Im Jahre 1954 verfasst der ägyptische Muslimbruder Said Qutb das Buch „Meilensteine“, das Manifest des politischen Islam. Knapp 50 Jahre später steuern muslimische Attentäter Flugzeuge in das World Trade Center und das Pentagon- die Symbole westlicher Wirtschafts- und Militärmacht. In der Folge wird erstmals in der Geschichte der NATO der Bündnisfall ausgerufen und die angegriffenen USA erhalten Sympathiebekundungen aus allen Teilen der Welt. Nachdem 1989 bereits das Ende der Geschichte verkündet wurde, und der Siegeszug des westlichen Politik- und Wirtschaftsmodell scheinbar unaufhaltsam selbst die entlegensten Winkel der Erde erreichte, stellten die Anschläge vom 11. September offenbar einen Anachronismus dar. Unter dem Motto „ihr liebt das Leben, wir lieben den Tod“ ermordeten 19 fanatisierte Attentäter knapp 3000 Menschen. Dieser Angriff auf die westliche Lebensart veränderte und verändert die internationalen Beziehungen grundlegend. Im Kontext der „neuen Kriege“ zu sehen, ist der internationale Terrorismus das Beispiel für die veränderte und unübersichtliche weltpolitische Lage. Plötzlich richtete sich der Blick der Weltgemeinschaft auf den zuvor stiefmütterlich behandelten Nahen Osten und die ignorierten Parallelgesellschaften westeuropäischer Großstädte.
In dieser Arbeit soll zunächst eine Annäherung an den Begriff Terrorismus erfolgen, indem unter der Fragestellung „was ist Terrorismus?“ ein kurzer historischer Abriss gegeben wird (Kap. 2). Anschließend richtet sich der Blick auf den 11. September 2001 und die Beschreibung des „neuen“ in Abgrenzung vom „herkömmlichen“ Terrorismus (Kap. 3). Im darauffolgenden Kapitel 4 werden die Entstehungsgeschichte (4. 1.) sowie die Struktur (4. 2.) al-Qaidas als Prototyp einer internationalen Terrororganisation näher beleuchtet. Darauf aufbauend werden Gründe für die Entstehung terroristischer Phänomene erläutert (Kap. 5), um im anschließenden Kapitel 6 Bekämpfungsansätze diskutieren zu können. Im Fazit werden zusammenfassend die Auswirkungen des „neuen“ Terrorismus auf die internationalen Beziehungen beleuchtet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Terrorismus- was ist das?
3. Der 11. September und der „neue“ Terrorismus
4. Al-Qaida als Prototyp einer internationalen Terrororganisation
4.1. Entstehungsgeschichte
4.2. Struktur
5. Gründe für die Entstehung terroristischer Phänomene
6. Bekämpfung
6.1. Operative Ansätze
6.2. Strukturelle Ansätze
7. Fazit
8.Bibliographie
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die grundlegende Veränderung der internationalen Beziehungen durch den sogenannten „neuen“ Terrorismus, mit einem besonderen Fokus auf Al-Qaida, und analysiert dabei sowohl Ursachen als auch die Effektivität verschiedener Bekämpfungsstrategien.
- Begriffsbestimmung und historische Einordnung von Terrorismus
- Analyse der Anschläge vom 11. September 2001 als Zäsur
- Untersuchung der Struktur und Genese von Al-Qaida
- Diskussion der sozioökonomischen und politischen Ursachen für Terrorismus
- Bewertung operativer und struktureller Ansätze der Terrorismusbekämpfung
Auszug aus dem Buch
2. Terrorismus - was ist das?
Dem Begriff „Terrorismus“ kann keine klare Bedeutung zugewiesen werden. Zum einen variiert der politische Zweck, zu dem der Ausdruck genutzt wird, zum anderen werden ganz unterschiedliche Phänomene und Ereignisse mit demselben Schlagwort beschrieben. Im Verlauf der letzten 200 Jahre hat sich ein beachtlicher Bedeutungswandel vollzogen. Während der Französischen Revolution bezeichnete das „régime de la terreur“ die durch den revolutionären Staat ausgeübte Herrschaft. Der Terror wurde vom Revolutionsführer Robespierre mit Gerechtigkeit in Verbindung gebracht:
„Terror ist nichts anderes als Gerechtigkeit, sofortige, unnachsichtige und unbeugsame Gerechtigkeit; er stellt daher eine Ausdrucksform der Tugend dar.“
In Bezug auf die Ziele des „régime de la terreur“ und des modernen Terrorismus lässt sich eine interessante Parallele feststellen: sie besteht in der Beseitigung eines korrupten und als undemokratisch empfundenen Systems zugunsten einer „besseren Gesellschaft“. So lautet eine Passage aus dem „Konzept Stadtguerilla“ der RAF:
„...weil wir Kommunisten sind und es davon, ob die Kommunisten sich organisieren und kämpfen, abhängt, ob Terror und Repression nur Angst und Resignation bewirken oder Widerstand und Klassenhass und Solidarität provozieren, ob das hier alles so glatt im Sinn des Imperialismus über die Bühne geht oder nicht.”
Nach der Hinrichtung Robespierres durch die Guillotine versahen erste Autoren den Begriff „Terrorismus“ mit einem eindeutig negativen Klang. Ein Quantensprung in der Wahl der terroristischen Mittel und Ziele stellt die Serie von Bombenanschlägen der Gruppen „Clan na Gael“ und „Irish Republican Brotherhood“ dar: Sie verübten Ende des 19. Jahrhunderts eine Serie von Bombenanschlägen auf U-Bahnen und Bahnhöfe Großbritanniens und nahmen dabei den Tod unschuldiger Zivilisten in Kauf. Hierbei zeigten sich erstmals Methoden und Muster, die auch beim modernen Terrorismus zu finden sind: Eine dem Zugriff nationaler Polizeibehörden entzogene Basis im sicheren Ausland (so bedeutet Al-Qaida „die Basis“; siehe dazu Kap. 4), weiterhin der Einsatz von Zeitzündern, um keine eigenen Opfer zu erleiden und schließlich die Inkaufnahme des Todes unschuldiger Zivilisten (es drängt sich der Vergleich mit den U-Bahn-Attentaten von Madrid im März 2004 auf).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik ein, indem sie den Wandel der internationalen Beziehungen durch den internationalen Terrorismus skizziert und den Aufbau der Arbeit erläutert.
2. Terrorismus- was ist das?: Dieses Kapitel beleuchtet den historischen Bedeutungswandel des Terrorismusbegriffs und arbeitet grundlegende Charakteristika terroristischer Gewalt heraus.
3. Der 11. September und der „neue“ Terrorismus: Der Abschnitt analysiert die Einzigartigkeit der Anschläge vom 11. September 2001 und grenzt den „neuen“ Terrorismus von herkömmlichen Formen ab.
4. Al-Qaida als Prototyp einer internationalen Terrororganisation: Hier werden die Entstehung und die netzwerkartige Organisationsstruktur von Al-Qaida als Modell für moderne Terrorgruppen untersucht.
5. Gründe für die Entstehung terroristischer Phänomene: Das Kapitel widmet sich den sozioökonomischen und politischen Hintergründen sowie der Rolle von Ideologie bei der Radikalisierung von Individuen.
6. Bekämpfung: Es erfolgt eine detaillierte Auseinandersetzung mit verschiedenen Ansätzen, wobei zwischen polizeilich-militärischen Maßnahmen und struktureller Ursachenbekämpfung unterschieden wird.
7. Fazit: Das Fazit fasst die Auswirkungen des Terrorismus auf das staatenorientierte Weltbild zusammen und diskutiert die Herausforderungen für eine effektive Sicherheitsstrategie.
8.Bibliographie: Dieses Kapitel listet alle verwendeten Quellen und Literaturangaben der Arbeit auf.
Schlüsselwörter
Terrorismus, Al-Qaida, Internationale Beziehungen, 11. September, Neue Kriege, Islamismus, Terrorbekämpfung, Radikalisierung, Sicherheitspolitik, Krisenregionen, Netzwerkstruktur, Ideologie, Staatliches Gewaltmonopol, Krisenprävention, Geopolitik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert das Phänomen des modernen, internationalen Terrorismus, insbesondere dessen Auswirkungen auf die Struktur der internationalen Beziehungen seit dem 11. September 2001.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zu den Kernbereichen zählen die historische Begriffsklärung, die Analyse von Al-Qaida, die Untersuchung der Entstehungsursachen von Terrorismus sowie die kritische Reflexion von Bekämpfungsstrategien.
Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, den „neuen“ Terrorismus zu definieren, seine strukturellen Besonderheiten zu beleuchten und zu hinterfragen, inwieweit klassische militärische oder zivile Ansätze zu seiner Bekämpfung geeignet sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse, die verschiedene politikwissenschaftliche Ansätze und Expertenmeinungen zum Terrorismus zusammenführt und kritisch gegeneinander abwägt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit primär behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine begriffliche und historische Einordnung, eine Fallstudie zu Al-Qaida, eine Ursachenanalyse von Radikalisierungsprozessen sowie eine zweigeteilte Betrachtung operativer und struktureller Bekämpfungsansätze.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Schlagworte sind neben „Terrorismus“ und „Al-Qaida“ vor allem die Unterscheidung zwischen operativen und strukturellen Maßnahmen sowie die Herausforderungen durch den „neuen“ Terrorismus für staatliche Akteure.
Warum wird im Dokument zwischen „operativem“ und „strukturellem“ Terrorismusbekämpfen unterschieden?
Diese Differenzierung ist notwendig, da rein operative (militärische/polizeiliche) Maßnahmen die Symptome bekämpfen, während strukturelle Ansätze darauf abzielen, die sozialen und politischen Nährböden des Terrorismus langfristig zu entziehen.
Wie bewertet der Autor den aktuellen „Global War on Terror“?
Der Autor kritisiert den „Global War on Terror“ als zu stark auf militärische Mittel fixiert, was die notwendigen zivilen Aufbaumaßnahmen vernachlässige und teils kontraproduktive Auswirkungen habe.
Welche Rolle spielt die „Zivilgesellschaft“ in den Überlegungen des Autors?
Die Schaffung einer aktiven Zivilgesellschaft in islamisch geprägten Ländern wird als zentraler struktureller Baustein angesehen, um radikalen Ideologien den Nährboden zu entziehen.
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- Tim Peters (Author), 2007, Terrorismus und internationale Beziehungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/71443