Terrorismus und internationale Beziehungen


Hausarbeit, 2007
16 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Terrorismus- was ist das?

3. Der 11. September und der „neue“ Terrorismus

4. Al-Qaida als Prototyp einer internationalen Terrororganisation
4.1. Entstehungsgeschichte
4.2. Struktur

5. Gründe für die Entstehung terroristischer Phänomene

6. Bekämpfung
6.1. Operative Ansätze
6.2. Strukturelle Ansätze

7. Fazit

8.Bibliographie

1. Einleitung

Im Jahre 1954 verfasst der ägyptische Muslimbruder Said Qutb das Buch „Meilensteine“, das Manifest des politischen Islam.[1] Knapp 50 Jahre später steuern muslimische Attentäter Flugzeuge in das World Trade Center und das Pentagon - die Symbole westlicher Wirtschafts - und Militärmacht. In der Folge wird erstmals in der Geschichte der NATO der Bündnisfall ausgerufen und die angegriffenen USA erhalten Sympathiebekundungen aus allen Teilen der Welt. Nachdem 1989 bereits das Ende der Geschichte verkündet wurde, und der Siegeszug des westlichen Politik- und Wirtschaftsmodell scheinbar unaufhaltsam selbst die entlegensten Winkel der Erde erreichte, stellten die Anschläge vom 11. September offenbar einen Anachronismus dar. Unter dem Motto „ihr liebt das Leben, wir lieben den Tod“ ermordeten 19 fanatisierte Attentäter knapp 3000 Menschen. Dieser Angriff auf die westliche Lebensart veränderte und verändert die internationalen Beziehungen grundlegend. Im Kontext der „neuen Kriege“ zu sehen, ist der internationale Terrorismus das Beispiel für die veränderte und unübersichtliche weltpolitische Lage. Plötzlich richtete sich der Blick der Weltgemeinschaft auf den zuvor stiefmütterlich behandelten Nahen Osten und die ignorierten Parallelgesellschaften westeuropäischer Großstädte.

In dieser Arbeit soll zunächst eine Annäherung an den Begriff Terrorismus erfolgen, indem unter der Fragestellung „was ist Terrorismus?“ ein kurzer historischer Abriss gegeben wird (Kap. 2). Anschließend richtet sich der Blick auf den 11. September 2001 und die Beschreibung des „neuen“ in Abgrenzung vom „herkömmlichen“ Terrorismus (Kap. 3). Im darauffolgenden Kapitel 4 werden die Entstehungsgeschichte (4. 1.) sowie die Struktur (4. 2.) Al-Qaidas als Prototyp einer internationalen Terrororganisation näher beleuchtet. Darauf aufbauend werden Gründe für die Entstehung terroristischer Phänomene erläutert (Kap. 5), um im anschließenden Kapitel 6 Bekämpfungsansätze diskutieren zu können. Im Fazit werden zusammenfassend die Auswirkungen des „neuen“ Terrorismus auf die internationalen Beziehungen beleuchtet.

2. Terrorismus - was ist das?

Dem Begriff „Terrorismus“ kann keine klare Bedeutung zugewiesen werden. Zum einen variiert der politische Zweck, zu dem der Ausdruck genutzt wird, zum anderen werden ganz unterschiedliche Phänomene und Ereignisse mit demselben Schlagwort beschrieben. Im Verlauf der letzten 200 Jahre hat sich ein beachtlicher Bedeutungswandel vollzogen.[2] Während der Französischen Revolution bezeichnete das „régime de la terreur“ die durch den revolutionären Staat ausgeübte Herrschaft. Der Terror wurde vom Revolutionsführer Robespierre mit Gerechtigkeit in Verbindung gebracht:

„Terror ist nichts anderes als Gerechtigkeit, sofortige, unnachsichtige und unbeugsame Gerechtigkeit; er stellt daher eine Ausdrucksform der Tugend dar.“[3].

In Bezug auf die Ziele des „régime de la terreur“ und des modernen Terrorismus lässt sich eine interessante Parallele feststellen: sie besteht in der Beseitigung eines korrupten und als undemokratisch empfundenen Systems zugunsten einer „besseren Gesellschaft“. So lautet eine Passage aus dem „Konzept Stadtguerilla“ der RAF:

„...weil wir Kommunisten sind und es davon, ob die Kommunisten sich organisieren und kämpfen, abhängt, ob Terror und Repression nur Angst und Resignation bewirken oder Widerstand und Klassenhass und Solidarität provozieren, ob das hier alles so glatt im Sinn des Imperialismus über die Bühne geht oder nicht.”[4]

Nach der Hinrichtung Robespierres durch die Guillotine versahen erste Autoren den Begriff „Terrorismus“ mit einem eindeutig negativen Klang.[5] Ein Quantensprung in der Wahl der terroristischen Mittel und Ziele stellt die Serie von Bombenanschlägen der Gruppen „Clan na Gael“ und „Irish Republican Brotherhood“ dar: Sie verübten Ende des 19. Jahrhunderts eine Serie von Bombenanschlägen auf U-Bahnen und Bahnhöfe Großbritanniens und nahmen dabei den Tod unschuldiger Zivilisten in Kauf.[6] Hierbei zeigten sich erstmals Methoden und Muster, die auch beim modernen Terrorismus zu finden sind: Eine dem Zugriff nationaler Polizeibehörden entzogene

Basis im sicheren Ausland (so bedeutet Al-Qaida „die Basis“; siehe dazu Kap. 4), weiterhin der Einsatz von Zeitzündern, um keine eigenen Opfer zu erleiden und schließlich die Inkaufnahme des Todes unschuldiger Zivilisten (es drängt sich der Vergleich mit den U-Bahn-Attentaten von Madrid im März 2004 auf). Eine folgenreiche Nebenepisode der Geschichte des Terrorismus ist die Ermordung des Habsburger Erzherzogs Franz Ferdinand in Sarajewo durch ein Mitglied der „Jungbosnier“, die zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs führte.[7] In den 1930er Jahren erfuhr der Begriff „Terrorismus“ erneut einen Bedeutungswandel; er wurde nun wieder – wie ursprünglich während der Französischen Revolution - genutzt, um Einschüchterung, Unterdrückung und politische Verhaftungen in den totalitären Staaten Italien unter Mussolini, Deutsches Reich unter Hitler und Sowjetunion unter Stalin zu beschreiben. Somit entstand ein von oben gelenkter und unterstützter „Terror“, der den absoluten Machtanspruch der herrschenden politischen Partei unterstützte.[8] Folglich lässt sich der „Terror“, also staatlich sanktionierte oder sogar angeordnete Gewaltakte zur Einschüchterung politischer Gegner, vom „Terrorismus“, Gewaltakte, die von nichtstaatlicher Seite verübt werden, abgrenzen. Der Terminus „Terrorismus“ bezeichnet demzufolge

„eine Strategie, durch die das bestehende Herrschaftssystem ausgehöhlt und primär durch die Verbreitung von Furcht und Schrecken […] eine mehr oder weniger grundlegende politisch-gesellschaftliche Umwälzung erreicht werden soll.“[9]

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kam der Begriff „Freiheitskämpfer“ für die Gegner der Kolonialherrschaft auf, um die Legitimität des Kampfes gegen ebendiese hervorzuheben. Im Zuge der Studentenrevolte 1967/ 68 gründeten sich radikale Studentenorganisationen, deren terroristische Arme – u. a. die „Rote Armee Fraktion“ in Westdeutschland - mit Entführungen und Morden gegen das liberal-demokratische System kämpften. Die durch Islamisten verübten Anschläge des 11. Septembers 2001 stellen ein „Superlativ ohne Präzedenz“[10] dar. Bei diesem Angriff kamen nahezu 3000 Menschen ums Leben; zuvor hatte es noch keinen Anschlag mit mehr als 500 Todesopfern gegeben.[11] Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass Terrorismus nicht eindeutig zu definieren ist. So schreibt Walter Laqueur:

„… denn eine solche Definition gibt es weder für Faschismus […] noch für irgendein anderes politisches Phänomen.“[12]

[...]


[1] Vgl. Qutb, S.: Milestones. Indianapolis 1990. Siehe auch Zakaria, F.: Das Ende der Freiheit? Wieviel Demokratie verträgt der Mensch? Frankfurt a. M. 2005, S. 137ff.

[2] Die folgende Darstellung orientiert sich an der Abhandlung in Hoffman, B.: Terrorismus- der unerklärte Krieg. Neue Gefahren politischer Gewalt. Frankfurt a. M. 2006, S. 21ff.

[3] Palmer, R. R.: The Age of the Democratic Revolution. Bd. 2: The Struggle. Princeton 1970, S. 126.

[4] Zitiert aus dem „Konzept Stadtguerilla“ der Roten Armee Fraktion vom April 1971. Quelle: www.rafinfo.de/archiv/raf/konzept_stadtguerilla.php (12. 02. 2007).

[5] Vgl. Hoffman: Terrorismus, S. 25f.

[6] Vgl. Laqueur, W.: Terrorismus. Die globale Herausforderung. Frankfurt a. M. 1987, S. 64f.

[7] Eine ausführliche Darstellung der Ereignisse am Vorabend des Ersten Weltkriegs findet sich bei Winkler, H.- A.: Der lange Weg nach Westen, Bd. 1: Deutsche Geschichte 1806- 1933. München 2000, S. 329ff.

[8] Vgl. Hoffman: Terrorismus, S. 40ff.

[9] Waldmann, P.: Terrorismus. In: Nohlen, D., Schultze, R.- O. (Hg.): Lexikon der Politikwissenschaft. Theorien, Methoden, Begriffe, Bd. 2. 3. Aufl. München 2005, S. 1017.

[10] Schneckener, U.: Transnationaler Terrorismus. Charakter und Hintergründe des „neuen“ Terrorismus. Frankfurt a. M. 2006, S. 12. Siehe auch Kap. 3.

[11] Hoffman: Terrorismus, S. 47.

[12] Laqueur, W.: Krieg dem Westen. Terrorismus im 21. Jahrhundert. München 2003, S. 346.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Terrorismus und internationale Beziehungen
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel  (Institut für Sozialwissenschaften/ Bereich Politikwissenschaft)
Veranstaltung
"International Relations"
Note
1,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
16
Katalognummer
V71443
ISBN (eBook)
9783638631914
ISBN (Buch)
9783638844697
Dateigröße
467 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Im Text sind bei der Verwendung von Bindestrichen grundsätzlich Fehler - anschreiben? (edith, 8.4.07)
Schlagworte
Terrorismus, Beziehungen, International, Relations
Arbeit zitieren
Tim Peters (Autor), 2007, Terrorismus und internationale Beziehungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/71443

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