Exegese zu Matthäus 22, 1-14 "Das königliche Gastmahl"


Quellenexegese, 2002

24 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Hinführung
1.1 „Das königliche Gastmahl“ oder „Die königliche Hochzeit“!?
1.2 Struktur des Textes
1.3 Einordnung des Textes

2. Gleichnis - Exegese
2.1 Gattungsbestimmung
2.2 Analyse des bildinternen Erzählgefälles
2.3 Rekonstruktion der Sprachkonvention
2.4 Erschließung des thematischen Bezugsrahmens
2.5 Textpragmatik

3. Schlussbemerkungen
3.1 Zusammenfassende Exegese

Anhang
a) Text des Gleichnisses Mt 22, 1-14
b) Struktur des Gleichnisses

Literaturverzeichnis
Primärliteratur
Hilfsmittel
Kommentare
Sekundärliteratur

1. Hinführung

Im Zentrum der folgenden Exegese steht das Gleichnis[1] vom „königlichen Gastmahl“ (Mt. 22,1-14). Dieses Gleichnis wird des öfteren auch als Gleichnis von der „königlichen Hochzeit“ oder als Gleichnis vom „Hochzeitsmahl“ bezeichnet. Inhaltlich ist sicherlich keiner der Namen falsch. Um dies zu zeigen und um die Basis für weitere Arbeit zu schaffen, sollte zunächst der Text des Gleichnisses betrachtet werden (s. Anhang).

1.1 „Das königliche Gastmahl“ oder „Die königliche Hochzeit“!?

Das Gleichnis vom „königlichen Gastmahl“ bzw. von der „königlichen Hochzeit“ wird in unterschiedlicher Weise gewichtet und gegliedert. Bereits die Titel lassen erkennen, dass unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt werden können, die Hochzeit oder das Mahl. Die unterschiedlichen Bezeichnungen rühren jedoch auch daher, dass dieses Gleichnis im Neuen Testament zweimal vorkommt. Einmal handelt es sich dabei um einen Hausherrn, der zu einem festlichen Mahl einlädt (Lk 14,15-24), beim anderen Mal wird der Hausherr zum König der zur Hochzeitsfeier seines Sohnes lädt (Mt 22, 1-14).[2] Im Hinblick auf die Deutung des Gleichnisses wird auch oft die Bezeichnung „Das große Abendmahl“ verwendet. Neben den biblischen Schriften ist dieses Gleichnis aber auch noch im Thomas- Evangelium (Th Ev 64) zu finden. Alle drei Fassungen sind zwar verschieden, gehen aber vermutlich auf den gleichen Urtext zurück[3] Aber auch bezüglich der Matthäus- Fassung gibt es unterschiedliche Ansätze. Hier sind nicht nur Unterschiede im Erfassen des Inhalts, sondern vor allem die Struktur betreffend unterschiedliche Ansätze zu finden. So werden des öfteren lediglich die Verse Mt 22, 1-10 als das eigentliche Gleichnis bezeichnet und die restlichen Verse ausgespart.[4] Dies erscheint daher logisch, dass diese ersten zehn Verse die beiden Einladungsversuche und deren jeweilige unmittelbare Folgen enthalten. In diesem Zusammenhang tritt dann auch manchmal wieder eine andere Betitelung in Erscheinung: Die Einladung zum Gastmahl.[5] Andere, die sich mit dem Gleichnis beschäftigt haben, sehen wiederum gerade Vers 14 als zentral an. Dies ist dann verständlich, wenn man die Aussage dieses Verses als Schlussfolgerung aus den Versen 1-10 ansieht.[6] Einen wieder anderen Schwerpunkt setzt Eta Linnemann. Sie sieht Mt. 22, 2-14 als das eigentliche Gleichnis an.[7] Das Auslassen des ersten Verses ist möglicherweise damit zu begründen, dass dieser nur eine Art Überleitung zum vorangegangenen Text darstellt. Meines Erachtens ist der Rest jedoch nur dann gut zu verstehen, wenn man die Einleitung vorwegnimmt, die deutlich macht, dass es sich im Folgenden um Jesus-Worte handelt. Ich möchte in dieser Exegese das Gleichnis in der „Komplettfassung“ (Mt 22, 1-14) betrachten und im folgenden Unterkapitel versuchen den Text in Sinnabschnitte zu gliedern.

1.2 Struktur des Textes

Wie bereits oben erwähnt, kann der Gleichnis- Text verschieden begrenzt und strukturiert werden. Nimmt man jedoch die oben benannten Beispiele zusammen, erhält man eine recht sinnvolle Gesamtgliederung. So kann man meiner Meinung nach grob zuerst zwei Teile unterscheiden. Teil 1 stellen hierbei die Verse 3-10 dar, in denen die Einladungen zum Gastmahl und die Reaktionen der Eingeladenen beschrieben werden. Den zweiten Teil bilden dann die Verse 11-13, die eine bestimmte Situation des Gastmahls herausgreifen. Teil 1 muss dann weiter untergliedert werden in den Abschnitt der „Ersten Einladung“ (Verse 2-7) und den Abschnitt der „2. Einladung“ (Verse 8-10). Die erste Einladung ergeht dabei zweifach. Zuerst werden die Hochzeitsgäste durch Boten (Knechte) geladen und lehnen ab (Vers 3). Danach erfolgt erneut die Einladung an die gleichen Gäste mit einer genauen Beschreibung der bereits getroffenen Vorbereitungen und einem bittenden (oder fordernden) Abschluss (Vers 4). Daraufhin lehnen die Gäste wiederum ab und verschwinden (Vers 5). Vers 6 kann gleichzeitig zu Vers 5 betrachtet werden, da hier einige der Eingeladenen beschrieben werden, die die Boten ergriffen und töteten. Vers 7 beschreibt schließlich des Königs Rache. In Vers 8 und 9 gibt der König dann seine Anweisungen zum weiteren Vorgehen. Er fordert die Knechte auf, alle einzuladen, die sie auf der Straße finden Vers 10 schildert letztlich den Vollzug dieser Forderung, der zur letztlich anwesenden Hochzeitsgesellschaft führt. Grob gesagt können also die Verse 2-10 als „Einladung zum Festmahl“ bezeichnet werden. Diese könnte man grob gliedern in „1. (misslungene) Einladung (Vers 3-7)“, welche wiederum in den „1. Versuch“ (Vers 3) und den „2. Versuch“ (Vers 4-6) sowie „Reaktion (Rache) des Königs“ (Vers 7) und „Schlussfolgerung“ (Vers 8) einzuteilen ist, und in „2. (gelungene) Einladung“ (Vers 9-10), wobei hier Vers 9 die „Aufforderung“ und Vers 10 die „Durchführung“ darstellt. Die Verse 11-13 bilden den zweiten größeren Teil, den man als „Gastmahl“ oder vielleicht genauer als „Vorfall während des Gastmahls“ bezeichnen könnte. Dieser Teil kann in „Sichtung der Gäste“ (Vers 11) und „Entdeckung und Ausschluss eines Unwürdigen“ (Vers 12-13) gegliedert werden. Nun sind also zwei große Teile erkennbar geworden. Der eine erzählt mehr oder weniger die Vorgeschichte des Gastmahls, der andere einen Ausschnitt aus dem eigentlichen Mahl. Was passiert jedoch mit den Randversen 1, 2 und 14. Vers 1 muss meiner Meinung nach ganz klar außen vorgelassen werden, da es sich bei ihm um die Einleitung handelt, die nicht in direktem Bezug zum Gleichnis steht, ohne die jedoch auch das Gleichnis nicht als Bildwort Jesu erkennbar wäre (s.o). Vers 14 als Endvers hat meines Erachtens auch eine besondere Bedeutung, da er eine Art „Schlussfolgerung oder Lehrsatz“ in Bezug auf das Ganze darstellt. Besonders zu bemerken ist hierbei, dass sich dieser Vers sowohl an Vers 13 und somit an den zweiten großen Abschnitt als auch an Vers 10 anschließen könnte. Die Lehre, dass alle berufen sind, aber nur wenige auserwählt, kann sich auf die nicht angenommene Einladung genauso beziehen wie auf die nicht gemäße Erscheinung des Gastes. Daraus kann man folgern, dass beide Teile womöglich auch voneinander unabhängig gesehen werden und zur gleichen Lehre führen könnten. Warum habe ich aber den zweiten Vers ausgegliedert? Vers 2 enthält meines Erachtens nach Vers 1, der ein Jesuwort ankündigt ganz klar die Ansage für ein Bildwort, da hier Sach- und Bildebene gegenübergestellt werden. Das Himmelreich als Sache wird dem Bild „König richtet seinem Sohn die Hochzeit aus“ gegenübergestellt. Vers 1 und 2 könnten demnach auch gemeinsam als „Einleitung“ verstanden werden, wenn Vers 2 nicht bereits einen Teil der für den ersten großen Teil (2-10) nötigen Information enthalten würde. Ich würde ihn also aufgrund seiner besonderen Funktion ausgliedern, bin mir aber bewusst, dass er auch zwangsläufig zum Teil, den ich „Einladung“ genannt habe, dazugehört. Die hier beschriebene Struktur habe ich im Anhang zu dieser Arbeit anschaulich werden zu lassen.

1.3 Einordnung des Textes

Die hier vorliegende Version des Textes stammt aus dem Matthäusevangelium.

„Evangelium“ bedeutet so viel wie „Gute Nachricht“. Es geht also um die Gute Nachricht von Jesus Christus nach Matthäus.[8] Doch wer war Matthäus? Man geht heute davon aus, dass es sich bei Matthäus um einen der Zwölf handelte, die Jesus bei seinem Dienst unterstützten. Matthäus soll dabei Levi entsprechen, der aus einem verachteten Beruf (Zöllner) auserwählt wurde, um Jesus zu folgen.[9] Dabei kann es sich jedoch nur um Hypothesen handeln, da sich der Autor nicht zu erkennen gibt. Außerdem erscheint es als nicht wahrscheinlich, dass ein Augenzeuge das Markus- Evangelium als Vorlage benutzt hätte.[10] Hier kommt die Zwei-Quellen-Theorie ins Spiel, die davon ausgeht, dass bereits kurz nach dem Tod Jesu zwei Gemeinden und somit zwei Ausformungen über die Jesuworte entstanden. Als erster schrieb Markus ein Evangelium, also eine Erzählung über das Leben Jesu. Er gliederte es in „Öffentliches Wirken Jesu in Galiläa“, „Wanderungen“ und „Leiden und Tod Jesu in Jerusalem“. Lukas und Matthäus überarbeiteten das Markus- Evangelium und fügten weiteres gemeinsames Gut aus einer weiteren Quelle (Q) hinzu. Diese weiteren Textteile verarbeiteten sie jedoch auf unterschiedliche Art und Weise. Während man früher davon ausging, dass es zwei unterschiedliche Urtexte für das hier zu Grunde liegende Gleichnis und der Fassung des Lukas- Evangeliums geben muss[11], da die Unterschiede so gravierend zu sein scheinen, vermutet man heute, dass der Stoff doch eben aus dieser gemeinsamen Quelle Q stammt (s. dazu auch 2.3). Lukas und Matthäus verwenden des weiteren beide sogenanntes „Sondergut“ aus dem Kreis ihrer Gemeinden.[12] Nun aber zurück zum Gleichnis vom „königlichen Gastmahl“ nach Matthäus. Dieses ist der vorgeschlagenen Aufteilung in der Luther- Bibel zur Folge dem Abschnitt „Auseinandersetzungen“ (Kap. 21-23) im Matthäus- Evangelium zuzuordnen. Es ist somit nicht dem Abschnitt „Gleichnisse“ (Kap. 13) zuzurechnen. In der Bibelkunde von Preuß und Beger[13] kann man jedoch auch eine andere Einteilung finden. Dort ist das Gleichnis zwar ebenfalls nicht dem Abschnitt „Gleichnisse über das Reich Gottes“ (Kap. 13) zugeordnet, aber den Bereich, in dem das Gleichnis bei Matthäus zu finden ist, nennt man hier „messianisches Lehren“. Dies ordnen die Autoren dem Unterabschnitt „Jesus in Jerusalem“ (Kap. 21-27) zu. Zuvor (Kap. 21) wird Jesus Einzug nach Jerusalem mit den damit verbundenen Wundertaten (Tempelreinigung und verdorrter Feigenbaum) sowie der anschließenden Frage des Volkes nach Jesu Vollmacht im Matthäus- Evangelium beschrieben. Ab Kapitel 21, Vers 28 bis Kapitel 22, Vers 14 folgen dann drei Gleichnisse. Die ersten zwei (Von den ungleichen Söhnen/ Von den bösen Weingärtnern) nennen Preuß und Berger[14] „messianisches Handeln“, das letzte jedoch (Gastmahl) bezeichnen sie als „messianisches Lehren“. Das erscheint dann logisch, wenn man dieses Gleichnis als Weiterführung der beiden vorangegangenen ansieht, mit deren Hilfe eine letztendliche Lehre formuliert wird: „Viele sind berufen, aber wenige sind auserwählt.“ (Mt 22, 14)[15] Direkt nach der Lehre des hier bearbeiteten Gleichnisses folgen noch im gleichen Kapitel die Auseinandersetzungen mit den Pharisäern (Steuer-, Auferstehungs-, Gebots- und Davidssohnfrage). Anschließend kommt es zur Ankündigung des Gerichts (Kap. 23-25) und zu Leiden und Tod (Kap. 26-27), um schließlich mit den Ostergeschichten (Kap. 28) das Matthäus- Evangelium abzuschließen.[16] Im nun folgenden Hauptteil dieser Arbeit möchte ich zur Gleichnis- Exegese am konkreten Text (Mt 22, 1-14) übergehen.

[...]


[1] Gleichnis ist hier noch im weiteren Sinn zu verstehen. Eine genauere Einordnung erfolgt im Unterkapitel 2.1

[2] vgl. Mánek (1977), S. 62

[3] vgl. Steiner (1979), S. 204

[4] vgl. ebd., S. 204

[5] vgl. Mánek (1977), S. 60

[6] vgl. Kürzinger (1980), S. 62

[7] vgl. Linnemann (1978), S. 94

[8] vgl. Gantt (2001), S. 165 f.

[9] vgl. ebd., S. 172

[10] vgl. Schnelle (1998), S. 324 ff.

[11] vgl. Luz (1997), S. 232

[12] vgl. Kaldewey (1984), S. 90 f.

[13] Preuß (1997), S. 248

[14] ebd, S. 248

[15] vgl. ebd., S. 259

[16] vgl. ebd., S. 248

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Exegese zu Matthäus 22, 1-14 "Das königliche Gastmahl"
Hochschule
Pädagogische Hochschule Heidelberg  (Theologisch-Philosophisches Seminar)
Veranstaltung
Fachwissenschaftliches Hauptseminar
Note
1,0
Autor
Jahr
2002
Seiten
24
Katalognummer
V71607
ISBN (eBook)
9783638809153
ISBN (Buch)
9783668102927
Dateigröße
579 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Exegese untersucht nach den bekannten wissenschaftlichen Regeln das Gleichnis vom königlichen Gastmahl unter Berücksichtigung von Gattung, Erzählgefälle, Sprachkonventionen, Textpragmatik usw. Sie schließt mit einer knappen und übersichtlichen Zusammenfassung.
Schlagworte
Exegese, Matthäus, Gastmahl, Fachwissenschaftliches, Hauptseminar
Arbeit zitieren
Ingo Stechmann (Autor), 2002, Exegese zu Matthäus 22, 1-14 "Das königliche Gastmahl", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/71607

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