

[30] Die Aussagen sind „zusammengeschnitten“

[31] vgl. L. Straeter 2002, S.9

[32] vgl. L. Straeter 2002, S.36

[33] Vgl. Fuchs 2000, S.6

[34] vgl. Blomeyer 1987, S.17

[35] vgl. Vollny 1995, S.85 vgl. IRS 1998a, S.1

[36] vgl. Blomeyer 1987, S.17

[37] Vgl. Arndt 1989, S.3

[38] vgl. Jenkis 1973, S.62

[39] Vgl. Novy 1983, S.9

[40] Vgl. Arndt 1989, S.46

[41] vgl. Senatsverwaltung Berlin 2001, S.10

[42] vgl. Arndt 1989,S.4 vgl. Novy, 1983, S.55

[43] vgl. Blomeyer 1987, S.20

[44] vgl. Blomeyer 1987, S.22

[45] Zit. Blomeyer 1987, S.24

[46] Zit. in Gödde 1992, S.22

[47] vgl. Blomeyer 1987, S.79

[48] vgl. Blomeyer 1987,S.82

[49] Die Darstellung der OGSG geht hauptsächlich folgende Bücher zurück: Blomeyer 1987; Fuchs 2000; IRS 1998a; IRS 1998b

Ende der Leseprobe aus 254 Seiten

Details

Titel
Nachhaltige Nachbarschaften durch die organisierte Gruppenselbsthilfe im Wohnungsbau?
Hochschule
Brandenburgische Technische Universität Cottbus  (Fakultät 2: Architektur, Bauingenieurwesen und Stadtplanung)
Note
2,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
254
Katalognummer
V71355
ISBN (eBook)
9783638618373
ISBN (Buch)
9783638721806
Dateigröße
7894 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
160-Seiten-Anhang
Schlagworte
Nachhaltige, Nachbarschaften, Gruppenselbsthilfe, Wohnungsbau
Arbeit zitieren
Kristian Wulkau (Autor), 2007, Nachhaltige Nachbarschaften durch die organisierte Gruppenselbsthilfe im Wohnungsbau?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/71355

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