Jugendarbeitslosigkeit in der Schweiz und in Polen

Die potentiellen Ursachen, Massnahmen zur Behebung des Problems, sowie eine Analyse der Einflüsse des erweiterten Personenfreizügigkeitsabkommens


Studienarbeit, 2006
27 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Potentielle Ursachen und Massnahmen zur Bekämpfung von Jugendarbeitslosigkeit
2.1 Definition von Jugendarbeitslosigkeit
2.2 Mögliche Ursachen für Arbeitslosigkeit
2.2.1 Die Entwicklung der Arbeitslosigkeit in der Schweiz
2.2.2 Der internationale Vergleich
2.2.3 Mögliche Ursachen der Jugendarbeitslosigkeit
2.3 Massnahmen gegen Jugendarbeitslosigkeit

3 Jugendarbeitslosigkeit in der Schweiz – Ein Vergleich mit dem EU-Beitrittsland Polen
3.1 Jugendarbeitslosigkeit in Polen

4 Mögliche Auswirkungen der EU-Osterweiterung und der erweiterten Personenfreizügigkeit auf die Jugendarbeitslosenquote in Polen und in der Schweiz
4.1 Personenfreizügigkeit – Die Abstimmung
4.2 Potentielle Auswirkungen auf die Jugendarbeitslosigkeit in der Schweiz

5 Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Gemäss dem Staatssekretariat für Wirtschaft (seco) waren im Juli 2006 durchschnittlich 21’757 Jugendliche Schweizer und Schweizerinnen im Alter von 15 bis 24 Jahren bei einem Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) zur Stellensuche gemeldet. Rund 70% davon waren arbeitslos, die restlichen 30% befanden sich in einer Massnahme zur vorübergehenden Beschäftigung oder erhielten Zwischenverdienst. Mit 3.9% lag die Arbeitslosenquote der 15-24- Jährigen über der gesamtgesellschaftlichen Arbeitslosigkeit von 3.1%. Gemäss Schweizerischer Arbeitskräfteerhebung (SAKE) melden sich rund 85% aller erwerbslosen Jugendlichen bei einem RAV.[1]

In Polen sehen diese Zahlen noch viel erschreckender aus. Es ist dasjenige Land der EU25[2], welches die höchste Jugendarbeitslosenquote zu verzeichnen hat. Gemäss Eurostat[3] lag diese 2004 bei über 40%. Insgesamt waren rund 19% aller Polen arbeitslos registriert. Diese Zahlen sind in den letzten zwei Jahren zwar gesunken, liegen aber dennoch sehr hoch. Die Jugendarbeitslosigkeit in Polen betrug im Juni 2006 32.3%. In Europa gilt, dass die jüngste Erwerbsgeneration im Vergleich mit allen erwerbstätigen Altersklassen am meisten vom Problem der Arbeitslosigkeit betroffen ist.

Die sozialen Konsequenzen für die Jugendlichen und die volkswirtschaftlichen Folgen für den Staat sind gravierend, und stellen eine grosse Herausforderung für Gesellschaft und Politik dar.

Das „Ja“ zur erweiterten Personenfreizügigkeit am 25. September 2005, stellt die Schweiz vor neue wirtschaftliche Herausforderungen. Es stellt sich die Frage inwiefern diese osteuropäischen Erwerbslosenverhältnisse den Schweizer Arbeitsmarkt beeinflussen werden.

Im vorliegenden Text wird diese Fragestellung spezifisch bezüglich der Jugendarbeitslosigkeit in den beiden Ländern Schweiz und Polen thematisiert. Auch potentielle Ursachen der Jugenderwerbslosigkeit und Massnahmen zur Verbesserung der Situation am Beispiel des schweizerischen Arbeitsmarktes, werden untersucht.

Ziel der Arbeit ist, diese Thematik zu analysieren, und neueste Erkenntnisse, aufgrund aktuellsten schweizerischen und polnischen Informationen zu gewinnen.

2 Potentielle Ursachen und Massnahmen zur Bekämpfung von Jugendarbeitslosigkeit

2.1 Definition von Jugendarbeitslosigkeit

Gemäss dem Staatsekretariat für Wirtschaft (seco) gelten folgende Definitionen[4]:

Jugendliche Menschen im Alter zwischen 15-24 Jahren.

Arbeitslosenquote Zahl der registrierten Arbeitslosen am Stichtag, geteilt durch die Zahl der Erwerbspersonen (seit 1. Januar 2000: 3,946,988 Personen) gemäss Eidgenössischer Volkszählung der Schweiz.

Registrierte Arbeitslose Personen, welche bei einem Regionalen Arbeitsvermittlungs-zentrum (RAV) gemeldet sind, keine Stelle haben und sofort vermittelbar sind. Dabei ist unerheblich, ob diese Personen eine Arbeitslosenentschädigung beziehen oder nicht. (Ganzarbeitslose suchen eine Vollzeitstelle; teilweise Arbeitslose eine Teilzeitstelle.)

2.2 Mögliche Ursachen für Arbeitslosigkeit

2.2.1 Die Entwicklung der Arbeitslosigkeit in der Schweiz

Die Statistik bis 2004 zeigt, dass die Entwicklung der Arbeitslosenrate nach Altersklassen sehr unterschiedlich verlief. Im Vergleich liegt die allgemeine- deutlich unterhalb der 15-24-Jährigen- Erwerbslosenquote. Diese Charaktereigenschaft der Jugendarbeitslosigkeit erkannte auch Niall O’Higgens (1997) im internationalen Vergleich.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Grafik 1: Jugendarbeitslosenquoten seit 1990 (Quelle: BFS; SAKE)

Gemäss Schweizerischer Arbeitskräfteerhebung (SAKE) des Bundesamtes für Statistik (BFS), welche auch Personen erfasst, die nicht bei einem RAV gemeldet sind, betrug die Zahl der im Jahr 2005 erfassten Jugendlichen, rund 28’043. Dies entspricht 19% aller in diesem Jahr gemeldeten Arbeitslosen. Anfangs der Neunzigerjahre schienen die Jugendarbeitslosenzahlen laut der oben stehenden Grafik noch harmlos. Erst im Jahr 1991 wurde die Zwei-Prozent-Marke überschritten. Mitte der Neunziger aber, stiegen die entsprechenden Raten an. Auslöser mögen die schleppenden Wirtschaftszeiten gewesen sein. Dann erfolgte eine temporäre Erholungsphase mit Tiefpunkt im Jahr 2000, bis dann aber 2001 die Lage wieder angespannt wurde. Verantwortlich dafür sind wohl die allgemein weltwirtschaftlichen Schicksalsschläge, mit Beginn der Terrorakte vom 11.September 2001. Es folgte der Irakkrieg, sowie auch Naturkatastrophen. Diese exogenen wirtschaftshemmenden Ereignisse, liessen vor allem die Ölpreise stark anstiegen, wodurch die Konjunktur sich verschlechterte. Diese führte zum erneuten Anstieg der Erwerbslosigkeit.[5]

Die Erwerbslosenquote im Vergleich zwischen Mann und Frau heute, veranschaulicht folgende Tabelle:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Erwerbslosenquote (in %) (Datenquelle: SAKE 2005, Eigene Darstellung)

Der Vergleich zeigt, dass die Arbeitslosenquote der Männer generell unterhalb derjenigen, der Frauen liegt, mit Ausnahme der Altersklasse „55 Jahre und älter“. Offenbar finden Frauen in diesem Alter einfacher eine Arbeit, als die gleichaltrigen Männer. Der statistisch ermittelte Unterschied ist jedoch sehr gering.

2.2.2 Der internationale Vergleich

Der internationale Vergleich zeigt dass die Jugendarbeitslosigkeit in der Schweiz nach wie vor tief liegt. Dies spricht für unser duales Berufsbildungssystem[6] und für eine hohe Aufnahmefähigkeit des schweizerischen Arbeitsmarktes. Die Grafik 2 zeigt die Jugendarbeitslosigkeit in der Schweiz im Vergleich mit einigen wichtigen Handelspartnern:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Grafik 2: Internationaler Vergleich der Jugendarbeitslosigkeit (Quelle: BFS; eurostat: Zugriff am 26.8.06)

Der internationale Vergleich zeigt vor allem, dass jene Länder mit hoher Jugendarbeitslosigkeit, in denen keine duale Berufsbildung den Weg in den ersten Arbeitsmarkt führt. Die Schweiz befindet im untersten Viertel. Mit Österreich, Irland und den Niederlanden wird sie allerdings von Volkswirtschaften überholt, die durchaus mit der Ökonomie hierzulande vergleichbar sind, welche ebenfalls klein und offen sind.

2.2.3 Mögliche Ursachen der Jugendarbeitslosigkeit

Die folgenden potentiellen Ursachen für Jugendarbeitslosigkeit stammen aus einer Studie des seco und des Bundesamtes für Bildung und Technologie (BBT)[7] im Auftrag des EDV, sowie der

Studie von Petra Huth der Credit Suisse Economic Research Group (2006)[8].

Übergangsproblematik: Die bedeutendsten Übergänge auf dem Bildungsweg erfolgen von der obligatorischen Schule zur Berufsbildung (Übergang I) und von der Berufsbildung auf den Arbeitsmarkt (Übergang II). Diese Schnittstellen stellen vor allem für Geringqualifizierte „Stolpersteine“ dar.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Grafik 3: Risikoschwellen auf dem Ausbildungsweg bis zum Eintritt in den Arbeitsmarkt (Eigene Darstellung)

Konjunktursensibilität: In konjunkturschwachen Zeiten, leidet der Arbeitsmarkt. Das heisst, je geringer das Wirtschaftswachstum ist, umso höher liegt die Arbeitslosenrate. Diesen Zusammenhang zeigte Artur Okun (1962) mit dem Okun’schen Gesetz[9]. Unternehmen, welche zu einem Abbau ihrer Personalbestände gezwungen sind, tun dies häufig, indem sie natürliche Abgänge nicht mehr ersetzen. Jugendliche welche das Bildungssystem noch ohne Berufserfahrung verlassen, haben daher in Zeiten schwacher Konjunktur besonders Mühe den Einstig in den Arbeitsmarkt zu finden.

Demographie: Huth (2006) erklärt, dass es die geburtenstarken Jahrgänge, die Kinder der Babyboomer sind, die in den nächsten Jahren auf den Arbeitsmarkt drängen werden. Demnach nehmen die Arbeitsmarkteintritte bis dahin zu und stabilisieren sich auf diesem Niveau; erst ab 2013 nehmen die Neuzugänge dieser Altersgruppe ab. Gleichzeitig treten vermehrt ältere Arbeitnehmer aus. Ab ca. 2025 erreicht diese Scherenentwicklung ihren Höhepunkt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Graphik 4: Demografische Alterung (Quelle BFS, CS Economic Research)

[...]


[1] Vgl. Studie des Staatsekretariat für Wirtschaft (seco) und Bundesamt für Berufsbildung und Technologie (BBT), 2005: Jugendarbeitslosigkeit in der Schweiz – Erklärungen und Massnahmen zu deren Bekämpfung. Auftraggeber: EDV. 4.2.2005. Bern.

[2] Bisherige EU15 Staaten, erweitert um die 10 neuen EU-Ostmitgliedstaaten. Zusammenschluss am 1.5.2005.

[3] Eurostat: Statistikzentrum der EU www.eurostat.com, Zugriff am 3.9.2006

[4] Vgl. Pressedokumentation des SECO 2006

[5] Vgl. Ausschöpfung des schweizerischen Arbeitskräftepersonals im internationalen Vergleich-Konjunkturtendenzen Herbst 2001, die Volkswirtschaft

[6] Duales Bildungssystem: Die betriebliche Ausbildung wird durch berufsschulische Ausbildung mit Teilzeitunterricht ergänzt und begleitet. Die Praxis soll die Form der Berufsausbildung bestimmen. (www.seco-admin.ch, Zugriff am 2.9.2006)

[7] Vgl. Staatsekretariat für Wirtschaft (seco) und Bundesamt für Berufsbildung und Technologie (BBT), 2005: Jugendarbeitslosigkeit in der Schweiz – Erklärungen und Massnahmen zu deren Bekämpfung. Studie. Auftraggeber: EDV. 4.2.2005. Bern.

[8] Huth, Petra, (2006): Jugendarbeitlosigkeit als Ergebnis einer Veränderten Nachfragepolitik, Swiss Issues Wirtschaftspolitik, Studie der Credit Suisse Economic Research Group, 31. 3.2006. Zürich,

[9] Das Okun’sche Gesetz ein negativer Zusammenhang zwischen Wachstumsrate des pro Kopf Einkommens und der Änderung in der Arbeitslosenrate. (Quelle: Grossmann, Volker, (2006): Folienskript Makroökonomie II, SS 2006, S.3)

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Details

Titel
Jugendarbeitslosigkeit in der Schweiz und in Polen
Untertitel
Die potentiellen Ursachen, Massnahmen zur Behebung des Problems, sowie eine Analyse der Einflüsse des erweiterten Personenfreizügigkeitsabkommens
Hochschule
Université de Fribourg - Universität Freiburg (Schweiz)  (Lehrstuhl für Makroökonomie)
Autor
Jahr
2006
Seiten
27
Katalognummer
V71437
ISBN (eBook)
9783638631853
Dateigröße
676 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die potentiellen Ursachen, Massnahmen zur Behebung des Problems, sowie eine Analyse der Einflüsse des erweiterten Personenfreizügigkeitsabkommens
Schlagworte
Jugendarbeitslosigkeit, Schweiz, Polen
Arbeit zitieren
Yves Durrer (Autor), 2006, Jugendarbeitslosigkeit in der Schweiz und in Polen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/71437

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