Die Arbeit handelt vom Zusammenhang von Politik und Sprache, politischer Rhetorik, Werbe- und Propagandasprache. Letzteres wird am Beispiel eines agitativen Textes von Reichspropagandaminister Goebbels analysiert. Desweiteren handelt die Arbeit von Regeln der "Political Correctness" in den USA und Deutschland.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Was ist politische Sprache?
2. Der Einfluss von Sprache auf das öffentliche Leben
2.1 Sprache der Politik
2.1.1 Rolle und Stellenwert von Sprache in der Politik
2.1.2 Die Politikersprache
2.1.3 Ansatzpunkte für eine Textanalyse
2.2 Politische Rhetorik
2.3 Politische Werbung und Werbesprache
2.4 Propaganda und Agitation
2.4.1 Propaganda und Sprache im Nationalsozialismus
2.5 Politische Korrektheit: Sprachzensur oder Minderheitenschutz?
2.5.1 Was ist „Political Correctness“?
2.5.2 Politische Korrektheit in Deutschland
3. Schlussbemerkungen
3.1 Ergänzende und abschließende Ausführungen zur Politiksprache
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die vielschichtigen Formen und Funktionen politischer Sprache als Instrument des Handelns, der Manipulation und der Inszenierung. Im Zentrum steht die kritische Diagnose, wie sprachliche Mittel in verschiedenen politischen Kontexten, von der Rhetorik bis zur Propaganda, eingesetzt werden, um Machtansprüche zu festigen und Meinungsbildung zu beeinflussen.
- Stellenwert von Sprache in der Politik und Politikersprache
- Methoden der linguistischen Textanalyse politischer Kommunikation
- Politische Rhetorik und Werbesprache in modernen Demokratien
- Propaganda, Agitation und historische Beispiele aus dem Nationalsozialismus
- Diskurs um "Political Correctness" als Instrument des Minderheitenschutzes oder der Sprachzensur
Auszug aus dem Buch
2.4.1 Propaganda und Sprache im Nationalsozialismus
Heute ist unbestritten, dass es den Nationalsozialisten ohne Propaganda nicht möglich gewesen wäre ihr „Drittes Reich“ zu errichten. Sie setzten auf die Primitivität der Sprache, eine Ursprünglichkeit der Ausdrucksform und die Anwendung leicht verständlicher Beispiele. In der NS-Propaganda hatte die Sprache eine sehr große Bedeutung, sie wurde zum Mittel der Menschenbeherrschung. Mit einem rhetorischen und sprachlichen „Spagat“ gelang es Massenmord mit Wohlanständigkeit zu verbinden. (vgl. Beißwenger 2000, S. 11 f.)
Im Folgenden werde ich einige Besonderheiten der NS-Propaganda am Beispiel von Aussagen Joseph Goebbels in seinen Reden aufzeigen. Zuerst sind hier eine Reihe von Lexikalisch-semantischen Auffälligkeiten zu nennen. So konstruierte Goebbels zum Beispiel Gegensätze, die zu innerer Geschlossenheit im Volk führten (siehe Abb. 2 im Anhang). Des weiteren versuchte er durch Globalisierung eine Polarisierung zu schaffen, indem er das Adjektiv „international“ sehr oft verwendete (z.B. „internationaler Welthochfinanz“ (Beißwenger 2000, S. 20)) und übermäßig viele Komposita auf Welt- ... bildete (z.B. „Weltjudenheit“1 und „Weltfeind“ (vgl. Beißwenger 2000, S. 20)). Um seinen Aussagen ein ganz besonderes Gütesiegel zu verpassen, gebrauchte Goebbels die Adjektive „historisch“ und „geschichtlich“ (z.B. „historische Freude“ (Beißwenger 2000, S. 21) oder „weltgeschichtlich“ (Beißwenger 2000, S. 22)).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in den Forschungsbereich "Sprache in der Politik" ein und definiert politische Sprache als essenzielles Mittel demokratischen Handelns, wobei der Fokus von der rein manipulativen Betrachtung hin zur kritischen Diagnose verschoben wird.
2. Der Einfluss von Sprache auf das öffentliche Leben: Das Kapitel analysiert die verschiedenen Facetten politischer Kommunikation, von der Rhetorik über die Werbesprache bis hin zu extremen Formen wie der nationalsozialistischen Propaganda und den Debatten um "Political Correctness".
3. Schlussbemerkungen: Der abschließende Teil reflektiert die Entwicklung der politiksprachlichen Forschung in Deutschland und hinterfragt die Rolle von Strategien sowie die mediale Inszenierung in der heutigen Politikverdrossenheit.
Schlüsselwörter
Politische Sprache, Politikersprache, Rhetorik, Propaganda, Agitation, politische Kommunikation, Textanalyse, Nationalsozialismus, Political Correctness, Sprachwissenschaft, Manipulation, Inszenierung, Machtanspruch, öffentliche Meinung, Demokratie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das komplexe Verhältnis zwischen Sprache und Politik, analysiert die Funktionen politischer Kommunikation und beleuchtet die strategische Verwendung von Sprache zur Machtausübung und Meinungslenkung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Rolle des Politikers als Kommunikator, rhetorische Strategien, den Einsatz von Werbetechniken in der Politik, historische Propagandamethoden sowie die aktuelle Debatte um politisch korrekte Sprachregelungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist eine sprachwissenschaftliche, kritische Diagnose des politischen Sprachgebrauchs, um zu verstehen, wie und mit welchen sprachlichen Mustern politische Ziele und ideologische Normen vermittelt werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein textlinguistischer und pragmatischer Ansatz verfolgt, der Wörter und Begriffe in ihren situativen und institutionellen Kontext einbettet, um die Handlungsstruktur politischer Texte zu erschließen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in Analysen zur Politikersprache, die Anwendung rhetorischer Mittel, die Parallelen zwischen politischer und kommerzieller Werbung, die psychologische Tiefe von Propaganda sowie den gesellschaftlichen Diskurs über Sprachzensur.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören politische Sprache, Manipulation, Rhetorik, Propaganda, Machtanspruch, Inszenierung und der Diskurs über Political Correctness.
Wie unterscheidet sich die nationalsozialistische Propaganda sprachlich?
Die Arbeit stellt heraus, dass die NS-Propaganda gezielt auf Primitivität und einprägsame Schlagwörter setzte, um durch polarisierende Gegensätze und eine metaphorische Sprache das Volk ideologisch zu überwältigen.
Wie wird "Political Correctness" bewertet?
Der Autor stellt dar, dass "Political Correctness" einerseits als notwendiger Minderheitenschutz zur Vermeidung von Diskriminierung gesehen wird, andererseits als potenzielles Instrument zur Einschränkung der freien Rede durch Sprachregelung kritisiert wird.
- Quote paper
- Ingo Stechmann (Author), 2001, Der Zusammenhang von Sprache und Politik - Formen politischer Rhetorik, Werbe- und Propagandasprache, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/71603