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Wie eine verurteilende Drogenpolitik sich ihre eigene Klientel schafft?!

Titel: Wie eine verurteilende Drogenpolitik sich ihre eigene Klientel schafft?!

Essay , 2007 , 5 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Konrad Langer (Autor:in)

Politik - Sonstige Themen
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Aus der Einleitung:

Immer dann, wenn erschreckende Berichte von Drogentoten oder Statistiken über Beschaffungskriminalität über die Medien in die Öffentlichkeit gelangen, wird der Ruf nach einem expressiv strafenden Umgang mit Drogen und Drogendelinquenten laut. Dieser Ruf erschallt nicht nur an Stammtischen, sondern auch aus Parteizentralen oder Akademikerkreisen. Der Ökonom und Nobelpreisträger Gary Becker forderte in den 1980er und 90er Jahren in Zeitungskolumnen härtere Strafen für Verbrechen, die auf Drogeneinfluss zurückzuführen sind. Gleichzeitig plädiert er aber für die generelle Legalisierung aller Drogen. Dies solle den erwünschten (d.h. kontrollierten und besteuerten) Gebrauch fördern und nebenbei - mithilfe einer Abschreckungswirkung der hohen Strafe - die Kriminalität senken. Abgesehen davon, dass eine solche Generalprävention zwar theoretisch sinnvoll erscheint, empirisch aber bisher keine Evidenz fand, zeigt sich ein weiteres Problem dieses Konzepts – die Delinquenten selbst - woher kommen sie und wohin werden sie nach ihrer Brandmarkung durch das Gesetz gehen? Eine Antwort auf diese Fragen bietet der sog. Labeling Approach (Etikettierungstheorie), welcher unter anderem auf den Ideen des Sozialwissenschaftlers Howard S. Becker beruht....

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Wie eine verurteilende Drogenpolitik sich ihre eigene Klientel schafft?!

Etikettierungstheorie als Kritik am Strafen?

Das Gegenteil von gut ist gut gemeint.

Gibt es eine Gesellschaft ohne Schubladen?

Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht kritisch die gesellschaftlichen und individuellen Folgen einer repressiven Drogenpolitik, indem sie den "Labeling Approach" (Etikettierungstheorie) als theoretischen Rahmen nutzt, um aufzuzeigen, wie staatliche Sanktionen und gesellschaftliche Stigmatisierung abweichendes Verhalten erst verfestigen können.

  • Grundlagen und Annahmen der Etikettierungstheorie
  • Wechselwirkung zwischen Normsetzung, Stigmatisierung und Identitätsbildung
  • Analyse der "Drogenkarriere" durch das Prisma des Labeling-Ansatzes
  • Kritische Reflexion der Rolle von Medien bei der Reproduktion von Stigmata
  • Diskussion über die Möglichkeiten und Grenzen gesellschaftlicher Entstigmatisierung

Auszug aus dem Buch

Das Gegenteil von gut ist gut gemeint.

Auch eine, als typisch angesehene „Drogenkarriere“ in unserer Gesellschaft, kann durch den Etikettierungsansatz aus einer anderen Perspektive beleuchtet werden. Hierzu ein fiktives Beispiel:

- Ein 15-jähriger Schüler kommt in der Schule erstmalig mit Cannabis in Kontakt. Seine Lehrer bemerken dies und melden es den Eltern Diese bestrafen ihren Sohn und betrachten ihn von nun an kritischer.

An dieser Stelle lassen sich aus Sicht des Labeling-Ansatzes zunächst zwei Dinge herausfiltern. Zum einen die Relativität der Norm. Hätte der Lehrer das Verhalten seines Schülers auch gemeldet, wenn dieser im Kreis seiner Freunde von einem feuchtfröhlichen Wochenende mit Filmriss erzählt hätte? Vermutlich nein, denn Alkoholkonsum wird sowohl staatlich, als auch in weiten Kreisen der Gesellschaft nicht als abweichendes Verhalten betrachtet. Und dass obwohl auch durch Alkoholkonsum die schulische Leistung leiden kann. Zum anderen kann man an der veränderten Sichtweise der Bezugspersonen auf den Schüler den Anfangspunkt eines Etikettierunsprozesses ausmachen. Sein zukünftiges Verhalten wird von nun an vermutlich strenger kontrolliert und Verhaltensunregelmäßigkeiten immer in Bezug auf seine eventuelle Drogennutzung hin interpretiert. Beim Schüler hingegen können diese Reaktionen auf seinen jugendlichen Leichtsinn zur Befremdung gegenüber seinen Kontrollinstanzen führen. Erstmals kommt der Schüler eben durch jene, die es gut mit ihm meinen mit der Identität eines Devianten in Kontakt.

Zusammenfassung der Kapitel

Wie eine verurteilende Drogenpolitik sich ihre eigene Klientel schafft?!: Einleitung in die Problematik einer expressiv strafenden Drogenpolitik und Einführung des Labeling Approach als theoretisches Werkzeug.

Etikettierungstheorie als Kritik am Strafen?: Darstellung der zentralen Annahmen des Etikettierungsansatzes, bei dem soziale und rechtliche Kontrolle als Ursache für die Verstetigung abweichenden Verhaltens angesehen wird.

Das Gegenteil von gut ist gut gemeint.: Fallbeispiel eines Jugendlichen, das illustriert, wie durch gut gemeinte Interventionen ein Etikettierungsprozess in Gang gesetzt wird, der in eine echte kriminelle Karriere münden kann.

Gibt es eine Gesellschaft ohne Schubladen?: Erörterung der theoretischen Möglichkeiten und praktischen Schwierigkeiten, Stigmatisierungsprozesse zu unterbinden, inklusive eines Vorschlags zur Verantwortung der Massenmedien.

Fazit: Kritische Würdigung der Theorie bei gleichzeitigem Anerkennen ihrer Bedeutung für die Dekonstruktion konventioneller Anschauungen von Devianz.

Schlüsselwörter

Labeling Approach, Etikettierungstheorie, Drogenpolitik, Devianz, Stigmatisierung, Normen, Sozialisation, Kriminalisierung, Selbstwahrnehmung, Fremdwahrnehmung, Sanktionen, Cannabis, Drogenkarriere, Medien, Alltagstheorien

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert kritisch, wie eine repressive Drogenpolitik und gesellschaftliche Vorurteile unfreiwillig dazu beitragen können, Menschen in kriminelle Karrieren zu drängen.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Die zentralen Felder sind die Etikettierungstheorie, die Dynamik von Stigmatisierungsprozessen, die Konstruktion von Devianz durch gesellschaftliche Instanzen sowie der Einfluss der Medien auf die Wahrnehmung von Drogenkonsumenten.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, die konventionelle Sichtweise auf Delinquenz infrage zu stellen und aufzuzeigen, wie Reaktionen auf abweichendes Verhalten dieses oft erst verstärken oder verfestigen.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Es handelt sich um eine essayistische Auseinandersetzung, die theoretische Ansätze (Labeling Approach) auf ein fiktives Beispiel anwendet, um gesellschaftliche Zusammenhänge zu illustrieren.

Was wird im Hauptteil der Arbeit thematisiert?

Der Hauptteil befasst sich mit der theoretischen Herleitung des Labeling-Ansatzes, der praktischen Illustration anhand eines Drogenkonsum-Beispiels sowie der Frage, inwieweit eine Gesellschaft ohne soziale Stigmatisierung überhaupt denkbar ist.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe sind Labeling Approach, Devianz, Stigmatisierung, soziale Kontrolle und die Rolle der Massenmedien als Sozialisationsinstanzen.

Warum wird im Text das Beispiel eines Schülers mit Cannabis gewählt?

Das Beispiel verdeutlicht, wie eine zunächst informelle Sanktionierung (durch Lehrer und Eltern) bei jugendlichem Verhalten den Grundstein für eine dauerhafte Identitätsänderung und den Einstieg in eine „Drogenkarriere“ legen kann.

Welchen Einfluss schreibt der Autor den Massenmedien zu?

Der Autor sieht Massenmedien als wichtige Sozialisationsagenten, die durch ihre Art der Berichterstattung Stigmata gegenüber Minderheiten und Drogenkonsumenten produzieren oder verstärken können.

Wie bewertet der Autor die Praktikabilität der Etikettierungstheorie?

Er räumt ein, dass die Theorie wissenschaftlich kritikwürdig und empirisch schwer zu belegen ist, betont jedoch ihre hohe Bedeutung als gesellschaftskritisches Instrument, um den „Blick auf den Kopf zu stellen“.

Ende der Leseprobe aus 5 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Wie eine verurteilende Drogenpolitik sich ihre eigene Klientel schafft?!
Hochschule
Universität Leipzig  (Institut für Politikwissenschaft)
Note
1,3
Autor
Konrad Langer (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2007
Seiten
5
Katalognummer
V71571
ISBN (eBook)
9783638632232
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Drogenpolitik Labeling Approach Etikettierungstheorie
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Konrad Langer (Autor:in), 2007, Wie eine verurteilende Drogenpolitik sich ihre eigene Klientel schafft?!, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/71571
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  5  Seiten
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