Die vorliegende Hausarbeit thematisiert die theoretische Auseinandersetzung zur Anwendung des Case Managements in der sozialen Arbeit. Der Begriff „Managen“ kommt seit den 80er Jahren vermehrt in der sozialen Arbeit vor. So zum Beispiel das Sozialmanagement und das Gesundheitsmanagement. Daran lässt sich erkennen, dass die Zielrichtung des Handelns in der sozialen Arbeit an den Eigenschaften des Führens von Unternehmen gemessen wird. Demnach sind Planung, Entscheidung, Organisation und Kontrolle des Prozesses und der Arbeit entscheidende Kriterien. Eine Optimierung der Hilfsangebote der sozialen Arbeit ist somit gegeben und verringert den Druck, kostengünstigere und effektivere soziale Dienste zu bieten. Da es aber unter den Dienstleistungsträgern an Abstimmung und Kooperation, in Rücksicht auf den jeweils individuellen Bedarf mangelt, ist es nicht möglich, kostengünstig und effektiv zu arbeiten. Das Case Management wurde in Deutschland seit Ende der 80er Jahre eingesetzt um diesem entgegenzuwirken. Das Case Management organisiert das Angebot und die Nachfrage von sozialen Diensten, vor allem in der zunehmenden Differenzierung und Spezialisierung der Dienstleistungen. Die Vielzahl der Hilfsangebote sind für die Hilfesuchenden nicht mehr überschaubar und führen zu Orientierungsproblemen. Andererseits arbeiten die Anbieter der sozialen Hilfen zu wenig miteinander, um es den Hilfesuchenden zu erleichtern, das Angebot zu überschauen. Somit kann es bei so genannten „Multi-Problemen“ zu unnötig verteuernden Überschneidungen verschiedenster Hilfsangebote kommen. Case Management soll den Betroffenen helfen, individuell für sie zutreffende Hilfsangebote zu finden und es ihnen zu ermöglichen sich wieder selbst zu helfen. Die Praxis des Case Managements ist bis heute in viele verschiedene Handlungsfelder eingeführt worden. So wird es zum Beispiel in der Altenhilfe, in der Suchtkrankenhilfe, in der Sozialpädiatrie, in der Wohnungslosenhilfe, in der Krankenhaussozialarbeit und in der Rehabilitation behinderter Menschen eingesetzt. Interessant ist, dass sich Case Management den ständig wechselnden Erfordernissen und den Veränderungen in den Humandiensten anpassen kann. Der Grundsatz des Case Management bleibt, egal wo es speziell eingesetzt wird, immer der gleiche. Es verhält sich neutral zu seinen Anwendungen. Die Systematik kann beliebig spezialisiert werden, was in Deutschland zu den unterschiedlichen Bezeichnungen führt. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Case Management auf den ersten Blick
2.1. Geschichte und Tradition
2.2. Konzept des Case Management
3. zur Anwendung des Case Management
3.1. Rahmenbedingungen
3.2. Einsatzgebiete
4. Modelle des Case Management
4.1. Modelle
4.2. Phasen des Case Management
5. Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit widmet sich der theoretischen Auseinandersetzung mit Case Management in der sozialen Arbeit, mit dem Ziel, dessen Anwendungsmöglichkeiten, Konzepte und strukturelle Voraussetzungen in einem zunehmend komplexeren Hilfesystem zu beleuchten.
- Historische Entwicklung des Case Management
- Konzeptionelle Grundlagen und Definitionen
- Rahmenbedingungen und Anwendung in verschiedenen Praxisfeldern
- Prozesshafte Strukturierung durch verschiedene Interventionsmodelle
- Rollenverständnis und Aufgaben des Case Managers
Auszug aus dem Buch
2.1. Geschichte und Tradition
Das Case Management entwickelte sich in den USA aus der Methode des traditionellen Case Work und auch in Deutschland knüpft es an diese Methode der sozialen Einzelhilfe, einer Adaption des Case Work, an. Case Work wurde 1917 von Mary Richmond in den USA begründet. Ihrer Schrift „Social Diagnosis“ folgten wesentliche, theoretische Weiterentwicklungen durch Gordon Hamilton und Jessie Taft. Die Ich- Psychologie, die Arbeit mit Familien und die ganzheitliche Betrachtung von Mensch und Situation nahmen in den 50er Jahren Einfluss auf das Konzept des Case Work.
Anfang der 20er Jahre brachte Alice Salomon das Case Work nach Deutschland. Es wurde als soziale Einzelhilfe an die deutschen Verhältnisse angepasst. Sie erarbeitete erste wissenschaftliche Begründungen für diese Methode der sozialen Arbeit und ihre Konzepte gingen von einem frühen Verständnis von Beziehungen der Klienten zu ihren Familien und ihrer Umwelt aus. Die Psychoanalyse nahm in dieser Zeit, analog zu den USA, immer mehr Einfluss auf das Konzept. Jedoch brach die Weiterentwicklung in Deutschland durch die NS Zeit ab. Nach 1945 gab es einen lebhaften Methodentransfer mit den USA.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Notwendigkeit des Case Managements als Antwort auf die Komplexität sozialer Hilfesysteme und den Bedarf nach einer effizienteren Fallsteuerung ein.
2. Case Management auf den ersten Blick: Dieses Kapitel erläutert die historischen Wurzeln im amerikanischen Case Work sowie die konzeptionellen Kernpunkte und Definitionen des Case Managements.
3. zur Anwendung des Case Management: Hier werden die strukturellen Rahmenbedingungen in Ämtern und bei Trägern sowie die vielfältigen Einsatzgebiete, wie Altenpflege, Rehabilitation und Jugendhilfe, detailliert beschrieben.
4. Modelle des Case Management: Das Kapitel vergleicht verschiedene theoretische Modelle und erläutert die phasenorientierte Vorgehensweise im Case Management von der Kontaktaufnahme bis zur Evaluation.
5. Schlussbemerkung: Die Schlussbetrachtung reflektiert die Relevanz des Case Managements im Kontext finanzieller Krisen öffentlicher Haushalte und wagt einen Ausblick auf die zukünftige Entwicklung in Deutschland.
Schlüsselwörter
Case Management, soziale Arbeit, Fallarbeit, Unterstützungsmanagement, Hilfesysteme, Sozialmanagement, Fallverantwortung, Hilfeplanung, Assessment, Empowerment, Koordination, Netzwerkarbeit, Effizienz, Reintegration, Sozialwesen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet eine theoretische Auseinandersetzung mit dem Konzept des Case Managements und dessen Integration in die soziale Arbeit in Deutschland.
Welche Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Zentrale Felder sind die historische Herleitung, die methodische Strukturierung durch verschiedene Phasenmodelle und die praktische Anwendung in verschiedenen sozialen Handlungsfeldern.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die Eignung des Case Managements als Instrument zur effizienten Gestaltung von Hilfsangeboten unter Berücksichtigung individueller Klientenressourcen zu analysieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse bestehender Fachliteratur und theoretischer Konzepte renommierter Autoren im Bereich des Case Managements.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit den historischen Traditionen, den Rahmenbedingungen, konkreten Einsatzgebieten wie Alten- oder Straffälligenhilfe und den verschiedenen prozessualen Modellen des Case Managements.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Case Management, soziale Arbeit, Fallverantwortung, Hilfeplanung, Assessment und Unterstützungssysteme.
Warum ist das Assessment eine so kritische Phase?
Das Assessment bildet das Fundament für die gesamte weitere Hilfeplanung, da hier die Bedarfe des Klienten ganzheitlich erfasst und bewertet werden müssen.
Welche Rolle spielt die interdisziplinäre Kooperation?
Kooperation ist essentiell, da der Case Manager oft zwischen verschiedenen Institutionen und Dienstleistern vermitteln muss, um ein optimales Unterstützungsnetzwerk für den Klienten zu gewährleisten.
- Quote paper
- Bettina Kanis (Author), 2007, Zur Anwendung des Case Management, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/71509