Städtenetze


Hausarbeit, 2007

40 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Regionalisierung

3 Städtenetze
3.1 Was steht hinter dem Begriff „Städtenetze“?
3.2 Voraussetzungen für die Bildung von Städtenetzen
3.2.1 Zentrale Kriterien
3.2.2 Voraussetzungen bei der Bildung von Städtenetzen
3.3 Entwicklung des Modellvorhabens „Städtenetze“

4 Fallbeispiel: Bergisches Städtedreieck
4.1 Historische Entwicklung des Bergischen Städtedreiecks
4.2 Die Region
4.3 Bündelung wirtschaftlicher Kompetenzen

5 Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Überwindung administrativer Grenzen durch Städtenetze

Abbildung 2: Städtenetze im Forum

Abbildung 3: Die fünf Kompetenzfelder des Bergischen Städtedreiecks

Abbildung 4: Die Kompetenzfelder in der Wertschöpfungskette

1 Einleitung

Die Kooperation in Form von so genannten Städtenetzen ist ein relativ junger Ansatz. Die Diskussion um dieses Thema wurde erst zu Beginn der 1990er Jahre ausgelöst. Da sich die räumliche Planung im Allgemeinen und die regionale Planung im Speziellen verstärkt mit Umsetzungs- und Akzeptanzproblemen konfrontiert sahen, setzten sich in Deutschland seither neue Strategien durch. Diese sind durch interkommunale und regionale Kooperationsprozesse, einer gleichermaßen aktiven wie aktivierenden Rolle der räumlichen Planung sowie durch flexible Regionszuschnitte und ein konzentriertes, zügiges und demonstratives Handeln in Form von Projekten gekennzeichnet.

Gegenwärtig bestehen in Deutschland auf Bundes- und Länderebene eine Reihe von Initiativen, die über Regionalkonferenzen, regionale Entwicklungskonzepte und Landschaftsausstellungen eine prozess- und projektorientierte regionale Planung anstreben. Eines der frühen Beispiele sind die Städtenetze.

Hinter dem Begriff „Städtenetze“ steht ein punktförmiges Bild. Die Netze aus Städten und Gemeinden werden mit dem Ziel gebildet, zwischen den einzelnen Kommunen infrastrukturelle und ökonomische Synergieeffekte nutzbar zu machen und natürliche Ressourcen zu schonen. Auslöser der Diskussion war der Raumordnungspolitische Orientierungsrahmen (ORA), den das Bundesministerium für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau (BMBau) Ende 1992 unter Mitwirkung der Länder vorgelegt hat. Im Jahr 1994 wurde schließlich das Forschungsfeld „Städtenetze“ im Experimentellen Wohnungs- und Städtebau (ExWoSt) des BMBau eingerichtet. Die Leitidee der Modellprojekte Städtenetze bestand darin, durch praxisnahe Erprobung neue Wege aufzuzeigen, wie durch interkommunale Zusammenarbeit die Planungen und Maßnahmen besser aufeinander abgestimmt und gemeindeübergreifende Projekte entwickelt werden können.

In dem Forschungsfeld spielt neben dem Gedanken Kooperation die Region eine zentrale Rolle. Die Begriffe „Region“ bzw. „Regionalisierung“ gewannen in den letzten Jahren in der gesellschaftspolitischen und wissenschaftlichen Diskussion immer mehr an Bedeutung. Oft wird die Regionalisierung als die zweite Seite der Globalisierung betrachtet. Der begrenzte Raum verliert in der „entgrenzten Welt“ für das wirtschaftliche, soziale und politische Handeln nicht an Bedeutung, sondern er verändert sich lediglich und wird durch globale Problem- und Handlungszusammenhänge beeinflusst. Die Regionalisierung gewinnt
ebenfalls dadurch an Bedeutung, dass für viele Aktivitäten die regionalen Einheiten zu klein geworden sind. Dies äußert sich dadurch, dass Entscheidungen in Kommunen häufig externe Effekte erzeugen, die durch interkommunale Kooperation oder zentrale Regulierung bewältigt werden müssen. Die Kommunen müssen ihre Kräfte bündeln, um den Herausforderungen der Globalisierung zu begegnen.

Das Ziel dieser Arbeit besteht darin, die Entstehung der Städtenetze als Beispiel regionaler Raumplanung darzustellen und aufzuzeigen, unter welchen Voraussetzungen diese stattgefunden und sich bis heute entwickelt hat.

Hierzu wird in Kapitel 2 zunächst auf die zunehmende Bedeutung der Region bzw. der Regionalisierung in den einzelnen Bereichen eingegangen, die interkommunale und regionale Kooperation notwendig macht.

In Kapitel 3 wird im ersten Unterkapitel dargestellt, was hinter dem Begriff „Städtenetze“ steht und welche Aufgaben die Netze erfüllen sollen. Der Begriff der Städtenetze wurde anfänglich nicht explizit definiert, sondern das Interesse galt den Funktionsweisen und der Leistungsfähigkeit von Städtenetzen. Anschließend werden im zweiten Unterkapitel die Voraussetzungen für die Vernetzung dargelegt. Hierbei handelt es sich zum einen um zehn Kriterien, auf die sich die organisatorische und inhaltliche Verpflichtung der Städtenetze begrenzen und zum anderen um die begünstigenden Voraussetzungen der Vernetzung. Im nächsten Unterkapitel wird die Entwicklung des Modellvorhabens „Städtenetze“ dargestellt. Hierbei handelt es sich um das oben bereits erwähnte Forschungsfeld im Rahmen des Experimentellen Wohnungs- und Städtebaus (ExWoSt), das das zunächst abstrakte Konzept der „Städtenetze“ konkretisieren und operationalisieren sollte.

Im vierten Kapitel wird schließlich eines der Städtenetze, das Bergische Städtedreieck, welches aus den Städten Wuppertal, Solingen und Remscheid besteht, näher vorgestellt. Hier wird zunächst auf die historische Entwicklung des Bergischen Städtedreiecks eingegangen und anschließend im zweiten Unterkapitel auf die Region. In Kapitel 4.3 wird die wirtschaftliche Struktur des Städtenetzes dargestellt und die heutigen so genannten Kompetenzfelder.

Im fünften Kapitel findet die Schlussbetrachtung des Themas statt.

2 Regionalisierung

Da der Begriff der Region in der wissenschaftlichen Diskussion sehr unterschiedlich eingesetzt wird, kommt es wiederholt zu Missverständnissen. Dies geschieht besonders dann, wenn dieser Begriff auf ein eindeutig bestimmbares Territorium angewendet werden soll: Es werden nur grob abgrenzbare „Gegenden“ genauso wie politisch-administrative Gebietseinheiten, kleine Raumeinheiten innerhalb eines Staates oder Zusammenfassungen von lokalen Verwaltungseinheiten ebenso wie „Weltregionen“, die aus mehreren Staaten oder gar Kontinenten bestehen, als Region bezeichnet.

Um diese Missverständnisse zu vermeiden, sollte der Begriff Region als ein sozialwissenschaftliches Konstrukt verstanden werden, das sich auf unterschiedliche Wirklichkeiten anwenden lässt. Folgende Merkmale einer Region können festgehalten werden:

- der Charakter der Region als intellektuelles Konstrukt,
- der Zusammenhang zwischen Orten und Aktivitäten und die Besonderheit im Hinblick auf bestimmte Kriterien, die eine Region kennzeichnen sollen,
- die Grenzen, die sich aus diesen Kriterien ergeben.[1]

Da die Region als intellektuelles Konstrukt bezeichnet wird, handelt es sich nicht nur um einen theoretischen Begriff: Die Regionen existieren auch in einer gesellschaftlich konstruierten Realität. Das geistige Konstrukt Region ist nur bedeutsam, wenn es Wirkungen auf Handlungen und Interaktionen, Personen, Gruppen oder Organisationen zeigt und es entweder für die Gesellschaft oder die Politik Konsequenzen hat. Im ersten Fall handelt es sich um durch gesellschaftliche Konventionen oder geteilte Vorstellungen konstruierte Regionen. Diese Konventionen und Vorstellungen ergeben sich häufig aus Identifikationen von Bevölkerungsgruppen mit ihren Lebensräumen. Die Region ist durch politische Entscheidungen konstruiert, wenn diese als Handlungsraum der Politik oder Bezugsraum der politischen Steuerung dient.

Die Konstruktion der Region hängt also von Bewertungen oder Entscheidungen ab, die sich jedoch auf vorhandene Eigenschaften beziehen: Regionen können einerseits gewisse landschaftliche oder ökologische Zusammenhänge erfassen, als Wirtschaftsregion werden sie durch Verflechtungen wirtschaftlicher Aktivitäten oder Besonderheiten von räumlich konzentrierten Produktionsstrukturen bestimmt, Regionen können andererseits durch Merkmale der Bevölkerung oder ihrer Kultur geprägt sein oder aber lediglich der statistischen Erfassung gewisser Phänomene dienen.[2]

Die Grenzen einer Region ergeben sich aus dem sachlichen Kontext, sind aber auch nicht immer als eindeutige Linie zu ziehen, wie es bei politisch-administrativen Gebietseinheiten der Fall ist. Eine Region ist ein Raum, der durch (häufig mehrere) Kerne und Randzonen zu beschreiben ist und dessen Grenzen sich aus der abnehmenden Dichte von Verflechtungszusammenhängen zwischen Ortspunkten oder örtlich gebundenen Akteuren bestimmen lassen. Die genaue Grenzziehung wiederum ist eine Frage von (politischen) Entscheidungen und hängt von den Funktionen ab, denen die Region dienen soll. Entscheidend ist, die Kooperation mit relevanten Akteuren zu erreichen und Interdependenzen zwischen Raumeinheiten zu nutzen bzw. zu regeln. Hierbei kann eine relative Offenheit von Grenzzonen ein Vorteil, ja sogar ein entscheidendes Erfordernis werden.[3]

Regionen stellen zwar territoriale Einheiten dar, dienen jedoch nicht der territorialen Grenzziehung und der Organisation des politischen Systems. Auf die Gesellschaft bezogen gelten sie aus diesem Grund oft als nicht-moderne Strukturformen oder als Ausdruck unterschiedlicher evolutionärer Durchsetzung der funktionalen Differenzierung. Die Regionen bilden eine wichtige Schnittstelle, an der territoriale und funktionale Organisationsprinzipien aufeinander treffen. Die Bedeutung von Regionen wächst besonders in den Bereichen, in denen die Ausübung spezialisierter Funktionen in einem räumlichen Bezugsrahmen stattfindet bzw. nach Räumen differenziert erfolgt. Dies trifft besonders auf die Wirtschaft zu, deren Entwicklung durch die räumliche Konzentration von sich wechselseitig unterstützenden Produktions- und Dienstleistungsbetrieben, so genannten „Clusters“, bestimmt wird. Tendenziell verstärkt der internationale Wettbewerbsdruck die Regionalisierung der Produktionsstrukturen, da in ihm die Kosten senkenden Spezialisierungs- und Kooperationsvorteile an Bedeutung gewinnen. Des Weiteren können durch Regionen innovative „Milieus“ oder produktive Netzwerke erzeugt werden.[4]

Dadurch, dass Regionen verstärkt zu Räumen der verdichteten Sozialbeziehungen und der Identitätsbildung werden, gewinnen sie im soziokulturellen Bereich immer mehr an Bedeutung. Unterstützt wird dies einerseits durch die Auflösung lokaler Gemeinschaften, durch das Zusammenwachsen von Ortschaften, der Trennung von Wohnorten, Arbeitsorten und Orten der Freizeitbeschäftigung und der damit verbundenen Mobilität der Bevölkerung, die jedoch weitgehend innerregional bleibt. Andererseits fördert die Globalisierung die Suche nach kleinräumigen Identifikationsräumen, was durch regionale Kulturpolitik unterstützt wird.

Im politisch-administrativen Raum ist die Regionalisierung eine Folge veränderter Staatstätigkeit, die durch wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklungen hervorgerufen wurde. Die Veränderungstendenzen werden beispielsweise in der Entwicklung Deutschlands vom Wohlfahrtsstaat zum Dienstleistungsstaat sichtbar bzw. in der Abkehr von der sektoralen zur regional integrierten Wirtschaftsförderung oder der Förderung nachhaltiger Entwicklung anstelle der Wachstumspolitik. Außerdem sind in Deutschland eine Entwicklung von der „Top down“-Steuerung zur dezentralen Selbststeuerung und ein Wandel vom staatszentrierten Korporatismus zur regionalen Verhandlungsdemokratie zu beobachten.[5]

Die Regionalisierung sollte jedoch nicht als automatischer Prozess begriffen werden. Auch wenn die gesellschaftlichen Entwicklungen und die „Veränderung der Staatlichkeit“ für eine Aufwertung der Region als Ebene staatlicher Aufgabenerfüllung wie als Raum, in dem sich wirtschaftliche, soziale und kulturelle Aktivitäten verdichten, sprechen. Zu einem politischen Handlungsraum wird die Region erst, wenn die Akteure in der Region mit dem Ziel gemeinsamer Problemlösungen kooperieren oder wenn die erforderlichen institutionellen Voraussetzungen geschaffen und diese dann von den regionalen Akteuren effektiv genutzt werden.[6]

3 Städtenetze

3.1 Was steht hinter dem Begriff „Städtenetze“?

In der Raumordnungspolitik von Bund und Ländern wird der regionalen Ebene ein entscheidendes Gewicht für eine zukunftsfähige Raumentwicklung zugeschrieben. Hier wird die regionale Zusammenarbeit als eine dringende raumordnerische Zukunftsaufgabe zur Standortsicherung und -vorsorge für Arbeitsplätze, Wohnungen und Umweltvorsorge gesehen. In diesem raumordnerischen Zusammenhang soll der Begriff Region nicht als Länderebene (miss)verstanden werden. Genauso wenig sind administrative oder wissenschaftlich-methodische Abgrenzungskriterien maßgeblich. Vielmehr ist die – unterschiedlich ausgeprägte – Verbindung objektiver Verflechtungen mit stärker subjektiven Zugehörigkeitsgefühlen, also einer regionalen Identität, ein wichtiges Charakteristikum. Ausgangspunkt des raumordnerischen Interesses an der regionalen Kooperation ist die Erhaltung und Weiterentwicklung der bisher relativ ausgeglichenen Raum- und Siedlungsstruktur in Deutschland.[7]

Als wichtigen Ansatz zur Erreichung dieses Ziels nennt der Raumordnungspolitische Orientierungsrahmen von 1993 den weiteren Ausbau städtischer und regionaler Vernetzung. Dabei sind im Orientierungsrahmen selbst vor allem großräumige Städtenetze beispielhaft benannt worden. An dieser Stelle wird die Funktionsfähigkeit – durch Entlastung oder Aus- und Aufbau – als maßgeblich angesehen.[8]

In der wissenschaftlichen Diskussion kam es zu Irritationen, da hier die Ansicht vertreten wurde, dass ein fester Begriffsinhalt von „Städtenetzen“ vorgegeben sein müsste. Doch das Forschungskonzept stellte die Frage „Was sind Städtenetze?“ zunächst nicht explizit, sondern fragte nach den Funktionsweisen und der Leistungsfähigkeit von Städtenetzen, ohne diese zuvor zu definieren.

Neben der bewussten Verweigerung der begrifflichen Eingangsdefinition wurden außerdem keine Vorgaben zu Zahl und Größe der Netzpartner, zur Organisationsform und zu abdeckenden Aufgabenfeldern gemacht. Durch den Ausschluss von bloßen Städtepartnerschaften ohne gemeinsames Aufgabenspektrum und von sektoral begrenzten Kooperationsformen/Zweckverbänden fand lediglich eine gewisse Einschränkung des Untersuchungsrahmens statt.

[...]


[1] Vgl. Adamaschek/Pröhl (2003), S. 15.

[2] Vgl. Adamaschek/Pröhl (2003), S. 16 f.

[3] Vgl. Adamaschek/Pröhl (2003), S. 17 f.

[4] Vgl. Adamaschek/Pröhl (2003), S. 18 f.

[5] Vgl. Adamaschek/Pröhl (2003), S. 19 f.

[6] Vgl. Adamaschek/Pröhl (2003), S. 23.

[7] Vgl. Baumheier (1996), S. 37.

[8] Vgl. Baumheier (1996), S. 37 f.

Ende der Leseprobe aus 40 Seiten

Details

Titel
Städtenetze
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Veranstaltung
Städtenetze
Note
1,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
40
Katalognummer
V71485
ISBN (eBook)
9783638635172
ISBN (Buch)
9783638769389
Dateigröße
631 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Städtenetze
Arbeit zitieren
Melanie Hörstmann-Jungemann (Autor), 2007, Städtenetze, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/71485

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