Die Wortbildungsvorgänge bei Verben im Tschechischen sind sicherlich nicht ausschließlich durch die Kategorie der Aktionsart vertreten. In dieser Arbeit soll es aber in erster Linie um diese und ihre Beziehung zur Aspektkategorie gehen. Wenn hier von Aspekt und Aktionsart die Rede ist, meint das die damit implizierte Problematik zur Bedeutungszuweisung von Präfixen. Durch die Doppelfunktion der Präfigierung bei Verben, einerseits grammatisch für die Aspektbildung, auf der anderen Seite semantisch für die Wortbildung, entsteht Raum für eine unterschiedliche Zuordnung von präfigierten Verben in die eine oder die andere Kategorie.
Darum soll es denn auch in dieser Arbeit gehen. Einerseits, Wortbildung bei tschechischen Verben vor allem am Beispiel der Aktionsartbildung zu demonstrieren, andererseits aber auch darum, die Schwierigkeiten der Beziehung zwischen Aspekt als streitbarer Kategorie, entweder rein grammatisch oder grammatisch-semantisch, und Aktionsart als unbestreitbar rein semantischer Kategorie aufzuzeigen.
Zunächst erfolgt eine Einteilung der Kategorie Aspekt in echte und derivate Aspektpaare, einfach und in erster Linie, um die Kategorie in eine Beziehung zur Wortbildung zu setzen. Es folgt eine kurze Darstellung der Aktionsart im Tschechischen als semantische Kategorie, sowie zur Aktionsartbildung und ihrer Stellung im Wortbildungssystem der tschechischen Verben, bevor abschliessend Aspekt und Aktionsart in ihrer Beziehung zueinander dargestellt werden. In der Zusammenfassung gibt es ein kurzes Fazit zur verwendeten Literatur.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Aspekt
III. Aktionsart
IV. Aktionsartbildung
V. Aspekt und Aktionsart
VI. Zusammenfassung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die komplexen Wortbildungsvorgänge bei Verben im Tschechischen unter besonderer Berücksichtigung der Interaktion zwischen der grammatischen Kategorie des Aspekts und der semantischen Kategorie der Aktionsart, um die Problematik der Bedeutungszuweisung von Präfixen zu analysieren.
- Differenzierung zwischen Aspekt und Aktionsart im tschechischen Verbalsystem
- Unterscheidung zwischen echten und derivaten Aspektpaaren
- Analyse der Aktionsartbildung durch Präfigierung und Suffigierung
- Gegenüberstellung wissenschaftlicher Positionen zur Bedeutung von Präfixen
- Untersuchung der Produktivität tschechischer Wortbildungsprozesse
Auszug aus dem Buch
II. Aspekt
Neben diversen Differenzierungen für die Kategorie Aspekt ist für die Wortbildung ihre Einteilung in echte und derivate Aspektpaare wohl am sinnvollsten. Diese Einteilung gibt meines Erachtens am ehesten Aufschluß darüber, wie Wortbildung und Aspektbildung im Verhältnis stehen. Grundlegende Kenntnisse über die grammatische Kategorie des Aspekts werden hier vorrausgesetzt und nicht weiter behandelt.
• Echte Aspektpaare
Echte Aspektpaare im Tschechischen sind demnach solche Aspektpaare, die durch Suffigierung gebildet werden und nicht der Wortbildung, sondern der Formenbildung zuzuordnen sind. Sie unterscheiden sich nur in der Aspektform. Ein solches Beispiel wäre das echte Aspektpaar dát/dávat(geben). Von der perfektiven Form dát wird eine imperfektive Form dávat mit der selben Semantik suffigiert. Die Semantik bleibt also gleich und beide Ausdrücke sind Aspektformen eines Lexems.
• Derivate Aspektpaare
Derivate Aspektpaare bilden hingegen zwar auch ein Aspektpaar, sind aber neben der Formenbildung vor allem dem Bereich der Wortbildung zuzuordnen. Ein Beispiel ist hier das Aspektpaar psát/dopsat. Durch Präfigierung vom Imperfektivum psát als Basis entsteht das perfektive Verb dopsat mit lediglich ähnlicher Wortbedeutung(schreiben/zu Ende schreiben). Es entstehen also primär neue Lexeme und sekundär Aspektpaare.
Weiterhin kann das neugebildete Perfektivum hier als Basis für ein echtes Aspektpaar dienen. Von dopsat leitet sich dann durch Suffigierung dopisovat als sekundäres Imperfektivum mit der selben Wortbedeutung wie psát ab. Daraus kann Konkurrenz zwischen den Imperfektiva im Sprachgebrauch entstehen, was darauf deuten lässt, dass deren Semantik tendenziell absolut gleich ist.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung definiert das Ziel der Arbeit, die Beziehung zwischen Aspekt und Aktionsart zu untersuchen und die Doppelfunktion von Präfixen bei der Wortbildung zu beleuchten.
II. Aspekt: Dieses Kapitel klassifiziert Aspektpaare in echte, grammatische Formen und derivate, wortbildende Paare, um deren Verhältnis zur Wortbildung zu klären.
III. Aktionsart: Hier wird die Aktionsart als rein semantische Kategorie vorgestellt und deren Bedeutung für die Modifikation von Handlungsabläufen erläutert.
IV. Aktionsartbildung: Das Kapitel behandelt die verschiedenen Mechanismen der Aktionsartbildung, insbesondere die Präfigierung sowie Kombinationen aus Präfixen und Suffixen.
V. Aspekt und Aktionsart: Hier werden gegensätzliche wissenschaftliche Ansätze zur Frage diskutiert, ob es bedeutungsleere, rein perfektive Präfixe gibt oder ob jedes Präfix eine semantische Modifikation bewirkt.
VI. Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass die Kategorien Aspekt und Aktionsart in der Bohemistik aufgrund unterschiedlicher Auffassungen zur Präfixbedeutung weiterhin Gegenstand wissenschaftlicher Diskussionen sind.
Schlüsselwörter
Tschechische Sprache, Wortbildung, Verben, Aspekt, Aktionsart, Präfigierung, Suffigierung, Aspektpaare, Semantik, Grammatik, Derivation, Lexeme, Perdurativa, Bohemistik, Sprachwissenschaft
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Wortbildungsvorgängen bei Verben im Tschechischen und der methodischen Schwierigkeit, präfigierte Verben entweder der grammatischen Kategorie des Aspekts oder der semantischen Kategorie der Aktionsart zuzuordnen.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die Differenzierung zwischen echten und derivaten Aspektpaaren, die Mechanismen der Aktionsartbildung sowie die wissenschaftliche Debatte um die semantische Rolle von Präfixen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, die Beziehung zwischen Aspekt und Aktionsart zu analysieren und aufzuzeigen, wie die Doppelfunktion von Präfixen – grammatisch für die Aspektbildung und semantisch für die Wortbildung – den Spielraum für unterschiedliche linguistische Klassifikationen eröffnet.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse linguistischer Fachliteratur (insbesondere Vintr und Janka) und der Auswertung von Fallbeispielen tschechischer Verbbildungen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Aspektpaaren, die Definition von Aktionsarten, die Analyse von Wortbildungsmitteln (wie Präfigierung) und die Diskussion über die Existenz bedeutungsleerer Präfixe.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Wortbildung, Aspekt, Aktionsart, Präfixe, Tschechische Verben und Derivation charakterisiert.
Wie unterscheidet der Autor zwischen echten und derivaten Aspektpaaren?
Echte Aspektpaare entstehen durch Suffigierung und gehören der Formenbildung an, während derivate Aspektpaare durch Präfigierung entstehen, neue Lexeme bilden und primär der Wortbildung zuzuordnen sind.
Warum ist die Zuordnung des Präfixes s(e) im Tschechischen so umstritten?
Die Zuordnung ist umstritten, da einige Sprachwissenschaftler wie Janka das Präfix in bestimmten Kontexten als rein perfektierend und inhaltsleer betrachten, während andere wie Vintr argumentieren, dass jedes Präfix zwingend eine semantische Modifikation vornimmt.
- Quote paper
- Jan Fischer (Author), 2004, Wortbildung bei Verben - Aspekt und Aktionsart, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/71471