Diese Arbeit hat das Ziel, in das Thema Sterben und Tod als Bestandteil des Religionsunterrichts in der Grundschule einzuleiten. Gerade der Religionsunterricht bietet die Möglichkeiten, über tiefgründigere Themen mit dem Schüler ins Gespräch zu kommen, als es zum Beispiel im Mathematikunterricht der Fall ist. Die große Zahl an Fundstellen, die das Internet zum Stichwort „Tod“ aufführt, lässt auf ein sehr großes Interesse im geschützten privaten Bereich schließen. Wie gehen Menschen und vor allem junge Menschen heute mit der Erfahrung und der Erkenntnis der eigenen Endlichkeit und der aller Dinge um? Anhand theoretischer Grundlagen, die erläutern, wie Kinder trauern und was bei diesen Trauerprozessen zu beachten ist, soll es im Anschluss an das Lesen dieser Arbeit möglich sein, einen ersten, grundlegenden Einblick gewonnen zu haben und sich so eine eigene Meinung bilden zu können, ob das Thema wirklich so bedeutend ist, dass es seinen festen Platz im Lehrplan haben sollte. Schule stellt als Ort mehr als „nur“ einen Lernort für Schüler da. Sie verbringen dort viele Stunden am Tag, entwickeln ihre sozialen Fähigkeiten und Freundschaften. Das Thema Tod und Sterben löst Sorgen und Ängste in den Kindern aus, die sie automatisch auch mit in die Schule tragen. Gerade die Grundschule, die für Kinder einen markanten Lebens- und Lernort darstellt, muss ein Kind in schweren Zeiten auffangen und ihm die Möglichkeit geben, die Sorgen äußern zu können. Besonders hinsichtlich des Tabu-Themas Tod und Sterben hat die Schule noch Nachholarbeit zu leisten. Diese Arbeit will zeigen, dass es wichtig ist, das Schweigen zu brechen und es Kindern zu ermöglichen, ihren Ängsten und Fragen Ausdruck zu verleihen. Bilderbücher können hier eine gute Brücke bilden. Anhand ihrer Geschichten und Bilder können sie Kindern und Erwachsenen helfen, die richtigen Worte zu finden.
Diese Arbeit will aber auch verdeutlichen, dass das Thema Sterben und Tod nicht ein Thema wie viele Andere ist. Entscheidet sich ein Lehrer dazu, dieses Thema zum Bestandteil seines Unterrichts zu machen, ist eine ausgiebige Vorbereitung grundlegend und notwendig. Des Weiteren beleuchtet diese Arbeit das Medium Buch als Mittel, Tod und Sterben zu thematisieren.
Was ist bei der Auswahl der Literatur zu beachten? Welche Kriterien sind hilfreich bei der Bewertung von Literatur? Welche Arten von Büchern gibt es?
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
1. Fragestellung und Ziele der Arbeit
2. Aufbau der Arbeit
II. Kind und Tod
1. Der Tod in der heutigen Gesellschaft
2. Kinder erleben den Tod
2.1 Erste Erfahrungen von Trennung und Verlust
2.2 Phasenmodelle des Trauerns
2.2.1 Kindheitsvorstellungen in der Vergangenheit
2.2.2 Mögliche Phasenkonstellationen
2.3 Verena Kast und ihr vierphasiges Modell
2.4 Entwicklung des Todeskonzeptes bei Kindern
2.4.1 Todesvorstellungen in den einzelnen Altersgruppen
2.4.2 Umgang mit kindlichen Todesvorstellungen
2.5 Trauerkonzepte und der Trauerzyklus als Modell
3. Kindliche Trauer und Hilfen zu ihrer positiven Bewältigung
3.1 Orientierungshilfen
3.2 Leitfragen
3.3 Impulse für kreative Möglichkeiten der Trauerarbeit mit Kindern
III. Tod im Religionsunterricht der Grundschule
1. Vorbereitung
2. Geeigneter Zeitpunkt
3. Klassenklima
4. Lernziel
5. Lehrplan NRW Religion
6. Bildungsstandards
IV. Kinderbücher über den Tod
1. Potential der modernen Kinderliteratur hinsichtlich der Todesthematik
2. Reine Bilderbücher
3. Illustrativ unterstützte Textbücher
4. Kriterien zur Analyse von Kinderbüchern zum Thema Tod und Sterben
5. Das Buch „Leb wohl, lieber Dachs“ von Susan Varley
6. Das Buch „Hat Opa einen Anzug an“
7. Kurzer Vergleich der beiden Bücher
8. Zum Einsatz der beiden Bücher im Religionsunterricht der Grundschule
V. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie das Thema Sterben und Tod im Religionsunterricht der Grundschule als fester Bestandteil integriert werden kann, um Kindern zu helfen, Ängste zu bewältigen und einen angstfreien Blick auf die Endlichkeit des Lebens zu entwickeln. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert dabei auf die Eignung des Mediums Buch als Brücke für kindgerechte Trauerarbeit und die methodische Umsetzung in der Schule.
- Psychologische Grundlagen kindlicher Trauerprozesse
- Entwicklung des Todeskonzeptes in verschiedenen Altersstufen
- Die Rolle der Schule als Lebensort und Trauerbegleiter
- Kriterien für die Analyse und Auswahl geeigneter Kinderliteratur
- Praktische Implementierung von Kinderbüchern im Religionsunterricht
Auszug aus dem Buch
2. Kinder erleben den Tod
Oftmals wird behauptet, Kinder seien zu jung, um mit dem Thema Tod konfrontiert zu werden. Indem man sie in „Watte“ packe, wolle man sie vor der Trauer und dem Kummer bewahren. Das ist erkennbar an Floskeln, wie: „Kinder dürfen nicht mit zur Beerdigung der Oma“ und „der Wellensittich ist nicht tot, sondern in den Vogelhimmel geflogen.“ Es gibt eine vielfältige Palette von Möglichkeiten, wie auch Kinder mit Sterben und Tod konfrontiert werden: Kinder sehen einen toten Vogel am Wegesrand liegen, eigene Familienmitglieder sterben wie Oma, Opa oder sogar ein Geschwisterkind. Erwachsene wünschen sich für Kinder, dass deren Kindheit unbelastet und freudig verläuft. Da hat so ein trauriges Thema wie Tod und Sterben keinen Platz. So schmerzlich diese Erfahrungen für den Einzelnen sind, so sind sie aus dem Leben der Schülerinnen und Schüler einfach nicht wegzudenken.
So gern Erwachsene auch versuchen die Kinder vor Leid, Trauer und Schmerzen zu bewahren, es wird der Zeitpunkt kommen, vielleicht sehr viel eher als erwartet, wo Kinder dem Thema Tod direkt gegenüberstehen und ihm aufgrund der fehlenden Erfahrung und Auseinandersetzung völlig hilflos ausgesetzt sind. Viele Erwachsene sind sich nicht dessen bewusst, dass die Natur einen anderen Weg, Kinder mit dem Thema Trauer zu konfrontieren, geebnet hat. Es gibt zwei unumkehrbare Ereignisse im Leben: die Geburt und der Tod. Geborenwerden und Sterben setzen beide einen klaren Punkt, indem sie eine Grenze überschreiten, die nur in eine Richtung überschreitbar ist. Gleichzeitig sind sie nur in einem Moment in einem großen zusammenhängenden Prozess, der sich lange vorbereitet und lange weiterwirkt.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz des Themas Tod und Sterben in der heutigen Gesellschaft ein und begründet, warum die Grundschule als Lebensort eine wichtige Rolle in der Trauerbegleitung einnimmt.
II. Kind und Tod: Dieses Kapitel erläutert die psychologischen Aspekte der kindlichen Trauer, Phasenmodelle und die Entwicklung des Todeskonzeptes bei Kindern in verschiedenen Altersgruppen.
III. Tod im Religionsunterricht der Grundschule: Der Abschnitt diskutiert die praktischen Bedingungen, Vorbereitungen und methodischen Ansätze für eine gelungene Thematisierung von Tod und Sterben im schulischen Religionsunterricht.
IV. Kinderbücher über den Tod: Hier werden die Möglichkeiten und Kriterien für den Einsatz von Kinderliteratur vorgestellt und zwei spezifische Werke exemplarisch analysiert und verglichen.
V. Schluss: Das Fazit fasst zusammen, dass das Medium Buch einen wertvollen Beitrag leistet, um Kindern die Angst vor dem Unbekannten zu nehmen und den Dialog über Tod und Trauer zu fördern.
Schlüsselwörter
Tod, Sterben, Trauerarbeit, Religionsunterricht, Grundschule, Kindliche Entwicklung, Todeskonzept, Kinderliteratur, Trauerphasen, Trauerbegleitung, Abschied, Verlust, Hoffnung, Ethik, Pädagogik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Examensarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Notwendigkeit, das Thema Sterben und Tod als Bestandteil in den Religionsunterricht der Grundschule zu integrieren.
Welche Themenfelder sind zentral für diese Arbeit?
Die Arbeit deckt die psychologische Entwicklung des kindlichen Todesverständnisses, die Bedeutung von Trauerritualen und die Analyse von Kinderbüchern als didaktisches Werkzeug ab.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, Pädagogen aufzuzeigen, wie sie Kindern durch Literatur einen geschützten Zugang zu Themen wie Verlust, Abschied und Trauer ermöglichen können.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?
Die Arbeit stützt sich auf theoretische Grundlagen aus der Psychologie (Trauerphasenmodelle) und Pädagogik sowie eine textanalytische Untersuchung von Kinderliteratur anhand spezifischer Kriterien.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung kindlicher Trauer, die schulpraktische Vorbereitung im Religionsunterricht und die detaillierte Analyse zweier ausgewählter Kinderbücher.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren den Text?
Zentrale Begriffe sind Kindliche Trauer, Religionsunterricht, Todeskonzept, Trauerbegleitung, Kinderliteratur und Sterbeprozess.
Welche Rolle spielt die Familie bei der kindlichen Trauer?
Die Familie ist die primäre Bezugseinheit; die Arbeit betont, dass Kinder aktiv in Rituale eingebunden werden sollten, statt vor der Realität „in Watte“ gepackt zu werden.
Warum ist das Buch „Leb wohl, lieber Dachs“ ein wichtiger Gegenstand der Analyse?
Das Buch dient als Beispiel für den Einsatz von Tiercharakteren, um das Thema Sterben für Kinder auf eine distanzierte, aber dennoch persönliche und tröstliche Weise zugänglich zu machen.
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- Caroline Scholz (Author), 2007, Wenn Kinder trauern - das Medium Buch als Möglichkeit der Behandlung des Themas Tod und Sterben im Religionsunterricht in der Grundschule, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/71560