Geschlechtsunterschiede und Umwelt: Geschlechtsbeeinflußte Umwelten


Seminararbeit, 1999

26 Seiten, Note: 1-


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0. Einleitung

1. Das Elternhaus
1.1 Allgemeines
1.2 Indirektes Lernen von den Eltern
1.2.1 Geschlechtsstereotypen der Eltern
1.2.2 Interaktion der Eltern mit den Kindern
1.2.2.1 Spiel mit den Kindern
1.2.2.2 Gewalt gegen Kinder
1.2.2.3 Eltern von geschlechtsatypischen Kindern
1.3 Direktes Lernen von den Eltern: Rollenverteilung der Eltern
1.3.1 Hoher Anteil des Vaters an der Erziehung
1.3.2 Abwesenheit des Vaters
1.3.3 Berufstätigkeit der Mutter
1.4 Studie zum Einfluß des Elternhauses auf die Geschlechtsrollenorientierung

2. Interaktion mit Spielkameraden
2.1 Geschlechtertrennung – Warum Jungen und Mädchen nicht gerne miteinander spielen
2.2 Verstärkung geschlechtsspezifischen Verhaltens bei Spielkameraden

3. Die Arbeitswelt
3.1 Reaktion von Jungen und Mädchen auf Wettkampfsituationen
3.2 Aufgabenpräferenzen
3.3 Selbsteinschätzung, Leistungsvergleiche und Leistungsmotivation
3.4 Unterschiede in Beruf und Einkommen

4. Hintergründe und Diskussion

Literaturverzeichnis

0. Einleitung

Das vorliegende Referat bezieht sich hauptsächlich auf ein amerikanisches Lehrbuch. Den hier zusammengestellten Forschungsergebnissen liegen daher fast ausschließlich Studien an amerikanischen Versuchspersonen unter amerikanischen Umweltbedingungen zugrunde. Eine universale Übertragbarkeit der Ergebnisse erscheint daher fraglich.

Insgesamt gibt es, betrachtet man Geschlechtsunterschiede in Einstellungen und Verhalten, eine Fülle verschiedener Einflußfaktoren. Im folgenden sollen 3 Bereiche betrachtet werden, in denen geschlechtsbeeinflußte Umwelten existieren: Die Erziehung innerhalb der Familie, die Interaktion mit Spielkameraden und die Arbeitswelt.

Was versteht man unter geschlechtsbeeinflußten Umwelten? Geschlechtsbeeinflußte Umwelten bestehen, weil

- unsere Geschlechts-Vorbilder (Eltern, andere Bezugspersonen) sich unterschiedlich verhalten
- Jungen und Mädchen unterschiedlich auf Situationen reagieren
- die jeweilige Umwelt (sei es das Elternhaus, die Schule oder die Kollegen am Arbeitsplatz) unterschiedlich auf Männer und Frauen reagiert, auch, wenn sie dasselbe tun

Der Zusammenhang zwischen geschlechtsbeeinflußten Umwelten und geschlechtsspezifischen Unterschieden in Einstellungen und Verhalten soll im folgenden näher beleuchtet werden.

1. Das Elternhaus

1.1 Allgemeines

Wie wirkt sich die Umgebung des Elternhauses auf die Entwicklung geschlechtsspezifischer Verhaltensweisen sowie die Entwicklung von Geschlechtsidentität, Geschlechtsstereotypen und Geschlechtsrollenidentität aus?

Kinder lernen Werte und Anschauung der Eltern (Lerntheorien, Imitationstheorie)

a) direkt: Die Eltern sind Vorbilder für die Kinder
b) indirekt: Werte und Einstellungen der Eltern haben Einfluß auf ihre Erziehungsmethode

Berücksichtigt werden muß jedoch, daß die Erziehungsmethoden der Eltern zwar das Kind beeinflussen, das Verhalten des Kindes aber auch auf dasjenige der Eltern Einfluß nimmt; es besteht also eine Wechselwirkung.

Zudem unterscheiden Kinder sich in ihrer Tendenz, elterliches Verhalten zu kopieren, d.h. einige identifizieren sich sehr stark mit ihren Eltern, andere fast gar nicht.

Mit zunehmendem Alter werden sich Kinder immer deutlicher dessen bewußt, daß die Eltern best., verschiedene, geschlechtsspezifische Erwartungen bezüglich ihres Verhaltens haben

Wie kann man geschlechtsspezifische Erziehung untersuchen? Meßmöglichkeiten

Bei Befragungen gibt es natürlich Differenzen zwischen den Angaben der Eltern über geschlechtsspezifische Erziehung (z.B., ob sie ihr Kind nach Geschlecht einkleiden) und dem tatsächlichen Tun; daher werden v. a. Beobachtungsstudien anstelle von Fragebogenuntersuchungen herangezogen.

In Folgenden werde ich darauf eingehen, wie Kinder von Eltern direkt bzw. indirekt Werte übernehmen und dadurch in der Entwicklung ihres Geschlechtsrollenstereotyps sowie der Entwicklung von geschlechtsspezifischem Verhalten beeinflußt werden.

1.2 Indirektes Lernen von den Eltern

1.2.1 Die Geschlechtsstereotypen der Eltern

Die Geschlechtsstereotypen der Eltern beeinflussen natürlich auch ihren Erziehungsstil. Mithin behandeln Eltern Kinder unterschiedlichen Geschlechts unterschiedlich, wobei ihre Vorstellungen über geschlechtsangemessene Erziehung von Geschlechtsstereotypen beeinflußt wird. Von welchen geschlechtsspezifischen Eigenschaften gehen Eltern nun aus?

Eltern glauben nicht allgemein an Geschlechtsunterschiede; wenn sie an welche glauben, stimmen diese nicht notwendigerweise mit der Wirklichkeit überein. Die Annahmen über Geschlechtsunterschiede im Verhalten der Kinder hängen auch vom Geschlecht des jeweiligen Elternteils ab, wie eine Untersuchung von McGuire (1988) zeigt, bei der Eltern von 2 Jahre alten Kindern befragt wurden: Eine Beschäftigung der Kinder mit ihrem Aussehen wurde als weiblich angesehen, besonders von den Müttern; Väter werteten insbesondere Puppenspiel in Form von Mutter-und-Kind-Spiel, braves Verhalten und Übernehmen von Hausarbeiten als weiblich. Körperliche Fähigkeiten, sportliches Geschick, Freude daran, sich schmutzig zu machen, wild sein und an Fahrzeugen und Werkzeug interessiert zu sein, wurden hingegen als typisch maskuline Eigenschaften gewertet. Mehr als die Hälfte der Eltern glaubte, es gäbe mit dem Geschlecht zusammenhängende Verhaltensdifferenzen bei Kleinkindern, allerdings glaubten 63% der Mütter und 72% der Väter, diese Differenzen seien allein auf Umwelteinflüsse zurückzuführen.

Wie beeinflußt das Geschlecht des Kindes nun das Verhalten der Eltern?

1.2.2 Geschlechtsdifferenzierendes Verhalten der Eltern bei Interaktion mit den Kindern

Übereinstimmend zeigten viele Untersuchungen (Block, 1973; Lytton & Romney, 1991; Siegal, 1987):

Mütter und Väter haben verschiedene Haltungen gegenüber ihren Kindern, wobei Väter mehr stärker Geschlechtstypisierung betreiben und eine stärker geschlechtsdifferenzierende Einstellung haben als Mütter. Dies zeigt sich z.B. daran, daß Mädchen mehr im Haushalt arbeiten müssen als Jungen. Ihre Aufgaben sind v.a. Tätigkeiten in der Küche und Saubermachen; während Jungen eher im Außenbereich arbeiten müssen; zudem müssen Mädchen sich öfter um ihre Geschwister kümmern als Jungen. Mädchen bekommen mehr feedback in Form von Instruktionen als Jungen; Mütter geben mehr Instruktionen als Väter; Väter reagierten emotionaler auf ihre Kinder als Mütter, v. a. auf ihre Söhne.

Geschlechtsdifferenzierendes Verhalten der Eltern beeinflußt bereits das Verhalten von Kleinstkindern; dies zeigt auch die Fagot-und-Leinbach-Untersuchung (1987, 1989).

Fagot und Leinbach untersuchten 48 Kinder/18 Monate zu hause mit ihren Eltern. Mit ca. 30 Monaten wurden den Kindern Geschlechtstypsierungsaufgaben gestellt. Die Korrelationen zwischen elterlichem Verhalten und der Geschlechtsidentität, der Geschlechtsrollenidentität und der Geschlechtskonsistenz der Kinder wurden gemessen: je intensiver die Eltern auf geschlechtstypisches Verhalten der Kinder mit 18 Monaten reagierten , desto früher konnten die Kinder das Geschlecht von Kindern auf Photos bestimmen und desto eher wurden sie sich sexueller Stereotypen bewußt (Mädchen spielten z.B. häufiger mit „weiblichem“ Spielzeug, waren weniger aggressiv und kommunizierten mehr mit Erwachsenen). Das Verhalten der Eltern, als die Kinder 27 Monate alt waren, war jedoch nicht mehr unterschiedlich.

Wie geschlechtstypisierendes Verhalten der Eltern das Verhalten der Kinder beeinflussen kann, zeigt auch folgendes Beispiel: Bei Jungen und Mädchen wurden mit 13-14 Monaten und mit 24-25 Monaten der Geltungsdrang untersucht: Zuerst gab es keine Unterschiede; der Geltungsdrang von Mädchen wurde jedoch ignoriert, während Jungen energischer sein mußten, um die gleiche Aufmerksamkeit wie Mädchen zu bekommen. Später zeigten Jungen mehr Geltungsdrang als Mädchen.

In summa: Revievs der Literatur (Lytton & Romney, 1991; Siegal, 1987) lassen darauf schließen, daß beide Eltern geschlechtsangemessenes Verhalten belohnen und unangemessenes Verhalten bestrafen. Ein Beispiel: Eltern unterstützen Nähe und Abhängigkeit bei Mädchen häufiger. Die Tendenzen zur Geschlechtstypisierung sind stärker für Väter und für Jungen. Interessanterweise werden in der Vorschule Mädchen wie auch Jungen für feminines Verhalten belohnt – dies macht das Unterrichten leichter.

Im folgenden werde ich exemplarisch auf zwei Bereiche der Interaktion mit Kindern eingehen, in denen sich geschlechtsdifferenzierendes Verhalten äußert: das Spiel mit den Kindern und Gewalt gegen Kinder.

1.2.2.1 Spiel mit den Kindern

Eltern tendierten dazu, lebhafter mit Jungen zu spielen (Maccoby & Jacklin, 1974). Brooks-Gunn (1986) fand eine Beziehung zwischen den Annahmen von Müttern über Geschlechtsunterschiede und dem Verhalten der Mütter gegenüber ihren Töchtern: Je mehr sie von Stereotypendenken geprägt waren, desto weniger spielten sie aktiv mit ihren Töchtern, und desto weniger suchten die Töchter mütterliche Betreuung in einer experimentellen Beobachtungssituation – und desto niedriger der IQ der Töchter!! Unterschiede bei verbaler Interaktion: Man könnte sagen, daß Jungen mehr Stimulation bekommen, die die kognitive Entwicklung erleichtert. Weitzman, Birns & Friend (1985) beobachteten die Kommunikation von Müttern mit ihren 2 ½ -3 ½ Jahre alten Kindern: Jungen erfuhren signifikant mehr kognitiv stimulierende Kommunikation (Fragen, verbales Unterrichten,...). Mit Jungen werden mehr körperliche Spiele gemacht, besonders durch die Väter.

Im allgemeinen wird geschlechtsangemessenes Spiel verstärkt, unangemessenes ignoriert oder sogar bestraft.

Eine große Bedeutung kommt hierbei dem unterschiedlichen Spielzeug zu: Eltern typisieren oft die Spielarten und Spielzeuge ihrer Kinder. Ein Vater lehnte es z.B. ab, mit einem Truck mit seiner Tochter zu spielen. Die versch. Spieltypen hängen aber wiederum eher von der Wahl des Spielzeugs als von dem Geschlecht des Elternteils ab: Beim Spiel mit „maskulinem“ Spielzeug werden aktivere Spiele bevorzugt, beim Spielen mit „femininem“ gibt es mehr physischen Kontakt und mehr verbale Aktion. Kinder beiderlei Geschlechts schienen die aktivere Art des Spiels zu bevorzugen.

Möglicherweise erleichtert aktiveres Spielen die intellektuelle Entwicklung von Kindern, besonders von Mädchen und die Sozialkompetenz besonders von Jungen

Welche Spielzeuge werden nun Mädchen, welche Jungen geschenkt?

Robinson & Morris (1986): Jungen bekommen mehr Spielzeug und eine größere Vielfalt von Spielzeugen. Zudem haben sie mehr Fahrzeuge, mehr Erziehungs- und Kunstmaterialien, mehr Spielzeuge, die mit Raum, Zeit, Energie zu tun hatten (Raumschiffe, Uhren, Magnete) , mehr Sportzubehör, mehr Tierspierzeug, mehr Werkzeuge sowie mehr Zubehör für outdoor-Aktivitäten und Kriegsspielzeug. Mädchen hingegen besaßen mehr Spielzeuge, die mit Kinderaufzucht und Haushalt zu tun hatten, sowie Puppen; ihre Räume waren eher in Farben wie gelb gehalten, mit Blumendekors usw. Jungen bekamen kein geschlechtsunangemessenes Spielzeug, Mädchen vereinzelt schon. Ca. 75% der von Jungen gewünschten Spielzeugen waren maskulin.

Beide Geschlechter reagieren gleich auf gleiche Spielzeuge! Da sie aber unterschiedl. Spielzeug ausgesetzt sind, könnte das einen Einfluß auf die Entwicklungsunterschiede haben.

Jungenspielzeuge: haben mehr Möglichkeiten zur Kreativität und zum Einsetzen von Phantasie (Bauklötze. Lego), könnten räumliches Denken und Verständnis für Naturwissenschaften fördern. Auch soll Wettkampf gefördert werden

Mädchenspielzeuge: sind eher auf Nachahmung und Brutpflegeverhalten ausgelegt

Spielverhalten hängt auch mit anderen Faktoren wie dem Geschlecht der bevorzugten Spielkameraden und dem Status der Arbeit der Mutter zusammen; je höher dieser Status, desdo maskulinere Spielzeuge hatten Kinder beiderlei Geschlechts.

evtl. Ergänzung Tabelle S. 309

1.2.2.2 Gewalt gegen Kinder

Es gibt einen Unterschied bei den Mißbrauchmustern von Jungen und Mädchen. Kindermord an Mädchen kommt häufiger vor als der an Jungen, v. a. bei Paaren mit höherem sozialen Status und in Gesellschaften, die Kindermord tolerieren. Zudem werden Mädchen öfter sexuell mißbraucht.

Auch bei Bestrafung durch physische Gewalt gibt es Unterschiede: Mütter schlagen öfter als Väter, Väter schlagen Jungen öfter als Mädchen. Ist die Ehe gestört, werden Kinder häufiger bestraft, besonders Jungen (Fagot-Leinbach-Untersuchung). Jungen wurden auch mehr bestraft (von beiden Eltern), wenn der Vater sich nicht über das Kind freute.

Stiefeltern werden häufiger gegen Kinder des eigenen Geschlechts gewalttätig

Die Zahl der physischen Gewalttaten hängt auch mit dem Alter der Kinder zusammen:

bei Kleinstkindern werden häufiger Mädchen geschlagen, bei Kleinkindern um die 2 eher Jungen (aufgrund häufigerer Verhaltensauffälligkeiten, die für die Eltern streßauslösend sind).

Jungendliche Mädchen werden öfter geschlagen als Jungen (Wilson & Daly).

Nun zu einem anderen Bereich – der Interaktion mit Kindern, die geschlechtsatypische Verhaltensweisen zeigen, wie etwa feminine Jungen und maskuline Mödchen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Geschlechtsunterschiede und Umwelt: Geschlechtsbeeinflußte Umwelten
Hochschule
Philipps-Universität Marburg  (Institut für Psychologie)
Veranstaltung
SE Geschlechtsunterschiede
Note
1-
Autor
Jahr
1999
Seiten
26
Katalognummer
V7156
ISBN (eBook)
9783638145008
ISBN (Buch)
9783638639811
Dateigröße
536 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Geschlechtsunterschiede
Arbeit zitieren
M.A. Marion Näser (Autor), 1999, Geschlechtsunterschiede und Umwelt: Geschlechtsbeeinflußte Umwelten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/7156

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Geschlechtsunterschiede und Umwelt: Geschlechtsbeeinflußte Umwelten



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden