Bisher stützte sich die Kreditwürdigkeitsprüfung der Banken im Wesentlichen auf die Analyse der wirtschaftlichen Lage. Durch Vorlage von Jahresabschlüssen der Vorjahre, ergänzt durch aktuelle Zahlen, wurde das Risiko des Kredits eingestuft. Durch die Neuregelung der Eigenkapitalausstattung für Banken durch den Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht (Basel II) rückt die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens stärker ins Blickfeld. Dazu gehören beispielsweise die Unternehmensstrategie, die Managementqualität, die Innovationskraft oder das Marktumfeld, die sich nicht aus den Bilanzen ablesen lassen. Bei Ratings werden solche qualitativen Fakten mit quantitativen Daten verknüpft. Dadurch entsteht eine ganzheitliche Gesamtsicht auf das Unternehmen, die nicht nur die Verhältnisse des Unternehmens, sondern auch z.B. das Marktumfeld bewertet.
Doch die Ratings werden bzw. wurden speziell durch den deutschen Mittelstand mit Skepsis betrachtet. Die Angst geht (bzw. ging) um, Ratings könnten den enorm wichtigen Weg der Kreditfinanzierung für klein- und mittelgroße Unternehmen (KMU) blockieren. Bei der Finanzierung von Mittelstandsinvestitionen kommt Bankkrediten eine überragende Bedeutung zu. 27,5 Prozent der Unternehmen halten Kredite für unverzichtbar, weitere 33,9 Prozent für sehr wichtig. Vor allem bei Kleinstunternehmen mit einer Zahl von 1 bis 4 Mitarbeitern und einem Umsatz von unter 250.000 Euro, deren Zahl zwischen 2001 und 2005 von 45,7 auf 48,6 Prozent gestiegen ist , ist (bzw. war) die Sorge groß. Hat der Mittelstand Sorgen, ist die Gefahr der Ausbreitung auf die gesamte Wirtschaft groß. Schließlich repräsentieren die rund 4 Millionen selbständigen Mittelständler in Deutschland 2005 über 70 Prozent aller Arbeitsplätze und 82 Prozent aller Lehrstellen. Knapp 49 Prozent der Wertschöpfung, was rund 1.100 Milliarden Euro entspricht, wird vom Mittelstand erbracht.
Diese Arbeit soll in Anrissen zeigen, welche Daten beim internen Rating untersucht werden, um dadurch Ängsten zu begegnen. Denn ein in der Literatur immer wieder genannter Vorteil von Basel II ist zukünftig die Möglichkeit für Kreditnehmer, Kreditkonditionen aktiv mitbestimmen zu können und dadurch unmittelbar den Unternehmenserfolg zu beeinflussen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Ausgangslage für die Kreditinstitute
3. Definition „Rating“ – wofür das ganze?
4. Ablauf eines (internen) Rating
5. Soll-/Ist-Analyse – Die Gegebenheiten im Mittelstand in Deutschland
6. Problemanalyse und Lösungsansätze
7. Rating in der Praxis – das Beispiel Sparkasse der Stadt Straelen
8. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Auswirkungen des durch Basel II eingeführten internen Ratings auf die Kreditvergabe an den deutschen Mittelstand. Ziel ist es, die bestehenden Ängste kleiner und mittlerer Unternehmen vor einer möglichen Kreditklemme zu analysieren und aufzuzeigen, dass ein Rating bei transparenter Kommunikation auch als Chance für eine optimierte Finanzstruktur begriffen werden kann.
- Grundlagen des Banken-Ratings und Anforderungen von Basel II
- Analyse der spezifischen Situation und Schwachstellen im deutschen Mittelstand
- Untersuchung von quantitativen und qualitativen Bewertungskriterien
- Praxisbeispiel: Rating-Prozesse bei der Sparkasse der Stadt Straelen
- Strategische Chancen und Empfehlungen zur Verbesserung der Bonität
Auszug aus dem Buch
4. Ablauf eines (internen) Ratings
Bei einer modernen Kreditwürdigkeitsprüfung, einem Rating, werden Bilanzkennzahlen, also quantitative Daten, mit solchen Daten kombiniert, die die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens bewerten. Klassische K.o.-Kriterien, bei deren Vorliegen erst gar kein Rating durchgeführt wird, sind: Kreditkündigungen, Kontopfändung, lange, unvereinbarte Überziehung, negative, persönliche Erfahrung der Bank oder negative SCHUFA-Auskunft.
Grundsätzlich gilt: Fehlende oder lückenhafte Daten fließen wegen der Unsicherheit negativ ins Rating ein. Deshalb hat Transparenz zwischen Kunde und Bank oberste Priorität. Aus der passiven Mitwirkung entsteht die Möglichkeit einer aktiven Einflussnahme.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beleuchtung der neuen Anforderungen durch Basel II und der damit verbundenen Skepsis im deutschen Mittelstand bezüglich der künftigen Kreditversorgung.
2. Ausgangslage für die Kreditinstitute: Erläuterung der Motivation hinter Ratings und Darstellung der von Banken angewandten Prüfkriterien unter Berücksichtigung der Baseler Vorgaben.
3. Definition „Rating“ – wofür das ganze?: Definition des Ratingbegriffs als Risikobeurteilungsprozess sowie Differenzierung zwischen internen und externen Ratings und deren Kennzahlen.
4. Ablauf eines (internen) Rating: Detaillierte Darstellung, wie quantitative Bilanzdaten mit qualitativen Faktoren verknüpft werden, um die Bonität eines Unternehmens zu bestimmen.
5. Soll-/Ist-Analyse – Die Gegebenheiten im Mittelstand in Deutschland: Analyse der internen Schwachstellen vieler Mittelständler, wie etwa unzureichendes Controlling oder fehlende Transparenz gegenüber der Hausbank.
6. Problemanalyse und Lösungsansätze: Diskussion über die Abhängigkeit des Ratings von individuellen Bankmitarbeitern und Aufzeigen von Lösungsansätzen durch verbesserte Kommunikation und strategische Unternehmensführung.
7. Rating in der Praxis – das Beispiel Sparkasse der Stadt Straelen: Ein konkretes Fallbeispiel zur Anwendung von Rating-Systemen und der Gewichtung unterschiedlicher Unternehmensgrößen und Branchen.
8. Fazit: Zusammenfassende Bewertung, dass Basel II keine pauschale Kreditklemme verursacht, sondern vielmehr Unternehmen dazu anregen sollte, durch Transparenz und Optimierung die eigene Bonität zu stärken.
Schlüsselwörter
Basel II, Interne Ratings, Mittelstand, Kreditvergabe, Bonität, Risikomanagement, Bilanzkennzahlen, Qualitative Faktoren, Eigenkapital, Finanzierung, Transparenz, Controlling, Sparkasse, Ausfallwahrscheinlichkeit, Unternehmensführung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Seminararbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Einführung von internen Ratings für Mittelstandskredite im Zuge der Basel II-Richtlinien und untersucht, ob diese Entwicklung für Unternehmen eine Gefahr oder eine Chance darstellt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Im Zentrum stehen die Anforderungen an eine moderne Kreditwürdigkeitsprüfung, die Defizite in der Mittelstandskultur (insb. Controlling) und die Möglichkeiten einer proaktiven Rating-Optimierung.
Welches primäre Ziel verfolgt der Autor?
Der Autor möchte durch eine detaillierte Analyse der Ratingkriterien Ängste abbauen und verdeutlichen, dass Transparenz gegenüber Banken langfristig bessere Kreditkonditionen ermöglichen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wurde für die Arbeit verwendet?
Es wurde eine literaturbasierte Analyse durchgeführt, ergänzt durch ein praktisches Fallbeispiel bei der Sparkasse der Stadt Straelen sowie persönliche Gespräche mit Bankexperten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die methodische Beschreibung von Rating-Abläufen, die Analyse typischer Schwachstellen deutscher Mittelständler und die Ausarbeitung von Lösungsstrategien für eine bessere Kommunikation mit Banken.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Basel II, Rating, Mittelstand, Bonität, Kreditfinanzierung, Transparenz, Controlling und Eigenkapital sind die prägenden Begriffe.
Wie gewichtet die Sparkasse der Stadt Straelen die qualitativen Faktoren im Rating?
Der Bereich "Markt und Produkt" wird am höchsten gewichtet (50 Prozent), gefolgt von Unternehmensführung, Planung/Steuerung und Wertschöpfungskette, die jeweils mit 10 Prozent in das Rating einfließen.
Warum wird der Bankmitarbeiter als potenzielle Schwachstelle identifiziert?
Da trotz standardisierter Fragen subjektive Eindrücke und persönliche Erfahrungen des Firmenkundenbetreuers in die finale Einschätzung einfließen können, bleibt ein gewisser Ermessensspielraum bestehen.
- Arbeit zitieren
- Daniel Gonzales-Tepper (Autor:in), 2006, Interne Ratings - Gefahr oder Chance für Mittelstandskredite?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/71368