Im Rahmen des Seminars stellt die Biographie von Haasis eine unabdingbare Komponente dar, um die historische Person Joseph Süß Oppenheimer angemessen wahrnehmen zu können. Haasis erhebt den Anspruch Joseph Süß „in voller Lebenskraft“ erscheinen zu lassen, mit „aller Widersprüchlichkeit“ auch in seinem Privatleben. Dabei werden Einsichten in seine Biographie von dem Autor nur aus den Quellen entnommen, stützen sich nicht auf Legenden oder Erzählungen. Aufgrund von Auszügen aus Schriftstücken, soll dem Leser eine eigene Urteilsbildung ermöglicht werden. Vermutlich will er jedoch keine wissenschaftlichen Standards erfüllen, da Zitate ohne Anmerkung eingefügt werden, so dass ein Nachlesen im Originalschriftstück nicht möglich ist. Zu prüfen ist, ob es dem Autor gelingt, dem Leser ein objektives Bild als Grundlage des eigenen Urteils zu eröffnen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Autor: Hellmut G. Haasis
3. Vorstellung des Werkes
4. Joseph Süß Oppenheimer nach Hellmut G. Hassis
4.1 Die Quellenlage
4.2 Sozio-kulterelle Hintergründe
4.3 Exkurs: Die Lebenswelt der Juden zur Zeit des Joseph Süß
4.4 Als Juden in Heidelberg
4.5 Geschäftliche Aktivitäten
4.6 Exkurs: Die Situation der Hofjuden im 18. Jahrhundert
4.7 Joseph Süß und die Frauen
4.8 Seine Persönlichkeit
4.9 Das Justizopfer Joseph Süß
4.10 Exkurs: Zur Praxis antijüdischer Prozessführung
4.11 Kritische Bewertung des Werkes
5. Literaturverzeichnis
6. Anhang
6.1 Chronologie
6.2 Bilder
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit rezensiert Hellmut G. Haasis' Biographie über Joseph Süß Oppenheimer. Das primäre Ziel ist es, den historischen Kern der Figur von den antisemitischen Verzerrungen und Legendenbildungen, insbesondere im Kontext des nationalsozialistischen Propagandafilms, zu lösen und die Rolle Süß' als Justizopfer unter Berücksichtigung der politisch-sozialen Rahmenbedingungen des 18. Jahrhunderts kritisch zu hinterfragen.
- Analyse der historischen Person Joseph Süß Oppenheimer
- Untersuchung der Rolle von Hofjuden im 18. Jahrhundert
- Kritische Aufarbeitung des Justizmordes und der Prozessführung
- Wirkung und Rezeption der Biographie von Hellmut G. Haasis
- Aufzeigen struktureller Bedingungen des zeitgenössischen Antisemitismus
Auszug aus dem Buch
4.2 SOZIO-KULTURELLE HINTERGRÜNDE
Joseph Süß’ Geburt ereignete sich vermutlich im Februar oder März 1698 in Heidelberg. Entgegen der meisten Nachschlagewerke und der historischen Literatur ist nicht zu vermuten, dass Joseph Süß 1692 im Heidelberger Ghetto zur Welt kam, da es zudem in Heidelberg gar keines gab. Als Geburtshaus ist ein Haus in der ‚Oberen Straße’ denkbar, in dem Familie Süßkind bis 1700 bei einer Christin zur Miete wohnte. Sein Vater, Issachar Süßkind Oppenheimer, war ein Handelsmann, Michele seine dritte Frau und Joseph ihr erstes gemeinsames Kind. Dieser Ehe entspringen noch die zwei Töchter Thamar und Esther. Aus den zwei vorherigen Ehen des Vaters hatte Joseph zwei Stiefbrüder, deren Namen Moyses und Daniel waren.
Als Joseph neun Jahre alt war, starb sein Vater. Seine Mutter, eine berühmte Schönheit des Frankfurter Ghettos, war zu diesem Zeitpunkt erst 27 Jahre alt und als Witwe mit ihren drei Kindern völlig mittellos, so dass sich bald kein anderer Ausweg bot, als eine erneute Heirat. Nach der Eheschließung mit dem Witwer Nathan Gabriel von Wassertrüdingen bei Ansbach, der im Handel tätig war, zog Michele zu ihm. Dieser Ehe entstammen drei Söhne: Juda, Nathan und Hirsch. Der neue Ehemann, bei dem schon Kinder aus erster Ehe lebten, besaß nicht so viel, auch noch die Kinder von Michele durchzubringen. Michele ließ also ihre Kinder bei der vermögenden und angesehenen Verwandtschaft, die gute Beziehungen zum kurpfälzischen Hof besaß, in Heidelberg zurück.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Zielsetzung ein, die historische Person von Mythen zu befreien und das Werk von Haasis auf seine wissenschaftliche Objektivität zu prüfen.
2. Der Autor: Hellmut G. Haasis: Ein Porträt des Historikers und Publizisten, das seine Motivationen und seinen vielseitigen literarischen Hintergrund beleuchtet.
3. Vorstellung des Werkes: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über den Aufbau der untersuchten Biographie und die Quellenbasis, auf die sich der Autor stützt.
4. Joseph Süß Oppenheimer nach Hellmut G. Hassis: Der Hauptteil, der den Lebensweg, die geschäftlichen Erfolge sowie das Justizdrama in thematischen Kapiteln darstellt.
5. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärquellen der vorliegenden Rezension.
6. Anhang: Enthält eine chronologische Aufarbeitung der Lebensdaten sowie eine Erläuterung der verwendeten Bildquellen.
Schlüsselwörter
Joseph Süß Oppenheimer, Jud Süß, Hellmut G. Haasis, Hofjude, Justizmord, Württemberg, 18. Jahrhundert, Antisemitismus, Prozessakten, Carl Alexander, Stempelpapier, Wirtschaftsgeschichte, historische Biographie, Justizgeschichte, Aufklärung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit rezensiert die Biographie von Hellmut G. Haasis über den historischen Joseph Süß Oppenheimer, auch bekannt als „Jud Süß“.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind der Aufstieg und Fall von Joseph Süß, die Rolle der Hofjuden, die Machtkämpfe am württembergischen Hof sowie der Justizmord nach dem Tod von Herzog Carl Alexander.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, das verzerrte Bild von Joseph Süß zu korrigieren und aufzuzeigen, wie er als Sündenbock einer antisemitisch geprägten Justiz zum Tode verurteilt wurde.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Analyse von Quellenmaterial, Prozessakten und vergleicht diese mit der Darstellung durch Hellmut G. Haasis, um die historische Realität gegen Legendenbildungen abzuwägen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Lebensphasen des Joseph Süß, seine geschäftlichen Aktivitäten, seine Persönlichkeit und detaillierte Exkurse zur damaligen Lage der Juden und zur Prozessführung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Justizmord, Hofjude, Antisemitismus, Machtpolitik, Biographie, historische Gerechtigkeit und Stuttgarter Prozessakten.
Warum spielt der Film „Jud Süß“ eine Rolle in der Biografie?
Der Film wird als ein zentrales Beispiel für die antisemitische Verzerrung der Person Joseph Süß angeführt, die Haasis mit seiner Biographie historisch widerlegen möchte.
Wie bewertet der Rezensent den Schreibstil des Autors?
Die Rezension bezeichnet das Werk als lesenswert und ausdrucksstark, kritisiert jedoch teilweise die saloppe Ausdrucksweise und den subjektiven Sympathie-Bias des Autors für den Protagonisten.
Was war der Hauptvorwurf gegen Joseph Süß im Prozess?
Die Anklage lautete auf „Hochverrat“ aufgrund „gefährlicher Ratschläge“ und angeblicher Attentate wider die Landesverfassung, wobei diese Vorwürfe inhaltlich weitgehend konstruiert waren.
- Quote paper
- Cosima Bunke (Author), 2005, Rezension zu Hellmut G. Haasis: Joseph Süß Oppenheimer, genannt Jud Süß. Finanzier, Freidenker, Justizopfer. 1998, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/71506